Wildtiermanagement
Grundlagenwissen – Aufbau und Wirkungsweise einer elektrischen Einzäunung

Das Weidegerät wird an das Elektronetz und den Erdungsstab angeschlossen.

Foto: M. Wagenpfeil, AELF Ebersberg

Das Elektrozaunsystem stellt im Normalfall einen offenen Stromkreis dar. Dieser wird erst dann geschlossen, wenn ein Tier den Zaun berührt. Dann fließt ein Stromimpuls vom Zaun über das Tier durch die Erde und die Erdungsstäbe zurück zum Weidegerät, wodurch das Tier einen kurzen Stromschlag bekommt. Eine nicht ausreichende Erdung führt zu schwächerer Impulsenergie am Zaun, die Hütesicherheit sinkt. Fehlt die Erdung ganz, kann der Stromkreis nicht geschlossen werden. In Folge erhält das Tier keinen Stromschlag und verliert die Scheu vor dem Zaun.

Weidegerät

Im Handel sind sowohl solar- als auch batterie- oder netzbetriebene Weidegeräte erhältlich. Ist ein Stromanschluss verfügbar, sollte immer ein Netzgerät gewählt werden, da dieses den geringsten Wartungsaufwand verursacht und am leistungsstärksten ist. Für schwer zu hütende Tiere wie Schafe wird eine Hütespannung von 4.000 V empfohlen. Diese Spannung sollte überall am Zaun – also auch am Zaunende – und unter Praxisbedingungen anliegen. Wichtig ist daher nicht die Spannung, die ein Gerät ohne Zaun (im Leerlauf) abgibt, sondern die Spannung am Zaun im Feldeinsatz. Diese ist abhängig vom Zauntyp (Elektronetz oder Litzenzaun), von der Bauart (Höhe, Anzahl der Litzen), der Zaunlänge und Umwelteinflüssen (z.B. geringe Erdung bei trockener Witterung). Neben der Spannung entscheidet die Impulsenergie über die Sicherheit des Zaunes. Sie ist die maximale Energie eines Impulses, den ein Weidegerät an den Zaun abgibt. Je höher die Impulsenergie ist, desto stärker ist der gefühlte Schmerz für das Tier und umso hütesicherer ist der Zaun. Empfohlen wird eine Impulsenergie von 5 Joule.

Leitermaterialien

Als Leitungsmaterialien können Drähte, Seile oder Bänder eingesetzt werden. Die verschiedenen Materialien leiten den Strom unterschiedlich gut. Bei längeren Zaunanlagen müssen bessere Leiter eingesetzt werden, um eine ausreichende Spannung gewährleisten zu können. Müssen Leiter verlängert werden, so sollten diese Verbindungen geschraubt und geklemmt werden. Durch einfache Knoten wird Leistung und Spannung verschenkt. Bei langen Zäunen sind alle 400 bis 600 m Querverbindungen zwischen den Leitern anzubringen. Mittels Drahtspannern und Temperaturausgleichsfedern kann gewährleistet werden, dass die Leiter zu jeder Zeit straff gespannt sind.
Ein dauerhafter Zaun wird am besten mit 2 mm oder 2,5 mm starkem, verzinktem Eisendraht errichtet. Dieser zeichnet sich durch eine sehr gute Leitfähigkeit und einen moderaten Preis. Bei temporären Zäunen ist die Sichtbarkeit des Drahtes wichtig. Hier bieten Kunststofflitzen und Kunststoffbänder mit gut leitenden Drahteinlagen Vorteile.

Die Leitfähigkeit der Materialien wird in nachstehender Reihenfolge schlechter:

  • Kupfer-Zinn
  • Eisen
  • Nickellegierungen
  • Nirosta
Nirosta-Drähte sind jedoch bruchsicherer als Kupferdrähte. Ideal ist deshalb die Kombination von Nirosta- und Kupfer-Zinn-Drähten. Die Zugfestigkeit und die Flexibilität, die bei mehrmaligem Auf- und Abbau wichtig sind, sind ebenfalls zu beachten. Einfache Kunststofflitzen ohne Kupfer-Zinn-Leiter sind aufgrund ihrer mangelhaften Leitfähigkeit auf keinen Fall für Außenzäune zu empfehlen.

Pfähle und Isolatoren

Ecke eines Elektrozauns auf einer WieseZoombild vorhanden

Mittels Eckanker kann das Elektronetz straff gespannt werden

Die Drähte, Seile oder Bänder werden entweder direkt oder, bei leitenden Pfahlmaterialien, mittels Isolatoren an den Pfählen angebracht. Neben robusten Stahl- und Holzpfählen werden auch leichtere Federstahl-, Glasfiber- und Kunststoffpfähle sowie Pfähle aus Recyclingmaterial angeboten. Sowohl bei der Auswahl der Pfahlart als auch der Isolatoren müssen die eingesetzten Leitermaterialien berücksichtigt werden. Nicht mit jeder Pfahlart können beispielsweise Bänder in den gewünschten Abständen und Höhen befestigt werden. Außerdem müssen auch der Standort (z.B. steiniger Boden oder weicher Erdboden) und die Häufigkeit des Auf- und Abbaus berücksichtigt werden. Vor allem wenn die Pfähle häufig versetzt werden, muss darauf geachtet werden, dass jedes Mal ein stabiler Stand gegeben ist.

Erdung

Die Erdung ist unabdingbare Voraussetzung für die richtige Funktion der Zaunanlage. Es gilt, je trockener und sandiger der Boden, desto schwieriger die Erdung. Bei zu trockenen Böden kann durch Bewässern oder zusätzlich durch das Einfüllen von Hilfsmitteln, welche das Wasser im Boden speichern (z.B. Bentonite), rund um den Erdungsstab mehr Sicherheit erlangt werden. Pro Joule Impulsenergie wird im Normalfall ein 1 Meter langer Erdungsstab benötigt. Nach der Installation der Erdungsstäbe bzw. im jährlichen Rhythmus sollte deren Funktion überprüft werden (siehe unten). Wenn beim Berühren eines Erdstabes ein Stromschlag zu spüren ist, ist die Erdung unzureichend und sollte verbessert werden.

So testen Sie, ob Ihre Erdung ordnungsgemäß funktioniert:

  1. Überprüfen Sie zunächst, ob bei einem Abstand von mind. 100 m vom Erdungssystem mehr als 3.000 V Spannung auf dem Zaun liegen.
  2. Verursachen Sie dann einen Kurzschluss, indem Sie z.B. eine Metallstange an den Zaun anlehnen, so dass diese Erd- und Zaunkontakt hat. An gleicher Stelle sollten nun weniger als 1.000 V anliegen.
  3. Messen Sie nun die Spannung des Erdungssystems. Liegt diese über 300 V müssen zusätzliche Erdungspfähle installiert werden.

Überblick: Anforderungen an einen guten Elektrozaun

Aufbau und Wirkungsweise eines ElektrozaunesZoombild vorhanden

Aufbau und Wirkungsweise eines Elektrozaunes

Elektrische Einzäunungen schützen eine gekoppelte Nutztierherde sehr viel effektiver als Nicht-Elektrische. Damit das Gesamtsystem "Elektrozaun" wirklich Schutz bietet, muss es gut aufeinander abgestimmt sowie sorgfältig aufgestellt und gewartet sein. Für eine betriebsbezogene Beratung stehen die staatlichen Stellen und der Fachhandel zur Verfügung.

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