Rohproteinreduzierte Fütterung von langsam wachsenden Öko-Masthühnern
Ein Überschuss an Rohprotein im Futter verlässt über die Exkremente ungenutzt das Tier. Erhöhte Stickstoffausscheidungen und Ammoniakemissionen sind die Folge. Diese Ausscheidungen belasten Stall- und Umweltklima und können sich auf Grund verminderter Einstreu- und Luftqualität negativ auf die Tiergesundheit auswirken. In der Rationsgestaltung für konventionell gehaltenes Geflügel lassen sich diese negativen Effekte gezielt und ohne Leistungseinbußen vermindern, indem der Rohproteingehalt abgesenkt und der Bedarf an limitierenden Aminosäuren (z. B. Methionin, Lysin) über die Zugabe freier Aminosäuren gedeckt wird. Im Ökolandbau ist diese Strategie der Fütterung jedoch nicht möglich, weshalb nur begrenzte Möglichkeiten der Rohproteinreduktion bestehen.
Ziel
In vorliegender Studie wurde untersucht, wie weit der Rohproteingehalt in ökokonformen Alleinfuttermischungen reduziert werden kann, ohne die Mast- und Schlachtleistung langsam wachsender Masthähnchen zu beeinflussen. Neben dem Effekt der Rohproteinreduktion auf die Leistung wurden ebenfalls die Auswirkungen auf die Stickstoffausscheidungen sowie Stickstoffnutzungseffizienz kalkuliert.
Material und Methoden
In einer 56-tägigen Fütterungsstudie wurden etwas mehr als 1.000 langsam wachsende Masthühner der Herkunft Hubbard JA57 × ColorYield gemischtgeschlechtlich in 24 identischen Abteilen (je 44 Tiere) gehalten. Dabei wurde die im Ökolandbau maximal zulässige Besatzdichte von 21 kg/m² eingehalten. Zur Anwendung kamen drei Futtervarianten mit je acht Abteilen als Wiederholungen:
- K (Kontrolle): Starter 19,7 % Rohprotein; Mast 19,1 % Rohprotein
- CP- (rohproteinreduziert): Starter 19,3 % Rohprotein; Mast 18,1 % Rohprotein
- CP-- (stärker rohproteineduziert): Starter 18,1 % Rohprotein; Mast 17,4 % Rohprotein
Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen: Mit sinkendem Rohproteingehalt sanken auch die tierischen Leistungen (siehe Grafik)
Die Reduktion des Rohproteingehalts um mindestens 0,4 %-Punkte in der Starterphase und 1 %-Punkt in der Mastphase führte zu einer Verringerung der Mast- und Schlachtleistung sowie einer schlechteren Fußballengesundheit.
Die Mortalität war bei der stärker rohproteinreduzierten Gruppe (CP--) insbesondere in der Starterphase deutlich höher als bei den anderen Varianten, die mehr Rohprotein erhielten.
In Bezug auf die Fußballengesundheit schnitt die Kontrollgruppe am besten ab. Die beiden rohproteinreduzierten Varianten wiesen signifikant schlechtere (höhere) Scores auf.
Zwar stieg die N-Nutzungseffizienz durch die Rohproteinreduktion (siehe nebenstehende Grafik), das Niveau war jedoch im Vergleich zu konventionell gefütterten Masthühnern deutlich niedriger.
Sowohl der kalkulierte Erlös über Futterkosten (IOFC) als auch der Europäische Produktionsindex (EPI) lag bei den Tieren der Gruppe K signifikant über jenen der beiden rohproteinreduzierten Varianten. Die geringeren Futterkosten auf Grund der Proteinreduktion konnten die Leistungseinbußen somit nicht kompensieren. Detailliertere Ergebnisse sind dem Projektbericht zu entnehmen
Schlussfolgerungen
Eine Reduktion des Rohproteingehalts ohne die Möglichkeit des Einsatzes freier Aminosäuren in ökologischen Futtermischungen resultierte in Leistungseinbußen bei langsam wachsenden Masthühnern. Bereits moderate Absenkungen von 0,4 %-Punkten im Starter (19,7 gegenüber 19,3 % Rohprotein) und 1 %-Punkt in der Mastphase und (19,1 gegenüber. 18,1 % Rohprotein) hatten negative Auswirkungen auf die Mast- und Schlachtleistung sowie folglich die Ökonomie. Vorteilig erhöhte sich durch die Rohproteinreduktion die Stickstoffnutzungseffizienz, was sich jedoch nachteilig auf die Kosten der Produktionsleistung ausübte.
Ob diese Effekte der Leistungsminderung durch gezieltere Strategien vermieden werden können – z.B. durch eine spätere Rohproteinabsenkung in der Mastphase oder zusätzliche Fütterungsphasen, wird aktuell im Projekt "MastOpti(M)Um" untersucht.
Ansprechpartner
Felicitas Ahrens
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft
Tel.: 08161 8640-1828
E-Mail: ITF@LfL.bayern.de
Dr. Philipp Hofmann
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft
Tel.: 08161 8640-1922
E-Mail: ITF@LfL.bayern.de