Aufwuchsverlauf von Grünlandbeständen in Bayern 2021

Grashäcksler und Traktor mit Anhänger bei der Ernte

Bayernweite Aufwuchsuntersuchungen zum 1. Schnitt im Grünland

Die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe und der Mengenertrag der Futterpflanzen ändert sich während des Wachstums. Diese Veränderungen bestimmen den Futterwert, der je nach Zeitpunkt des Schnittes erheblichen Schwankungen unterliegt. Eine gute Kenntnis über den Verlauf des Gehaltes an wertbestimmenden Inhaltsstoffen ist für die Gewinnung von hochwertigem Grobfutter deshalb sehr wichtig. Hier soll die Aufwuchsuntersuchung von Grünlandbeständen der LfL auch in diesem Jahr wieder Hilfestellung leisten.

KarteZoombild vorhanden

Karte der Agrargebiete Bayern

Dabei werden wöchentlich Proben von bayernweit verteilten Standorten gewonnen und am LfL-Labor in Grub auf den Gehalt an Rohnährstoffen untersucht. Aus der Entwicklung der Grünlandaufwüchse werden jährlich Empfehlungen zum Schnittzeitpunkt abgeleitet. Dafür werden die Regionen Bayerns nach klimatischen und geografischen Gegebenheiten in sechs Agrargebiete zusammengefasst (siehe Karte). In den entsprechenden Ergebnisdiagrammen werden die Gehalte an Rohprotein (XP), Säure-Detergentien-Faser (ADFom) sowie die Energiekonzentration (MJ NEL) und der Ertrag in dt TM/ha über die Kalenderwochen 16 bis 20 hinweg dargestellt.

Start des Grünlandmonitorings zum 1. Schnitt – "Frühlingserwachen" bei den Gräsern

So wie sich der April verabschiedet hat, machte der Mai erst mal wettertechnisch weiter nämlich kühl und wechselhaft. Interessant ist dabei ein Blick zurück in das Jahr 2020: Zur gleichen Zeit war in dieser Kalenderwoche (KW 18) in fünf von sechs Agrargebieten die "Silierreife" der Wiesenbestände schon erreicht und es wurde fleißig gemäht, geschwadert und einsiliert. Dieses Jahr ist bayernweit aber auf den Wiesen noch alles ruhig.

Mairegen bringt Segen

Neben den kühlen Temperaturen stoppte auch die zunehmende Trockenheit der Böden das Wachstum der Wiesenbestände besonders in den Agrargebieten Tertiärhügelland, Jura, Keuper und Nordbayerisches Hügelland sowie in den Ostbayerischen Mittelgebirgen. Daher waren gerade in diesen Gebieten die Niederschläge der vergangenen Woche ein wahrer Segen für die Wiesen.

Erträge noch verhalten

Die Auswirkungen der langanhaltenden kühlen Witterung zeigen sich nicht nur in den Inhaltsstoffen, sondern auch bei den hochgerechneten Erträgen auf Basis Trockenmasse (TM). Derzeit liegen die TM-Erträge mit Ausnahme des Agrargebiets Ostbayerisches Mittelgebirge Nord im Durchschnitt bei 21 dt TM/ha. Von dem erwarteten Ertragsniveau eines 1. Schnitts von 30-35 dt TM/ha ist da noch „Luft“ zum Wachsen. Besonders innerhalb des Agrargebiets „Alpenvorland und südliches Allgäu“ sind durch die lange geschlossene Schneedecke und Kälteperiode die Bestände regional sehr unterschiedlich weit entwickelt. Die hochgerechneten Erträge schwanken innerhalb des Gebiets zwischen 5 und in Gunstlagen schon bis zu 30 dt TM/ha. Auch im Agrargebiet Ostbayerisches Mit-telgebirge Nord haben Trockenheit und kühle Temperaturen sowohl tags als auch nachts das Gras-wachstum bis jetzt immer noch sehr stark gebremst, wie an den sehr geringen Aufwuchsmengen zu erkennen ist. Zudem konnten dort auch noch nicht an allen Probenahmestandorten Aufwuchsproben gemäht werden. In diesem Gebiet kommen die Bestände erst jetzt zum „Wachsen“. Die deutlich wärmeren Temperaturen und Niederschläge werden das Wachstum der Grasbestände nochmal deutlich fördern, so dass in der kommenden Woche mit einem „Wachstumschub“ gerechnet werden kann.

Gräser altern langsam

Die immer noch sehr kühlen Temperaturen, besonders nachts stecken das Gras in eine Art „Kühlschrank“, das zeigt sich besonders bei den immer noch niedrigen Verholzungsgraden der Gräser. Diese sind zwischen der KW 17 und 18 auch nur sehr gering angestiegen. Mit Ausnahme des Agrargebiets Ostbayerisches Mittelgebirge Nord liegen die ADFom-Gehalte im Mittel jetzt bei 203 g/kg TM und sind noch deutlich unter dem „Grenzwert“ von 260 g/kg TM, der beim ersten Schnitt nicht überschritten werden sollte. Somit sind die Bestände für Anfang Mai noch sehr „jung“ bzw. jung geblieben. Durch die geringen Fasergehalte sind auch die Energiegehalte in den Grasproben bei allen Agrargebieten immer noch auf einem sehr hohen Niveau und sinken nur langsam ab.

Eiweiß sinkt trotzdem

Mit zunehmenden Massewachstum steigt der Fasergehalt im Gras und der Eiweißgehalt sinkt ab. Wieder mit Ausnahme des Agrargebiets Ostbayerisches Mittelgebirge Nord sind die Gehalte an Rohprotein in der KW 18 deutlich gesunken, besonders im Agrargebiet Ostbayerisches Mittelgebirge Süd, wobei in diesem Gebiet die Eiweißgehalte zu Beginn des Monitorings auf einem sehr hohen Niveau lagen. Im Mittel liegen die Gehalte derzeit noch bei 182 g/kg TM, wobei die Gehalte zwischen den Agrargebieten schwanken, besonders im Tertiärhügelland und Voralpines Hügelland sind die Gehalte mit 166 bzw.171 g/kg TM deutlich abgefallen. Zu erklären ist dies durch teils verzögerte N-Mineralisierung.

Siliermitteleinsatz

Zwar ist die Silierreife auf den Wiesen noch nicht erreicht, jedoch sind die Vorbereitungen zum ersten Schnitt jetzt schon zu machen, damit alles passt, wenn es soweit ist. Dabei sollte auch der Einsatz von Siliermitteln mitberücksichtigt werden. Die kühle Witterung der letzten Wochen, Nachtfröste und auch Trockenheit schränken nicht nur das Wachstum der Grasbestände ein, sondern auch die Entwicklung der Milchsäurebakterien auf dem Gras. Nur wenn Milchsäurebakterien in ausreichender Anzahl und Qualität auf dem späteren Siliergut vorhanden sind, ist eine schnelle und zügige Milchsäurebildung sichergestellt und kann Fehlgärungen, wie Buttersäurebildung unterdrücken. Durch den gezielten Einsatz von Siliermitteln kann dieses Risiko beim Einsilieren minimiert werden. Die Liste der DLG-geprüften Siliermittel ist unter dem folgenden Link abrufbar.

Hilfestellung zum Siliermitteleinsatz