Forschungs- und Innovationsprojekt
Umsetzung nachhaltiger Bekämpfungsstrategien gegen den Ackerbohnenkäfer (Bruchus rufimanus Boh.) zur Sicherung der Saatgutqualität

weiße Blüte der Ackerbohne auf der ein Ackerbohnenkäfer sitztZoombild vorhanden

Foto: Nina Prinz

Umsetzung nachhaltiger Bekämpfungsstrategien gegen den Ackerbohnenkäfer (Bruchus rufimanus Boh.) zur Sicherung der Saatgutqualität für die heimischen Produktion von Ackerbohnen (Vicia faba L.)

Das vermehrte Auftreten des Ackerbohnenkäfers in Bayern sowie in allen gemäßigten Zonen weltweit erschwert zunehmend die Produktion von Ackerbohnensaatgut und sorgt somit für Knappheit und Preisteuerungen auf dem Saatgutmarkt. Dies tritt vor allem nach Jahren mit überdurchschnittlichen Temperaturen und bei geringen bis mittleren Niederschlägen in den Sommermonaten auf. Zusätzlich mindert der Befall von Ackerbohnen mit lebenden oder toten Samenkäfern bzw. deren Rückstände die Verbraucherakzeptanz für Ackerbohnen in der Humanernährung stark. Da derzeit im konventionellen Ackerbau nur Pyrethroid-Insektizide mit unzureichendem Erfolg gegen den Schädling eingesetzt werden dürfen und im Ökolandbau keine effektiven Bekämpfungsmaßnahmen zur Verfügung stehen, arbeitet die Arbeitsgruppe Saatgutforschung und Proteinelektrophorese intensiv an der Ausarbeitung duftstoff-basierter Vergrämungsmittel.

Projektziele

Der Bekämpfungserfolg in Form der merklichen Reduktion des Käferbefalls durch die biologische Verwirrung und Vergrämung der Schädlinge durch die Ausbringung natürlicher flüchtiger Substanzen ("Duftstoffe") wurde 2022 und 2023 in einer zweijährigen Feldversuchsreihe im Vorgängerprojekt "Bohnkaef" bereits nachgewiesen. Nun sollen die anschließenden drei Versuchsperioden genutzt werden, um die bestehenden Wissenslücken über optimale Applikationszeitpunkte und vor allem quantitative Applikationsmengen sowie Applikationsmethoden zu schließen.

Bohnkaef – Verbesserung der Saatgutqualität bei Ackerbohnen (Vicia faba) zur Sicherstellung der heimischen Saatgutversorgung

Methoden

Feldversuch
Im Versuchsjahr 2024 lag der Fokus auf zwei ätherischen Ölen sowie einem synthetisch hergestellten grünen Blattduftstoff. Diese Duftstoffe wurden mithilfe zweier Slow-Release-Methoden in unterschiedlichen Mengen und auf verschiedene Weisen im Feld freigesetzt.
Zur Bestimmung der Verweildauer der flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs – volatile organic compounds) unter Freilandbedingungen kamen sogenannte Headspace-Analysen zum Einsatz. Die VOCs wurden regelmäßig mithilfe sogenannter „Twister“ (Adsorptionskörper) gesammelt. Die Analyse erfolgte am Julius-Kühn-Institut (JKI), Fachbereich für ökologische Chemie, Pflanzenanalytik und Vorratsschutz, mittels Gaschromatographie (GC-FID und GC/MS).
Das Versuchsdesign folgte einem Split-Plot-Ansatz: Die Hauptparzellen unterschieden sich in der Ausbringungsmethode (aktiv/passiv), während die Unterparzellen verschiedene Duftstoffbehandlungen erhielten. Dieses Design ermöglicht eine differenzierte statistische Auswertung einzelner Faktoren sowie möglicher Interaktionen.
Im ersten Versuchsjahr wurden verschiedene aktive und passive Verteilmethoden der Duftstoffe miteinander verglichen, um deren Effizienz und Stabilität im Feld zu bewerten. Regelmäßig wurde die Duftstoffzusammensetzung in der Luft überprüft und deren potenzieller vertreibender Effekt auf den Ackerbohnenkäfer anhand der Befallsrate untersucht. Nach der Ernte wurden die Keimfähigkeit des Saatguts sowie das Tausendkorngewicht analysiert, um mögliche Auswirkungen der Behandlungen auf die Saatgutqualität zu ermitteln.
Im Versuchsjahr 2025 wurde das Projekt um einen Intercropping-Versuch mit Senf erweitert, um zusätzliche potenzielle Effekte auf Schädlingsdynamik und Ertrag zu erfassen.
Olfaktometer Tests
Im Jahr 2025 wurden Olfaktometer-Tests mit im Labor überwinterten und vom Feld gefangenen Ackerbohnenkäfern durchgeführt. Ein 4-Arm-Olfaktometer diente der Untersuchung des Geruchsverhaltens der Insekten gegenüber verschiedenen Duftstoffen. Das sternförmige System besteht aus einer zentralen Arena mit vier Armen, die jeweils mit gefilterter Luft oder einem Duftstoff bespielt werden können. In jedem Arm herrscht ein konstanter Luftstrom mit definiertem Durchfluss, um eine gleichmäßige Duftverteilung zu gewährleisten. Die Luft wird vor Eintritt ins System durch Aktivkohle gefiltert und befeuchtet, um Störeffekte zu minimieren. Ein Arm enthält den Testduftstoff, die übrigen drei reine Kontrollluft. Die Position des Duftstoffarms wird zwischen den Replikaten systematisch gewechselt, um Positionsartefakte zu vermeiden. Die Käfer werden einzeln in die zentrale Kammer gesetzt und können sich frei in alle Richtungen bewegen. Die Versuchszeit beträgt fünf Minuten. Währenddessen wird aufgezeichnet, wie lange sich das Tier in den jeweiligen Armen aufhält. Die Aufenthaltsdauer dient als Maß für Präferenz oder Aversion gegenüber dem jeweiligen Geruchsreiz. Zur statistischen Auswertung wird die Aufenthaltsdauer im Duftstoffarm mit der bei zufälliger Verteilung erwarteten Zeit (75 Sekunden bei 300 Sekunden Gesamtzeit) verglichen. Ein Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test prüft auf signifikante Abweichungen von der Nullhypothese.

