Buchführungsauswertung der spezialisierten Milchviehbetriebe in Bayern
Viertelauswertung der spezialisierten Milchviehbetriebe 2024/25

Fleckviehkühe im Laufstall

Ein Gewinn pro Milchkuh in Höhe von 2.625 Euro oder nur 434 Euro mit knapp 50 Milchkühen? Handelt es sich dabei um Extrembetriebe oder Extremjahre? Nein. Diese Zahlen kommen aus dem Viertelvergleich der konventionell und ökologisch wirtschaftenden spezialisierten Milchviehbetriebe im Wirtschaftsjahr 2024/25 in der Gruppe 300T bis 420T kg Verkaufsmilch.

Über viele Jahre lag das mehrjährige Mittel immer bei 1.000 Euro Gewinn/Kuh. Er wurde durch das Wirtschaftsjahr 2022/23 mit dem Allzeithoch beim Milchpreis im Dezember 2022 (62 Cent netto für konventionelle Milch) und den beiden folgenden Auswertungsjahren deutlich nach oben verschoben: Die spezialisierten Milchviehbetriebe mit einer Verkaufsmenge von mindestens 60.000 kg Milch in Bayern liegen nun im fünfjährigen Mittel bei 1.380 Euro/Kuh bei den konventionell wirtschaftenden Betrieben und 1.580 Euro/Kuh bei den Ökobetrieben.

Öko-Milchkuh mit der deutlich besseren Kuhplatzverwertung

Im fünfjährigen Durchschnitt konnte die Öko-Milchkuh trotz niedrigerer Milchleistung eine um 200 Euro bessere Platzverwertung erzielen – bedingt durch den höheren Öko-Milchpreis und die höhere Prämiensumme. Diese Situation hatte sich im Wirtschaftsjahr 2022/23 auf hohem Niveau umgekehrt - die konventionelle Milchkuh erzielte eine um 180 Euro höhere Kuhplatzverwertung.

Konventionell wirtschaftende Betriebe

Gewinn im Wirtschaftsjahr 2024/25 von 20.000 bis 131.000 Euro

Alle bayerischen Milchviehbetriebe hielten im Jahr 2025 im Mittel 47,6 Milchkühe, die spezialisierten Milchviehbetriebe mit mind. 60.000 kg Verkaufsmilch in dieser Buchführungsauswertung halten 63,5 Milchkühe (Tabelle 1). Die Gruppe mit 300.000 bis 420.000 kg Verkaufsmilch kommt mit 49,6 Kühen dem bayerischen Durchschnitt am nächsten. Im Wirtschaftsjahr 2024/25 beträgt der Gewinn dieser Gruppe 77.000 Euro mit einer Spreizung in der Viertelauswertung (Gruppenbildung nach Betriebseinkommen) von 20.000 Euro bis 131.000 Euro (Vorjahr: Durchschnitt 60.000, Spanne von 10.000 – 113.000 Euro).
Tabelle 1: Betriebsdaten, Produktionstechnik und Ökonomik im Gesamtbetrieb – konventionell
Betriebs­größe Tsd. kg MilchAuswertungs­gruppe sortiert nach Betriebs­einkommenFläche haHerden­größe KüheArbeits­kräfte Fam.-AK/BetriebVerkaufte Milch kgVerkaufte Milch kg/Kuh und Jahrzeitraum­echter Gewinn Euro/BetriebEigen­kapital­bildung Euro/Betrieb
300-420– 25 %56,746,91,51348.1747.41720.378-32.252
300-420Durchschnitt55,449,61,50358.9327.23876.7109.452
300-420+ 25 %57,349,91,44365.9117.337130.90036.464
Im Vollerwerb muss die Lebenshaltung der Familie und die notwendige Eigenkapitalbildung zur Weiterentwicklung des Betriebs vollständig aus dem Gewinn bedient werden, wofür bei den aktuellen Lebenshaltungskosten mindestens 90.000 € als notwendig erachtet werden.
Beim oberen Viertel mit 131.000 Gewinn in einem überdurchschnittlichen Wirtschaftsjahr handelt es sich um einen stabilen Vollerwerb mit 50 Milchkühen, beim Gruppendurchschnitt fehlen 13.000 Euro und das untere Viertel mit 20.000 Euro Gewinn (im Gruppenmittel!) lebt von den Abschreibungen und/oder außerlandwirtschaftlichen Einkünften.

