Institut für Pflanzenschutz
Jahresbericht 2017 - Virologie

Die virologischen Untersuchungen an der LfL verschaffen einen Überblick über das Virusauftreten in Bayern und weisen frühzeitig auf vorhandene, oftmals auch neuartige Virusprobleme hin. Wir untersuchen Proben von Pflanzenbauberatern, Landwirten, Gartenbauern, Universitäten, Hochschulen und auch Privatpersonen. Für den Hoheitsvollzug testen wir Pflanzen auf Quarantäneschaderreger und Schadorganismen, die aufgrund pflanzengesundheitlicher Vorschriften überwacht werden müssen. Mit unseren Ergebnissen können die Erreger gezielt bekämpft werden - eine Voraussetzung für hohe Erträge und hochwertige landwirtschaftliche und gärtnerische Produkte. So profitieren Produzenten und Konsumenten von unseren Arbeiten. Um unsere Diagnosen zu verbessern, werden moderne, hochempfindliche und hochspezifische Nachweismethoden etabliert und für die sichere Routinediagnose optimiert.
Im Jahr 2017 wurden über 200 Proben mit Verdacht auf Virus-, Viroid- oder Phytoplasmen befall aus dem Gartenbau an das virologische Labor eingereicht. Ein Anteil von zirka 50 Prozent der Proben entfiel die Zierpflanzen, annähernd 26 Prozent stammten aus dem Gemüsebau, bei ungefähr 22 Prozent der Proben handelte es sich um Proben aus dem Obstbau. Die restlichen Proben waren den Heil- und Gewürzpflanzen zuzurechnen. Die gegenüber 2016 erheblich geringere Anzahl an Proben aus dem Obstbau war den Spätfrösten im Frühjahr geschuldet, die die Obstblüte zum Teil zunichtemachten und die weitere Entwicklung erheblich beeinträchtigten.

Gartenbau

In bestimmten Gegenden Bayerns waren verstärkt Probleme mit Viren an Kürbisgewächsen (Cucurbitaceen) zu beobachten; betroffen war besonders die Freilandgurke, die oftmals mit dem Zucchinigelbmosaik-Virus infiziert war.
Wie in den Vorjahren wurde das an vielen Kulturen vorkommende und weit verbreitete Tomatenbronzeflecken-Virus (TSWV) an einer Reihe von Proben nachgewiesen. Bemerkenswert ist das Auftreten des Impatiensflecken-Virus (INSV) an Basilikum, das an Zierpflanzen weit verbreitet ist. INSV wird wie das nahe verwandte TSWV durch Thripse übertragen, die aufgrund vielfältiger Resistenzen gegenüber Insektiziden sehr schwer zu bekämpfen sind. Das eher selten auftretende Wild potato mosaic virus (WPMV) wurde an
In Kooperation mit Frau Dr. Katja Richert-Pöggeler, Julius Kühn-Institut, Braunschweig, haben wir an Knoblauch das Latente Knoblauch-Virus (Garlic common latent virus, GCLV) gefunden. GCLV alleine ist nicht groß ertragsrelevant; kommen aber noch andere Viren hinzu, kann es zu Ertragsverlusten kommen. Knoblauch kann von vielen verschiedener Viren infiziert werden, die von Blattläusen und Milben übertragen werden; häufig liegen auf Mischinfektionen vor. Eine direkte Virusbekämpfung ist nicht möglich. Wichtig ist virusfreies Knoblauch-Pflanzmaterial (Ziebell et al. 2015).

Monitoring auf Getreideverzwergungsviren

Wie in den Vorjahren wurde auch im Herbst 2017 in enger Kooperation mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) ein Monitoring auf Verzwergungsviren im Ausfallgetreide durchgeführt, um den Landwirten einen Überblick über die Befallssituation zu ermöglichen und möglicherweise notwendige Bekämpfungsempfehlungen davon abzuleiten.
Insgesamt war im Herbst 2017 der Anteil mit Verzwergungsviren infizierten Pflanzen mit knapp 25 Prozent im Vergleich zu 2016 mit 48 Prozent positiven Pflanzen eher gering. Eine mögliche Ursache könnte der in Bayern kalte Winter 2016/2017 (Vergleichsdaten des Zeitraums 1961 bis 1990; Quelle: DWD) gewesen sein, der eine Überwinterung von Blattläusen nicht begünstigte.

Ergebnisse des bayernweiten Monitorings auf Verzwergungsviren bei Getreide

Hopfenstauche-Viroid und Zitrus-Viroid IV an Hopfen

Mit dem 2008 gestarteten und seit 2011 von der Wissenschaftlichen Station für Brauerei in München e. V. großzügig geförderten deutschlandweiten Monitoring-Projekt soll das Auftreten des gefährlichen Hopfenstauche-Viroids und des noch aggressiveren Zitrus-Viroids überwacht werden und mögliche Erstbefallsherde frühzeitig getilgt werden.
Einen Arbeitsschwerpunkt stellte 2017 die Erarbeitung, Weiterentwicklung und Praxiserprobung hoch sensitiver Realtime RT-PCR-basierter Verfahren für beide Hopfenviroide dar, die den Nachweis sicherer und schneller machen.

Schaderregernachweis mittels Real-time PCR

In keiner der im Jahr 2017 362 mittels der neu etablierten Realtime RT-PCR untersuchten Proben wurde das Hopfenstauche-Viroid oder das Zitrus-Viroid nachgewiesen. Insgesamt wurden seit Beginn des Monitorings 2573 Proben auf HpSVd und 1141 Proben auf CVd IV untersucht. Dabei wurden lediglich 2010 an einem Standort neun Fälle mit HpSVd-Befall aufgedeckt, der damalige Befallsherd wurde komplett getilgt. Bislang haben beide Viroide noch keinem Einzug in den deutschen Hopfenbau gehalten.

Überblick über die Viroidmonitoringjahre 2011 bis 2017 – Methoden und Ergebnisse

Qualitätsmanagement und Akkreditierung

Sichere Ergebnisse zu erarbeiten, das ist eine Forderung, die unsere Kunden zu Recht an uns stellen. Wir legen deshalb großen Wert auf Qualitätssicherung bei allen unseren Diagnosen. Wir nehmen regelmäßig an Ringversuchen teil, um unsere Untersuchungskompetenz zu überprüfen. Und wir bauen die Akkreditierung unserer Diagnoseverfahren nach der international geltenden DIN EN ISO 17025 kontinuierlich und systematisch aus, um unsere Kompetenz auch unseren Auftraggebern gegenüber zu belegen. Eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Kunden ist unser oberstes Ziel.

Qualitätsmanagement und Akkreditierung in den Diagnoselaboren des Instituts für Pflanzenschutz