Praxisinformationen
Änderungen der Zuchtwertschätzung vom Dezember 2019

In den Monaten April, August und Dezember jeden Jahres wird eine Zuchtwertschätzung basierend auf den vorliegenden Leistungsprüfungsdaten durchgeführt. Aktuelle Ergebnisse können in der Online-Anwendung BaZI-Rind abgerufen werden.
Die in der Zuchtwertschätzung vorgenommenen Änderungen im Zuchtwertschätzverfahren und bei der Veröffentlichung der Zuchtwerte werden im Folgenden beschrieben.

Routinemässig wird die Basisgruppe für die Berechnung der Zuchtwerte bei jeder Zuchtwertschätzung aktualisiert. Dadurch ergeben sich Zuchtwertänderungen, die spezifisch für jedes Merkmal angegeben werden können. Weitere Änderungen sind in den verschiedenen Abschnitten aufgeführt

Basisanpassung

Basistiere der aktuellen Zuchtwertschätzung

Bullen mit mind. 10 Töchtern in mind. 5 Herden, geboren in folgenden Geburtszeiträumen:

  • Fleckvieh, Braunvieh: Dezember 2008 bis November 2011 (8-10 Jahre alt)
  • Gelbvieh: Dezember 2006 bis November 2011 (8-12 Jahre alt)
Bei dieser Zuchtwertschätzung wurde die Basis um 4 Monate vorgerückt. Für alle Zuchtwertschätzungsmerkmale gilt die gleiche Basis.

Zuchtwert-Änderungen, die sich durch die Basisanpassung ergeben haben - Dezember 2019 pdf 280 KB

Einbeziehung der Slowakei in ZWS Milch (Fleckvieh)

Mit der ZWS Dezember 2019 wurden erstmalig Milchleistungsdaten aus der Slowakei (SVK) in der ZWS Milch beim Fleckvieh berücksichtigt. Der Umfang der aufgenommenen Daten beträgt etwa 11.000 Kühe je Jahrgang und es konnten Testtagsdaten ab dem Jahr 1995 in die Zuchtwertschätzung aufgenommen werden. Der Umfang an KB-Bullen mit mind. 20 Töchter mit Leistung in DE-AT-CZ und SVK beträgt 367 Bullen über die Bullenjahrgänge 1990 bis 2012. Darüber hinaus gibt es über 400 zusätzliche Bullen mit mind. 20 ausschließlich slowakischen Töchtern. Ein großer Teil der slowakischen Bullen hat Töchter in weniger als 10 Herden.
Die Auswirkungen auf die Zuchtwerte für Milchleistungsmerkmale sind aufgrund der verhältnismäßig kleinen hinzukommenden Informationsmenge auch sehr gering (siehe Tabelle). Einzelne KB-Bullen aus DE-AT-CZ haben dennoch einen hohen Datenzuwachs durch die Aufnahme der SVK-Daten und ein entsprechender Einfluss auf die geschätzten Zuchtwerte kann hier auch zu beobachten sein. Sechs Bullen mit einem Töchterzuwachs von >2.000 Töchtern waren im Testlauf der konventionellen Zuchtwertschätzung enthalten. Die vergleichenden Ergebnisse zur Routine-ZWS waren:
276000934752488VAN DYCKGJ 2000+8.314 SVK-Töchter-3,7 MW-Pkt.
040000486134172POLARIGJ 2003+3.149 SVK-Töchter-0,2 MW-Pkt.
276000937169790HOLZMICHLGJ 2003+2.961 SVK-Töchter-1,0 MW-Pkt.
276000935463615MANGFALLGJ 2001+2.423 SVK-Töchter+2,3 MW-Pkt.
040000022808207DIADORAGJ 2004+2.214 SVK-Töchter+-0,0 MW-Pkt.
040000655366745MALPENGJ 2001+2.098 SVK-Töchter-2,5 MW-Pkt.
Aufgrund von nur einzelnen genotypisierten Tieren aus der slowakischen Fleckviehpopulation gibt es aktuell auch keine zusätzlichen Auswirkungen (über die Änderungen der konventionellen ZWS hinaus) auf die genomische Zuchtwertschätzung.
Überblick über die Veränderungen für Bullen mit/ohne Informationszuwachs
 Mittlere
Differenz MW
Std. Abw.
Differenz MW
Min.
Differenz MW
Max.
Differenz MW
Bullen mit Töchterzuwachs < 10 Töchter (Korrelation alt <-> neu 0,9999)    
N=10.2240,0250,091-1,8+1,5
Bullen mit Töchterzuwachs > 9 Töchter aus SVK (Korrelation alt <-> neu 0,9999)    
N=1900,0812,34-9,1+8,5
Die Slowakei hat für ihre Fleckviehpopulation einen Gesamtbeitritt zum DE-AT-CZ ZWS-Verbund beschlossen und die Eingliederung in die ZWS für Milchleistungsmerkmale ist der erste Schritt. Eine Erweiterung auf die weiteren Merkmale der gemeinsamen Zuchtwertschätzung ist geplant und ist abhängig von der Lieferung der entsprechenden Leistungsdaten aus der Slowakei. Bis auf weiteres werden die slowakischen Bullen noch nicht in die Gemeinsame Zuchtwertliste DE-AT-CZ aufgenommen, hierzu ist zunächst eine Aufnahme in weitere Merkmalsblöcke notwendig.