Das obere Viertel machte 2.200 Euro mehr Gewinn – pro Kuh!

110.000 Euro Gewinnunterschied zwischen oberen und unteren Viertel von rund 50 Milchkühen führen zu einer um 2.200 Euro höheren Kuhplatzverwertung (Tabelle 2).
Tabelle 2: Stückgewinn je kg Milch, je AK, je ha HFF, je Kuh und je ha LF, konventionell
Betriebs­größe Tsd. kg MilchAuswertungs­gruppe sortiert nach Betriebs­einkommenGewinn Cent je kg MilchGewinn Euro je AK (Familie)Gewinn Euro je AKh bei 2.500 AKh/AKGewinn Euro je KuhGewinn Euro je ha Haupt­futterflächeGewinn Euro je ha LF
300-420– 25 %5,913.5405,42434270359
300-420Durchschnitt21,450.99720,401.5471.0471.383
300-420+ 25 %35,890.93136,372.6251.9262.286
Um 90.000 Euro Einkommen im Vollerwerb zu erwirtschaften, würde im oberen Viertel eine Herde mit 34 Milchkühen ausreichen, im unteren Viertel müssten theoretisch 208 Kühe versorgt wer-den. Da je nach Automatisierungsgrad und einzelbetrieblicher Situation in den meisten Betrieben bei 60 bis 120 Kühen die Familienarbeitsmacht an ihre Auslastungsgrenze kommt, würde hier bereits ein Teil der Arbeit von angestellten Mitarbeitern erledigt werden. Deren Lohn würde wiederum den Gewinn des Betriebes nach unten drücken. Das gleiche gilt für die notwendige Wachstumsinvestition und die Zupacht von Flächen.

Eigenkapitalbildung = Gewinn + lfd. Einnahmen - lfd. Entnahmen

Gewinn, laufende Einlagen und Entnahmen sowie Eigenkapitalbildung – konventionelle BetriebeZoombild vorhanden

Abbildung 1: Gewinn, laufende Einlagen und Entnahmen sowie Eigenkapitalbildung – konventionelle Betriebe

Liegen die Entnahmen (gelber Punkt) unter der Summe aus Gewinn + Einlagen ist die Eigenkapitalbildung (graues Dreieck) positiv – was dieses Jahr in allen vier Gruppen der Fall war. Doch nur die beiden größeren Gruppen lagen mit 42.000 Euro und 75.000 Euro/Jahr über dem Zielwert von 15.000 Euro für kleine bis mittelgroße Milchviehbetriebe. Die Eigenkapitalbildung wird benötigt zum Inflationsausgleich (Kostensteigerung bei Ersatzbeschaffungen), zur Finanzierung von Wachstumsschritten (Eigenkapitalanteil) und zur Rücklagenbildung für unternehmerische Risiken (u. a. Marktrisiko). Je spezialisierter und größer ein Betrieb ist, umso höher muss die Eigenkapitalbildung sein: werden 1 Mio. kg Milch abgeliefert, bedeuten 10 Cent Milchpreisrückgang 100.000 Euro Milchgeldrückgang.

Starke Gewinnschwankungen im Mehrjahresvergleich

Unternehmensgewinn im Mehrjahresvergleich in den Größengruppen – konventionellZoombild vorhanden

Abbildung 2: Unternehmensgewinn im Mehrjahresvergleich in den Größengruppen – konventionell

