Sortenberatung Hirse

Bereits im Jahr 2020 hat die LfL erste Sortenversuche mit der Sorghumhirse zur Körnernutzung durchgeführt. Auch im Jahr 2021 wurden wieder verschiedene Genotypen unter unterfränkischen Bedingungen angebaut, und auch in einer Kooperation mit der Universität Gießen wurden Sorten verschiedener Züchterhäuser getestet. Die Ergebnisse und Erfahrungen zeigen: Der Anbau ist ohne besonderen technischen Zusatzaufwand möglich, die pflanzenbaulichen Vorteile liegen auf der Hand, und auch die Erträge konnten überzeugen.

Ergebnisse der Sortenversuche 2021 Standorte Schwarzenau und Groß-Gerau

Im Jahr 2021 wurden die Sortenversuche mit Körnersorghum an vier Standorten angelegt, auswertbare Ergebnisse gab es von den Standorten in Schwarzenau (Lkr. Kitzingen) und Groß Gerau (Hessen).
In Schwarzenau liegt die Niederschlagsmenge im langjährigen Mittel bei 540 mm/Jahr, die Jahresmitteltemperatur bei 9,9°C. Da für die Aussaat von Hirse eine Bodentemperatur von über 12°C notwendig ist, konnte diese erst am 31.05.2021 stattfinden. Die Aussaatstärke betrug 35 Körner/m2 und erfolgte per Drillsaat. Anfang Juni herrschten Temperaturen zwischen 15 und 20°C, sodass die Körnerhirse sehr gut auflaufen konnte und eine gute Jugendentwicklung zeigte. Kurz vor der Aussaat erfolgte eine N-Düngung mit 60 kg N/ha. Da der Unkrautdruck in der Sorghumhirse vor allem in der Jugendentwicklung problematisch sein kann, fand Ende Juni eine Herbizid-Behandlung mit Spectrum® statt. Nach dem Reihenschluss gilt die Körnerhirse als sehr konkurrenzstark. Die Hirsen erreichten Wuchshöhen zwischen 95 cm (RGT Dodgge, RAGT) und 170 cm (Farmsugro 180, AgriSem).
Auf dem Versuchsstandort in Schwarzenau konnten alle Sorten vor allem mit ihrer enormen Standfestigkeit punkten. Während bei einem starken Sturmereignis Ende Oktober auf den benachbarten Schlägen nahezu der gesamte Körnermais umgeknickt ist, blieb der Sorghum unbeschadet. Termin der Ernte war der 27.10.2021 bei Kornrestfeuchten zwischen etwa 30 und 35%. Die Erträge und die Ergebnisse der Bonituren der untersuchten Sorten sind in Tabelle 1 dargestellt. Die ertragreichste Sorte war RGT Dodgge der Firma RAGT mit 97,9 dt/ha. Der durchschnittliche Ertrag aller Sorten betrug etwa 80 dt/ha und ist als sehr gut einzustufen.
Tabelle 1: Schwarzenau
GenotypZüchter/FirmaWassergehalt (%)Ertrag bei 86% TS (dt/ha)Wuchshöhe (cm)
GK EmeseAgriSem30,778,3140
Farmsugro 180AgriSem34,871,1166
Diabolo CSLidea31,182,2102
Capello CSLidea30,391,0114
ES ArabeskLidea30,578,8124
ES AlbanusLidea29,879,4109
KWS LupusKWS28,682,0106
RGT IcebergRAGT30,384,7110
RGT DodggeRAGT28,397,995
RGT MaggicRAGT30,064,097
Der Versuchsstandort Groß-Gerau der Universität Gießen weist im langjährigen Mittel eine Niederschlagsmenge von 620 mm/Jahr auf und eine Jahresmitteltemperatur von 10,6°C. Auch hier erfolgte die Aussaat aufgrund langanhaltender Kälte erst am 31.05.2022. Diese fand als Einzelkornsaat mit 30 Körnern/m2 und einem Reihenabstand von 70 cm statt. Als Standard-N-Düngung setzt die JLU Gießen beim Kornsorghum auf 100 kg N/ha inklusive der Nmin-Reste. Eine Unkrautbehandlung fand sowohl mit der Handhacke als auch Ende Juni chemisch statt. Ein starkes Sturmereignis Ende Oktober führte nur bei den Sorten GK Emese, Farmsugro 180 und Sweet Caroline (alle AgriSem), die Wuchshöhen von 150, 170 und 200 cm aufwiesen, zu leichtem Lager. Insgesamt wurde auch an diesem Standort eine sehr gute Standfestigkeit beobachtet. Den niedrigsten Wuchs zeigt die Sorte Belugga (RAGT) mit 110 cm. Die Ernte fand am 09.11.2021 bei Kornwassergehalten zwischen 25 und 33% statt. Den höchsten Ertrag mit 77,4 dt/ha erreicht die Sorte ES Albanus der Firma Lidea. Den niedrigsten Kornertrag erzielte die stark wüchsige Sorte Sweet Caroline von AgriSem. Diese ist vom Hersteller allerdings auch nicht zur Körnernutzung, sondern zur Verwendung in der Biogasproduktion deklariert. Alle Ergebnisse sind in Tabelle 2 dargestellt.
Tabelle 2: Groß-Gerau
GenotypZüchter/FirmaWassergehalt (%)Ertrag bei 86% TS (dt/ha)Wuchshöhe (cm)
GK EmeseAgriSem33,362,5150
Farmsugro 180AgriSem28,472,1170
Sweet CarolineAgriSem33,049,2200
ES AlbanusLidea24,877,4130
ES ArabeskLidea25,666,6130
KWS LupusKWS25,362,1125
BeluggaRAGT28,854,8110
RGT DodggeRAGT26,172,6115
RGT GgustavRAGT28,575,4130
RGT IcebergRAGT27,275,4130

