Zusammenarbeit von AWG und IPZ1b zum Eschentriebsterben
Zoombild vorhanden
Foto: Grit Schwertfirm
Das Bayerische Amt für Waldgenetik (AWG) arbeitet mit Hochdruck daran, die Zukunft der Esche zu sichern. Die heimische Baumart wird durch das Eschentriebsterben stark bedroht – eine Pilzkrankheit, die ganze Bestände schwächt. Mit modernster Genomforschung und langfristigen Feldversuchen untersucht das AWG, welche genetischen Faktoren Widerstandskraft verleihen und wie sich widerstandsfähige Eschen gezielt fördern lassen. Ziel ist es, durch genomische Vorhersagemodelle jene Bäume zu identifizieren, die dem Krankheitserreger trotzen – für den Erhalt einer widerstandsfähigen Eschenpopulation in Bayerns Wäldern.
Eschentriebsterben – eine Bedrohung für heimische Wälder
Das Bayerische Amt für Waldgenetik (AWG) forscht aus aktuellem Anlass intensiv am Thema Eschentriebsterben. Diese Pilzkrankheit wird durch einen aus Ostasien eingeschleppten Erreger (Hymenoscyphus fraxineus) verursacht und betrifft massiv die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) in den heimischen Wäldern. Typische Symptome sind welke, vorzeitig absterbende Blätter und Triebe, oft mit orangefarbenen Rindennekrosen unterhalb der Absterbestellen, sowie eine zunehmende Kronenverlichtung. Bei wiederholtem Befall sterben vor allem junge Eschen relativ schnell ab, während ältere Bäume über mehrere Jahre hinweg verkümmern und zusätzlich anfällig für sekundäre Schaderreger werden.
Genomische Analysen zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit
Seit 2015 erfasst das AWG den Gesundheitszustand in einem Eschen-Nachkommenschaftsversuch, der 30 Familien und insgesamt 1497 Nachkommen umfasste (Seidel et al. 2025). Bis zum Jahr 2023 starben insgesamt 35% der Nachkommen aufgrund des Eschentriebsterbens ab. Aufgrund der langen Beobachtungszeit sind die Phänotypen der untersuchten Eschen bei AWG sehr gut bestimmt. Im Allgemeinen dauert die verlässliche Beurteilung der Anfälligkeit gegenüber dem Eschentriebsterben jedoch sehr lange. Genomische Vorhersagemodelle sollen in Selektionsprogrammen eingesetzt werden, um die Zeitspanne zur Identifizierung geeigneter Kandidaten zu verkürzen. Die genetische Grundlage der Widerstandsfähigkeit ist komplex und von einer absoluten Resistenz der Esche gegenüber dem Eschentriebsterben kann nicht ausgegangen werden.
Für die Krankheitsanfälligkeit sind u.a. Mutationen (SNPs) in Genen beschrieben, die mit der Stresstoleranz und Phänologie in Verbindung stehen (Doonan et al. 2025). In wissenschaftlichen Studien wurde festgestellt, dass die Widerstandsfähigkeit zwischen 10 % bis 60 % genetisch fixiert ist. Diese genetisch festgelegte Widerstandsfähigkeit wird in etwa 40 bis 50 % von den Alteschen auf ihre Nachkommen übertragen (u.a. Seidel et al. 2025). Die gezielte Selektion von widerstandsfähigeren Eschen und der Aufbau von Samenplantagen erhöht die Widerstandsfähigkeit der Nachkommen. Im Rahmen einer Zusammenarbeit wurden bei IPZ1b über 500 Eschen von 30 Familien genotypisiert. In der anschließenden statistischen Verrechnung sollen mittels genomischer Vorhersage widerstandsfähige Bäume identifiziert werden, um den Fortbestand der Esche in unseren Wäldern zu gewährleisten.
Quellen
Doonan, J., Budde, K., Kosawang, C., Lobo, A., Verbylaite, R., Brealey, J., Martin, M., Pliūra, A., Thomas, K., Konrad, H., Seegmüller, S., Liziniewicz, M., Cleary, M., Nemesio-Gorriz, M., Fussi, B., Kirisits, T., Gilbert, M. Thomas P., Heuertz, M., Kjær, E., Nielsen, L. (2025): Multiple, Single Trait GWAS and Supervised Machine Learning Reveal the Genetic Architecture of Fraxinus excelsior Tolerance to Ash Dieback in Europe. Plant, Cell & Environment 2025. Seidel, H., Šeho, M., Fussi, B. (2025): Hope for ash conservation and propagation—single individuals can be highly resistant to an invasive pathogen. Journal of Plant Diseases and Protection 132 (1): 1-15.

