Winterweizen – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Winterweizenbestand auf dem Feld während der Blüte

Wie im letzten Jahr kam der Regen in vielen Regionen noch rechtzeitig für die Kornausbildung. Anders als im Vorjahr sorgten die gemäßigten Temperaturen im Juni für eine sehr gute Einkörnung.

Im Herbst konnte der Weizen in ganz Bayern bei ausreichender Feuchtigkeit gesät werden. Die Bestände liefen gut auf und entwickelten sich meist gut bis zum Eintritt der Vegetationsruhe. Auswinterung trat nicht auf. Bis Ende April fiel sehr wenig Niederschlag, sodass die Weizenbestände teilweise dünn waren, aber sehr gesund ins Schossen gingen. In einigen Regionen war selbst im Mai das Wasser noch sehr knapp. Erst im Juni sorgten häufigere Niederschläge für eine Entspannung.
Blattkrankheiten traten kaum auf. Blattseptoria, die in feuchteren Jahren dominierend ist, kam erst spät und spielte nur eine untergeordnete Rolle. Vereinzelt wurde von Gelbrostbefall in Nordbayern berichtet. Zur Abreife wurden verwaschen aussehende Blattflecken, bedingt durch Schneeschimmel, beobachtet.

Ertrag und Qualität

Aufgrund der gemäßigten Temperaturen im Mai und Juni entwickelte sich der Weizen langsamer als die Jahre zuvor. Im Zeitraum vom 21. Juli bis zu den Niederschlägen Anfang August wurden fast zwei Drittel des Weizens in Bayern gedroschen. Auf den späteren Lagen mit guten Böden, v.a. in Schwaben und Oberbayern, konnte die Ernte nach dieser Regenperiode abgeschlossen werden. Auch für die später gedroschenen Partien gab es kaum schwache Fallzahlen zu berichten.
Mit ungefähr 83 dt/ha Durchschnittsertrag wurde der bisherige bayerische Spitzenertrag aus dem Jahr 2014 erreicht. Nur wenige Gebiete auf schwachen Standorten, wie die Münchner Schotterebene, hatten bleibende Schäden durch die Frühjahrstrockenheit davon getragen. Der geringe Befall mit Krankheiten, die tiefe Durchwurzelung des trockenen Bodens und die gemäßigte Witterung ohne Nässe zur Kornfüllung haben dem Weizen gut getan. Die Kornausbildung und die Hektolitergewichte waren insbesondere bei Ernte vor der Regenperiode Anfang August sehr gut. Wohl aufgrund der sehr trockenen Witterung vor der Blüte konnte sich Fusarium auf den Ernterückständen nur wenig vermehren, sodass die Erntepartien im Wesentlichen kaum Besatz mit Fusariumkörnern aufweisen.

Landessortenversuche

Die bayerischen Landessortenversuche wurden an 13 Standorten mit 28 Sorten im Hauptsortiment gesät. Der Versuch in Köfering (Oberpfalz) fiel Ende Juli wegen Hagel aus, so dass noch 12 Versuche auswertbar waren. Die Versuchserträge lagen in der intensiven Stufe zwischen 85 dt/ha in Niederbayern (Reith) und 120 dt/ha in Giebelstadt (Unterfranken), Günzburg und Buxheim (Schwaben).

Standfestigkeit und Krankheitsanfälligkeit

Die intensive Stufe 2 wird entsprechend der ortsüblichen Produktionstechnik mit Wachstumsregler- und Fungizideinsatz durchgeführt. In der extensiven Stufe 1 wird nur an einem Teil der Versuchsstandorte einmalig Wachstumsregler in verringerter Aufwandmenge eingesetzt, um Totallager zu vermeiden und die Auswertbarkeit des Versuches sicherzustellen. Ansonsten wird auf intensive Wachstumsregleranwendung und Fungizide verzichtet.
Durch den trockenen Beginn des Frühjahrs blieben alle Weizensorten lange gesund und kürzer. Bis auf die Versuche in Buxheim, Bieswang und Landsberg wurden an den anderen Standorten nur einmalig Fungizide angewandt. Lager trat an keinem Standort auf
An acht der zwölf Standorte waren die zusätzlichen Pflanzenschutzmaßnahmen in den Intensivvarianten des Sortenversuchs nicht wirtschaftlich. Nur an Standorten mit zusätzlich etwas Krankheitsdruck durch Blattseptoria zahlten sich Pflanzenschutzmaßnahmen gegenüber der extensiven Stufe 1 aus. Im Schnitt aller bayerischen Standorte war bei einem Mehrertrag von 5 dt/ha der Mehraufwand durch den zusätzlichen Pflanzenschutzmitteleinsatz nicht wirtschaftlich. Wenn noch ein Lohnansatz für den Pflanzenschutz hinzugenommen wird, verschlechtert sich die Wirtschaftlichkeit weiter.
Die langjährigen Erfahrungen aus den Landessortenversuchen und den vielen Versuchen des Bundessortenamtes und der Züchter belegen die Gesundheit und Standfestigkeit vieler Sorten ohne Wachstumsregler und Fungizide. In Jahren und Regionen mit geringem Krankheitsdruck - wie überwiegend in diesem Jahr - geht mit den höheren Aufwendungen intensiver Bestandesführung ein geringerer Deckungsbeitrag einher.

Konsequenz für die Praxis

Sorten mit guten Resistenzeigenschaften zeichnen sich insbesondere durch eine langsamere Entwicklung des Krankheitsbefalls aus. Das sehr frühe Stoppen v.a. von erstem Blattseptoria-Befall und der andauernde Fungizidschutz für den Blattapparat sind dann weniger wichtig. Bei guter Standfestigkeit der Sorte kann oft auf den Wachstumsreglereinsatz verzichtet werden, wie die Landessortenversuche zeigen.

Sortenwahl

Die mehrjährige Prüfung und Verrechnung der Sortenleistung liefern den besten Schätzwert für das nächste im Witterungsverlauf noch völlig unbekannte Jahr. Ergebnisse, die auf wenigen Versuchen beruhen, sind nur als Orientierung geeignet und keine Grundlage für eine seriöse Empfehlung.
Die staatlichen Landessortenversuche, insbesondere die regionalen Sortenempfehlungen, bieten eine Hilfestellung bei der Sortenwahl. Grundsätzlich sind Ertragsleistung und -stabilität wichtige Entscheidungskriterien. Unabhängig von der Produktionsrichtung sollte Wert gelegt werden auf Standfestigkeit, Resistenz gegenüber Rostkrankheiten, Blattseptoria und Ährenfusarium sowie auf ein Mindestmaß an Winterhärte.
Die verschärften Regeln in der Düngeverordnung begrenzen sowohl die Menge als auch die Flexibilität der Stickstoffdüngung. Qualitätsweizen mit den vom Handel geforderten Rohproteingehalten zu erzeugen, ist eine Herausforderung. Für die Sortenwahl bezüglich des Rohproteingehalts sind die eigenen Erfahrungen eine sehr wichtige Grundlage. Die Unterschiede zu neuen Sorten lassen sich aus den Differenzen im Versuch sehr gut abschätzen. In der letzten Spalte der Sortenbeschreibung sind die jeweiligen mehrjährigen Rohproteinwerte angegeben.