Wie heißt es immer so schön? Ein Jahr ist kein Jahr. Deshalb nun hier zum Abschluss der konventionellen Auswertung die Gewinne der spezialisierten Milchviehbetriebe in den Größengruppen der letzten sechs Jahre. Dabei heben sich die letzten vier Jahre deutlich von den ersten beiden Jahren nach oben ab.
Im gerade auslaufenden Wirtschaftsjahr 2025/26 kommt es – ausgehend von einem sehr hohen Niveau - zu einem deutlichen Milch- und Fleischpreisverfall. So ist der Milchpreis im Früh-jahr 2026 auch in Bayern unter die 40 Cent-Linie gefallen. Der Irankrieg treibt die Produktionsmittelpreise in die Höhe, weshalb bereits im aktuell auslaufenden Wirtschaftsjahr 2025/26 ein Kostenanstieg in der Milchproduktion von 5 Prozent erwartet wird. Noch ist nicht abzusehen, auf welchem Niveau die Treibstoff- und Düngerkosten sich die nächsten Jahre bewegen werden. Auch wenn dadurch der Gewinn auf das Vorjahresniveau zurückfällt, gilt auch für das Wirtschaftsjahr 2025/26: Aus ökonomischer Sicht durchaus noch zufriedenstellende Zeiten für Milchviehbetriebe.
In wirtschaftlich guten Zeiten geht der unternehmerische Fokus auf die Stabilisierung des Unternehmens. Dazu gehört – neben der Rücklagenbildung für das nächste Milchpreistief –auch die Sicherung der Flächenausstattung, um ausgeglichene Nährstoffflüsse gewährleisten zu können und die Optimierung der Arbeitsorganisation, damit unsere Milchviehbetrieb weiterhin attraktiv bleiben für die Bewirtschafter und die Hofnachfolge.

Ökologisch wirtschaftende Betriebe

Die Erzeugerpreisdifferenz zwischen konventioneller und ökologischer Milch wieder größer

Nettomilchpreise und Preisdifferenz bei konventioneller und ökologischer MilchZoombild vorhanden

Abbildung 3: Nettomilchpreise und Preisdifferenz bei konventioneller und ökologischer Milch

Im Jahr 2025 lag der Biomilchanteil in Bayern bei knapp 10 %. Den starken Anstieg der konventionellen Milchpreise hatte der eher regional verankerte Biomilchmarkt nicht mitgemacht, der aktuelle Milchpreisabsturz im Winter 2025/26 geht jedoch auch weitestgehend an ihm vorbei. Die Folge: Der Preisabstand (schwarze Balken) stieg im Januar 2026 wieder über die 20 Cent-Marke! Der Durchschnitt seit 2014 liegt bei knapp 12 ct/kg Ökomilch-Preisvorteil. (Abbildung 3).
Bei den ökologisch wirtschaftenden Betrieben wird nachfolgend die Gruppe mit 180.000 bis 300.000 kg Milch für die Betrachtungen gewählt. Diese ist mit 39,4 Milchkühen kleiner als die konventionelle Gruppe (49,6 Kühe, 300.000 – 420.000 kg Milch), aber beide Gruppen haben eine ähnliche Familienarbeitskraftausstattung (1,60 bzw. 1,50 FamAK).

Gewinn im Wirtschaftsjahr 2024/25 von 37.000 bis 107.000 Euro

Tabelle 3: die Familie erwirtschaftete mit den 39 Kühen einen Gewinn von 74.000 Euro, die konventionelle Vergleichsgruppe hatte 77.000 Euro mit 50 Milchkühen. Im Durchschnitt kommt die Ökokuh auf 1.880 Euro Gewinn/Kuh (Tabelle 4) und liegt damit wieder deutlich über dem Niveau der konventionellen Gruppe (1.550 Euro Gewinn/Kuh).
Tabelle 3: Betriebsdaten, Produktionstechnik und Ökonomik im Gesamtbetrieb – ökologisch
Betriebs­größe Tsd. kg MilchAuswertungs­gruppe sortiert nach Betriebs­einkommenFläche haHerden­größe KüheArbeits­kräfte Fam.-AK/BetriebVerkaufte Milch kgVerkaufte Milch kg/Kuh und Jahrzeitraum­echter Gewinn Euro/BetriebEigen­kapital­bildung Euro/Betrieb
180-300– 25 %44,136,81,51208.3995.66437.487-11.163
180-300Durchschnitt51,039,41,60232.6735.90973.98012.365
180-300+ 25 %58,941,81,52259.1346.198107.24513.712

