Milchreporte Bayern

Braunvieh-Kühe im Stall beim Fressen

Das Institut für Agrarökonomie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft erstellt den jährlich erscheinenden "Milchreport Bayern". Er dient für Landwirte und Berater als Informationsquelle und gibt Hilfestellung bei betrieblichen Entscheidungen.

Systematische Grundlage der Auswertungen ist die nach DLG-Empfehlungen standardisierte Betriebszweigabrechnung (BZA) Milch. Datengrundlage sind Buchführungsabschlüsse von Betrieben, das Herkunfts- und Informationssystem Tier (HIT) und Ergebnissen des LKV Bayern. Als Software wird seit 2011 das Programm "BZA Office" eingesetzt.

Milchreport Bayern 2020

Ergebnisse der Betriebszweigabrechnung (BZA) Milchproduktion 2019/20

Das diesjährige BZA-Ergebnis der teilnehmenden bayerischen Milchviehbetriebe ist auf Vollkostenebene nahe am elfjährigen Mittelwert und auch wieder nur auf Höhe des Vorjahrs (-2,7 ct/kg). In den letzten elf Jahren war einzig und allein das Jahr 2017/18 aus unternehmerischer Sicht befriedigend.

Mit 108 Kühen und über 1 Million kg erzeugte Milch sind die BZA-Betriebe deutlich größer als der bayerische Durchschnitt – und haben trotzdem keine Vollkostendeckung und damit auch nicht die vorbelegte Faktorentlohnung für gebundene Unternehmerarbeitszeit, -fläche und -kapital erreicht.

Deutlicher Strukturvorteil im bayerischen Vergleich

Die Gruppe der BZA-Betriebe im 17. Milchreport Bayern übertrifft das bayerische Mittel bezüglich Größe, Management und Professionalität deutlich. Mit mittlerweile über eine Million kg Milch Jahresproduktion mit 108 Kühen und 113 ha LF sind die Betriebe des Milchreports Bayern fast drei Mal so groß wie der Durchschnitt bayerischer Milchviehbetriebe und gut zweimal so groß wie die durchschnittlichen LKV-Betriebe in Bayern.
Tabelle: Vergleich der BZA-Milchviehbetriebe mit dem bayerischen Durchschnitt
Ø Deutsch-land 1)Ø Bayern gesamt 1)Ø Bayern gesamt 1)Ø LKV-Betriebe 2)Ø LKV-Betriebe 2)Ø BZA-Betriebe 3)Ø BZA-Betriebe 3)
20202019
2020201920202018/192019/20
Anzahl Milchviehbetriebe57.32227.58826.34518.34317.52912281
Anzahl Milchkühe gesamtTsd. Kühe3.9211.1281.104945925129
HerdengrößeKühe je Betrieb6841425253101108
Milchleistung (erzeugte Milch)kg nat. je Kuh 4)8.4577.4337.4548.0458.1878.7999.173
Erzeugte Milch je BetriebTsd. kg nat. 5)579304312414432889994
Fettgehalt 6)%4,134,234,244,204,294,164,19
Eiweißgehalt 6)%3,473,533,533,533,613,533,55
Milchleistung ECM 7)kg ECM je Kuh8.6337.7027.7328.3088.5829.0499.474

1) Datengrundlage: Statistisches Bundesamt (Novemberzählung), LfL-IEM; teils Werte vorläufig; Für Bayern Inhaltsstoffe für konventionelle Milch
2) Betriebe unter Milchleistungsprüfung des LKV Bayern: Daten aus LKV-Jahresbericht (Betriebe und Kühe: Tabelle 1, Milchleistung und Inhaltstoffe: Tabelle 2)
3) Bayerische BZA-Betriebe mit Betriebsschwerpunkt Milcherzeugung
4) Milch mit tatsächlichen Inhaltsstoffen; BLE Milcherzeugung und -verwendung 2019; IEM; LKV; BZA
5) Abgeleitet aus Gruppenmitteln in der Tabelle
6) BLE Preise für erzeugte Kuhmilch; IEM (konv. Milch); LKV; BZA
7) Energiekorrigierte Milch standardisiert auf 4 % Fett und 3,4 % Eiweiß

Den vorherrschenden Betriebstypen in Bayern mit 30 bis 70 Kühen fällt es deutlich schwerer, die Größeneffekte bei Festkosten und Arbeitsproduktivität zu nutzen und sie weisen grundsätzlich höhere Produktionskosten und eine deutlich niedrigere Stundenverwertung auf. Vor allem kleinere Milchviehbetriebe sind auf einen Zuerwerb angewiesen.

