Vegetation und Pflanzendiversität
Grünlandmonitoring Bayern

Löwenzahnwiese
Im Rahmen des Grünlandmonitoring Bayern wurden bei der Ersterhebung von 2002 bis 2008 insgesamt 6108 Wirtschaftsgrünlandflächen unterschiedlicher Nutzungen (Wiesen, Weiden, Almen) und Intensitäten untersucht. Von 2009 bis 2012 wurden ca. 2500 Flächen zum zweiten Mal erhoben. Seit 2018 läuft nun der dritte Durchgang.
Ziel des Grünlandmonitoring ist zunächst die Erfassung des Zustandes und der räumlichen Verteilung der Grünlandvegetation, um Veränderungen feststellen zu können. Daneben stehen auch Zusammenhänge zwischen Standort, Nutzung und Artenzahl und –zusammensetzung im Fokus sowie eine Erfolgskontrolle der Agrarumweltmaßnahmen.

Grünlandmonitoring Bayern: Ergebnisse und Daten der Ersterhebung und der ersten Wiederholung der Vegetationsaufnehmen in der Schriftenreihe der LfL

Aktueller Fachbeitrag: Wie artenreich ist das Öko-Grünland in Bayern?

Artenreiches und artenarmes Grünland
Auf ökologisch bewirtschafteten Flächen erwartet die Bevölkerung automatisch eine hö-here Biodiversität. Aber gilt das auch für die Grünlandwirtschaft, denn hier sind die Unterschiede in der Bewirtschaftung zwischen ökologischen und konventionellen Betrieben nicht so deutlich wie im Ackerbau?
Die Auswertung der Daten des "Grünlandmonitoring Bayern" wurden in Naturschutz und Landschaftsplanung (52/04) veröffentlicht. Basierend auf vegetationskundlichen Untersuchungen und den Angaben zu Agrarumweltmaßnahmen (AUM) haben wir Grünlandbestände, die nach den Vorgaben des Kulturlandschaftsprogramms "Ökologischer Landbau" bewirtschaftet wurden, mit solchen verglichen, die keiner AUM unterlagen. Tatsächlich konnten wir signifikante Unterschiede bei naturschutzfachlichen Parametern feststellen. Sowohl auf Flächenebene wie auch auf ganz Bayern bezogen ergaben sich für ökologisch bewirtschaftetes Grünland höhere Pflanzenartenzahlen, höhere Kräuter- und Leguminosenanteile – deren Blüten für Bestäuberinsekten interessant sind – und mehr gefährdete Arten.
Entscheidend für das Ergebnis ist allerdings welche Gruppen miteinander verglichen werden. Die höhere Artenvielfalt im Ökogrünland wird relativiert, wenn man alle Grünlandflächen heranzieht, also auch diejenigen mit anderen AUM. Dann liegt der Ökolandbau kaum über dem bayerischen Mittelwert, weil auch andere AUM im konventionellen Bereich mit erhöhten Artenzahlen verbunden sind. Grundsätzlich streut die Artenzahl im Ökogrünland sehr stark. Speziell auf die Biodiversität ausgerichtete AUM bieten im Ökolandbau bisher kaum Anreize, weil die Prämie in Bayern nicht zur Ökoprämie addiert wird, sondern nur die jeweils höhere Prämie ausbezahlt wird.
Das Projekt "Grünlandmonitoring Bayern" wird vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefördert.
Mayer F., Heinz S., Kuhn G.: Das Grünland des Ökologischen Landbaus in Bayern – Wie naturschutzfachlich wertvoll ist es? Naturschutz und Landschaftsplanung | 52 (04) | 2020, S.168-175.

Zeitschrift Naturschutz und Landschaftsplanung Externer Link

Vegetationsaufnahmen

Für die Vegetationsaufnahme wurde in einem repräsentativen Teil des Bestandes eine kreisförmige Fläche von 25 m² auf dem Feldstück ausgewählt und eine Liste aller vorkommenden Gefäßpflanzen-Arten erstellt. Nach der Methode von KLAPP & STÄHLIN (1936) wurden dann das prozentuale Verhältnis der Artengruppen (Gräser, Kräuter und Leguminosen), der Ertragsanteil jeder Art in Prozent sowie der Heuertrag des gesamten Bestandes geschätzt. Der Mittelpunkt des Kreises wurde mit einem Dauermagneten markiert und die Koordinaten sowie die Höhe über NN ermittelt. Im Durchschnitt wurde eine Vegetationsaufnahme je 185 ha Grünlandfläche in Bayern durchgeführt.

Artenzahlen

Insgesamt wurden in den 6108 Vegetationsaufnahmen fast 800 verschiedene Pflanzenarten registriert, davon stehen 222 auf der Bayerischen Roten Liste. Durchschnittlich wurden 19,4 (± 7,0) Arten in den Vegetationsaufnahmen (25 m²) gefunden, wobei es allerdings starke regionale und auch nutzungsbedingte Unterschiede gab. Etwa 20 % der Vegetationsaufnahmen wiesen 25 und mehr Arten (je 25 m²) auf. Besonders in den hohen Lagen im Süden (Alpenrand), aber auch in den tiefer gelegenen niederschlagsarmen Lagen in Nordbayern finden sich artenreiche Flächen.

Hauptbestandsbildner im bayerischen Grünland

Kreisdiagramm mittlerer Ertragsanteil der Gräser 73 %, Kräuter 20%, Leguminosen 7% im bayerischen Grünland

Mittlere Ertragsanteile im bayerischen Grünland

Die höchsten Ertragsanteile im Durchschnitt aller untersuchter Flächen erreichten der Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis), das Gewöhnliche Rispengras (Poa trivialis), das Knäulgras (Dactylis glomerata) und die beiden Weidelgräser (Lolium perenne, Lolium x hybridum). Die häufigste krautige Art ist der Wiesen-Löwenzahn (Taraxacum officinale). Durchschnittlich erreichten Gräser in den Vegetationsaufnahmen 73 %, Kräuter 20 % und Leguminosen 7 % des Ertrages.