Einbeziehung "Beobachtungen Landwirt" in die Zuchtwertschätzung für Gesundheitsmerkmale

Dr. Dieter Krogmeier
Die Zuchtwertschätzung für Gesundheitsmerkmale basiert bisher auf den Diagnosen von Tierärzten und auf den geburtsnahen Meldungen (Nachgeburtsverhaltung und Festliegen), die über HIT eingegeben werden. Um die Datenmenge zu erhöhen, können Landwirte ebenfalls eigene Krankheitsbeobachtungen im LKV-Herdenmanager oder in der LKV Rind-App erfassen. Diese Daten wurden bisher bereits aus Österreich verwendet, mit der aktuellen Zuchtwertschätzung werden diese Beobachtungen auch aus Bayern berücksichtigt.
Von den für die Zuchtwertschätzung relevanten Beobachtungen (mehr als 50.000 beim Fleckvieh und mehr als 6.000 beim Braunvieh), konnten nach umfangreichen Plausibilitätstests, die in der Tabelle aufgezeigten zusätzlichen Laktationen mit Beobachtungen berücksichtigt werden. Insgesamt ist der Einfluss der Beobachtungen aus App und Herdenmanager auf die Gesundheitszuchtwerte zwar noch relativ gering, bei einzelnen Bullen kommt es aber dennoch zu deutlichen Zuchtwertveränderungen und Sicherheitszuwächsen. Die Tabelle zeigt dies anhand eines Testlaufs mit und ohne Einbeziehung der Beobachtungen auf Basis der August-ZWS.
Anzahl an zusätzlichen Laktationen sowie die max. Zuchtwertänderungen und der max. Sicherheitsgewinn in den Gesundheitszuchtwerten
Merkmal ZWSzwei Laktationen in der ZWS
Fleckvieh
zwei Laktationen in der ZWS
Braunvieh
max. Änderung
Zuchtwerte
Fleckvieh
max. Änderung
Zuchtwerte
Braunvieh
max. Zuwachs
Sicherheit
Fleckvieh
max. Zuwachs
Sicherheit
Braunvieh
Mastitis48.6904.727-7 / +118 / +6+12 %+14 %
Frühe Fruchtbst.6.5611.479-6 / +127 / +2+6 %+9 %
Zysten47.7194.689-18 / +116 / +4+20 % + 8 %
Milchfieber6.8651.552-11 / +86 / +6+8 %+ 8 %
Die Berücksichtigung der Beobachtungen ist ein weiterer wichtiger Schritt neben den bisher schon erfassten Diagnosen zu einer genomischen ZWS für Gesundheitsmerkmale, die bisher noch an der zu geringen Anzahl an sicher geschätzten Bullen in der Kalibrierungsstichprobe scheitert. Dies soll sich zukünftig aufgrund der typisierten Töchter von Besamungsbullen ändern. Jede Kuh, von der neben dem Typisierungsergebnis auch ein Phänotyp (Gesundheitsbeobachtung) vorliegt, kann dann zur Lernstichprobe für die genomische ZWS beitragen. Dies gilt nicht nur für Kühe von Vertragsbetrieben aus den Kuhlernstichprobenprojekten Braunvieh-Vision (DE), FoKUHs (AT), FleQS (BY) und Fleckfficient (BW), sondern für alle typisierten Kühe. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Gesundheitsbeobachtungen in der gesamten Herde erhoben werden. Somit kann jeder Landwirt, der an Pro Gesund bzw. GMON teilnimmt, durch die lückenlose Erfassung von Gesundheitsmerkmalen auf seinem Betrieb, zur züchterischen Verbesserung der Gesundheit beitragen.

Genomische Zuchtwertschätzung

In der aktuellen genomischen Zuchtwertschätzung wurde wie gewohnt eine Rekalibrierung des Systems unter Nutzung aller verfügbaren Genotypen und der aktuellen konventionellen Zuchtwerte vom Dezember 2019 beim Fleckvieh und Braunvieh durchgeführt.

Termin nächste Zuchtwertschätzung

Der Veröffentlichungstermin der nächsten nationalen Zuchtwertschätzung ist Dienstag, der 7. April 2020.
Neben der dreimaligen konventionellen Zuchtwertschätzung werden monatliche Kandidatenläufe bei der genomischen Zuchtwertschätzung durchgeführt. An diesen Terminen gibt es für die jeweils neu aufgelaufenen Kandidaten genomisch optimierte Zuchtwerte, die über den Zuchtverband den Auftraggebern mitgeteilt werden und gleichzeitig auch in den RDV eingepflegt werden, so dass sie in Dokumenten (z.B. Stammbuchauszügen) oder Katalogen angedruckt werden können.