Forschungs- und Innovationsprojekt
Fleckvieh-Kuh(Q)-Lernstichprobe-Plus: FleQS-GuR+

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FleQS-GuR+ - Erweiterung der Fleckvieh-Kuhlernstichprobe für Gesundheit und Robustheit in Bayern

Die Zucht auf Merkmale der Gesundheit und Robustheit steht im Fokus der aktuellen Zuchtprogramme unserer Doppelnutzungsrassen Fleckvieh und Braunvieh. Die Grundlage der züchterischen Bearbeitung bilden genetische Vererbungsleistungen (Zuchtwerte) die basierend auf erhobenen Phänotypdaten, Pedigreeinformationen und genomischen DNA-Profilen für alle Herdbuchtiere der Population mit komplexen statistischen Modellen geschätzt werden. Im Verbundprojekt FleQS-GuR+ wird die hierfür notwendige Lernstichprobe weiter ausgebaut. FleQS-GuR steht dabei für „Fleckvieh-Kuh(Q)-Stichprobe für Gesundheit und Robustheit“ und ist ein Verbundprojekt der bayerischen Zuchtorganisationen.

Das Ziel ist es von 30 Prozent der bayerischen Herdbuchpopulation entsprechende Daten zu erheben und diese möglichst optimal zu verwerten. Im Fokus stehen in diesem Folgeprojekt von FleQS-GuR die Erfassung von Klauenpflegedaten und die Entwicklung von Zuchtwertschätzverfahren für weitere Merkmale aus dem Fitness- und Gesundheitskomplex. Das Projekt wird von den bayerischen Zuchtorganisationen finanziert und der Freistaat Bayern unterstützt die Genotypisierungen von weiblichen Tieren in den Projektbetrieben durch ein eigens aufgelegtes Förderprogramm.

Ziele

Hand hält Mobiles Datengerät Zoombild vorhanden

Digitale Erfassung der Daten auf den Betrieben im Rahmen von ProGesund. Foto: Rubin, LKV Bayern

Ziel des Projekts FleQS-GuR+ ist, die Erfassung von Gesundheitsdaten in Bayern weiter auf rund 30 Prozent der Herdbuchkuhpopulation, also rund 160.000 Kühe zu erweitern. Die bayerischen Zuchtverbände haben dabei eine Schlüsselrolle, da sie für die Gewinnung und Betreuung der Betriebe im Projektverlauf verantwortlich sind. In der länderübergreifenden Zusammenarbeit mit Österreich, Baden-Württemberg und Tschechien werden die Daten aus entsprechenden Projekten der Partnerländer in den gemeinsamen Datenpool eingebracht. Mit dieser erweiterten Datengrundlage wird aktuell ein Verfahren für den neuen Merkmalskomplex Stoffwechselstabilität entwickelt, das neben den im Jahr 2021 neu aufgebauten ZWS-Verfahren für Eutergesundheit, Fruchtbarkeit und Tierverhalten und der in 2023 neu eingeführten ZWS Klauengesundheit aufgebaut werden soll.
Ein spezieller Fokus soll auf die kontinuierliche digitale Erfassung von Klauenpflegedaten gelegt werden. Hier steht die im Oktober 2025 neu eingeführte Klauenprofi-App des LKV-Bayern zur Verfügung, deren Einsatz gerade in den Projektbetrieben forciert werden soll.
Durch die breite Datenbasis und deren Verwertung in den neuen länderübergreifenden Single-Step Zuchtwertschätzverfahren werden darüber hinaus auch alle bisher schon bearbeiteten Merkmale aus den Merkmalsblöcken Milch, Fleisch, Fitness und Exterieur weiter verbessert und bilden so die Grundlage für den Zuchtfortschritt der Doppelnutzungspopulation Fleckvieh in allen bisherigen und neuen Merkmalen. Die Berücksichtigung der Merkmale aus den bearbeiteten Komplexen soll bis in das Jahr 2028 in der Überarbeitung des Gesamtzuchtwertes für die Rasse erfolgen, so dass eine Selektion im Rahmen der Zuchtprogramme entsprechend der wirtschaftlichen und zuchtpolitischen Bedeutung berücksichtigt wird.

Methode

Die Zucht auf Merkmale der Gesundheit und Robustheit ist biologisch und züchterisch schwieriger als bei Leistungsmerkmalen. Für die Bearbeitung der Merkmale in Zuchtprogrammen ist es notwendig, die Vererbungsleistung der Tiere in diesen Merkmalen einzuschätzen. Das ist jedoch eine Herausforderung, weil diese Merkmale nicht im Rahmen der normalen Leistungsprüfungen erhoben werden und weil die Erhebung von Gesundheitsmerkmalen erst in den letzten rund zehn Jahren weitere Verbreitung gefunden hat. Die Grundlage der genetischen Bewertung bilden umfangreiche Stichproben an genotypisierten Tieren, bei denen die Merkmale in ihrer Ausprägung erhoben werden Diese bilden die Grundlage für moderne Zuchtwertschätzverfahren mit der Single-Step Methode, in denen die Vererbungsleistung für alle Tiere der Population basierend auf den im Projekt erhobenen Daten geschätzt werden. Die Qualität der Zuchtwerte ist abhängig vom Umfang der vorliegenden Daten und Genotypen.

