Institut für Pflanzenschutz
Jahresbericht 2025 – Krankheiten in Blattfrüchten und Mais, Schädlinge und Wachstumsregler in Ackerbaukulturen

Rapsversuch mit GelbschaleZoombild vorhanden

Rapsversuch im Entwicklungsstadium der Vollblüte, Foto: S. Wagner

Aufgabenschwerpunkt ist die Sicherung einer qualitativ hochwertigen, umweltverträglichen, leistungsfähigen und nachhaltigen Pflanzenerzeugung in Bayern.

Die in der Arbeitsgruppe "Krankheiten in Blattfrüchten und Mais, Schädlinge und Wachstumsregler in Ackerbaukulturen" durchgeführten Forschungsaktivitäten zum integrierten Pflanzenschutz haben zum Ziel, eine qualitativ hochwertige, umweltverträgliche, leistungsfähige und nachhaltige Pflanzenerzeugung in Bayern zu sichern. Die aus den wissenschaftlichen Arbeiten abgeleiteten Beratungsaussagen finden über Veröffentlichungen, Vorträgen, Internetbeiträgen und über die Offizialberatung und deren Verbundpartner zeitnah Eingang in die landwirtschaftliche Praxis.

Kartoffelversuch zum BlühbeginnZoombild vorhanden

Kartoffelversuch zur Bekämpfungsstrategie der Kraut- und Knollenfäule, Foto: S. Wagner

Derzeit arbeitet die Arbeitsgruppe IPS 3c an verschiedenen Projekten zur Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen in Ackerbaukulturen, mit einem besonderen Fokus auf Blattfrüchte, Mais und Kartoffeln. Schädlinge gewinnen im Ackerbau zunehmend an Bedeutung, was die Entwicklung praktischer Entscheidungshilfen zur Abschätzung des Befallsrisikos und zur Planung gezielter Bekämpfungsmaßnahmen unerlässlich macht. Diese Entscheidungshilfen sollen helfen, unnötige prophylaktische Behandlungen zu vermeiden und eine effiziente Bekämpfung von Schaderregern zu ermöglichen. Insbesondere arbeitet die LfL an der Entwicklung von Prognosemodellen für Schadinsekten in Raps, Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais.

Aktueller Aufgabenschwerpunkt

Seit 2022 konzentriert sich die Arbeitsgruppe auf die Entwicklung von Bekämpfungsverfahren zur Kontrolle der Schilf-Glasflügelzikade und der von ihr übertragenen Erreger Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus und Candidatus Phytoplasma solani.

Derzeitige Projekte

Im Rahmen von zwei Projekten, die im Jahr 2025 gestartet sind, werden verschiedene Fragestellungen zu den bakteriellen Erregern Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus (SBR) und Candidatus Phytoplasma solani (Stolbur) untersucht. Beide Erreger werden durch die Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) übertragen und stellen ein zunehmendes Problem für den landwirtschaftlichen Pflanzenbau dar.
Schilf-Glasflügelzikade (<i>Pentastiridius leporinus</i>) an der KartoffelZoombild vorhanden

Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus), Foto: J. Harreiter

Der Schwerpunkt der Projekte liegt dabei auf den Auswirkungen dieser Erreger auf den Kartoffelanbau, insbesondere auf der Entwicklung möglicher Maßnahmenstrategien zur Ertrags- und Qualitätssicherung sowie, auf dem besseren Verständnis der Übertragungswege
Kartendarstellung zu den Monitoringstandorte 2025Zoombild vorhanden

Darstellung aller Bayernweiten Monitoringstandorte der SGFZ, Darstellung: S. Mistele

Monitoring SGFZ 2025
Aufgrund des kulturübergreifenden Vorkommens der Schilf-Glasflügelzikade wurde ein umfassendes Monitoring etabliert, um Aktivität und Ausbreitung des Vektors systematisch zu erfassen. Das Monitoring wurde von 2024 auf 2025 deutlich ausgeweitet. Insgesamt wurden knapp 120 Standorte im Zuckerrübenanbau sowie über 100 Standorte im Kartoffelanbau in das Monitoring einbezogen. Zusätzlich wurden 11 Monitoringstandorte im Gemüsebau eingerichtet. Die erhobenen Daten werden im ISIP bereitgestellt und dienen der Beobachtung der Populationsentwicklung der Schilf-Glasflügelzikade sowie der Bewertung des regionalen Befallsrisikos. Darüber hinaus erfolgte eine Einteilung der Anbaugebiete in sogenannte Hotspot- und Übergangsregionen, wodurch eine differenzierte Insektizidanwendung gemäß der vom BVL erteilten Notfallzulassungen möglich wurde.
Luftknollen an mit den Erregern infizierten KartoffelpflanzeZoombild vorhanden