Trotz Strukturvorteil keine Vollkostendeckung

Ergebnisse in Stichpunkten für 2019/20:

  • Bei einem Auszahlungspreis von 39,4 ct/kg Milch (brutto, tats. Inhaltsstoffe; Vorjahr 41,0 ct/kg) wurden im Durchschnitt der BZA-Betriebe Unternehmerverluste in Höhe von -2,6 ct/kg bzw. -249 €/Kuh realisiert (Vorjahr -2,7 ct/kg, -245 €/Kuh).
  • Im Mittel sanken die Leistungen und die Produktionskosten um knapp 3 ct/kg.
  • Der Gewinnbeitrag im Betriebszweig Milch (vor kalkulatorischen Faktorkosten, vor entkoppelten Prämien) betrug 11,4 ct/kg bzw. 1.084 €/Kuh (Vorjahr 12,7 ct/kg bzw. 1.152 €/Kuh).
  • Ausgehend von der Faktorkostendeckung von 87 % (Vorjahr 91 %) belief sich die mittlere Arbeitsentlohnung in den überwiegend als Familienbetrieb organisierten Unternehmen auf rund 16,3 € pro Familien-Arbeitsstunde bei einer gleichzeitigen Kapitalverzinsung von 3,5 % (Vorjahr 17,1 €/Familien-AKh, 3,7 %).
  • Mit der nochmals verschlechterten Rentabilität sank auch die Liquidität der Milchviehhalter. Der Cash Flow I des Betriebszweigs fiel von 19,1 (Vorjahr) auf 17,6 ct/kg. Dabei sind etwaige Tilgungslasten oder nichtlandwirtschaftliche Zahlungsströme in der Unternehmerfamilie (u. a. Privatbereich, Gewerbe) noch nicht berücksichtigt.

Der BZA-Gewinnbeitrag vor entkoppelten Prämien beträgt 2019/20 11,4 ct/kg ECM

Erfolgsunterschiede wieder enorm, wirtschaftliche Lage 2020/21 nochmals schwächer

Wie in jedem Jahr belegen die Auswertungen auch im diesjährigen Milchreport die extrem weiten Varianzen betrieblichen Erfolgs – unabhängig von Größe, Milchleistung, Melktechnik oder Futterration. Allein der Blick auf den Gewinnbeitrag je Kuh reicht dazu aus. In jeder Größengruppe steckt mindestens der Faktor 3 zwischen den schwächsten Ergebnissen und den besten Ergebnissen.

Ausblick: Leider setzt sich der Abwärtstrend auch im nächsten Auswertungsjahr 2020/21 fort. Einem deutlichen Kostenanstieg bei Futtermitteln, Dünger und Treibstoffen steht ein nur geringfügig steigender Milchpreis gegenüber. Der deutliche Milchpreisanstieg ist erst in der zweiten Jahreshälfte 2021 zu verzeichnen. Begleitet wird dieser Trend vom verschärften Druck auf dem Flächenmarkt bzw. im Güllemanagement der Betriebe verbunden mit deutlich steigenden Baukosten für Stallgebäude und bauliche Anlagen durch Bauboom und Rohstoffmangel.

Die ausführlichen Ergebnisse der Betriebszweigabrechnung Milchproduktion 2019/20 sind in einer LfL-Information zusammengefasst. Dieses Werk kann als PDF-Datei abgerufen werden.

Ansprechpartner
Guido Hofmann, Bernhard Ippenberger
Institut für Agrarökonomie
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 08161 8640-1111
E-Mail: agraroekonomie@lfl.bayern.de