Wildtiermanagement
Wolf, Luchs, Bär und andere mögliche Beutegreifer in Bayern

Wolf stehend auf Wiese

Foto: Rainer Simonis, Nationalpark Bayerischer Wald

Die europaweit zunehmende Erholung der Beutegreiferbestände – allen voran des Wolfes – löst bei Nutztierhaltern oftmals existenzielle Sorgen aus. Zigfache Tötungen und damit verbundenes Leiden, Bedrohung von gefährdeten Haustierrassen, Verluste von wertvollen Zucht- und Leittieren, Herdenausbrüche mit teilweise großen finanziellen Folgeschäden, ein deutlich erhöhter Arbeitsaufwand und die Umstellung der eigenen Arbeitsweise sind nur einige der Stichworte, die damit verbunden werden. Die Rückkehr ist zweifellos für alle Weidetierhalter eine große Herausforderung.

Sonderfall Wolf

Wölfe sind äußerst intelligent und lernfähig, so dass sie Schwachstellen beim Herdenschutz schnell ausfindig machen können. Im Rudel können sie gezielt von verschiedenen Seiten angreifen und so noch effektiver jagen. Ein wirksamer Herdenschutz gegen einzelne Wölfe oder auch Wolfsrudel ist daher eine echte Herausforderung.
Wölfe leben seit dem Jahr 1996 wieder in Deutschland. Im Monitoringjahr 2018/2019 wurden in Deutschland insgesamt 105 Wolfsrudel, 25 Wolfspaare und 13 territoriale Einzeltiere bestätigt (siehe Quelle). In Bayern sind in den vergangenen Jahren immer wieder einzelne durchwandernde Wölfe nachgewiesen worden. Anfang des Jahres 2017 konnten sowohl im Grenzgebiet Bayerischer Wald/Böhmerwald als auch auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Oberpfalz) erstmals zwei Paarbildungen, zum Teil mit Nachwuchs nachgewiesen werden.

Quelle: Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf Externer Link

Mit Stand Januar 2020 gibt es aktuell in vier Regionen Bayerns standorttreue Wölfe:

  • Nationalpark Bayerischer Wald
  • Truppenübungsplatz Grafenwöhr
  • Veldensteiner Forst
  • Rhön
Vor allem junge Rüden wandern auf der Suche nach einem eigenen Territorium teilweise sehr weite Strecken. Nach Bayern können daher jederzeit einzelne Wölfe zu- oder durchwandern – sowohl aus dem Nordosten Deutschlands als auch aus dem Alpenbogen. Mit dem Auftreten weiterer Wölfe und mit Rudelbildungen kann daher bayernweit gerechnet werden.
Detaillierte Informationen zum Thema Wolf sind auf der Internetseite des zuständigen Landesamtes für Umwelt veröffentlicht. Hier kann auch die Lage der aktuellen Wolfsgebiete in Bayern eingesehen werden.

Braunbär

Das Auftreten von Braunbären in Bayern ist nur sporadisch zu erwarten. Wie beim Wolf wandern vor allem die jungen, männlichen Tiere aus der kleinen Bärenpopulation im italienischen Trentino auf der Suche nach einem eigenen Revier oft große Strecken und können so auch bis nach Bayern gelangen. Der Bär JJ1 („Bruno“) verursachte im Mai 2006 erhebliche Schäden in der Landwirtschaft. 2019/2020 verlief der Bärenbesuch dagegen ohne Schäden an Nutztieren. Das Ausbreitungs- und Schadenspotenzial der Braunbären ist grundsätzlich als erheblich geringer als beim Wolf einzustufen.

Luchs

Die Bestände des Luchses verbleiben trotz intensiver Artenschutzbemühungen bislang nur regional begrenzt. In der böhmisch-bayerisch-österreichischen Grenzpopulation leben aktuell 60 selbständige Luchse sowie 26 Jungtiere. Davon leben in Bayern 49 Luchse einschließlich 17 Jungtiere (Stand 2020). Die bisherigen Konflikte durch Luchsübergriffe auf Nutztiere halten sich in Grenzen und sind über Ausgleichszahlungen im Regelfall zu entschärfen.

Weitere Beutegreifer

Vor der Erholung der Bestände von Wolf, Braunbär und Luchs waren wildernde Hunde, Füchse und Kolkraben (neben den Naturgewalten) die größten Gefahren für Weidetiere. Im Alpenraum wird auch der Adler gefürchtet. Der Goldschakal – eigentlich in Asien und dem Balkan beheimatet – ist ein weiterer Angreifer, der z.B. Schafe und Ziegen erbeuten kann. Er zieht aktuell mit dem Klimawandel in nördlichere Gebiete und ist inzwischen gelegentlich auch in Deutschland anzutreffen.

Angriffstaktik, Schadenspotenzial und Schutzstatus der Beutegreifer

Für alle genannten Angreifer - mit Ausnahme des Wolfes - gilt: Bis auf wenige Einzeltiere, die sich auf Weidevieh spezialisieren, hält sich der Schaden für Nutztierhalter in Grenzen – sofern diese sich an die gute fachliche Praxis halten:

  • geschlossene Umzäunung
  • tägliche Kontrolle
  • Geburten möglichst im Stall
  • sofortige Entsorgung von Nachgeburten und verendeten Tieren
Eine unbeaufsichtigte Freiweide ist jedoch bei Beutegreiferanwesenheit kaum mehr möglich.
Potentielle Angreifer, ihre Angriffstaktik, ihr Schadenspotenzial für Nutztierhalter und ihr Schutzstatus.
Potentieller AngreiferAngriffstaktikSchadenspotenzial für NutztierhalterSchutzstatus
Wolfuntergräbt Zaun, Einzeltiere springen über Zaun, löst Panik aus, äußerst mobil, äußerst lernfähigi.d.R. Einzeltiere, jedoch auch Mehrfachtötungen.
Teilweise nur geringe Nutzung der Beute, Herdenausbrüche wegen Panik
„streng geschützte Art“ im Bundesnaturschutzgesetz
Verbot von Störung, Besitz, Fang, Tötung (Straftaten)
Luchspirscht an,
klettert über Zaun
Einzeltiere, nutzt Beute in der Regel komplett„streng geschützte Art“ im Bundesnaturschutzgesetz
Verbot von Störung, Besitz, Fang, Tötung (Straftaten)
Bärv.a. mechanische Zerstörung, unterkriecht bzw. durchbricht ZäuneEinzeltiere, Materialschäden wegen starker Zerstörungskraft„streng geschützte Art“ im Bundesnaturschutzgesetz
Verbot von Störung, Besitz, Fang, Tötung (Straftaten)
Kolkrabegreift aus der Luft an Einzelne Jungtiere, pickt Augen und After„streng geschützte Art“ im Bundesnaturschutzgesetz
Verbot von Störung, Besitz, Fang, Tötung (Straftaten)
Adlergreift aus der Luft anEinzelne Jungtiere„streng geschützte Art“ im Bundesnaturschutzgesetz
Verbot von Störung, Besitz, Fang, Tötung (Straftaten)
Fuchsgräbt und klettertEinzelne JungtiereJagdrecht -> ganzjährig bejagbar, außer führende Elterntiere
GoldschakalgräbtEinzelne Jungtieregeschützt (Anhang V-FFH-Richtlinie)
Wildernder Hundgräbt, springtoft Einzeltiere, aber auch Herdenausbrüche wegen Panik-