Aufwuchsverlauf von Grünlandbeständen in Bayern: Kalenderwoche 19 bis 20

Häcksler und Traktor mit Anhänger bei der Grasernte
Die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe und der Mengenertrag der Futterpflanzen ändert sich während des Wachstums. Diese Veränderungen bestimmen den Futterwert, der je nach Zeitpunkt des Schnittes erheblichen Schwankungen unterliegt. Eine gute Kenntnis über den Verlauf des Gehaltes an wertbestimmenden Inhaltsstoffen ist für die Gewinnung von hochwertigem Grobfutter deshalb sehr wichtig. Hier soll die Aufwuchsuntersuchung von Grünlandbeständen der LfL auch in diesem Jahr wieder Hilfestellung leisten.
Dabei werden wöchentlich Proben von bayernweit verteilten Standorten gewonnen und am LfL-Labor in Grub auf den Gehalt an Rohnährstoffen untersucht. Aus der Entwicklung der Grünlandaufwüchse werden jährlich Ernteempfehlungen abgeleitet. Dafür werden die Regionen Bayerns in fünf Agrargebieten zusammengefasst. In den entsprechenden Ergebnisdiagrammen werden die Gehalte an Rohprotein (XP), Säure-Detergentien-Faser (ADFom) sowie die Energiekonzentration (MJ NEL) und der Ertrag in dt TM/ha über die Kalenderwochen 16 bis 20 hinweg dargestellt.

Kälteeinbruch bremst Wachstum

Grünlandmonitoring 2020 - Die Eisheiligen zeigen, was sie können

Nach einem sehr sommerlichen April zeigt sich der Monat Mai wettertechnisch aktuell sehr wechselhaft. Neben Sonne, Regen und Wind, kommt pünktlich mit Beginn der Eisheiligen nochmal kurzzeitig Winterfeeling nach Bayern mit kühlen Temperaturen, Frost und in manchen Gebieten auch der Schnee. Gerade das wechselhafte Wetter verschafft den Wiesen gute Wachstumsbedingungen, doch für die Landwirte ist es schwierig ein ideales „Silierwetter“ zu finden.

Fasergehalte

Die ADFom-Gehalte liegen derzeit im Schnitt zwischen 233 und 257 g/kg TM. Auffallend ist, dass in allen Agrargebieten bis jetzt die ADFom-Gehalte noch nicht den Zielwert von 270 g/ kg TM überschritten haben. Durch die mit den Eisheiligen jetzt kühleren Temperaturen sowohl tagsüber als auch nachts wird der Verholzungsprozess der Gräser deutlich verlangsamt und die noch stehenden Grasbestände werden in eine Art „Ruhemodus“ versetzt. Die Energiegehalte der zugesandten Aufwuchsproben von den sechs Agrargebieten liegen derzeit noch knapp über den Zielwert von 6,6 MJ NEL. Nach Abzug der Energieverluste durch den Silierprozess, sollten die in der Grassilage angestrebten Energiegehalte mit mehr als 6,4 MJ NEL/ kg TM erreicht werden.
Im Agrargebiet Ostbayrisches Mittelgebirge Nord liegt der ADFom-Gehalt bei 233 g/kg TM und damit niedriger als bei den anderen Agrargebieten. Die Rohproteingehalte befinden sich immer noch auf einem sehr hohen Niveau mit 181 g/kg TM, ebenso der Energiegehalt mit 6,7 MJ NEL. Der Kälteeinbruch der letzten Woche und seine Folgen sind in diesem Gebiet am heftigsten. Somit werden die Inhaltsstoffe- vor allem ADFom- nur langsam schlechter werden. Daher kann mit dem Mähen noch gewartet werden, um einen weiteren Ertragsanstieg der Bestände ausnutzen zu können.

Ertrag- von wenig bis viel

Zu Beginn der Aufwuchsuntersuchung lagen die Erträge bayernweit weit unter dem langjährigen Durchschnitt. Doch durch die langersehnten Niederschläge Ende April und Anfang Mai konnten die Erträge deutlich zulegen. Jedoch schwanken die mittleren hochgerechneten Trockenmasse (TM)-erträge in diesem Jahr zwischen den Agrargebieten sehr stark. So liegen die TM-Erträge im Voralpinen Hügelland mit 39 dt/ha am höchsten, gefolgt vom Tertitärhügelland mit 34 dt/ha, Alpenvorland mit 28 dt/ha, Ostbayrisches Mittelgebirge Süd 27 dt/ha, Jura, Keuper und Nordbayrisches Hügelland mit 26 dt/ha und Ostbayrisches Mittelgebirge Nord mit 16 dt/ha. Im Vergleich zum Jahr 2019 sind die Unterschiede in den Erträgen in den Agrargebieten Alpenvorland und Tertiärhügelland besonders deutlich. Hier liegen die ermittelten Erträge um 5 dt/ha niedriger als im Vorjahr, was mitunter auf die ausgebliebenen Niederschläge im Winter und Frühjahr zurückzuführen ist.

Großes Dankeschön

Im Rahmen des bayernweiten Grünlandmonitorings der LfL wollen wir uns bei allen teilnehmenden Betrieben ganz herzlich bedanken! Nur durch ihre Unterstützung ist es möglich, bayernweit Aufwuchsuntersuchungen im Grünland durchzuführen, um dadurch Schnittzeitpunktprognosen abzuleiten. Gerne nehmen wir auch wieder neue Betriebe in unser Aufwuchsmonitoring mit auf. Bei wem wir jetzt das Interesse geweckt haben, der darf sich gerne an uns beim Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft (089-99141-401) in Grub wenden.

Aufwuchsuntersuchungen aus den jeweiligen Agrargebieten

Karte von BayernZoombild vorhanden

Agrargebiete Bayern

Ab jetzt werden wöchentlich die Inhaltsstoffe und der Ertrag von den Probeschnitten veröffentlicht. Zur übersichtlicheren Darstellung der Ergebnisse wird Bayern in sechs Agrargebiete eingeteilt. Die Einordnung der einzelnen Regionen Bayerns zu den Agrargebieten erfolgt nach klimatischen und geografischen Gegebenheiten (siehe Karte).