Ökonomie im OekoNet – Öko-Praxis-Forschungsnetz Bayern

Eine Frau hält einen Vortrag, im Hintergrund läuft eine Präsentation

Foto: C. Wedmann, LfL

Ökobetriebe denken voraus im Projekt OekoNet – dem Praxis-Forschungsnetz für den ökologischen Landbau in Bayern. Das LfL-Institut für Agrarökonomie (IBA) übernimmt dabei zentrale Aufgaben in Datenmanagement & Betriebswirtschaft. 16 Biobetriebe werden über mehrere Jahre hinweg intensiv ökonomisch begleitet und ihre Daten ausgewertet. Die Analysen unterstützen eine fundierte strategische Betriebsentwicklung sowie den Aufbau eines Datenpools für Beratung, Forschung und Fortschritt im Biolandbau.

Betriebe & Betriebswirtschaft

Das Öko-Praxis-Forschungsnetz Bayern besteht seit Ende 2023. Mit dabei sind 16 Haupterwerbsbetriebe von Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter mit Schwerpunkt auf Ackerbau oder Milchkuhhaltung (jeweils acht Betriebe). Jährlich erfolgen ökonomische Analysen:
  • Buchführungsanalyse – ökonomische Auswertungen auf Unternehmensebene, mit LfL-Betriebsvergleich
  • Betriebszweiganalyse – Vollkostenkalkulationen auf Ebene der Betriebszweige, mit Einzelergebnissen und Gruppenauswertung
Zudem hat das IBA bereits weitere LfL-Tools im Rahmen des OekoNet für Biobetriebe weiterentwickelt und angewandt, z.B. den LfL-KlimaCheck.

LfL-KlimaCheck Externer Link

Ein Mann schreibt Notizen auf einen Block, daneben liegen Grafiken mit Auswertungen

Foto: A. Knümann, LVÖ

Die Ergebnisse werden regelmäßig an die Betriebe zurückgespielt und können in deren unternehmerische Entscheidungen einfließen. Betriebe, Beratung und Wissenschaft diskutieren in Fachgruppentreffen offen und vertrauensvoll über die betriebswirtschaftlichen Auswertungen, arbeiten gemeinsam wichtige Erkenntnisse heraus und nutzen sie zur Entwicklung neuer Strategien und Forschungsthemen. Die OekoNet-Betriebe setzen erste Verbesserungen bereits um.

Ackerbau-Betriebe

  • Fläche & Bewirtschaftung: 100 – 270 Hektar Ackerfläche, wenige Hektar extensives Grünland
  • Viehhaltung: 5 Betriebe viehlos, je 1-mal Legehennen, Mutterkühe, Mastfärsen
  • Anbaukulturen: Charakteristisch für die OekoNet-Ackerbaubetriebe ist der Anbau von vielen verschiedenen Kulturen. Neben den klassischen Feldfrüchten wie Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln und Feldgemüse werden auch ausgefallenere Kulturen wie Hirse, Mohn, Süßlupinen, Kürbis, Kichererbsen und Hanf angebaut oder als Experiment im eigenen Betrieb ausprobiert.
  • Erträge: Die Erträge für Winterweizen erreichten über die zwei bisher ausgewerteten Jahre 20-89% des konventionellen Durchschnittsertrages. Hier zeigen sich auch die unterschiedlichen Betriebsstrategien. So gibt es z.B. Betriebe, die auf Vertragsnaturschutzprogramme setzen und deshalb deutlich geringere Erträge als andere vergleichbare Bio-Betriebe erzielen.

Milchvieh-Betriebe

  • Fläche & Bewirtschaftung: 46 – 146 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, 6 Gemischtstandorte mit Ackerfutterbau, 2 ausschließlich Grünland
  • Viehhaltung: unterschiedliche Herdengröße von 42 – 115 Milchkühen
  • Milchleistung: 6.400 – 8.100 kg/Jahr

Datenmanagement & Datenpool

OekoNet sammelt ökonomische, produktionstechnische, ökologische sowie Flächen- und Struktur-Daten der Teilnahmebetriebe für die Betriebsentwicklung, Forschung und den bayerischen Biolandbau in einem Datenpool.
Die Daten fließen überwiegend digital an das Institut für Agrarökonomie der LfL. Größtenteils wird auf die Buchführungsdaten sowie andere bereits im Betrieb vorliegende Daten zurückgegriffen, z.B. aus dem Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystem InVeKoS. Fragebögen und sonstige Erhebungen ergänzen nach Bedarf.

Ökonomische Bewertung

Einen ersten Überblick über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens gewährt die Buchführungsanalyse. Die OekoNet-Betriebe erhalten wichtige Kennzahlen zu Rentabilität und Stabilität ihres Betriebs und können diese einer passenden Vergleichsgruppe aus rund 300 bayerischen Bio-Betrieben gegenüberstellen.
Mittels Betriebszweiganalyse werden die Vollkosten der Produktion der wichtigsten Erzeugnisse ermittelt. Dafür werden die Erträge und Aufwendungen aus der Gewinn- und Verlustrechnung der Buchführung durch kalkulatorische Kosten wie Lohn- oder Zinsansatz ergänzt, um den Unternehmergewinn zu berechnen. Die Auswertung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der RWB Revisions- und Wirtschaftsberatung.