Luftknollen an mit den Erregern infizierten Kartoffelpflanze, Foto: J. Harreiter

Praxisprojekt zur Qualitätssicherung der Kartoffel (QuaKSi)
Das erste Projekt mit dem Namen QuaKSi beschäftigt sich vor allem mit Maßnahmen zur Qualitätssicherung durch die Kontrolle des Vektors. Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die Untersuchung der Wirksamkeit von Insektiziden, die im Rahmen von Notfallzulassungen (Art. 53) genehmigt wurden. Ziel ist es, deren Wirkung wissenschaftlich zu quantifizieren und damit eine fundierte Grundlage für zukünftige Pflanzenschutzstrategien zu schaffen. Neben chemischen Bekämpfungsmaßnahmen werden auch alternative Ansätze untersucht, beispielsweise der Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln, um mögliche ergänzende oder alternative Strategien zur Reduzierung des Befalls zu bewerten.
Blattrollen und ChlorosenZoombild vorhanden

Blattrollen und Chlorosen an Kartoffeln, Foto: J. Harreiter

Forschungsprojekt zur "Bakteriellen Kartoffelknollenwelke" (BayKaStol)
Das zweite Forschungsprojekt BayKaStol befasst sich mit den Auswirkungen von Infektionen durch SBR und Stolbur auf die Produktion und den Nachbau von Pflanzkartoffeln. Hierzu wurden sowohl Gewächshaus- als auch Freilandversuche durchgeführt, um die Entwicklung von infizierten Pflanzen über mehrere Vegetationsperioden zu beobachten. Dabei konnte festgestellt werden, dass sich die Symptome im Jahr der Infektion deutlich von den Symptomen unterscheiden, die im Folgejahr bei infiziertem Pflanzgut auftreten. Im Infektionsjahr zeigen betroffene Pflanzen häufig Welkeerscheinungen, Blattverfärbungen, die Bildung von Luftknollen sowie das Auftreten von Geiztrieben.
Fadenkeimigkeit an der KartoffelZoombild vorhanden

Fadenkeimigkeit an der Kartoffel, Foto: J. Harreiter

Im darauffolgenden Jahr zeigen sich die Auswirkungen der Infektion vor allem im Keimverhalten des Pflanzgutes. Typische Symptome sind Fadenkeimigkeit, ein gehemmtes oder unregelmäßiges Keimverhalten sowie eine insgesamt geringe Vitalität der Keime. Diese Veränderungen können zu einer beeinträchtigten Bestandsentwicklung führen. In den Versuchen konnte zudem festgestellt werden, dass belastetes Pflanzgut zwar zu Ertragseinbußen führt, jedoch nicht zu Qualitätseinbußen.
Versuchsparzellen im Luftbild

Versuch zum Keimverhalten von Pflanzgut mit Infektionen von SBR und Stolbur und ohne Infektion im Vergleich, Foto: F. Rottenkolber

Bild in Originalgröße

Anthocyanverfärbung an Pflanzan durch Infekiton mit SBR und/oder Stolbur.

Anthocyanverfärbung durch Infekiton mit SBR und/oder Stolbur, Foto: J. Harreiter

Bild in Originalgröße

Ein weiterer Bestandteil des Projekts ist die Untersuchung von neun Stärkesorten hinsichtlich ihrer Anfälligkeit und möglichen Toleranz gegenüber den beiden bakteriellen Erregern. Ziel dieser Untersuchungen ist es, Sorten zu identifizieren, die geringere Symptome zeigen oder geringere Ertragsverluste aufweisen und sich somit besser für den Anbau in potenziell betroffenen Regionen eignen könnten.
Die Versuche innerhalb der Projekte werden in den Jahren 2026 und 2027 weitergeführt.
Qualitätssicherung bei SBR und Stolbur (QuaKSi) (Projektlaufzeit: 01.02.2025 – 31.12.2027): In diesem Projekt wird die Qualitätssicherung im Umgang mit dem Auftreten von SBR und Stolbur thematisiert, wobei ein besonderer Fokus auf Pflanzenschutzmittelanwendungen gegen die Schilf-Glasflügelzikade gelegt wird