Gut vorbereitet auf heiße Tage: Hitzemanagement bei Schweinen und Geflügel

Schweine und Geflügel reagieren je nach Alter, Körpermasse und Leistung unterschiedlich empfindlich auf hohe Temperaturen. Nicht allein die Lufttemperatur entscheidet über die Hitzebelastung. Auch Luftfeuchtigkeit, Luftbewegung, Dauer der Hitzeperiode und Besatzdichte beeinflussen, wie gut Tiere ihre Körperwärme abgeben können.
Als Orientierung gelten:
- Schweine
- Saugferkel: haben aufgrund ihres hohen Wärmebedarfs andere Anforderungen als ältere Tiere. Ferkelnester werden bewusst auf etwa 30 bis 34°C temperiert. Für Saugferkel ist Kälte das größere Risiko, nicht Hitze.
- Abgesetzte Ferkel und Mastschweine: erste Leistungseinbußen häufig bereits ab 22 bis 25°C
- Tragende und säugende Sauen: besonders empfindlich, Hitzebelastung ab etwa 20 bis 22°C
- Geflügel
- Küken haben in den ersten Lebenstagen einen sehr hohen Wärmebedarf (etwa 33 bis 35°C) und sind in dieser Phase in der Regel nicht von Hitzebelastung betroffen
- Legehennen und Elterntiere: erste Auswirkungen häufig ab 24 bis 25°C, deutliche Hitzebelastung oberhalb von 28 bis 30°C
- Masthühner und Puten: abhängig von Alter und Körpermasse; schwere Tiere reagieren häufig bereits ab 25°C empfindlich
Beim Geflügel reicht die Lufttemperatur allein zur Beurteilung der Hitzebelastung nicht aus. Entscheidend ist auch die Luftfeuchtigkeit. Deshalb wird häufig die Enthalpie verwendet, die beide Größen berücksichtigt. Bereits ab etwa 67 kJ/kg Außenluft können im Stall kritische Bedingungen entstehen. Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht hierzu täglich eine Übersichtskarte mit Enthalpiewerten im Bundesgebiet.
Besonders kritisch sind mehrere aufeinanderfolgende Hitzetage mit hohen Nachttemperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Können die Tiere nachts keine Wärme abgeben, nimmt die Belastung von Tag zu Tag weiter zu.
1. Warnzeichen für akute Hitzebelastung
Die Tiere sollten während Hitzeperioden mehrmals täglich gezielt beobachtet werden. Folgende Anzeichen erfordern sofortiges Handeln:
- Schweine
- ausgeprägtes Hecheln mit stark erhöhter Atemfrequenz
- Tiere liegen ausgestreckt und vermeiden Körperkontakt
- verminderte Futteraufnahme bei gleichzeitig erhöhter Wasseraufnahme
- Teilnahmslosigkeit, Apathie und Festliegen
- in schweren Fällen Atemnot und Kreislaufprobleme (z. B. bläuliche Hautverfärbung)
- Geflügel
- Hecheln mit geöffnetem Schnabel
- abgespreizte Flügel
- verminderte Futteraufnahme
- verstärktes Aufsuchen von Tränken oder gut belüfteten Stallbereichen
- Unruhe oder gedrängtes Stehen bzw. Liegen in kühleren Stallbereichen
- Teilnahmslosigkeit, Festliegen oder plötzlich ansteigende Tierverluste
Treten diese Symptome auf, müssen Lüftung, Kühlung und Wasserversorgung unverzüglich überprüft werden.
2. Trinkwasser hat höchste Priorität
Zoombild vorhanden
Foto: BayWa für die LfL
Während Hitzeperioden ist eine jederzeit ausreichende Versorgung mit frischem, sauberem Trinkwasser die wichtigste Maßnahme im Management von Schweinen und Geflügel.
Dabei kommt es nicht allein auf die Wassermenge an. Ebenso wichtig sind:
Dabei kommt es nicht allein auf die Wassermenge an. Ebenso wichtig sind:
- die regelmäßige Kontrolle aller Tränken auf Funktion und Durchflussleistung
- ein ausreichender und stabiler Wasserdruck
- eine hygienisch einwandfreie Wasserqualität
- sowie möglichst kühles Tränkewasser
Mit steigenden Umgebungstemperaturen verschiebt sich das Verhältnis von Wasser- zu Futteraufnahme deutlich. Die Futteraufnahme sinkt, während die Wasseraufnahme zur Thermoregulation stark zunimmt.
Beim Schwein liegt das Verhältnis von Wasser- zu Futteraufnahme unter Praxisbedingungen bei etwa 2-3 : 1. Unter Hitzebelastung kann es, abhängig von Körpermassse, Futterzusammensetzung und -struktur sowie Stallklima, auf 3–5 : 1 oder darüber ansteigen.
Beim Geflügel beträgt das Verhältnis unter thermoneutralen Bedingungen etwa 1,8–2,0 : 1. Unter Hitzebelastung steigt die Wasseraufnahme deutlich an und kann das Futter-Wasser-Verhältnis ebenfalls Werte von 3 : 1 und höher erreichen.
3. Stallklima aktiv verbessern
Neben der Wasserversorgung entscheidet vor allem das Stallklima darüber, wie gut Tiere Hitze verkraften. Ziel aller Maßnahmen ist es, die Wärmebelastung zu verringern und die Wärmeabgabe der Tiere zu unterstützen.
