Sommergerste – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Sommergerstenähren im Feldbestand

In Bayern stand heuer auf rund 93 400 ha Sommergerste und damit um 8 % weniger als im Vorjahr. Die Anbaufläche lag damit nur etwas über dem Tiefststand von 90 200 ha im Jahr 2016.

In Bayern wurden heuer in der Praxis im Schnitt 54 dt/ha Sommergerste geerntet. Die Erträge liegen damit um knapp 8 dt/ha höher als im Vorjahr und um 2 dt/ha über dem Zehnjahresmittel. Wie auch 2019 gibt es im Ertrag ein Süd-Nord-Gefälle. Während in Südbayern das langjährige Ertragsmittel von 58 dt/ha merklich übertroffen wird, erreichen die Durchschnittserträge in Franken das Mittel von 49 dt/ha nicht ganz. Die bayernweite mehrwöchige Trockenheit nach der Saat sowie der in Franken regional zum Teil stark ausgeprägte Wassermangel bis Anfang Juni waren hauptverantwortlich für das schwächere Abschneiden im Norden. Die regenreiche, wüchsig-warme Juniwitterung ohne längere Hitzephasen führte bayernweit zu einer guten Kornausbildung.

Die beliebtesten Sommergerstensorten im Freistaat waren heuer Avalon, Accordine, Solist, RGT Planet und Grace. Auf rund 95 % der Schläge stand eine dieser Sorten. Dabei unterscheidet sich das Sortenspektrum je nach Region etwas. Während Avalon und Accordine bayernweit häufig vertreten waren, wurden Solist und RGT Planet vor allem in Nordbayern und Grace in Südbayern angebaut.

Kornqualität in der Praxis

Jedes Jahr werden von 115 zufällig ausgewählten und jährlich wechselnden bayerischen Sommergerstenschlägen die Erträge und verschiedene Qualitätsparameter gemessen. Anhand dieser Daten wird dann das bayerische Mittel gebildet.
Die Rohproteingehalte liegen heuer im bayerischen Mittel mit 10,9 % minimal unter dem Zehnjahresschnitt von 11,0 %, aber deutlich unterhalb des Vorjahreswerts von 11,6 %. Von den Mälzern und Brauern wird in der Regel ein Rohproteingehalt zwischen 9,0 und 11,5 % gewünscht. Diese Anforderungen konnten im Schnitt der letzten zehn Jahre knapp zwei Drittel der bayerischen Sommergersten erfüllen. Heuer erreichen dieses Ziel fast 70 % der Partien.
Der Vollgerstenanteil weist dieses Jahr mit 95 % ebenfalls ein hohes Niveau auf und übertrifft somit den mehrjährigen Schnitt von 89 % deutlich. Hohe Werte wurden auch beim Hektolitergewicht (69 kg) und dem Tausendkorngewicht (48 g) gemessen. Das Zehnjahresmittel wird um 1 kg bzw. 3 g übertroffen.

Landessortenversuche

Die Landessortenversuche (LSV) standen heuer an sieben Orten, alle Versuche waren auswertbar.

Rentabilität des Pflanzenschutzmitteleinsatzes

Im LSV werden alle Sorten in einer extensiven Stufe (ohne Fungizide, ohne/wenig Wachstumsregler) und einer intensiven Stufe, die Fungizide und Wachstumsregler nach Bedarf erhält, geprüft. In den optimal geführten Varianten konnten im Mittel der letzten fünf Jahre 9 dt/ha (14 %) mehr geerntet werden, wobei die Ertragszuwächse je nach Krankheits- und Lagerdruck zwischen –2 und +27 dt/ha schwankten. Dem gegenüber steht ein Mehraufwand von etwa 100 €/ha. Der Zusatzaufwand war jedoch nicht immer wirtschaftlich. An 30 % der Versuchsorte rentierte er sich nicht.
Häufig bringt die Intensitätssteigerung eine Verbesserung der Qualität. Im Mittel der Jahre 2016 bis 2020 konnten durch den zusätzlichen Pflanzenschutzaufwand der Vollgerstenanteil von 88 auf 93 %, das Hektolitergewicht um 1,6 kg und das Tausendkorngewicht (TKG) um 3 g verbessert werden.

Sortenempfehlung

In die staatliche Sortenempfehlung wird eine Braugerstensorte erst nach mehrjähriger Prüfung im LSV aufgenommen. Neben hohen und stabilen Erträgen und ansprechenden Anbaueigenschaften muss sie auch eine gute Malz- und Brauqualität aufweisen.
Die Bewertung der Qualität wird vom Sortengremium des Berliner Programms vorgenommen. Dieses setzt sich aus Vertretern der Landwirtschaft, der deutschen Mälzereien und Brauereien sowie aus Wissenschaftlern zusammen. Entscheidend für die Qualitätsbeurteilung sind Mälzungs- und Brauversuche, die im Rahmen des Berliner Programms mit allen Neuzulassungen in kleinerem und mit ausgewählten Sorten in größerem Umfang durchgeführt werden. Wird eine Sorte für gut befunden, erhält sie eine Verarbeitungsempfehlung. Bis auf RGT Planet bekamen alle mehrjährig geprüften LSV-Sorten diese Empfehlung.
Die Beurteilung der agronomischen Eigenschaften, der Krankheitsresistenzen und des Ertragspotentials erfolgt durch Experten aus den Fachzenten Pflanzenbau der Landwirtschaftsämter und der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.