Grundlage Kuhlernstichprobe Projekt "FleQS"

Die Grundlagen für die Kuh-Lernstichprobe bei der Rasse Fleckvieh wurde mit dem Projekt FleQS in den Jahren 2019 bis 2022 gelegt. Damals wurden 285 Projektbetrieben mit rund 22.000 Kühen beim Fleckvieh gewonnen, die Beobachtungen von Landwirten und Diagnosen von Tierärzten im landesweiten Monitoringprogramm ProGesund (LKV-Bayern) erhoben haben. Unterstützt vom aufgelegten Förderprogramm des Freistaates Bayern zur Genotypisierung von weiblichen Tieren im Rahmen von Zuchtprogrammen für Gesundheit und Robustheit konnten bereits im letzten Projektjahr 2022 die Anzahl der teilnehmenden Betriebe auf 697 mit rund 50.000 Kühen erweitert werden.

Erweiterung des Betriebsnetzwerkes in "FleQS-GuR"

Mehrere stehende und liegende Fleckviehkühe auf der WeideZoombild vorhanden

Foto: Zuchtverband Pfaffenhofen

Mit dem Folgeprojekt FleQS-GuR wurde der Umfang der teilnehmenden Betriebe in den Jahren 2023-2025 weiter vergrößert. Durch die intensive Zusammenarbeit der bayerischen Zuchtorganisationen gelang es bis zum Jahr 2025 insgesamt 1.560 Betriebe mit rund 120.000 Herdbuchkühen für das Projekt FleQS-GuR zu gewinnen, was 20 Prozent der Herdbuchpopulation in Bayern entspricht. Die über die Plattform ProGesund gewonnenen Daten zu den Gesundheitsmerkmalen haben die Zuchtwertschätzverfahren für die Merkmale Mastitis, frühe Fruchtbarkeitsstörungen und Zysten deutlich gestärkt. Im Dezember 2023 konnte mit den erfassten Klauenpflegedaten erstmalig ein Klauengesundheitswert mit einem neu aufgebauten ZWS-Verfahren beim Fleckvieh berechnet werden.
Der große Erfolg des Vorgängerprojektes FleQS-GuR, zusammen mit dem Bewusstsein, dass die Motivation der Betriebe zur kontinuierlichen Datenerhebung in guter Qualität kein Selbstläufer ist, haben die Zuchtorganisationen in Bayern dazu bewogen, das Verbundprojekt FleQS-GuR+ für weitere 5 Projektjahre zu starten und finanziell zu unterstützen. Zusammen mit dem vom StMELFT laufenden Förderprogramm zu Gesundheit und Robustheit soll die Kuh-Lernstichprobe noch weiter ausgebaut werden.

Ergebnisse

  • Der Zuspruch der Betriebe für das Verbundprojekt FleQS-GuR ist über die letzten Jahre stetig gestiegen und das wird aktuell im ersten Projektjahr von FleQS-GuR+ fortgesetzt. So haben sich für das Projektjahr 2026 insgesamt 1.899 Betriebe mit rund 145.000 Betriebe angemeldet, so dass der Zuwachs an Betrieben sogar etwas über die Projektpläne hinausgeschossen ist.
  • Dies zeigt das große Interesse der Betriebe an der Durchführung der Genotypisierung, deren Ergebnisse wertvolle Hinweise für die züchterische Weiterentwicklung und Selektion der Herden darstellen.
  • Durch die verbesserte Datengrundlage insbesondere in den Fitness- und Gesundheitsmerkmalen gewinnen diese auch stetig mehr Bedeutung in der Selektion.
  • Die Ergebnisse aus der Zuchtwertschätzung basierend auf der breiteren Datenbasis stehen allen Landwirten bei der Auswahl der Besamungsbullen für die Anpaarung ihrer Kühe zur Verfügung, sowie als Bestandteil des genomischen Zuchtwertprofils für alle genotypisierten Tiere, vom jungen Selektionskandidaten bis zu den Besamungsbullen und den weiblichen Tieren.
Veröffentlichungen
  • Emmerling, R.; Ertl, J. (2025): Zucht auf Gesundheit und Robustheit in Bayern: "FleQS-GuR“. Manuskript für die Jahresberichte 2024 der Zuchtverbände.
  • Emmerling, R. (2025): Schon 325.000 weibliche Tiere für FleQS typisiert. Rinderzucht Fleckvieh, 2/2025, 27.

Projektinformation
Projektleitung: Dr. Reiner Emmerling
Projektbearbeiter: Dr. Christian Edel, Dr. Eduardo Pimentel
Laufzeit: 01.01.2026 bis 31.12.2030
Finanzierung:
Landesverband bayerischer Rinderzüchter e.V.
Arbeitsgemeinschaft der Besamungsstationen in Bayern e.V.
Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus:
Förderung der Genotypisierungen weiblicher Tiere durch Förderprogramm für die Zucht und Gesundheit und Robustheit.