Ein Einblick in die Arbeit der Prüfstation für Schweine

Die LPA Grub heute (Foto: Luftbildverlag Bertram)Zoombild vorhanden

LPA Grub (Foto: Luftbildverlag Bertram)

Neben den Daten aus der Feldprüfung, die durch die Landwirte gemeinsam mit den Ringberatern des LKV Bayern e.V. erhoben werden, stellt die stationäre Erzeugungs- und Qualitätsprüfung das Herzstück der bayerischen Zuchtarbeit dar.

Im Jahr 2020 wurden in den Prüfstationen Grub und Schwarzenau gut 6.500 Tiere für die Nachkommenprüfung und Zuchtversuche eingestallt und geprüft. Dabei stammen 55 Prozent aus den Zuchtbetrieben der Züchtervereinigung EGZH, 45 Prozent sind aus Vertragsprüfbetrieben der Besamungsstationen Bayern-Genetik GmbH und Besamungsverein Neustadt/ Aisch.

Seit dem Jahr 2021 nur noch Prüfung nicht kupierter Tiere

Da die Haltung nicht kupierter Tiere in der Produktionsstufe weiter an Bedeutung gewinnt, werden seit dem Jahr 2021 möglichst nur noch unkupierte Tiere in den Prüfstationen eingestallt. Auch Versuche zur Ermittlung des Rasseeinflusses für das Auftreten von Schwanzverletzungen bei unkupierten Tieren werden regelmäßig durchgeführt.

Gesundheits- und Umweltparameter im Fokus der Forschung

Neben den klassischen Erzeugungsparametern wie tägliche Zunahmen oder Fleischanteil rückt die Merkmalserfassung von Qualitäts- und Tierwohlparametern immer mehr in den Vordergrund. So ist die Erfassung der Hilfsschleimbeutel die Grundlage für die Ausweisung des „Bursitidenzuchtwertes“ bei den Mutterrassen, die Beurteilung des Fundamentes dient zur Aufdeckung genetischer Einflüsse, beispielsweise beim Auftreten von Vorderbeinsteifigkeit.
Die Ermittlung von Tiergesundheitsmerkmalen wie Entzündungen und Nekrosen an Ohren, nicht kupierten Schwänzen und Gliedmaßen und deren Zusammenanhang für das Auftreten von Schwanzverletzungen rücken in den Mittelpunkt der Forschungstätigkeit. Aufgrund der Vorgaben der neuen Düngeverordnung und hoher Futtermittelpreise gewinnt der Aspekt der Effizienz der Nährstoffverwertung in der Schweineproduktion noch mehr an Bedeutung. Auch der Einsatz von Sojaextraktionsschrot als Haupteiweißlieferant in der Schweinefütterung ist umstritten. Daher wird in einem Verbundprojekt unter Beteiligung der bayerischen Prüfstationen ein möglicher Einfluss einer sehr stark Stickstoff- und Phosphor- reduzierten Futterration ohne Sojaanteil auf die Rangierung von Zuchtkandidaten ermittelt.

Tierindividuelle Futtermengenerfassung als Basis für die Zucht auf geringe Nährstoffausscheidungen

Person mit Schweinen in der Bucht am FutterautomatenZoombild vorhanden

Der Stallchef Kay Kirchner (BaySG) bei der Überprüfung der Futterautomaten

Die Prüfstation bietet die einzige Möglichkeit, die Zucht auf das Merkmal „Nährstoffeffizienz“ und somit auf die Verringerung einer negativen Umweltwirkung durch vermeidbare Nährstoffausscheidungen durchzuführen. Grundlage hierfür ist die Erfassung der tierindividuellen Futtermengen durch Futterautomaten, wobei das Tier durch die elektronische Ohrmarke beim Betreten des Automaten erkannt und die aufgenommene Futtermenge erfasst wird. Tiere, die eine gute Umsetzung der im Futter enthaltenen Nährstoffe auszeichnet, können dadurch ermittelt und gezielt in der Zuchtarbeit berücksichtigt werden.
Haben die Tiere das gewünschte Lebendgewicht erreicht (110 – 120 kg je nach Prüfart), erfolgt jede Woche montags die Schlachtung in den eigenen Schlachthäusern der Prüfstationen. Neben dem Muskelfleischanteil wird hierbei auch der pH-Wert 45 Minuten nach der Schlachtung erfasst, welcher ein wichtiger Parameter zur Aufdeckung grober Fleischqualitätsmängel ist. Dienstags steht die Merkmalserfassung am Schlachtkörper an.
  • Neben der Ausschlachtung,
  • dem pH-Wert 24 Stunden nach der Schlachtung,
  • den Fleisch- und Speckmaßen zur Ermittlung des Muskel- und Bauchfleischanteils,
  • der Schlachtkörperlänge und der Rückenmuskelfläche
werden Proben für die Bestimmung der Fleischbeschaffenheit entnommen.
Die Fleischproben werden nun für die weiteren Analysen vorbereitet. Es werden Proben für die Ermittlung des Tropfsaftverlustes (TSV), des intramuskulären Fettgehaltes (IMF) und des Ebergeruchs (im Nackenspeck von Ebern) genommen. Ist die Datenerfassung und Probenentnahme abgeschlossen, können die Schlachtkörper vermarktet werden.
Hängende Schlachthälften

