Weiße Lupinen in der Fütterung von Schweinen

Weißes körniges Tierfutter.

Weiße Lupinen

Süßlupinen wurden in zahlreichen Fütterungsversuchen mit Schweinen getestet und sind als Eiweißfuttermittel etabliert. Aufgrund ihrer Anfälligkeit gegenüber Anthraknose, einer Pilzkrankheit, kann es im Lupinenanbau insbesondere bei feuchter Witterung zu Totalausfällen kommen. Auch bei den züchterisch toleranteren blauen Lupinensorten können Verluste bis zu 30 Prozent auftreten. In den letzten Jahren wurden insbesondere bei den Weißen Lupinen (Lupinus albus) zwei Neuzüchtungen zugelassen, die sich durch eine hohe Anthraknosetoleranz auszeichnen. Eine ist die Sorte Frieda. Diese aus Bayern stammende Sorte wurde in zwei Fütterungsversuchen mit Ferkeln und einem Fütterungsversuch mit Mastschweinen getestet. Die Lupinen von Versuch 1 wiesen einen Gesamtalkaloidgehalt von 0,061 Prozent, die von Versuch 2 und 3 einen von 0,144 Prozent auf.

Versuchsdurchführung

Die Fütterungsversuche wurden am Staatsgut Schwarzenau der Bayerischen Staatsgüter durchgeführt. Dazu wurden 192 beziehungsweise 96 Tiere nach Körpermasse, Abstammung und Geschlecht ausgewählt und gleichmäßig folgende Versuchsgruppen aufgeteilt:

Versuch 1 (Ferkel)

  • Kontrolle
  • Weiße Lupinen: 5,0 Prozent im Ferkelaufzuchtfutter I, 10,0 Prozent im Ferkelaufzuchtfutter II

Versuch 2 (Ferkel))

  • Kontrolle
  • Weiße Lupinen: 2,5 Prozent im Ferkelaufzuchtfutter I, 5,0 Prozent im Ferkelaufzuchtfutter II

Versuch 3 (Mastschweine)

  • Kontrolle
  • Lupinengruppe 1: 5 Prozent im Anfangs- und Mittelmastfutter, 10 Prozent im Endmastfutter
  • Lupinengruppe 2: 5 Prozent im Anfangsmastfutter, 10 Prozent im Mittel- und Endmastfutter
  • Lupinengruppe 3: 10 Prozent im Anfangs-, Mittel- und Endmastfutter

Die Ferkel wurden jeweils in 16 Buchten zu je 12 Tieren gehalten. Sie waren zu Versuchsbeginn vier Wochen alt und knapp 8 Kilogramm schwer. Es wurde zweiphasig gefüttert.
Die Mastschweine wurden in 8 Buchten zu je 12 Tieren an Abrufstationen gefüttert. Zu Mastbeginn waren sie im Mittel 74 Tage alt und 34 Kilogramm schwer. Es wurde dreiphasig gefüttert.
Die Rationen der drei Versuche basierten auf Getreide, Sojaextraktionsschrot und Mineralfutter. In den Lupinengruppen wurde Sojaextraktionsschrot anteilig durch Weiße Lupinen ersetzt.

Ergebnisse

Versuch 1

Futterverbrauch
Während der Futterverbrauch pro Tier und Tag in beiden Gruppen in den ersten drei Versuchswochen auf einem vergleichbaren Niveau lag, zeigte sich in der 2. Fütterungsphase in der Lupinengruppe ein signifikant verminderter Futterverbrauch. Im Mittel des Versuchs wurde mit 679 Gramm in der Lupinengruppe signifikant weniger Futter verbraucht als in der Kontrollgruppe mit 774 Gramm.
Tägliche Zunahmen
Am Ende des Versuchs wiesen die Ferkel der Kontrollgruppe mit 28,0 Kilogramm eine signifikant höhere Lebendmasse auf als die Tiere der Lupinengruppe mit 25,8 Kilogramm. Dies spiegelte sich auch in den täglichen Zunahmen wider, die in der Kontrollgruppe ab der 2. Fütterungsphase (687 gegenüber 565 Gramm) und auch insgesamt (492 gegenüber 437 Gramm) signifikant höher lagen. In der 1. Fütterungshase unterschieden sich die täglichen Zunahmen mit 307 beziehungsweise 315 Gramm nur gering.
Futteraufwand
Was den Futteraufwand betrifft, so ergaben sich in beiden Fütterungsabschnitten und im Mittel der Ferkelaufzucht keine signifikanten Unterschiede. Der Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs war im Versuchsmittel in beiden Gruppen mit 1,55 Kilogramm in der Lupinen- und 1,56 Kilogramm in der Kontrollgruppe nahezu identisch.

Versuch 2

Futterverbrauch
Der Futterverbrauch pro Tier und Tag betrug in der Kontrollgruppe im Mittel 720 Gramm und war signifikant höher als in der Lupinengruppe mit 660 Gramm. In der 1. Fütterungsphase unterschied sich der Futterverbrauch mit 408 Gramm in der Kontroll- und 370 Gramm in der Lupinengruppe nicht signifikant. Im weiteren Verlauf verbrauchten die Tiere der Kontrollgruppe mit 1048 Gramm signifikant mehr Futter als die der Lupinengruppe mit 964 Gramm.
Tägliche Zunahmen
Auch im 2. Versuch erreichten die Kontrolltiere mit 27,8 gegenüber 26,7 Kilogramm in der Lupinengruppe eine signifikante höhere Lebendmasse nach 6-wöchiger Versuchsdauer. Auch hier spiegelte es sich in den täglichen Zunahmen wider, die in der Kontrollgruppe ab der 2. Fütterungsphase (686 gegenüber 649 Gramm) und auch insgesamt (486 gegenüber 457 Gramm) signifikant höher lagen. Im 1. Fütterungsabschnitt wurde mit 296 Gramm in der Kontroll- und 275 Gramm in der Lupinengruppe kein signifikanter Unterschied festgestellt.
Futteraufwand
Was den Futteraufwand betrifft, so ergaben sich in beiden Fütterungsabschnitten und im Mittel der Ferkelaufzucht keine signifikanten Unterschiede. Der Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs war im Versuchsmittel in beiden Gruppen mit 1,43 Kilogramm in der Lupinen- und 1,46 Kilogramm in der Kontrollgruppe vergleichbar hoch.

