Hafer – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Haferähren

Heuer wurde im bayerischen Mittel ein unterdurchschnittlicher Ertrag erzielt. Die konventionellen Betriebe ernteten im Schnitt 48 dt/ha und damit um 2 dt/ha weniger als im zehnjährigen Schnitt. In Bayern wird mittlerweile ein verhältnismäßig großer Teil der Haferfläche ökologisch bewirtschaftet. Vor ein paar Jahren betrug der Ökoanteil etwa ein Drittel. Heuer stand sogar auf rund 50 % der Flächen Öko-Hafer. Bei Weizen und Gerste ist der Prozentsatz deutlich geringer.
In die vom statistischen Landesamt veröffentlichten Hektarerträge fließen beide Wirtschaftsweisen ein - konventionell und ökologisch, entsprechend ihrem Flächenanteil in der Praxis. So ergibt sich 2021 ein bayerischer Durchschnittsertrag bei Hafer von 43 dt/ha.

Der Ertragsunterschied zwischen diesen offiziellen Ergebnissen und den Landessortenversuchen (LSV) ist bei Hafer besonders groß. Der hohe Ökoanteil bei der Ertragsermittlung, der Anbau auf meist ungünstigeren Standorten und die oft nicht optimale Bestandesführung haben sicherlich zu dem schwachen Abschneiden in der Praxis beigetragen. Zudem steht Hafer in der Fruchtfolge in der Regel nicht an der besten Position, da er dies aufgrund seiner Anspruchslosigkeit, seiner guten Wurzelleistung sowie seiner Resistenz gegenüber Fußkrankheiten (Halmbruch, Schwarzbeinigkeit) besser als Weizen und Gerste verkraftet. Dass unter günstigen Bedingungen gute Ergebnisse bei gleichzeitig geringem Produktionsmittelaufwand möglich sind, zeigen die Landessortenversuche und die jährlichen Ertragsmessungen von rund 70 zufällig in Bayern ausgewählten Praxisfeldern. Hektarerträge von über 70 dt/ha werden dort regelmäßig von den besten Schlägen erzielt.

Anbaubedeutung

Der Haferanbau verlor in den letzten fünfzig Jahren massiv an Bedeutung. Von 160 000 ha Anfang der 1970er Jahre nahm die Fläche in Bayern nahezu kontinuierlich bis ins Jahr 2019 auf 21 000 ha ab. Seit zwei Jahren ist wieder ein deutlicher Anstieg auf heuer rund 35 000 ha zu verzeichnen. Ein Grund für die Anbauausdehnung ist die zunehmende Beliebtheit von Hafer in der menschlichen Ernährung. Bevor Hafer als Lebensmittel eingesetzt werden kann, muss er, anders als in der Tierernährung, zunächst entspelzt (geschält) werden. Dies erfolgt in speziellen Mühlen, den Schälmühlen.

Verwertung und Ansprüche an Mindestqualität

Das zentrale Qualitätskriterium beim Handel ist in der Regel das Hektolitergewicht (Hl-Gewicht). Die Mindestanforderungen variieren je nach Abnehmer und Verwendungszweck meist zwischen 50 und 55 kg, wobei die niedrigeren Werte für Futterhafer gelten. Obwohl vom Hl-Gewicht nicht zuverlässig auf die Haferqualität (z.B. Kernausbeute, Schälbarkeit) geschlossen werden kann, wird es als Qualitätskriterium verwendet, da es keine bessere, preiswerte andere Schnellmethode gibt. Neben der Umwelt hat die Sorte Einfluss auf die Höhe des Hl-Gewichts. In den bayerischen Landessortenversuchen treten Sortenunterschiede von 3 kg auf. Durch Reinigen und Sortieren der Partie lässt sich das Hl-Gewicht verbessern.