Die Schlachthälften stehen für die Erfassung der Erzeugungs- und Qualitätsparameter zur Verfügung

Person am Schlachtkörper entnimmt Fleischprobe

Entnahme der Fleischproben für die Qualitätsbestimmung

Drei Personen im Schlachthaus bei der Aufbereitung von Fleischproben

Aufbereitung der Fleischproben für die Qualitätsbestimmung

Person stehend am Schlachtkörper ermittelt Verkaufsgewicht

Ermittlung des Verkaufsgewichtes

Person im Schlachthaus mit mehreren hängenden Schlachtkörpern

Verkauf der Schlachtkörper nach den Messungen und Probenentnahme

Person im Labor bei der Bearbeitung der Fleischprobe Zoombild vorhanden

Bearbeitung der Fleischproben zur Ermittlung des Tropfsaftverlustes

Während die Speckproben zur Analyse der Ebergeruchshauptkomponenten Androstenon und Skatol in ein auswärtiges Labor versandt werden, erfolgt die Ermittlung des Tropfsaftverlustes und des intramuskulären Fettgehaltes im Labor der Abteilung Qualitätssicherung und Untersuchungswesen (AQU) der LfL.
Person stehend im Labor bei der Homogenisierung einer FleischprobeZoombild vorhanden

Homogenisierung der Fleischprobe zur Ermittlung des IMF-Gehaltes

Ein Lendenstück wird verwogen, in eine SB-Schale mit Schutzatmosphäre eingeschweißt und nach 48 Stunden im Kühlschrank zurückgewogen. Der Masseverlust stellt den Tropfsaftverlust nach Gruber Methode dar. Zur Ermittlung des intramuskulären Fettgehaltes wird bei einem weiteren Lendenstück die äußere Fettschicht entfernt, die Probe in einer Moulinette homogenisiert und mittels NIRS der IMF-Gehalt gemessen.

Schon seit mehr als 20 Jahren werden bei der Leistungsprüfung alle Messwerte elektronisch erfasst und digital in eine Datenbank übertragen, welche die Basis für die Zuchtwertschätzung unter der Leitung von Dr. Jörg Dodenhoff (LfL-ITZ) darstellt. Für jedes Merkmal wird ein eigener Zuchtwert geschätzt. Die Züchter und Ferkelerzeuger können nun mit Hilfe der Einzelzuchtwerte, des Gesamtzuchtwerts oder des Produktionswerts die Selektion der Eber vornehmen.
Die stationäre Prüfung ist aufwändig, aber für die züchterische Bearbeitung von Tierwohl-, Effizienz- und Qualitätsparametern unverzichtbar. Allen der an der Prüfung beteiligten Personen von den Prüfbetrieben, den Ferkelfahrern, den Mitarbeitern in der Ferkelaufzucht und in der Prüfstation, im Schlachthaus und Labor bis hin zu den Kollegen an den Ämtern und Erzeugerringen ein herzliches Vergelt`s Gott für die geleistete Arbeit.

Planungen einer neuen Prüfstation mit Schlachthaus sind weit fortgeschritten

Dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gilt ein besonderer Dank für die Unterstützung der bayerischen Zucht. Dass die Zucht und die Ferkelerzeugung in Bayern auch politisch einen wichtigen Stellenwert hat, wird durch den Bau einer neuen Prüfstation mit Schlachthaus im Versuchs- und Bildungszentrum Schwarzenau der Bayerischen Staatsgüter (BaySG) untermauert. Die Planungen dafür haben bereits begonnen, so dass die Erfassung der Erzeugungs-, Qualitäts- und Verhaltensparameter unter den modernsten Haltungs- und Erfassungsbedingungen auch in Zukunft die Basis unserer bayerischen Zuchtarbeit darstellen wird.

Kontakt

Ansprechpartner
Dr. Rudolf Eisenreich
Institut für Tierzucht
Prof.-Dürrwaechter-Platz 1
85586 Poing-Grub
Tel.: 08161 8640-7180
Fax: 08161 8640-7199
E-Mail: Tierzucht@lfl.bayern.de

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Dr. Rudolf Eisenreich