KULAP Altgrasstreifen
Anlage von Altgrasstreifen (KULAP B42)

Altgrasstreifen am Waldrand

Altgrasstreifen am Waldrand
Foto: Ph. Bozem

B42 – Anlage von Altgrasstreifen

Ziel ist die Schaffung von Lebensräumen für Wildtiere. Gefördert wird der Erhalt von ganzjährigen Altgrasstreifen/-flächen auf 5 % bis 20 % der Fläche. Die Lage des Altgrasstreifens darf zwischen den Schnittnutzungen in einem Verpflichtungsjahr nicht wechseln. Nach dem 31. Dezember bis Vegetationsbeginn kann der Aufwuchs aus dem Vorjahr entfernt oder zerkleinert werden. Förderfähig sind Wiesen und Mähweiden, auch soweit sie neu eingesät sind (NC 441, 442, 451, 452).

Lebensraum

Stehen gelassene Altgrasstreifen bieten einen Flucht- und Rückzugsraum für Insekten und kleine Wirbeltiere während der Mahd. In den ersten Tagen nach der Mahd bieten die Streifen Deckung und Nahrung. Gräser und Kräuter können Samen ansetzen, die als Nahrung dienen. Bleiben die Streifen bis zum nächsten Frühsommer stehen, bieten sie sichere Überwinterungs- und Fortpflanzungsstätten. Schmetterlinge wie das Schachbrett benötigen alte Grashalme für die Eiablage. Die Jugendstadien überwintern im Altgras. Alte Grashorste dienen auch Wildbienen als Schutz beim Nestbau. Saisonaler Lebensraum.
Altgrasstreifen im Winter.

Altgrasstreifen im Winter
Foto: Ph. Bozem

Flockenblume, mit Rauhreif überzogen.

Flockenblume, mit Rauhreif überzogen
Foto: S. Heinz

Florfliege an einem Fruchtstand der Wilden Möhre.

Fruchtstand der Wilden Möhre

Grasbüschel im Altgrasstreifen.

Gräserhorste im Dezember

Zielgerichtete Planung mit Mehrwert

Kombination mit artenreichem Grünland
Im artenreichen Grünland sind Altgrasstreifen besonders wertvoll. Während der Mahd bieten stehen gelassene Altgrasstreifen einen sicheren Rückzugsraum für Wirbeltiere und Insekten. Gräser und Kräuter setzen Samen an, die als Nahrung dienen und das Angebot im artenreichen Grünland zusätzlich bereichern. Zahlreiche blütenbesuchende Insekten benötigen für die Eiablage oder die Überwinterung hohe Grasbestände, abgestorbene Pflanzenstängel oder Brachflächen. So legt der in artenreichen Wiesen häufig vorkommende Schachbrettfalter (Melanargia galathea) seine Eier in hochwüchsigen Grasbeständen ab, wo sie auch überwintern. Auch die Bunthummel (Bombus sylvarum) nutzt Altgrasstreifen für den Nestbau.
Die Kombination von artenreichem Grünland und Altgrasstreifen deckt so die Lebensraumansprüche zahlreicher Tiere für Nahrung, Unterschlupf und Fortpflanzung komplett ab.
Platzierung von Altgrasstreifen
Altgrasstreifen sind besonders in großen Schlägen wichtig, da hier für Insekten und kleine Wirbeltiere ein Wechsel in Nachbarflächen, um der Mahd zu entgehen, kaum möglich ist. Sie können an Schlagrändern zum Beispiel entlang von Gräben, Zäunen, Wegrändern oder Böschungen und Gehölzen platziert werden. Hier bilden sie Übergänge und können Strukturen vernetzen.
Besonders in großen Schlägen können mehrere Streifen mit Abständen < 30 m sinnvoll sein.
Kombination mit biodiversitätsschonender Mahd
Bei der Mahd nimmt der Einsatz entsprechender Technik, aber auch die Fahrtgeschwindigkeit und Mahdrichtung entscheidenden Einfluss auf das Überleben von Insekten und auch von Wirbeltieren. Bei der Mahdrichtung sollte so vorgegangen werden, dass den Tieren die Flucht in den Altgrasstreifen ermöglicht wird. Viele Insekten sterben im Aufbereiter. Wird bei günstiger Witterung der Aufbereiter abgeschaltet, leistet das einen großen Beitrag zur Artenvielfalt, ohne Verluste beim Ertrag und ohne zusätzliche Kosten. Einen Überblick über Maßnahmen der biodiversitätsschonenden Mahd gibt der "Mäh-Knigge".

Mäh-Knigge: Handlungsempfehlungen zur tierschonenden Mahd (LfL-Information)

Pflanzenbau
Um eine sichere Überwinterung von Insekten und kleinen Wirbeltieren zu gewährleisten, sollte die Vegetation der vorjährigen Altgrasstreifen nach Möglichkeit erst im Juni zum Beispiel beim ersten bzw. zweiten Schnitt entfernt werden. Das geht allerdings nur, wenn der Streifen verschoben wird, d. h. keine Überschneidung zwischen dem Streifen des Vorjahres und dem aktuellen Streifen besteht. Dabei muss darauf geachtet werden, dass das Mähgut abgefahren und genutzt wird, zum Beispiel als Einstreu oder Futter. Ein reines Zerkleinern des Aufwuchses und ein Verbleiben auf der Fläche ist dagegen nicht möglich (sonst NC 592 "Dauergrünland aus der Erzeugung genommen" nicht zulässig mit B42).
Der Altgrasstreifen kann auch über mehrere Jahre völlig unbearbeitet an der gleichen Stelle bleiben. Er darf allerdings nicht verbuschen. Eine zu lange Brachephase führt im Grünland zum Verlust der typischen Grünlandvegetation, verringert die Artenzahl und fördert die Verbuschung. Altgrasstreifen jedes oder oder jedes zweite Jahr im Schlag an einer anderen Stelle anzulegen ist also sinnvoll. Der Streifen kann beispielsweise jeweils um eine Streifenbreite verschoben werden.
Standorte mit Problemarten, die durch die Brache gefördert würden, zum Beispiel Disteln oder Jakobs-Kreuzkraut, eigenen sich nicht für die Anlage von Altgrasstreifen.

Arten, die von Altgrasstreifen profitieren können

Feldhase.

Feldhase (Lepus europaeus)
Foto: M. Schaef

Vogel in einer Wiese.

Stieglitz
Foto: H. Volz

Wiesengrashüpfer im Netz der Malaisefalle

Wiesengrashüpfer

Schachbrettfalter.

Schachbrett
Foto: S. Heinz

Schwalbenschwanz auf Wilder Karde.

Schwalbenschwanz
Foto: Ch. Wagner

Säugetiere

  • Mauswiesel

Vögel

  • Stieglitz (Distelfink)

Heuschrecken

  • Gemeine Sichelschrecke
  • Große Goldschrecke
  • Kleine Goldschrecke
  • Sumpfschrecke
  • Wiesengrashüpfer

Tagfalter

  • Weißbindiges Wiesenvögelchen
  • Schachbrett
  • Schwalbenschwanz
  • Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling
  • Hauhechel Bläuling
  • Rotklee-Bläuling
  • Frühlings-Mohrenfalter
  • Großes Ochsenauge
  • Aurorafalter

Hautflügler

  • Bunthummel
  • Dreizahn-Mauerbiene