Ergebnisse

Feldversuche

Im ersten Versuchsjahr konnten bereits wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, die die Planung der kommenden Versuche maßgeblich beeinflussen. Es zeigte sich, dass bei einer zu niedrigen Ausbringungshöhe kaum Duftstoffe im Luftraum nachweisbar waren. Zudem wurden bei der aktiven Ausbringungsmethode die Duftstoffe zu schnell abgegeben, sodass diese nicht dauerhaft im Luftraum vorhanden waren. Ein Einfluss auf den Käferbefall war deshalb nur schwer feststellbar. Wie Abbildung unten zeigt, wiesen Behandlungen mit hohen Duftstoffmengen zwar eine geringere Befallsrate auf, jedoch war dieser Unterschied statistisch nicht signifikant. Im Gemengeversuch mit weißen Senf konnte keine Befallsreduzierung festgestellt werden.

Olfaktometer-Tests 2025

Im Labor wurden 2025 gezielte Verhaltensversuche mit Ackerbohnenkäfern durchgeführt, um deren Reaktion auf verschiedene Duftstoffe unter kontrollierten Bedingungen zu untersuchen. Kamminze, Linalool und Koriandersamenöl konnten die Aufenthaltsdauer der Käfer in den mit Duftstoffen versehenen Bereichen signifikant reduzieren. Diese Stoffe wirkten somit abschreckend auf die Käfer. Beim weißen Senf konnte ein solcher Effekt hingegen nicht festgestellt werden. Dieses Ergebnis deckt sich somit mit den Freilandbeobachtungen, bei denen ein Gemengeanbau mit weißem Senf keine Reduktion der Befallsrate zeigte.
Zusätzlich wurden Unterschiede zwischen Geschlechtern und Entwicklungsstadien deutlich. Weibliche Käfer wurden von blühenden Ackerbohnen angezogen, während männliche Käfer die Wirtspflanze ohne die Anwesenheit von Weibchen eher mieden. Dies deutet darauf hin, dass pflanzliche Duftstoffe und Sexualsignale gemeinsam eine Rolle bei der Wirtspflanzenfindung spielen könnten. Unreife Käfer zeigten insgesamt eine stärkere Meidung der Wirtspflanze als reife Tiere. Dies spricht für unterschiedliche Strategien bei der Wirtssuche im Lebenszyklus des Schädlings. Die Ergebnisse zeigen, dass bestimmte pflanzliche Duftstoffe das Verhalten des Ackerbohnenkäfers gezielt beeinflussen können. Damit eröffnen sich neue Ansätze für eine umweltfreundliche, verhaltensbasierte Regulierung dieses Schädlings, insbesondere im ökologischen Landbau.
Logo des Ministeriums und Forschungsland Bayern.

Projektinformation
Projektleitung: Dr. Berta Killermann, Arbeitsgruppe Saatgutforschung und Proteinelektrophorese (IPZ 6d)
Projektbearbeitung: Nina Prinz, Arbeitsgruppe Saatgutforschung und Proteinelektrophorese (IPZ 6d)
Projektlaufzeit: 01.01.2024 – 31.03.2027
Projektpartner: Julius-Kühn-Institut (JKI), Institut für ökologische Chemie, Pflanzenanalytik und Vorratsschutz
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF)
Förderkennzeichen: E/23/04