Gänsemanagement: Eingriff in die Reproduktion - Gelegebehandlung

Die wichtigste Maßnahme mit Wirkung auf die Reproduktion von Wildgänsen ist die Behandlung der Gelege. Sie ist gut durchführbar, wirksam und effizient. Ziel eines aktuellen Projekts an der LfL ist die Überführung der Gelegebehandlung in die Praxis.

Hintergrund Gelegebehandlung

Datenaufnahme und Untersuchung des aufgefundenen GelegesZoombild vorhanden

Datenaufnahme und Untersuchung des aufgefundenen Geleges

Unter Gelegebehandlung wird eine Maßnahme zur Reduktion der Anzahl geschlüpfter Jungvögel verstanden. Hierzu werden die Eier angestochen. Aus Tierschutzgründen erfolgt die Behandlung eines Eis bis zum 14. Tag der Eientwicklung. Mithilfe einer mobilen Durchleuchtungsstation (Schierstation) wird das Entwicklungsalter des Eis festgestellt. Je Gelege bleiben stets zwei Eier unversehrt, damit für die Elterntiere ein normales Brut- und Aufzuchtverhalten weiterhin möglich ist.
Eine Ausnahmegenehmigung zur Gelegebehandlung wird nach gegenwärtiger Rechtslage nur für Forschungszwecke erteilt und Bedarf zusätzlich einer Zustimmung des Jagdausübungsberechtigten. Die Gelegebehandlung ergänzt die Jagd durch den Eingriff in die Fortpflanzung und ist eine geeignete Maßnahme zur Reduzierung des Zuwachses.

Ergebnisse des Vorgängerprojekts

Anzahl der Eier und der geschlüpften GösselZoombild vorhanden

Anzahl der Eier und der geschlüpften Gössel

Das Forschungsprojekt „Gelegebehandlung bei Wildgänsen“ hat die Wirksamkeit, Umsetzbarkeit und Effizienz dieser Maßnahme in der Praxis untersucht. Folgendes wurde herausgefunden:
Wirksamkeit: Die mittleren Familiengrößen in Gebieten mit Gelegebehandlung waren gegenüber den Familiengrößen in unbehandelten Gebieten um 2,4 Gössel (Jungtiere) pro Familie (Auswertung Wildkameradaten) verringert.
Umsetzbarkeit: Es wurde eine den Tierschutzvorgaben entsprechende Behandlungsmethode durch Anstechen der Eier entwickelt und praktisch etabliert.
Effizienz: Die Maßnahme ist sehr effizient, wenn sie in Gebieten mit hohen Brutdichten angewendet wird.

Aktuelles Projekt

Eine Kanadagans bewacht und verteidigt ihr NestZoombild vorhanden

Eine Kanadagans bewacht und verteidigt ihr Nest

In dem dreijährigen Forschungsprojekt „Gelegebehandlung - Umsetzung in der Praxis“ wird untersucht, wie die Gelegebehandlung in die Praxis überführt werden kann. Dazu ist eine Änderung des Jagdrechts und die Schulung von Gelegebehandlerinnen und Gelegebehandlern erforderlich. Vor Ort wird die Gelegebehandlung mit lokaler Unterstützung durchgeführt, als erste Maßnahme zur Einbindung in die Praxis.

Untersuchungsgebiete

Übersichtskarte der Gebiete mit GelegebehandlungZoombild vorhanden

Übersichtskarte der Gebiete mit Gelegebehandlung

Die Gelegebehandlung erfolgt derzeit in verschiedenen bayerischen Regionen mit Wildgänsekonflikten: Entlang des Maintals in den Landkreisen Haßfurt und Bamberg, im Raum Altmühlsee, im Donautal Raum Straubing und im Stadtgebiet Nürnberg. Die Maßnahme ist je nach Vorkommen der Arten auf Graugänse (Anser anser, Brutzeit März/April) und/oder Kanadagänse (Branta canadensis, (Brutzeit April/Mai)) abgestimmt. Aufgefundene Gelege der als invasive Art eingestuften Nilgans (Alopochen aegyptiaca, Brutzeit variabel) werden in allen Gebieten mitbehandelt.
Betreute Abschlussarbeiten
  • Neumann, P. (2018). - Auswirkung der Gelegebehandlung auf den Brutverlauf bei Kanadagänsen . - Bachelorarbeit an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Fakultät Wald und Forstwirtschaft, 68 S.
  • Rader, M. (2018). – Evaluierung der Gelegebehandlug durch eine Bruterfolgskontrolle (Populationszählung) der Wildgänse am Main zwischen Haßfurt und Bamberg. - Bachelorarbeit an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Fakultät Wald und Forstwirtschaft, 46 S.
  • Schönamsgruber, S. (2017). - Nistplatzpräferenzen von Wildgänsen (Anser anser, Branta canadensis, Alopochen aegypitaca) in Bayern. - Bachelorarbeit an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Fakultät Wald und Forstwirtschaft, 97 S.
  • Vranjkovic, A. (2017). - Evaluierung der Gelegebehandlung von Kanada- (Branta canadensis) und Nilgans (Alopochen aegyptiacus) im Maintal. - Bachelorarbeit an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Fakultät Wald und Forstwirtschaft, 62 S.