KULAP Streuobst – Erschwerte Unternutzung
Streuobst – Erschwerte Unternutzung (KULAP K78)

Streuobstwiese

K78 - Streuobst – Erschwerte Unternutzung

Gefördert wird die erschwerte Bewirtschaftung unter bestehenden oder neu gepflanzten Streuobstbäumen auf landwirtschaftlich genutzter Fläche. Förderfähig sind Streuobstbäume mit einer Stammhöhe von mindestens 140 cm (gemessen ab Mittelastlinie des ersten Seitenastes). Geförderte Streuobstbäume müssen mindestens einen Kronendurchmesser von 3 m erreichen. Zu Streuobst zählen Einzelbäume, kleine Baumgruppen, Baumzeilen entlang von Wegen und Straßen sowie extensiv genutzte Streuobstbestände. Förderfähige Baumarten können der Liste unter I. Anlagen des Merkblatts entnommen werden. Streuobstbäume, die sich in einem Landschaftselement "Hecke" oder "Feldgehölz" oder in einem Agroforststreifen befinden, sind nicht förderfähig. Die Förderung der Pflege von Streuobstbäumen, die in der Maßnahme K78 gefördert werden, kann über die Maßnahme I82 "Streuobstpflege" erfolgen. Weitere Hinweise finden Sie im Merkblatt.

Lebensraum

Streuobst stellt eine Kombination aus locker stehenden Bäumen und einem (artenreichen) Unterwuchs statt. Das sorgt kleinräumig für ein Mosaik an unterschiedlichen Lebensräumen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Die Bäume mit Rindenstrukturen und unterschiedlich großen Spalten und Höhlen bieten Unterschlupf und Verstecke für Insekten aber auch Nistgelegenheiten für Vögel aber auch für Säugetiere. Durch die verschiedenen Obstarten in Kombination mit der Wiese darunter gibt es über viele Wochen ein reiches Blütenangebot für Bienen, Schmetterlinge und andere bestäubende Insekten. Für die Überwinterung bieten sich je nach Art die Bäume oder der unbearbeitete Boden an. Dauerhafte Lebensräume
Orchidee auf einer Streuobstwiese

Streuobst in Mittelfranken.Foto:S. Heinz

Streuobstwiese - spät gemäht

Streuobst mit später Mahd. Foto: S.Heinz

Streuobstbestand am Scharlachberg.

Streuobstbestand am Scharlachberg.Foto: S.Heinz

Streuobstbestand

Reifende Äpfel. Foto: T. Bozem

Zielgerichtete Planung mit Mehrwert

Kombination mit Altgrasstreifen
Während der Mahd bieten stehen gelassene Altgrasstreifen einen sicheren Rückzugsraum für Wirbeltiere und Insekten. Gräser und Kräuter setzen Samen an, die als Nahrung dienen und das Angebot im artenreichen Grünland zusätzlich bereichern. Zahlreiche blütenbesuchende Insekten benötigen für die Eiablage oder die Überwinterung hohe Grasbestände, abgestorbene Pflanzenstängel oder Brachflächen. So legt der in artenreichen Wiesen häufig vorkommende Schachbrettfalter (Melanargia galathea) seine Eier in hochwüchsigen Grasbeständen ab, wo sie auch überwintern. Auch die Bunthummel (Bombus sylvarum) nutzt Altgrasstreifen für den Nestbau.
Neben Altgrasstreifen können auch naturnahe Böschungen und angepasste Mahdkonzepte für die Ränder der Feldwege für geeignete Nistplätze sorgen.

Altgrasstreifen/-flächen in Dauergrünland (Ökoregelung 1d)

Kombination mit biodiversitätsschonender Mahd
Bei der Mahd nimmt der Einsatz entsprechender Technik, aber auch die Fahrtgeschwindigkeit und Mahdrichtung entscheidenden Einfluss auf das Überleben von Insekten und auch von Wirbeltieren. Viele Insekten sterben im Aufbereiter. Wird bei günstiger Witterung der Aufbereiter abgeschaltet, leistet das einen großen Beitrag zur Artenvielfalt, ohne Verluste beim Ertrag und ohne zusätzliche Kosten. Einen Überblick über Maßnahmen der biodiversitätsschonenden Mahd gibt der "Mäh-Knigge".

Mäh-Knigge: Handlungsempfehlungen zur tierschonenden Mahd Externer Link

Streuobstpflege
Auch Streuobstbäume benötigen einen fachgerechten Schnitt, um über lange Zeit gesunde Früchte zu tragen. Die Förderung der Pflege von Streuobstbäumen, die in der Maßnahme K78 gefördert werden, kann über die Maßnahme I82 "Streuobstpflege" erfolgen. Geht kein Risiko für Erkrankungen von absterbenden Altbäumen aus, können einzelne tote Bäume den Lebensraum durch Totholz noch wertvoller machen. Ein gemischter Bestand aus alten Bäumen mit tief gekerbter Rinde und Baumhöhlen, Bäumen im mittleren Alter mit hohem Fruchtertrag und jungen Bäumen sorgt langfristig für einen wertvollen Lebensraum.
Kombination mit Gehölzstrukturen und Säumen
Streuobst kann durch Kombination z.B. mit Hecken, Feldsäumen z.B. Erosionsschutzstreifen (K50) oder Biodiversitätsstreifen (K51) auf benachbarten Ackerflächen oder artenreichen Grünlandflächen (z.B. ÖR5) zur Vernetzung von Lebensräumen beitragen, so dass z.B. die Wanderung von Tagfaltern oder anderen Insekten oder auch Vögeln ermöglicht wird.

Arten, die von Streuobst profitieren können

Gartenrotschwanz

Gartenrotschwanz. Foto: C. Moninig

ockerfarbener Käfer mit grünem Kopf

Buntfarbener Putzläufer (Anchomenus dorsalis)

Großes Ochsenauge (Tagfalter)

Großes Ochsenauge (Maniola jurtina) (Foto: S. Heinz)

Bläuling auf Hornklee

Hornklee (Lotus corniculatus). Foto: S.Heinz

Witwenblume (Knautia arvensis). Foto. S. Heinz

Witwenblume (Knautia arvensis). Foto. S. Heinz

Säugetiere

  • Mauswiesel

Vögel

  • Bluthänfling
  • Feldsperling
  • Gartenrotschwanz
  • Neuntöter

Krichtiere

  • Zauneidechse

Heuschrecken

  • Gemeine Sichelschrecke
  • Bunter Grashüpfer
  • Rote Keulenschrecke

Laufkäfer

  • Buntfarbener Putzläufer
  • Körnerwanze
  • Goldschmied
  • Metallfarbener Schnelläufer

Hautflügler

  • Gelbbindige Furchenbiene
  • Steinhummel
  • Bunthummel
  • Blauschwarze Holzbiene
  • Mai-Langhornbiene
  • Knautien-Sandbiene

Wiesenkräuter

  • Wiesen-Glockenblume
  • Wiesen-Flockenblume
  • Wiesen-Pippau
  • Wilde Möhre
  • Karthäuser-Nelke
  • Echtes Labkraut
  • Wiesen-Witwenblume
  • Gewöhnlicher Hornklee
  • Kleine Braunelle
  • Wiesen-Salbei
  • Großer Wiesenknopf
  • Gamander-Ehrenpreis
  • Kleiner Odermennig
  • Gewöhnlicher Dost