Hafer – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Haferähren

Heuer wurden von den konventionell wirtschaftenden Betrieben im bayerischen Mittel 54 dt/ha Hafer geerntet. Das Zehnjahresmittel konnte damit um knapp 5 dt übertroffen werden. In der Praxis wird mittlerweile ein verhältnismäßig hoher Anteil der Haferfläche ökologisch bewirtschaftet. Etwas mehr als ein Drittel betrug der Ökoanteil im Vorjahr. In die von den statistischen Landesämtern veröffentlichten Hektarerträge fließen beide Wirtschaftsweisen mit ein. Der Durchschnittsertrag 2020, einschließlich Ökohafer, beträgt 48 dt/ha.

Dass unter günstigen Bedingungen hohe Erträge bei gleichzeitig geringem Produktionsmittelaufwand möglich sind, zeigen die Landessortenversuche (LSV) und die jährlichen Ernteerhebungen von 75 zufällig in Bayern ausgewählten Praxisfeldern. Hektarerträge von über 70 dt werden dort von den besten Schlägen regelmäßig erzielt.

Anbaubedeutung

Der Haferanbau verlor in den letzten fünfzig Jahren massiv an Bedeutung. Anfang der 1970er Jahre betrug die Fläche in Bayern noch rund 160 000 ha. Im Laufe der Jahre ging der Anbau fast stetig zurück und erreichte immer wieder neue Tiefstände. Mit 21 000 ha wurde im Vorjahr die geringste Fläche gemessen. Heuer konnte der Abwärtstrend mit 27 300 ha unterbrochen werden und auch deutschlandweit war eine deutliche Flächenausweitung zu beobachten.

Verwertung und Ansprüche an Mindestqualität

In Bayern wird Hafer zum Großteil verfüttert. Für die menschliche Ernährung muss er, anders als in der Tierernährung, zuerst geschält werden, um die Spelzen zu entfernen. Da es in Bayern keine großen Hafermühlen für konventionellen Hafer gibt, spielt hier die Erzeugung von Schälhafer, trotz des seit Jahren steigenden Bedarfs, nur eine geringe Rolle. Hinzu kommt, dass Schälmühlen einheitliche, sortenreine, große sowie qualitativ hochwertige Partien zu günstigen Preisen wünschen. Diese sind in Bayern kaum vorhanden. Um den Bedarf zu decken, importieren die deutschen Mühlen große Hafermengen vor allem aus Finnland, Schweden und Polen.
Das zentrale Qualitätskriterium beim Handel ist meist das Hektolitergewicht (Hl-Gewicht). Die Mindestanforderungen variieren je nach Abnehmer in der Regel zwischen 50 und 55 kg. Obwohl das Hl-Gewicht keine zuverlässige Aussage über die Haferqualität zulässt, wird es als Qualitätskriterium verwendet, da es keine bessere, billige und schnell durchzuführende andere Methode gibt. Neben der Umwelt hat die Sorte Einfluss auf die Höhe des Hl-Gewichts. Im bayerischen Landessortenversuch treten Sortenunterschiede von bis zu 4 kg auf. Das Hl-Gewicht einer Partie lässt sich durch Reinigen und Sortieren verbessern.

Schälhafer

Schälmühlen stellen darüber hinaus weitere Anforderungen wie z.B. gut und leicht zu entspelzende Körner, geringen Spelzenanteil (Höchstwert je nach Verarbeiter meist zwischen 26 und 30 %), gute Sortierung (90 % über 2,0 mm) und den Anbau bestimmter Sorten. Aufgrund der Witterung ist es in Bayern schwierig die Mindestanforderungen, insbesondere bei Hl-Gewicht und Spelzengehalt zuverlässig zu erzielen. Die geforderten Qualitäten lassen sich am ehesten auf Standorten mit gesicherter Wasserversorgung, moderaten Temperaturen während der Kornfüllung und bei trockenen Abreifebedingungen erzeugen. Auch das Vermeiden von Lager, eine termingerechte Ernte und das rasche Erreichen einer Kornfeuchte von maximal 14 % tragen zum Anbauerfolg bei.
Spielen Sie mit dem Gedanken den Anbau von Schälhafer auszuprobieren, ist es empfehlenswert sich über den Absatzweg und die Qualitätsanforderungen vorab zu informieren. Außerdem sollten die Sorte wie auch der Pflanzenschutz mit dem zukünftigen Abnehmer abgestimmt werden.

Sortenwahl

Unabhängig von der Verwertungsrichtung sollte bei der Sortenwahl Wert auf hohe und stabile Erträge, auf eine geringe Lagerneigung sowie auf Strohstabilität gelegt werden. Vor allem bei wechselhafter Witterung während der Abreife ist auch eine gleichzeitige Reife von Korn und Stroh vorteilhaft, da feuchtes Stroh zu Ernteverzögerungen sowie zu Druschproblemen führen kann. Krankheiten treten selten stärker auf. Resistenzunterschiede spielen deshalb eine untergeordnete Rolle.
Anhand der Spelzenfarbe werden die Hafersorten in Gelb-, Weiß- und Schwarzhafer unterteilt. In Bayern dominieren traditionell Gelbhafer. Obwohl von der Spelzenfarbe nicht auf die Qualität geschlossen werden kann, bevorzugen manche Abnehmer bestimmte Spelzenfarben. Da Schwarzhafersorten in der Regel einen geringeren Ertrag aufweisen, ist der Anbau nur bei Preisaufschlägen sinnvoll.
In Bayern wird fast nur Sommerhafer angebaut. Winterhafer (z.B. Fleuron), der wie Wintergetreide im Herbst gesät wird, hat zwar durch seine längere Vegetationszeit ein höheres Ertragspotenzial, ist aber wegen seiner nicht immer ausreichenden Winterhärte auswinterungsgefährdet.

Landessortenversuch Ergebnisse

In diesem Jahr standen acht Spelzhafersorten - davon sieben Gelb- und ein Weißhafer - auf fünf Standorten in Bayern im LSV zur Prüfung, wobei nur vier wertbar waren. Die Standort Köfering fiel wegen Hagelschäden aus.
Da der Einsatz von Fungiziden bei dem relativ blattgesunden Hafer oft nicht rentabel ist, wird in den bayerischen LSV darauf verzichtet. Wachstumsregler bringen dagegen auf lagergefährdeten Standorten häufig wirtschaftliche Mehrerträge. Sie werden deshalb im Versuch nach Bedarf eingesetzt. Übermäßige Gaben sollten allerdings vermieden werden, da diese zu Ertragseinbußen führen können. Bei sehr standfesten Sorten wie dem Kurzstrohhafer Troll kann auf Wachstumsregler verzichtet werden.

Aktuelle Ergebnisse

Die Ertragsergebnisse der bayerischen Anbaugebiete werden um die Ergebnisse von Versuchsstandorten benachbarter Bundesländer und wegen der geringen Anzahl der Versuche in einer Großraumverrechnung ‚Anbaugebiete Süddeutschland‘ zusammengeführt.