Anbauwürdigkeit von Körnerhirse

Die Körnerhirse (Sorghum bicolor L. Moench) stellt global gesehen die fünftwichtigste Getreideart dar. In Deutschland hingegen spielt der Anbau der aus Ostafrika stammenden Kulturart bislang eine untergeordnete Rolle. Allerdings ist in den letzten Jahren ein gewisser Trend zu erkennen, der dem Sorghumanbau einen Aufschwung prophezeit. Neben dem Anbau von Biomassetypen rücken auch die wesentlich standhafteren, kürzeren Sorghumhirsen zur Körnernutzung in den Fokus.
Die Gründe hierfür sind naheliegend: Als C4-Pflanze ist die Körnerhirse in der Lage, besonders effizient mit dem zur Verfügung stehenden Wasser zu haushalten. Bei langen Trockenperioden kann sie ihre Spaltöffnungen an den Blättern schließen, Verdunstung vermeiden und trotzdem Photosynthese betreiben. Außerdem schützt die dicke Wachsschicht zusätzlich gegen Wasserverluste. Im Vergleich mit Mais hat Sorghum ein feineres Wurzelsystem, das für eine effiziente Aneignung von Wasser- und Nährstoffen sorgt.
Durch diese interessante Eigenschaft kommt es gleichzeitig zu einem geringeren Düngeraufwand im Vergleich zu Mais und Getreide. Sorghum gilt als guter Verwerter wirtschaftseigener Düngemittel, was diese Kulturart auch für tierhaltende Betriebe interessant macht.
Weitere pflanzenbauliche Vorteile der Körnerhirse sind die Auflockerung von Fruchtfolgen und die Eigenschaft, dass Sorghum keine Wirtspflanze für den Westlichen Maiswurzelbohrer darstellt. Auch der Maiszünsler stellt kaum eine Gefahr für diese Kultur dar. Eine Unkrautregulierung ist lediglich während der Jugendentwicklung notwendig und kann sowohl chemisch als auch mechanisch erfolgen, weshalb die Körnerhirse auch für den Ökolandbau eine interessante Kulturart darstellt.
Agrarökologische Leistungen
Durch die intensive Durchwurzelung und das Verbleiben der Halme auf dem Feld hinterlässt sie viel organische Substanz und trägt somit zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit bei. Außerdem stellt der Pollen laut Untersuchungen des Bieneninstituts Kirchhain und dem Institut für Pflanzenzüchtung Gießen im Hochsommer eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen dar.
Erfahrungen aus dem Nachbarland Österreich zeigen: Die etwa 3 mm großen Körner haben nicht nur ein gutes Vermarktungspotential in der menschlichen Ernährung, sondern gelten auch als geeignetes Futtermittel in der Schweine- und Geflügelfütterung.