Pressemitteilung – 18. Mai 2026, Poing-Grub, Landkreis Ebersberg
Fleckvieh-Zuchtwertschätzung erreicht Meilenstein: Erstmals eine Million Genotypen ausgewertet

Mit der aktuellen Veröffentlichung der Zuchtwerte wurden in der Fleckviehzucht erstmals Genotypen von einer Million Tieren berücksichtigt. Die Zuchtwertschätzung für Fleckvieh erfolgt länderübergreifend in Zusammenarbeit der Rechenstellen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Grub, ZuchtData Wien und Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung (LGL) Stuttgart. Neben Deutschland und Österreich sind auch Fleckviehpopulationen aus Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Italien und Kroatien in die Schätzung eingebunden.

Mehrere Fleckviehrinder auf einer WeideZoombild vorhanden

Die genomische Zuchtwertschätzung hat sich zu einer wichtigen Grundlage für die Weiterentwicklung der Doppelnutzungsrasse Fleckvieh entwickelt (Foto: Zuchtverband Pfaffenhofen).

Insgesamt werden im Rahmen der Zuchtwertschätzung dreimal jährlich für rund 1,25 Millionen Herdbuchkühe sowie ihre etwa 18 Millionen Vorfahren und Verwandten Zuchtwerte für mehr als 50 Merkmale aus den Bereichen Milch- und Fleischleistung, Fitness, Gesundheit und Exterieur geschätzt. Die Basis dafür bilden Leistungsinformationen, Genotypen und Pedigrees (Abstammung). Durch die Einbeziehung genomischer Informationen können Zuchtwerte heute deutlich früher und genauer geschätzt werden. Die genomische Zuchtwertschätzung hat sich damit seit ihrer Einführung im Jahr 2011 zu einer wichtigen Grundlage für die Weiterentwicklung der Doppelnutzungsrasse Fleckvieh entwickelt.

Mit der Einführung wurden zunächst männliche Tiere genomisch untersucht. Die daraus berechneten genomischen Zuchtwerte bilden seitdem die Grundlage für die Auswahl junger Kandidaten für den breiten Einsatz als Besamungsbullen. Mit sinkenden Kosten für DNA-Untersuchungen gewann anschließend auch die Genotypisierung weiblicher Tiere an Bedeutung. Dadurch konnten insbesondere Gesundheits- und Robustheitsmerkmale stärker in die Zuchtarbeit einbezogen werden.

In Bayern wurden seit 2019 im Rahmen des Forschungsprojekts FleQS an der LfL rund 235.000 weibliche Fleckviehtiere genotypisiert. Die Daten stammen aus 1.900 Betrieben, in denen Gesundheits- und Klauenpflegedaten zusätzlich erfasst werden. Die teilnehmenden Betriebe decken 24% der bayerischen Herdbuchpopulation ab. Zusammen mit den Daten der Partnerländer konnten neue genomische Zuchtwertschätzverfahren für die Doppelnutzungsrasse entwickelt und eingeführt werden – 2021 für Gesundheitsmerkmale und 2023 für Klauengesundheit.

Die erweiterten Verfahren der genomischen Zuchtwertschätzung ermöglichen genauere Selektionsentscheidungen, die mittlerweile auch innerhalb der Herden bei weiblichen Tieren intensiv genutzt werden. Gerade in Zeiten begrenzter Ressourcen in der Jungviehaufzucht und bei der Flächenausstattung der Betriebe stellen genomische Zuchtwerte ein wertvolles Managementtool dar. Daneben schätzen Herdentypisierungsbetriebe das Selektionswerkzeug zur züchterischen Weiterentwicklung ihrer Herden.

Mit der Fortsetzung des FleQS-Projektes an der Landesanstalt bis 2030 wird die langfristige Strategie zur Verbesserung der Merkmale in den Bereichen Fitness, Gesundheit und Robustheit weitergeführt, die die bayerische Fleckviehzucht mit modernen Züchtungsmethoden eingeschlagen hat.

Mehrere Fleckviehrinder auf einer Weide

Herden wie diese liefern die Basis für präzise Zuchtwertberechnungen (Foto: Zuchtverband Pfaffenhofen).

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Die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ist das Wissens- und Dienstleistungszentrum für die Landwirtschaft in Bayern. Sie ist dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus unmittelbar nachgeordnet und erarbeitet Entscheidungsgrundlagen für Landwirte und Berater sowie die Politik und Verwaltung. Die Hauptstandorte der LfL sind Freising und Grub-Poing. Ihre Aufgabenfelder sind die anwendungsorientierte Forschung, die Ausbildung, die Beratung und der Hoheitsvollzug. Mit Ihrer Arbeit unterstützt die LfL eine nachhaltige und ressourcenschonende Landwirtschaft sowie eine vielfältige Kulturlandschaft.