Einen Schnitt voraus – mit dem LfL-Aufwuchsmonitoring
Bayernweite Aufwuchsuntersuchungen zum ersten Schnitt im Grünland und Kleegras 2026 – Rückblick zum 1. Schnitt 2026

Traktor und Heckmähwerk beim Mähen einer Wiese

LfL-Aufwuchsmonitorings zum 1. Schnitt 2026: Hohe Klasse und wenig Masse

Der optimale Schnittzeitpunkt ist entscheidend für die Qualität von Silagen. Mit Hilfe der bayernweiten Aufwuchsuntersuchungen soll die richtige Entscheidung für den 1. Schnitt vereinfacht werden. Auch in diesem Jahr fand wieder das bayernweite Aufwuchsmonitoring der LfL zum 1. Schnitt statt.

Was steckt in diesem Jahr im Gras? Die bayernweiten Ergebnisse der ab Mitte April wöchentlich gezogenen Frischgrasproben werden zu Agrargebieten (siehe unten) zusammengefasst. Die Zuordnung der einzelnen Regionen Bayerns zu dem jeweiligen Gebiet erfolgt nach klimatischen und geografischen Gegebenheiten (siehe Karte).
Der seit dem Frühjahr langersehnte Regen kam dieses Jahr leider erst Mitte Mai – und damit leider für den diesjährigen 1.Schnitt zu spät. Dafür waren die Erntebedingungen in diesem Jahr ideal, um einen Schnitt mit hoher und vielversprechender Klasse ins Silo einzusilieren.

Die wichtigsten Parameter für die Bestimmung des optimalen Schnittzeitpunkts sind folgende:

Rohprotein (CP):

Die mittleren Rohproteingehalte sind in allen Agrargebieten mit 220 g/kg TM in diesem Jahr auf einem erfreulich hohen Niveau gestartet. Je höher der Startpunkt ist, umso einfacher kann der gewünschte CP-Gehalt von > 150 g/kg TM in der Silage erreicht werden. Obwohl in den darauffolgenden Beprobungen die Verholzung in den Pflanzen sehr langsam voranschritt, waren die CP-Gehalte dennoch zügig zurückgegangen. Bis KW 20 (11.05) bewegten sich diese aber trotzdem noch im angestrebten Zielbereich.

ADFom:

Der Verlauf der Verholzung (ADFom-Gehalt) in den Grasbeständen ist dieses Jahr definitiv anders als in den vergangenen Jahren. Durch die wochenlange Kälte in der Nacht wurden die Umsetzungsprozesse in der Pflanze deutlich gebremst. Zudem förderten die kühlen Temperaturen einen extremen Zuckeranstieg im Gras, welcher zusätzlich den Anstieg der ADFom-Gehalte abschwächte. Ein solches Phänomen hat es in den letzten Jahren in dieser ausgeprägten Form über mehrere Wochen nicht gegeben. Folglich lagen die ADFom-Gehalte trotz der Trockenheit in KW 20 (11.05) erst im Mittel über alle Agrargebiete bei 244 g/kg Trockenmasse (TM). Zum Vergleich im Vorjahr waren in KW 20 die Gehalte bereits bei 266 g/kg TM. Als Richtwert für den optimalen Schnittzeitpunkt sollten 260 g/kg TM nicht überschritten werden. Die Entwicklung der ADFom-Gehalte in diesem Jahr zeigt auch wie wichtig die Beprobung von Frischgrasproben ist, da diese die tatsächlichen nicht sichtbaren Prozesse in der Pflanze erkennen lassen. Damit ist eine frühzeitige und reale Prognose zur Schnittreife möglich.

Energie (NEL/MEWK2023):

Mit den moderaten Fasergehalten und sehr hohen Zuckergehalten lagen die berechneten Energiegehalte in den Frischgrasproben bis KW 20 (11.05) auf sehr hohem Niveau und deutlich über dem Richtwert von 6,6 MJ NEL bzw. 11,8 MJ MEWK2023.
Aus Sicht der Entwicklung der Rohnährstoffe und Energiegehalte war der optimale Zeitraum für den 1. Schnitt in diesem Jahr ab KW 19 (04.05) erreicht. Jedoch konnten auch in der folgenden Woche immer noch eine sehr gute Qualität von der Fläche geholt werden, da die Alterungsprozesse bis Mitte Mai nur langsam voranschritten.
Aufgrund der teilweise extrem hohen Zuckergehalte in Frischgras ist in diesem Jahr eine Futteruntersuchung der Silage vom 1.Schnitt sehr zu empfehlen, um die Ration gezielt anpassen zu können.

