Milchreporte Bayern

Braunvieh-Kühe im Stall beim Fressen

Das Institut für Agrarökonomie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft erstellt den jährlich erscheinenden "Milchreport Bayern". Er soll für Landwirte und Berater als Informationsquelle dienen und Hilfestellung bei betrieblichen Entscheidungen geben.

Systematische Grundlage der Auswertungen ist die nach DLG-Empfehlungen standardisierte Betriebszweigabrechnung (BZA) Milch. Datengrundlage sind Buchführungsabschlüsse von Betrieben, das Herkunfts- und Informationssystem Tier (HIT) und Ergebnissen des LKV Bayern. Als Software wird seit 2011 das Programm "BZA Office" eingesetzt.

Milchreport Bayern 2019

Ergebnisse der Betriebszweigabrechnung (BZA) Milchproduktion 2018/19

Das Wirtschaftsjahr 2018/19 war geprägt durch einen Rückgang der bayerischen Milcherzeugerpreise um rund 3,3 % und einem – trockenheitsbedingt regional sehr unterschiedlichen – deutlichen Anstieg der Futterkosten.

War das Vorjahr 2017/18 noch ein Ausnahmejahr mit einer seltenen Vollkostendeckung im Durchschnitt der Milchreport-Betriebe, so fehlen dieses Jahr knapp 3 Cent je kg Milch oder 9 % zur Deckung aller Kosten – und das in 100-Kuh-Betrieben mit einem für bayerische Verhältnisse deutlichen Strukturvorteil.

BZA-Betriebe strukturell weit über Durchschnitt

Die Gruppe der BZA-Betriebe im 16. Milchreport Bayern übertrifft das bayerische Mittel bezüglich Größe, Management und Professionalität deutlich. Mit mittlerweile über 900.000 kg Milch Jahresproduktion und über 100 ha LF sind die Betriebe des Milchreport Bayern fast drei Mal so groß wie der Durchschnitt bayerischer Milchviehbetriebe und mehr als zwei Mal so groß wie die durchschnittlichen LKV-Betriebe in Bayern.
Tabelle: Vergleich der BZA-Milchviehbetriebe mit dem bayerischen Durchschnitt
  Ø Deutsch-land 1)Ø Bayern gesamt 1)Ø Bayern gesamt 1)Ø LKV-Betriebe 2)Ø LKV-Betriebe 2)Ø BZA-Betriebe 3)Ø BZA-Betriebe 3)
  20192018
2019201820192017/182018/19
Anzahl Milchviehbetriebe 59.92528.98827.58819.16318.343124122
Anzahl Milchkühe gesamtTsd. Kühe4.0121.1541.1289619451312
HerdengrößeKühe je Betrieb6740415052102101
Milchleistung (erzeugte Milch)kg nat./Kuh 4)8.2467.3027.4338.0158.0458.6348.799
Erzeugte Milch je BetriebTsd. kg nat. 5)552291304402414881889

1) Datengrundlage: Statistisches Bundesamt (Novemberzählung), LfL-IEM; teils Werte vorläufig; Für Bayern Inhaltsstoffe für konventionelle Milch
2) Betriebe unter Milchleistungsprüfung des LKV Bayern: Daten aus LKV-Jahresbericht (Betriebe und Kühe: Tabelle 1, Milchleistung und Inhaltstoffe: Tabelle 2)
3) Bayerische BZA-Betriebe mit Betriebsschwerpunkt Milcherzeugung
4) Milch mit tatsächlichen Inhaltsstoffen; BLE Milcherzeugung und -verwendung 2019; IEM; LKV; BZA
5) Abgeleitet aus Gruppenmitteln in der Tabelle

Den vorherrschenden Betriebstypen in Bayern mit 30 bis 70 Kühen fällt es deutlich schwerer, die Größeneffekte bei Festkosten und Arbeitsproduktivität zu nutzen und sie weisen grundsätzlich höhere Produktionskosten und eine deutlich niedrigere Stundenverwertung auf. Vor allem kleinere Milchviehbetriebe sind auf einen Zuerwerb angewiesen.

Trotz Strukturvorteil keine Vollkostendeckung

Ergebnisse in Stichpunkten für 2018/19:

  • Bei einem Auszahlungspreis von 41,0 ct/kg Milch (brutto, tats. Inhaltsstoffe; Vorjahr 42,3 ct/kg) wurden im Durchschnitt der BZA-Betriebe Unternehmerverluste in Höhe von -2,7 ct/kg bzw. -245 €/Kuh realisiert (Vorjahr +2,2 ct/kg, +198 €/Kuh). Eine Verschlechterung um knapp 6 ct/kg bzw. 450 €/Kuh.
  • Im Mittel stiegen die Produktionskosten um 6,4 % auf 53,1 ct/kg, die Futterkosten sogar um 13 % auf nunmehr 25 Cent je kg Milch.
  • Der Gewinnbeitrag im Betriebszweig Milch (vor kalkulatorischen Faktorkosten, vor entkoppelten Prämien) betrug 12,7 ct/kg bzw. 1.152 €/Kuh (Vorjahr 17,4 ct/kg bzw. 1.543 €/Kuh). Ein Rückgang um knapp 400 €/Kuh.
  • Ausgehend von der Faktorkostendeckung von 91 % (Vorjahr 124 %) belief sich die mittlere Arbeitsentlohnung in den überwiegend als Familienbetrieb organisierten Unternehmen auf rund 17,10 € pro Familien-Arbeitsstunde bei einer gleichzeitigen Kapitalverzinsung von 3,7 % (Vorjahr 23,4 €/Familien-AKh, 5 %).
  • Mit der gesunkenen Rentabilität verschlechterte sich auch die Liquidität der Milchviehhalter. Der Cash Flow I des Betriebszweigs sank von 23,4 (Vorjahr) auf 19,1 ct/kg. Dabei sind etwaige Tilgungslasten oder nichtlandwirtschaftliche Zahlungsströme in der Unternehmerfamilie (u. a. Privatbereich, Gewerbe) noch nicht berücksichtigt.

Der BZA-Gewinnbeitrag vor entkoppelten Prämien beträgt 2018/19 12,7 ct/kg ECM

Erfolgsunterschiede wieder enorm, wirtschaftliche Lage 2019/20 nochmals schwächer

Wie in jedem Jahr belegen die Auswertungen auch im diesjährigen Milchreport die extrem weiten Varianzen betrieblichen Erfolgs – unabhängig von Größe, Milchleistung, Melktechnik oder Futterration. Allein der Blick auf den Gewinnbeitrag je Kuh reicht dazu aus. In jeder Größengruppe steckt mindestens der Faktor 3 zwischen den schwächsten Ergebnissen und den besten Ergebnissen.

Leider setzt sich der Abwärtstrend auch im nächsten Auswertungsjahr 2019/20 fort. So sank der bayerische Milchpreis nochmals um 4,2 % und die Buchführungsauswertung der bayerischen Test- und Auflagenbetriebe lässt einen weiteren Gewinnrückgang von knapp 100 €/Kuh erwarten. Begleitet wird dieser Trend vom verschärften Druck auf dem Flächenmarkt bzw. im Güllemanagement der Betriebe verbunden mit steigenden Baukosten für Stallgebäude und bauliche Anlagen.

Die ausführlichen Ergebnisse der Betriebszweigabrechnung Milchproduktion sind in einer LfL-Information zusammengefasst. Dieses Werk kann als PDF-Datei abgerufen werden.

Ansprechpartner
Guido Hofmann, Monika Wallner
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 08161 8640-1111
E-Mail: agraroekonomie@lfl.bayern.de