Treibhausgasbewertung

Die Daten aus der Betriebszweiganalyse fließen zudem in die Berechnung des LfL-KlimaCheck für die OekoNet-Betriebe ein. Dabei erarbeitet die LfL methodische Grundlagen, um das Tool für den Ökolandbau anzupassen. Die Klimawirkung der Produktion ist allerdings nur ein Baustein einer Nachhaltigkeitsbewertung. Weitere Berechnungen zu den Fragen der Nahrungsmittelkonkurrenz, Biodiversität und Humuserhalt sollen bei einer Projektverlängerung folgen. Auch für die Sozioökonomische Bewertung gibt es bereits ein Konzept.

Forschungsplattform OekoNet

Alle Rohdaten und Auswertungsergebnisse werden in den OekoNet-Datenpool eingespeist, wo sie in strukturierter, einheitlicher und weiter auswertbarer Form vorliegen. Der Datenpool wird permanent erweitert, aktuell um umfassende Bodenanalysen. OekoNet bietet damit eine Infrastruktur, auf die interessierte Wissenschaftler und Projekte für weiterführende Forschung zugreifen können – wie aktuell eine internationale Forschungskooperation zum Einsatz von Gesteinsmehl.

Ergebnisse der ökonomischen Auswertungen

  • Die ökonomischen Auswertungen der OekoNet-Betriebe zeigen starke Gewinnunterschiede zwischen den einzelnen Wirtschaftsjahren und zwischen den Betrieben.
  • In der Milchviehhaltung haben die Milchleistung, die Milchpreise und die Futterkosten den größten Einfluss auf den Gewinn.
  • Die Gewinne im Ackerbau sind geprägt von Erträgen, Erzeugerpreisen, Flächenprämien und Maschinenkosten.
  • Auf Vollkosten-Ebene zeigt sich, dass einige OekoNet-Betriebe so profitabel wirtschaften können, dass sie trotz Berücksichtigung aller kalkulatorischen Kosten noch einen Unternehmergewinn erwirtschaften.

Gewinnunterschiede & Einflussfaktoren

Nach zwei Jahren Buchführungsauswertung und Betriebszweiganalyse liegen erste ökonomische Ergebnisse vor. Es zeigen sich starke Gewinnunterschiede zwischen den Betrieben, wie die grafische Darstellung verdeutlicht.
So erzielten die Milchkuhbetriebe im OekoNet im Wirtschaftsjahr 2022/23 einen Gewinn (incl. Prämien) zwischen –16 €/Kuh und 2591 €/Kuh. Im Wirtschaftsjahr 2023/24 war die Bandbreite kleiner mit 412 €/Kuh bis 2593 €/Kuh. Die Ursache für niedrigere Gewinne einiger Betriebe liegen in höheren Produktionskosten, vor allem bei den Futterkosten sowie bei geringeren Erlösen. Der erzielte Milchpreis bewegte sich im Wirtschaftsjahr 2022/23 in einer Spannweite von 0,59 €/ kg bis zu 0,68 €/kg und 2023/24 zwischen 0,55 €/kg und 0,64 €/kg.
Grafische Darstellung der Bandbreite des zeitraumechten Gewinns der Milchkuhbetriebe

Gewinn der OekoNet-Milchkuhbetriebe 2022/2023 und 2023/2024

Bild in Originalgröße

Grafische Darstellung der Bandbreite des zeitraumechten Gewinns der Ackerbaubetriebe

Gewinn der OekoNet-Ackerbaubetriebe 2022/2023 und 2023/2024

Bild in Originalgröße

Die Ackerbaubetriebe erreichten im Wirtschaftsjahr 2022/23 Gewinne von 84 € bis 1095 € pro Hektar LF. Im darauffolgenden Jahr waren es –269 €/ha LF bis 955 €/ha LF. Hier zeigen sich enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Jahren sowie auch zwischen den landwirtschaftlichen Unternehmen. Dies liegt zum einen an den angebauten Kulturen. Hackfrüchte und besondere Kulturen mit höherer Wertschöpfung trugen wesentlich zu höheren Gewinnen pro Hektar bei. Negativ zu Buche schlugen jedoch totale Ertragsausfälle bei einzelnen Flächen.
Einige OekoNet-Betriebe waren im Jahr 2023 betroffen von Trockenheit sowie von Hagel. Bakterienübertragungen durch die Schilfglasflügelzikade führten zu geringeren Zuckergehalten bei den Rüben. Im Jahr 2024 gab es Ertragseinbußen bzw. -ausfälle durch das Juni-Hochwasser. Auf der Kostenseite hatten die Maschinenkosten den größten Einfluss auf den Gewinn.

Zukunftsstrategien & Betriebsoptimierung

Nach zwei Jahren ökonomischer Analyse im OekoNet setzen einige Betriebe bereits erste Verbesserungen um, beispielsweise:
  • Konzentration der Vermarktung auf größere Abnehmer
  • Austausch von wenig lukrativen Kulturen in der Fruchtfolge
  • stärkere Konzentration auf ertragssichere Kulturen
  • Anschaffung eines Entmistungsroboters zur Reduzierung von Arbeitszeit
  • Reduzierung von Lohnkosten
Außerdem berichten die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, dass sie ihre Kosten inzwischen viel intensiver im Blick haben. Das Wirtschaftsjahr 2024/25 wird zurzeit ausgewertet. Im Mai 2026 werden die Fachgruppen darüber beraten.
Zeigen die betrieblichen Anpassungen im OekoNet Wirkung? Wie wirken sich verändernde äußere Rahmenbedingungen auf die OekoNet-Betriebe aus? Welche Strategien versprechen nachhaltig Erfolg? Das wird sich im weiteren Projektverlauf zeigen.

Weitere Informationen

Ansprechpartner für OekoNet am Institut für Agrarökonomie
Gerlinde Toews-Mayr und Jakob Breitsamer
Menzinger Straße 54
80638 München
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de