TM-Ertrag:

Die mittleren wöchentlichen Zuwächse waren aufgrund der anhaltenden Trockenheit mit 5 dt TM im gesamten Beprobungszeitraum sehr verhalten. Zudem schwankten die TM-Erträge innerhalb der Agrargebiete und Flächen in diesem Jahr sehr stark. Im Mittel lagen die hochgerechneten Flächenerträge im Zeitraum des 1.Schnitts in KW 19 (04.05) bei 22 dt TM und KW 20 (11.05) bei 27 dt TM.

Vielen Dank!
Im Rahmen des Monitorings wollen wir uns bei allen teilnehmenden Betrieben und dem LfL-Futtermittellabor in Grub für die gute Zusammenarbeit bedanken! Nur durch die wöchentlichen Probeschnitte mit den untersuchten Inhaltsstoffen und daraus abgeleiteten Energiegehalten ist es möglich, bayernweit Schnittzeitpunktprognosen für Grünland- und Kleegrasbestände abzuleiten. Gerne nehmen wir auch neue Teilnehmer mit in unser Aufwuchsmonitoring für 2027 auf. Sowohl konventionell als auch ökologisch wirtschaftende Betriebe sind willkommen. Wer Interesse hat, darf sich gerne an das LfL- Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft (itf@lfl.bayern.de) wenden.

Ergebnisse der Grünlandbestände für die KW 20 mit Vorausschätzung auf KW 21

Grafik Aufwuchsverlauf Alpenvorland KW 20/21

Alpenvorland KW 20/21

Grafik Aufwuchsverlauf Südliches Allgäu KW 20/21

Südliches Allgäu KW 20/21

Grafik Aufwuchsverlauf Nördliches Allgäu KW 20/21

Nördliches Allgäu KW 20/21

Grafik Aufwuchsverlauf voralpines Hügelland KW 20/21

Voralpines Hügelland KW 20/21

Grafik Aufwuchsverlauf Tertiärhügelland KW 20/21

Tertiärhügelland KW 20/21

Grafik Aufwuchsverlauf Ostbayerisches Mittelgebirge Süd KW 20/21

Ostbayerisches Mittelgebirge Süd KW 20/21

Grafik Aufwuchsverlauf Ostbayerisches Mittelgebirge Nord KW 20/21

Ostbayerisches Mittelgebirge Nord KW 20/21

Grafik Aufwuchsverlauf Jura, Keuper, Nordbayer. Hügelland KW 20/21

Jura, Keuper, Nordbayer. Hügelland KW 20/21

Grafik Aufwuchsverlauf fränkische Platten KW 20/21

Fränkische Platten KW 20/21

Kleegrasbestände in den einzelnen Agrargebieten

Kleegras Nahaufnahme
Neben dem Dauergrünland werden auch Kleegrasbestände im Rahmen des Aufwuchsmonitorings zum 1. Schnitt beprobt. Voraussetzung ist, dass die Bestände einen Leguminosenanteil von mindestens 50 % aufweisen.
Die Beprobung fand in folgenden Agrargebieten (siehe Karte oben) statt: Tertiärhügelland, Jura, Keuper, Nordbayerisches Hügelland, Ostbayerisches Mittelgebirge Süd und Fränkische Platte. Im letztgenannten Agrargebiet setzen sich die Werte aus Kleegras und Luzerne zusammen.

Rohprotein (CP):

Trotz der langsam fortschreitenden Verholzung sind die CP-Gehalte bei den beprobten Beständen zügig zurückgegangen. Bis KW 20 (11.05) lagen aber noch alle Werte über 170 g/kg TM, die im Siliergut mindestens enthalten sein sollen, um in der späteren Silage einen CP-Gehalt von mehr als 150 g/kg TM zu haben.

ADFom:

Dank der kühlen Temperaturen in der Nacht hat auch die Verholzung bei den Kleegrasbeständen in diesem Jahr sehr langsam stattgefunden. Bis in KW 20 (11.05) waren die ADFom-Gehalte unter dem Richtwert von 260 g/kg TM und damit der Zeitraum für den optimalen Schnittzeitpunkt noch nicht überschritten..

