Ökoregelung Agroforst
Beibehaltung einer agroforstlichen Bewirtschaftungsweise auf Ackerland und Dauergrünland (ÖR3)

Agroforst im Winter

ÖR3 - Agroforstlichen Bewirtschaftung

Die Ökoregelung ÖR3 Agroforst wird jährlich mit dem Mehrfachantrag beantragt. Sie dient der Erhaltung von heckenähnlichem Lebensraum und der Förderung der Biodiversität. Das vorrangige Ziel eines Agroforstsystems ist allerdings die Holznutzung (vgl. GAPDZV Art 4). Damit die Fläche entsprechend ÖR3 gefördert werden kann müssen eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu gehört, dass für die Fläche beim AELF ein positiv geprüftes Nutzungskonzept vorliegen muss, dass verstreut über die jeweilige landwirtschaftliche Fläche mindestens 50 und höchstens 200 Gehölzpflanzen je Hektar angebaut werden und dass bei Agroforstsystemen ab Neuanlange 01.01.2022 bestimmte invasive Gehölze nicht verwendet werden dürfen. Weiterhin müssen bestimmte Flächenvorgaben und Abstandsvorgaben auf Ackerland oder Dauergrünland erfüllt sein. Details dazu finden sich im Merkblatt des StMELF zu den Ökoregelungen. Maßnahmen der Holzernte sind im Antragsjahr nur in den Monaten Januar, Februar und Dezember zulässig, soweit es auch naturschutzrechtlich zulässig ist. Eine Kombination von ÖR3 mit ÖR1a oder GLÖZ8 auf einer Fläche ist nicht möglich, da es sich bei einem Agroforstsystem um eine produktive Fläche handelt.

Lebensraum

Geförderte Agroforstsysteme sind in der Ausprägung zwischen 3 m und 25 m breite, weitestgehend durchgängige Gehölzstreifen. Diese übernehmen in Teilen Funktionen von Waldrändern und Hecken, wenn sie auch im Normalfall mit schnellwachsenden Gehölzen bestockt und somit strukturärmer als Hecken sind.
Agroforstsysteme in der offenen Kulturlandschaft sind eigene Ökosysteme mit positiven Auswirkungen weit in die Wirtschaftsflächen hinein. Agroforstsysteme vernetzen Baum- und Gehölzhabitate miteinander und erhöhen so die Durchlässigkeit für Tierarten der Wälder. Viele Tierarten nutzen aber auch die Strukturen als Brut-, Ansitz- und Rückzugsraum. Tiere können sich ausgehend von Agroforstsystemen die umliegende Kulturlandschaft erschließen. Hermeline, Mauswiesel oder Igel verlassen zur Nahrungssuche die schützenden Strukturen um mehrere Hundert Meter. Verschiedene Vögel der Waldränder und Hecken wie Gartengrasmücken und Fitisse brüten in Agroforstsystemen. Die Ansitzwarten werden von Greifvögeln genutzt, um Mäuse auf den Feldern zu jagen. Typisch sind eine gegenüber der umliegenden Agrarlandschaft erhöhte Schmetterlingsdichte und auch verschiedene Laufkäferarten. Der Buntfarbene Putzläufer (Anchomenus dorsalis) zum Beispiel frisst kleine Schnecken oder Getreideblattläuse im Acker, benötigt als Rückzugs- bzw. Überwinterungsraum aber Gehölzstreifen. Meist werden in Agroforstsystemen auch mehr Blütenpflanzen gefunden als in den umliegenden Äckern. Das liegt an der geringeren Nutzungsintensität der Gehölzpflanzungen. Kategorie: Mehrjährige Lebensräume.
Wiese mit Hühnern und am rechten Rand drei Zeilen mit jungen Bäumen

Agroforstsystem als Hühnerauslauf. Foto: A. Winterling

Eine Gruppe von Bäumen stehen in einer Ackerfläche

Agroforst in Trockenlagen. Foto: A. Winterling

Agroforst in Scheyern

Agroforstsystem in Scheyern. Foto: A. Winterling

Zielgerichtete Planung mit Mehrwert

Gehölzanreicherung
Um die Struktur der Agroforstsysteme zu erhöhen, kann man Strukturbildner – vor allem Dornensträucher - einbringen oder zulassen, dass solche Sträucher und Bäume einwandern. Von diesen Pflanzen profitieren nicht zuletzt Neuntöter, Feldsperlinge und Goldammern. Ganz allgemein steigt des höheren Strukturreichtums wegen die Artenzahl.
Bei Nachpflanzungen oder auch wenn die Pflanzungen aufgewertet werden sollen, kann man darauf achten, gute Bienenweiden zu pflanzen. Viele stockausschlagfähige Gehölze haben einen hohen Wert als Bienenweide (z. B. Baumweiden-Arten, Feld- und Bergahorn, Flatterulme, Traubenkirsche, Sorbus-Arten, Esskastanie).
Umgebung gestalten
Dem Umfeld von Agroforstsystemen kommt eine wichtige Funktion zu. Säume aller Art puffern den Übergang der Agroforstsysteme zu den landwirtschaftlichen Nutzflächen und erhöhen die Wertigkeit der Maßnahme für die Artenvielfalt erheblich. Agroforstsysteme (ÖR3) können hier mit verschiedenen Förderungen zur extensiven Grünlandnutzung (ÖR4, K16/17, K18) oder auch mit mehrjährigen Blühflächen (K56) auf dem Acker kombiniert werden, um neben dem Gehölzstreifen einen Streifen extensiv genutzter Vegetation anzulegen.
Pflege
Eine abschnittsweise Ernte z. B. einzelner Reihen bei unterschiedlichem Alter oder Wachstumsbedingungen könnte für unterschiedliche Strukturen und Sukzessionsstadien sorgen. So dass bei der Ernte einer Reihe, ein Ausweichen der Tiere in die benachbarten Reihen möglich wäre.

Arten, die von Agroforstsystemen profitieren können

ockerfarbener Käfer mit grünem Kopf

Buntfarbener Putzläufer (Anchomenus dorsalis). Foto: J. Burmeister

Feldsperling

Feldsperling. Foto: C. Moning

Goldammer

Goldammer. Foto: C. Moning

Säugetiere

  • Mauswiesel

Vögel

  • Bluthänfling
  • Dorngrasmücke
  • Feldsperling
  • Gartenrotschwanz
  • Goldammer
  • Klappergrasmücke
  • Neuntöter
  • Rauchschwalbe
  • Rebhuhn
  • Rotmilan
  • Stieglitz (Distelfink)
  • Wendehals

Kriechtiere

  • Zauneidechse

Lurche

  • Erdkröte

Heuschrecken

  • Gemeine Sichelschrecke
  • Große Goldschrecke
  • Kleine Goldschrecke
  • Bunter Grashüpfer

Laufkäufer

  • Buntfarbener Putzläufer
  • Körnerwanze
  • Goldschmied
  • Metallfarbener Schnellläufer
  • Sechspunktiger Putzläufer

Hautflügler

  • Gelbbindige Furchenbiene
  • Steinhummel
  • Bunthummel
  • Blauschwarze Holzbiene