Sommergerste – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Sommergerstenähren im Feldbestand

In Bayern wurde heuer auf rund 82 300 ha Sommergerste angebaut. Dies sind 12 % weniger als im Vorjahr. Die Anbaufläche erreichte damit einen historischen Tiefststand. Der bisher niedrigste Anbauumfang aus dem Jahr 2016 mit 90 200 ha wurde deutlich unterschritten. Die Praxis erntete im Schnitt 50 dt/ha Sommergerste. Das Vorjahresergebnis wurde damit um 4 dt/ha und das Zehnjahresmittel um 3 dt/ha verfehlt. Die optimistische Ertragseinschätzung aus dem Frühsommer erfüllte sich somit nicht.

Nach einer meist problemlosen Aussaat entwickelte sich die Gerste aufgrund der kühlen und gebietsweise trockenen Witterung im April sowie des nass-kalten Maiwetters zunächst häufig nur zögerlich. Durch den warmen, niederschlags- und sonnenscheinreichen Juni wurde der Entwicklungsrückstand jedoch wieder deutlich aufgeholt und die Bestände präsentierten sich vielversprechend. Heuer bekamen auch die sonst häufig unter Trockenheit leidenden nordbayerischen Regionen ausreichend Wasser. Die niederschlagsreiche Witterung hielt bis Ende August. Dies hatte zur Folge, dass einige Bestände erst verspätet und bei schwierigen Bedingungen gedroschen werden konnten. Diese Partien wiesen teilweise erhöhte Feuchtegehalte und eine gräuliche Kornfarbe, ausgelöst durch Schwärzepilze, auf. Auch niedrige Fallzahlen, die auf verdeckten Auswuchs hinweisen, wurden gefunden.

Sortenverteilung

Die beliebtesten Sommergerstensorten im Freistaat waren heuer Accordine, Avalon, Solist, und RGT Planet. Auf etwa 85 % der Schläge stand eine dieser Sorten. Das Sortenspektrum unterscheidet sich je nach Region etwas. In Franken wurde beispielsweise häufig Solist angebaut. In Südbayern wählten dagegen nur wenige Landwirte diese Sorte.

Qualität in der Praxis

Heuer wurde die Qualität von 70 Sommergerstenpartien aus ganz Bayern analysiert. Anhand dieser Daten wird dann das bayerische Mittel gebildet.

Rohproteingehalt

Die Proben wiesen im Mittel einen Rohproteingehalt von 10,6 % auf und damit um rund 0,3 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr und im Zehnjahresmittel. Von den Mälzern und Brauern wird in der Regel ein Rohproteingehalt zwischen 9,0 und 11,5 % gewünscht. Diese Anforderungen konnten im Schnitt der letzten zehn Jahre knapp zwei Drittel der bayerischen Sommergersten erfüllen. Heuer erreichten dieses Ziel gut 70 % der Partien.

Kornqualität

Das Hektolitergewicht verfehlte in diesem Jahr mit 65 kg/hl den Mehrjahresschnitt um 3 kg/hl. Auch des Tausendkorngewicht (TKG) war mit 44 g um 3 g niedriger als das Mittel.
Die Verarbeiter bemängelten heuer häufiger eine schwache Sortierung. Auch die Versuchsstandorte Hartenhof (Neumarkt) und Markersreuth (Hof) lieferten mit einem Vollgerstenanteil (> 2,5 mm) von 76 % bzw. 81 % unterdurchschnittliche Gehalte. Die Vollgerstenanteile der untersuchten Praxisproben lagen jedoch im Bereich des zehnjährigen Mittels von 90 %.

Landessortenversuche

Die Landessortenversuche (LSV) standen heuer an sieben Orten, wovon zwei Versuche wegen Hagelschlag nicht auswertbar waren.

Rentabilität des Pflanzenschutzmitteleinsatzes

Im LSV werden alle Sorten in einer extensiven (ohne Fungizide, ohne/wenig Wachstumsregler) und einer intensiven Stufe, die Fungizide und Wachstumsregler nach Bedarf erhält, geprüft. In den optimal geführten Varianten konnten im Mittel der letzten fünf Jahre 8 dt/ha (13 %) mehr geerntet werden. Dem gegenüber steht ein Mehraufwand von etwa 100 €/ha. Der Zusatzaufwand war jedoch nicht immer wirtschaftlich. Etwa bei einem Drittel der Versuche rentierte er sich nicht.
Häufig bringt die Intensitätssteigerung eine Verbesserung der Qualität. Im Zehnjahresmittel konnten durch den zusätzlichen Pflanzenschutzaufwand der Vollgerstenanteil von 86 auf 92 %, das Hektolitergewicht um 1,5 kg und das Tausendkorngewicht (TKG) um 3 g verbessert werden.

Sortenempfehlung

In die staatliche Sortenempfehlung wird eine Braugerstensorte erst nach mehrjähriger Prüfung im LSV aufgenommen. Neben hohen und stabilen Erträgen und ansprechenden Anbaueigenschaften muss sie auch eine gute Malz- und Brauqualität aufweisen.
Die Bewertung der Qualität wird vom Sortengremium des Berliner Programms vorgenommen. Dieses setzt sich aus Vertretern der Landwirtschaft, der deutschen Mälzereien und Brauereien sowie aus Wissenschaftlern zusammen. Entscheidend für die Qualitätsbeurteilung sind Mälzungs- und Brauversuche, die im Rahmen des Berliner Programms mit allen Neuzulassungen in kleinerem und mit ausgewählten Sorten in größerem Umfang durchgeführt werden. Wird eine Sorte für gut befunden, erhält sie eine Verarbeitungsempfehlung. Bis auf RGT Planet bekamen alle mehrjährig geprüften LSV-Sorten diese Empfehlung.
Die Beurteilung der agronomischen Eigenschaften, der Krankheitsresistenzen und des Ertragspotentials erfolgt durch Experten von den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.