Versuch 3

Futterverbrauch
Über den gesamten Mastzeitraum betrachtet verbrauchten die Tiere der Kontrollgruppe im Vergleich zu den drei Lupinengruppen mit 2,28 Kilogramm signifikant mehr Futter pro Tag. Die Werte der Lupinengruppen lagen zwischen 2,10 und 2,17 Kilogramm pro Tier und Tag. Nebenstehendes Diagramm zeigt den Verlauf des Futterabrufs aus den Stationen währen der Mast.
Tägliche Zunahmen
Im Mastversuch erzielten die Tiere der Kontrollgruppe mit 805 Gramm signifikant höhere tägliche Zunahmen als die der Lupinengruppen mit Werten zwischen 746 Gramm (Lupinengruppe 3) und 788 Gramm (Lupinengruppe 1). Der Leistungsrückgang zeigte sich dabei in Abhängigkeit von der Zulage an Weißen Lupinen. Nebenstehende Grafik zeigt die Körpermasseentwicklung der Tiere der vier Gruppen im Verlauf der Mast.
Futteraufwand
Im Mittel des Versuchs ließen sich keine signifikanten Unterschiede beim Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs zwischen den vier Gruppen feststellen. Dieser lag zwischen 2,75 Kilogramm in der Lupinengruppe 1 und 2,82 Kilogramm in der Kontrollgruppe.
Schlachtkörpermerkmale
Bei der Mehrzahl der untersuchten Schlachtkörpermerkmale wurden signifikante Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen festgestellt. So wiesen beim Muskelfleischanteil die Kontrolltiere mit 58,5 Prozent einen signifikant niedrigeren Wert auf als die Tiere der Lupinengruppe1 mit 60,3 Prozent. In den Lupinengruppen 2 und 3 wurden Muskelfleischanteile von 60,2 und 59,8 Prozent ermittelt.
Mit 55,0 Prozent lag der Fleischanteil im Bauch in der Kontrollgruppe signifikant niedriger als in den drei Lupinengruppen (siehe auch nachfolgende Tabelle)
Schlachtkörperbeurteilung
 KontrolleLupinengruppe 1Lupinengruppe 2Lupinengruppe 3
Schlachtkörpergewicht, kg96,095,594,394,6
Ausschlachtung, %80,779,080,380,0
Muskelfleischanteil, %58,560,360,259,8
Fleischanteil im Bauch, %55,057,460,158,6

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

  • Sowohl die Erhöhung der Einsatzrate Weißer Lupinen von 5 Prozent im Ferkelfutter I auf 10 Prozent im Ferkelfutter II bei einem Alkaloidgehalt der Lupinen von 0,061 Prozent, als auch die Erhöhung von 2,5 Prozent im Ferkelfutter I auf 5 Prozent im Ferkelfutter II bei einem Alkaloidgehalt von 0,144 Prozent führte zu signifikant niedrigeren Futterverbräuchen und signifikant niedrigeren täglichen Zunahmen gegenüber den jeweiligen Kontrollgruppen mit Sojaextraktionsschrot als alleiniger Eiweißkomponente.
  • In der Schweinemast führte sowohl der durchgängige Einsatz von 10 Prozent Weißer Lupinen als auch der Einsatz von 10 Prozent Weißer Lupinen ab der Mittelmast bei einem QA-Gehalt der Lupinen von 0,144 Prozent zu signifikant niedrigeren täglichen Zunahmen gegenüber der Kontrollgruppe mit Sojaextraktionsschrot als alleiniger Eiweißkomponente. Der Futterverbrauch war bereits bei niedrigen Einsatzmengen an Weißen Lupinen signifikant vermindert.
  • Falls die Alkaloidgehalte von Weißen Lupinen nicht bekannt sind, sollten diese im Ferkelfutter mit maximal 2,5 Prozent und im Mastfutter mit maximal 10 Prozent in der Endmast eingesetzt werden.
  • Separate Einsatzempfehlungen für Weiße und Blaue Lupinen in der Schweinefütterung wurden 2025 von der Ufop formuliert. Bei Ferkeln wurden die Empfehlungen auch bei Weißen Lupinen bei 5 Prozent in der Ration während der gesamten Aufzucht belassen. In der Mast wurden die Einsatzmengen Weißer Lupinen auf maximal 5 Prozent im Anfangs- und 10 Prozent im Endmastfutter festgesetzt.
  • Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man diese beim Ferkel, wie es Versuch 2 gezeigt hat, nicht komplett ausschöpfen.
  • Höhere Anteile könnten künftig möglich werden, wenn durch züchterische Maßnahmen die Alkaloidghalte der Weißen Lupinen reduziert werden, beziehungsweise wenn preiswerte Schnelltests für die aktuell teuren Alkaloiduntersuchungen verfügbar sind.