Energie (NEL/MEWK2023):

Bedingt durch die unterschiedlich hohen ADFom-Gehalte der Bestände sind sich die Energiegehalte in den beprobten Agrargebieten unterschiedlich schnell abgefallen. Als angestrebter Richtwert sollten 6,6 MJ NEL bzw. 11,8 MJ MEWK2023 beim 1.Schnitt nicht unterschritten werden. Dieses Niveau wurde bis KW 20 (11.05) in allen Probeschnitten noch erzielt.
Aus Sicht der Entwicklung der Rohnährstoffe und Energiegehalte war bei den Kleegras-/ und Luzerneflächen der optimale Zeitraum für den 1.Schnitt im Agrargebiet Fränkische Platte in KW 19 (04.05) und in den anderen beprobten Regionen ab KW 20 (11.05) erreicht.

TM-Ertrag:

Die Bestände haben auch aufgrund der Trockenheit in diesem Jahr sehr moderate Zuwächse gehabt. Im Mittel konnten diese rund 5 dt Trockenmasse (TM) innerhalb einer Woche zulegen. Zum Zeitpunkt des 1.Schnitts lagen die kalkulierten TM-Erträge/ha im Agrargebiet Fränkische Platte bei 25 dt TM und den anderen Agrargebieten bei 31 dt TM. Zu beachten ist, dass die TM-Erträge gerade bei den Kleegrasflächen enorm schwanken können, da neben der Bewirtschaftungsart, Bestandszusammensetzung auch das Standjahr einen sehr entscheidenden Einfluss auf die Bestandsentwicklung hat.

Ergebnisse der Kleegrasbestände für die KW 20 mit Vorausschätzung auf KW 21

Grafik Aufwuchsverlauf Kleegras Tertiärhügelland KW 20/21

Kleegras Tertiärhügelland KW 20/21

Grafik Aufwuchsverlauf Kleegras Ostbayer. Mittelgebirge Süd KW 20/21

Kleegras Ostbayer. Mittelgebirge Süd KW 20/21

Grafik Aufwuchsverlauf Kleegras Jura Keuper Nordbay. Hügelland KW 20/21

Kleegras Jura, Keuper, Nordbay. Hügelland KW 20/21

Grafik Aufwuchsverlauf Kleegras Fränkische Platten KW 20/21

Kleegras Fränkische Platten KW 20/21

Wie funktioniert das?

Durch wöchentliche Probenahmen von Wiesen- und Kleegrasbeständen mit anschließender Nährstoffuntersuchung im Labor kann die Entwicklung der Bestände anhand der Inhaltsstoffe verfolgt werden.

Wer kann daran teilnehmen?

Mitmachen können Betriebe, sowohl konventionell als auch ökologisch bewirtschaftet, aus ganz Bayern mit Grünland bzw. Kleegrasflächen (Namen werden nicht veröffentlicht). Den Teilnehmern fallen keine Kosten für Porto und Laboruntersuchung an.

Was wird benötigt?

Von der LfL werden bereitgestellt : Probenbeutel, Versandboxen, Portomarken und Anleitung zur Probenanmeldung.
Selbst bereitgestellt werden muss:
  • Für den Standort repräsentative Wiese oder Kleegrasfläche (mind. 50% Kleeanteil)
  • (Motor-)Sense, Balkenmäher oder Kreiselmähwerk (kein Rasenmäher)
  • Meterstab/Maßband, Rechen, Waage

Wie erfolgt die Probenahme?

Das Aufwuchsmonitoring startet bei einer Aufwuchshöhe von 8 bis 10 cm – circa Anfang bis Mitte April (genauer Beginn wird bei Teilnahme bekannt gegeben).

Ablauf:

  • Probe immer sonntags oder montags auf der ausgewählten Fläche abmähen (Flächenbedarf: 1. Probenahme ca. 9-12 m2, weitere Probenahmen ca. 4-8 m2)
  • Mähgut wiegen und eine Mischprobe per Post an das LfL-Labor Grub schicken
  • Mischprobe im Online Laborprogramm „web-FuLab“ anmelden
  • Erstteilnehmer erhalten ein Erklärvideo zum Ablauf der Probenahme
Ende
Die wöchentliche Probenahme endet zwei Wochen, nachdem auf dem Betrieb siliert wurde.

Was bekommen die teilnehmenden Betriebe?

  • Wöchentliche Nährstoffergebnisse der eigenen Aufwuchsproben
  • Zusätzlich als Dankeschön: Kostenlose Untersuchung einer separaten Futterprobe auf Inhaltsstoffe, Gärparameter und Mineralstoffe

Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft (ITF), Barbara Misthilger
Tel.: 08161 8640-7431
E-Mail: barbara.misthilger@LfL.bayern.de

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