Schälmühlen

Schälmühlen stellen häufig noch weitere Anforderungen an den Hafer wie z.B. Mindestwerte bei Sortierung (mind. 90 % über 2,0 mm), Kernausbeute (meist zwischen 67 und 74 %), Entspelzbarkeit oder Tausendkorngewicht. Gute Schälhaferqualitäten lassen sich am ehesten auf Standorten mit gesicherter Wasserversorgung, moderaten Temperaturen während der Kornfüllung und bei trockenen Abreifebedingungen erzeugen. Auch die Vermeidung von Lager, eine termingerechte Ernte und das rasche Erreichen einer Kornfeuchte von maximal 14 % tragen zum Erfolg bei.
Falls man den Anbau von Schälhafer ausprobieren möchte, ist es empfehlenswert sich über den Absatzweg und die Qualitätsanforderungen vorab zu informieren. Außerdem gibt es zum Teil Einschränkungen bei der Sortenwahl und im Pflanzenschutz.

Sortenwahl

Da die Ertragsunterschiede im aktuellen Hafersortiment gering sind, gewinnen andere Eigenschaften wie Standfestigkeit und Halmstabilität bei der Sortenwahl an Bedeutung. Vor allem bei feuchter Abreifewitterung ist auch eine gleichzeitige Reife von Korn und Stroh vorteilhaft, da feuchtes Stroh zu Ernteverzögerungen sowie zu Druschproblemen führen kann. Krankheiten sind meist nicht bekämpfungswürdig. Resistenzen spielen deshalb eine eher untergeordnete Rolle. Wird Hafer verkauft, bieten Sorten mit hohem Hektolitergewicht mehr Vermarktungssicherheit.
Anhand der Spelzenfarbe werden die Hafersorten in Gelb-, Weiß- und Schwarzhafer eingeteilt. Während in Bayern traditionell Gelbhafer dominieren, sind in Norddeutschland sowohl Gelb- als auch Weißhafer verbreitet. Daneben gibt es noch Schwarzhafer, die vor allem bei Pferdehaltern beliebt sind, ertraglich jedoch etwas abfallen. Schwarzhafer werden von Schälmühlen nicht abgenommen.
In Deutschland wird größtenteils Sommerhafer angebaut. Winterhafer, der wie Winterweizen im Herbst gesät wird, hat durch seine längere Vegetationszeit ein höheres Ertragspotenzial, ist aber wegen seiner nicht immer ausreichenden Winterhärte riskant.

Landessortenversuch Ergebnisse

In diesem Jahr standen acht Spelzhafersorten - alle Gelbhafer- auf fünf Standorten in Bayern im LSV zur Prüfung, wobei nur einer wertbar war. Zwei der LSV wurden durch Hagel zerstört. Starkes Lager, Auswuchs und teilweise Zwiewuchs machten zwei weitere Versuche unbrauchbar.
In den Hafer-LSV wird auf Fungizide verzichtet. Wachstumsregler werden in Bayern nach Bedarf eingesetzt. Sie bringen auf lagergefährdeten Standorten häufig wirtschaftliche Mehrerträge. Übermäßige Wachstumsreglergaben sollten allerdings vermieden werden, da diese auch zu Ertragseinbußen führen können. Bei sehr standfesten Sorten ist keine Halmverkürzung nötig.

Aktuelle Ergebnisse

Die Ertragsergebnisse der bayerischen Anbaugebiete werden um die Ergebnisse von Versuchsstandorten benachbarter Bundesländer und wegen der geringen Anzahl der Versuche in einer Großraumverrechnung ‚Anbaugebiete Süddeutschland‘ zusammengeführt.
So gehen in die Ertragsauswertung neben den bayerischen Ergebnissen auch die Versuche aus Baden-Württemberg, den südlichen Regionen von Hessen, Thüringen und Sachsen sowie aus Teilen von Rheinland-Pfalz ein. Der einjährigen Verrechnung liegen je nach Sorte sieben bis neun, der mehrjährigen 26 bis 80 Versuchsergebnisse zu Grunde.