Das obere Viertel machte je Kuh rund 1.500 Euro mehr Gewinn

Auch geht die Schere im Viertelvergleich bei den Ökobetrieben nicht so weit auseinander: „nur“ 70.000 Euro Gewinnunterschied (konv. 110.000 Euro). Das untere Viertel erreicht noch 1.020 Euro Gewinn pro Kuh (Tabelle 4; konv. 430 Euro). Das obere Viertel erzielt mit 2.565 Euro Gewinn/Kuh einen Gewinnvorteil von 1.545 Euro/Kuh (konv. 2.000 Euro/Kuh).
Tabelle 4: Stückgewinn je kg Milch, je AK, je ha HFF, je Kuh und je ha LF, ökologisch
Betriebs­größe Tsd. kg MilchAuswertungs­gruppe sortiert nach Betriebs­einkommenGewinn Cent je kg MilchGewinn Euro je AK (Familie)Gewinn Euro je AKh bei 2.500 AKh/AKGewinn Euro je KuhGewinn Euro je ha Haupt­futterflächeGewinn Euro je ha LF
180-300– 25 %18,024.8099,921.019416851
180-300Durchschnitt31,846.31718,531.8798051.450
180-300+ 25 %41,470.37028,152.5651.1281.820

Im Durchschnitt aller Ökobetriebe konnten 28.000 Euro Eigenkapital gebildet werden

Gewinn, laufende Einlagen und Entnahmen sowie Eigenkapitalbildung – öko BetriebeZoombild vorhanden

Abbildung 4: Gewinn, laufende Einlagen und Entnahmen sowie Eigenkapitalbildung – ökologische Betriebe

Im Durchschnitt aller Ökobetriebe (> 60.000 kg Milch) konnten 28.000 Euro Eigenkapital gebildet werden (Vorjahr 15.000 Euro), in den Gruppen gelang es aber nur in der größten Herde mit 58.000 Euro Eigenkapitalzuwachs über die Zielgröße von 15.000 Euro für kleine bis mittelgroße Milchviehbetriebe zu kommen.

Gewinnschwankungen im Ökobereich geringer

Unternehmensgewinn im Mehrjahresvergleich in den Größengruppen – ökologischZoombild vorhanden

Abbildung 5: Unternehmensgewinn im Mehrjahresvergleich in den Größengruppen – ökologisch

Wie der Ökomilchpreis unterliegt auch der Buchführungsgewinn bei den Ökobetrieben deutlich geringeren Schwankungen (Abbildung 5). Über die letzten sechs Jahre bewegt er sich in der Gesamtgruppe zwischen1.160 Euro und 1.950 Euro mit einem Mittelwert von 1.510 EuroKuh.

Öko im Durchschnitt 200 Euro mehr Gewinn je Kuh

Abschließend noch ein Vergleich der folgenden Betriebsgrößengruppen:

  • Ökologisch: > 300T kg Milch, 70,1 Milchkühe, 75,3 ha LF, 1,79 Familien-AK
  • Konventionell: 540-660T kg Milch, 73,2 Milchkühe, 73,5 ha LF, 1,85 Familien-AK
Gewinn je Familienarbeitskraft (Betriebsgewinn/ FamAK, ökologisch)

Abbildung 6: Gewinn pro Kuh im Konv-Öko-Vergleich in der Gruppe mit 60 bis 180 Tsd. kg Milch

Die roten Werte in der Abbildung 6 geben die Differenz zwischen Öko- (grün) und Konv-Betrieben (blau) beim Gewinn/Kuh wieder. Im Sechsjahresdurchschnitt haben die Öko-Betriebe rund 200 Euro Gewinnvorteil vom Kuhplatz, nur im Ausnahmejahr 2022/23 war es umgekehrt.

Ansprechpartner
Guido Hofmann
Institut für Agrarökonomie
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 08161 8640-1461
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de

Porträtfoto Guido Hofmann

Guido Hofmann

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