Einen Schnitt voraus – mit dem LfL-Grünlandmonitoring
Bayernweite Aufwuchsuntersuchungen zum ersten Schnitt im Grünland

Traktor mit Front- und Heckmähwerk beim Mähen einer Wiese

Auf der Zielgeraden zum 1.Schnitt – jetzt ist die Silierreife überall erreicht

„Mähwerk anhängen und los geht’s …“- das war das Arbeitsmotto in den letzten beiden Wochen auf den Betrieben in Bayern. Die sommerliche Witterung schaffte für die Wiesen ideales Silierwetter - ganz anders als im letzten Jahr, wo es zur selben Zeit nur geregnet hat. Aber auch dort, wo die Silierreife der Grasbestände noch nicht erreicht war, sorgten die sommerlichen Temperaturen jetzt für einen Wachstumsschub, sodass auch hier die Bestände gemäht werden können..

Rasche Veränderungen

Besonders im Agrargebiet Ostbayerisches Mittelgebirge Nord hat sich einiges bei den Grasbeständen getan. Dort sind die bisher noch niedrigen Trockenmasseerträge (TM-Ertrag) pro Hektar seit der vergangenen Woche deutlich angestiegen. Diese liegen jetzt bei 25 dt TM/ha. Aber nicht der Ertrag allein, sondern die Inhaltsstoffe sind das eigentlich Interessante und Entscheidende für den optimalen Schnittzeitpunkt. Denn mit dem eingesetzten Massewachstum ist die Verholzung der Gräser deutlich angestiegen. Im Mittel sind in diesem Agrargebiet die ADFom-Gehalte jetzt bei 265 g/kg TM. Damit liegen die Gehalte im gewünschten Orientierungsbereich von 260 g/kg TM. Durch den verzögerten Wachstumsstart der Gräser sind die Eiweißgehalte im Ostbayerischen Mittelgebirge Nord im Vergleich zu den anderen Agrargebieten bis jetzt langsamer abgefallen und liegen im Schnitt bei 175 g/kg TM. Um die Qualität der Inhaltsstoffe zu erhalten, ist auch in diesem Agrargebiet die Silierreife und damit der optimale Schnittzeitpunkt erreicht.
Während in den Gunstlagen des Agrargebiets Ostbayerisches Mittelgebirge Süd der optimale Schnittzeitpunkt schon erreicht wurde, kommen jetzt in den höheren Lagen dieses Agrargebiets die Bestände durch die wärmeren Temperaturen richtig ins Wachstum. Daher werden auch hier die Gräser in der kommenden Woche die Silierreife erreichen, obwohl der Flächenertrag gebietsweise geringer ausfällt. Aber dennoch ist wichtig: Klasse geht vor Masse!

…wenn’s zu spät ist, ist es zu spät

Wie zügig sich die Inhaltsstoffe in der Pflanze und damit auch deren Gehalte verändern, sobald der optimale Schnittzeitpunkt überschritten wurde, ist in den anderen vier Agrargebieten, die die Silierreife schon früher erreichten, deutlich zu erkennen. Durch die warmen Temperaturen sind die ADFom-Gehalte sprunghaft angestiegen, innerhalb einer Woche um 35 g/kg TM. Das zeigt, wie groß der Einfluss der Witterung auf die Entwicklung der Gräser ist. Durch das weitere Massewachstum sind zugleich die Eiweißgehalte deutlich zurückgegangen. In den vier Agrargebieten liegen diese jetzt durchschnittlich bei 140 g/kg TM und damit deutlich unter den für einen 1.Schnitt Grassilage angestrebten Orientierungsbereich von 160-170 g/kg TM. Die Auswirkungen der zunehmenden Verholzung und der gesunkenen Eiweißgehalte spiegeln sich in der daraus abgeleiteten Energie (MJ NEL) wider. Durch den deutlichen Anstieg des ADFom sind die Energiegehalte in den vier Agrargebieten auf im Schnitt 6,0 MJ NEL/kg TM rasant abgefallen. Durch die Veränderungen der Inhaltsstoffe können diese schnell außerhalb des Orientierungsbereichs liegen. Daher sind die Aufwuchsprognosen im Rahmen des Grünlandmonitorings sehr hilfreich. Anhand der Entwicklung der untersuchten Inhaltsstoffe kann der optimale Schnittzeitpunkt frühzeitig abgeleitet und gezielt geplant werden.
Das Monitoring wird noch bis zur 21. Kalenderwoche (23.05) fortgeführt.

Auf den ersten folgt der zweite

Auch wenn der 1.Schnitt gerade ins Silo gekommen ist, sollte jetzt schon die Entwicklung des 2.Schnitts verfolgt werden. Die zunehmenden Tageslängen bis Mitte Juni und die wärmeren Temperaturen fördern das generative Wachstum der Gräser. In diesem Stadium bildet das Gras statt Blattmasse in erster Linie Stängel zur Blütenbildung aus. Dadurch steigen bereits bei geringen Blattwachstum die ADFom-Gehalte im Aufwuchs schneller an. Daher sollte der zweite Schnitt noch vor dem Ähren- und Ripsenschieben erfolgen.

Großes Dankeschön

Im Rahmen des Grünlandmonitorings wollen wir uns bei allen teilnehmenden Betrieben an dieser Stelle herzlich bedanken! Nur durch ihre Unterstützung ist es möglich, bayernweit Aufwuchsuntersuchungen im Grünland durchzuführen, um daraus Schnittzeitpunktprognosen für den 1.Schnitt abzuleiten. Gerne nehmen wir auch aus ganz Bayern neue Teilnehmer mit in unser Aufwuchsmonitoring auf. Sowohl konventionell als auch ökologisch wirtschaftende Betriebe sind willkommen. Wer Interesse hat, darf sich gerne an das Lf-Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft wenden.

Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft, LfL
Tel.: 08161- 8640 7401
Fax: 08161- 8640 7412
E-Mail: ite@lfl.bayern.de
Internet: www.lfl.bayern.de/ite Externer Link

Was wächst? Aufwuchsprognosen helfen und nutzen

Landkarte von Bayern mit farbigen Agrargebieten.Zoombild vorhanden

Karte der Agrargebiete Bayern

Für eine hohe Grundfutterqualität sind immer mehrere Faktoren entscheidend, die aufeinander aufbauen. Neben der Bestandszusammensetzung, Pflegemaßnahmen im Frühjahr und Düngung ist der wichtigste und mitunter entscheidendste Faktor der optimale Schnittzeitpunkt. Daher führt die LfL in den kommenden Wochen wieder das bayernweite Grünlandmonitoring zum 1. Schnitt durch. Dabei werden wöchentlich Wiesengrasbestände beprobt und im Futterlabor in Grub auf die enthaltenen Inhaltsstoffe (z. B. Eiweiß, Zucker, ADFom) analysiert und daraus die Energiegehalte abgeleitet. Durch das mehrwöchige durchgängige Beproben der Wiesen können somit die Entwicklungen der Bestände genau beobachtet und frühzeitig der ideale Zeitraum für den 1. Schnitt hergeleitet werden. Die ersten Ergebnisse zu den Inhaltsstoffen und Erträgen der bis jetzt durchgeführten Probeschnitte werden im landwirtschaftlichen Wochenblatt und an dieser Stelle veröffentlicht. Die analysierten Werte der bayernweit gezogenen Proben werden dann in sechs Agrargebieten zusammenfassend dargestellt. Die Einordnung der einzelnen Regionen Bayerns zu den Agrargebieten erfolgt nach klimatischen und geografischen Gegebenheiten (siehe Karte).