Wichtige Maßnahmen sind:
- Lüftungsanlagen, Sensoren und Alarmfunktionen sollten bereits vor Beginn der Sommerperiode auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft werden
- leistungsfähige Lüftung und ausreichende Luftgeschwindigkeit im Tierbereich
- Verdunstungskühlung über Cool-Pads
- Vernebelungs- oder Sprühkühlung mit kurzen Sprühintervallen, damit die Luftfeuchtigkeit nicht zu stark ansteigt und die Einstreu nicht zu feucht wird
- Kühlung der Zuluft, beispielsweise über Erdwärmetauscher bei Neubauten
Offenställe profitieren zusätzlich von der nächtlichen Abkühlung und der natürlichen Luftbewegung.
Für Schweine können Mikrosuhlen eine sinnvolle Ergänzung sein. Kurze Benetzungsintervalle unterstützen durch Verdunstung die Wärmeabgabe über die Haut.
4. Fütterung an Hitze anpassen
Bei hohen Temperaturen sinkt die Futteraufnahme. Das Fütterungsmanagement sollte deshalb gezielt angepasst werden.
Empfehlenswert sind:
- Fütterung in die kühlen Morgen- und Abendstunden verlegen
- hohe Futterqualität und konsequente Futterhygiene sicherstellen
- Energiedichte des Futters erhöhen, bei gleichzeitig bedarfsgerechter Versorgung mit Aminosäuren
- überhöhte Rohproteinkonzentration vermeiden
Eine Erhöhung der Fettkonzentration, beispielsweise durch Pflanzenöle, ist eine bewährte Maßnahme, da Fett bei der Verdauung weniger Stoffwechselwärme erzeugt als Stärke oder überschüssiges Rohprotein.
Gleichzeitig gilt: Mehr Fett im Futter bedeutet auch höhere Anforderungen an die Futterqualität. Fette und Öle können bei hohen Temperaturen schneller oxidieren (ranzig werden). Deshalb sollten fettreichere Mischungen möglichst frisch eingesetzt und lange Lagerzeiten vermieden werden. So lassen sich die Vorteile einer höheren Energiedichte nutzen, ohne Einbußen bei der Futterqualität in Kauf nehmen zu müssen.

Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Flüssigfütterung bei Schweinen. Hitzeperioden erhöhen das Risiko von Fehlgärungen sowie das Wachstum von Hefen und Schimmelpilzen. Daher sind eine konsequente Futterhygiene und regelmäßige Reinigung besonders wichtig:
- Futterreste täglich entfernen
- Tröge regelmäßig reinigen
- Leitungen und Mischbehälter regelmäßig reinigen bzw. nach betriebseigenem Hygienekonzept spülen
5. Vitamin- und Elektrolytversorgung gezielt anpassen
Während ausgeprägter Hitzeperioden kann eine gezielte Ergänzung von Elektrolyten sinnvoll sein. Verstärkte Atmung und erhöhte Wasseraufnahme beeinflussen den Elektrolyt- sowie den Säure-Basen-Haushalt. Eine gezielte Ergänzung über Futter oder Tränkwasser (z. B. Natrium-, Kalium- oder Bicarbonatverbindungen) ist in der Praxis etabliert und kann den Stoffwechsel stabilisieren. Sie ersetzt jedoch keine ausreichende Wasserversorgung und wirksame Kühlung.
Insbesondere beim Geflügel kann eine vorübergehende Vitaminergänzung über das Trinkwasser die Widerstandskraft während der Hitzeperioden fördern.
Die Auswahl und Dosierung von Elektrolyten und Vitaminen sollte stets an Tierart, Leistungsniveau und Herstellerempfehlungen angepasst werden.
Die Auswahl und Dosierung von Elektrolyten und Vitaminen sollte stets an Tierart, Leistungsniveau und Herstellerempfehlungen angepasst werden.
Die Auswahl und Dosierung von Elektrolyten und Vitaminen sollte stets an Tierart, Leistungsniveau und Herstellerempfehlungen angepasst werden.
Vor dem Sommer prüfen
- Funktion und Leistungsfähigkeit der Lüftungsanlage
- Alarmanlage und Notstromversorgung testen
- Wasserdurchfluss an allen Tränken kontrollieren
- Kühlung (Cool-Pads, Vernebelung, Mikrosuhlen) auf Funktionsfähigkeit prüfen
- Futter- und Tränkehygiene überprüfen
- Fütterungszeiten ggf. anpassen
- Technische Mängel an Lüftungs-, Kühl- oder Tränkesystemen sollten bereits vor Beginn einer Hitzeperiode behoben werden
Fazit
Heiße Sommer und längere Hitzeperioden stellen Schweine- und Geflügelhalter zunehmend vor Herausforderungen. Ein wirksames Hitzemanagement beginnt bereits vor den ersten heißen Tagen. Entscheidend sind eine funktionierende Stalltechnik, eine jederzeit gesicherte Trinkwasserversorgung, eine angepasste Fütterung sowie die gezielte Beobachtung der Tiere während Hitzeperioden. Wer frühzeitig handelt, kann Tierwohl, Tiergesundheit und Leistung wirksam schützen.



