Forschungs- und Innovationsprojekt
Stolbur und SBR an Kartoffeln in Bayern: Krankheitsverlauf, Ertagswirkung und Anfälligkeit unterschiedlicher Sorten (BayKaStol)

Schilf-GlasfluegelzikadeZoombild vorhanden

Schilf-Glasfluegelzikade (Foto: Benker)

Hintergrund und Problemstellung

Die Zuckerrüben-Krankheit "SBR" (Syndrome Basses Richesses) wurde seit den späten 2000er Jahren in Deutschland zunehmend bedeutend. Der Anteil der von dieser Krankheit betroffenen Zuckerrübenflächen hat seitdem kontinuierlich zugenommen, wobei der erste Nachweis in Bayern 2019 erfolgte. Die Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) gilt als Hauptvektor des Erregers.

SBR wird durch zwei bakterielle Erreger verursacht:

  • Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus (γ-Proteobakterium)
  • Candidatus Phytoplasma solani (Stolbur-Phytoplasma)
eingerollte Blattränder und rötlicher Blattverfärbung an KartoffelnZoombild vorhanden

Kartoffelstaude mit eingerollten Blatträndern und rötlicher Blattverfärbung (Foto: Moosheimer)

Seit 2022 ist bekannt, dass dieser Erregerkomplex auch auf Kartoffeln übertragen wird, was dort zu Ertrags- und Qualitätseinbußen führt. Bei Kartoffeln wird die Krankheit als "Bakterielle Kartoffelknollenwelke" bezeichnet und stellt den Kartoffelanbau vor neue Herausforderungen.

Zu den derzeit bekannten Symptomen gehören u.a.:

  • Aufrollen der Blattränder nach oben
  • Blattverfärbungen
  • Geiztriebbildung
  • Bildung von Luftknollen
  • Vorzeitiges Absterben des Blattapparates
  • Einzelne grüne Triebe in abgeernteten Beständen
  • Gummiknollen
  • Fadenkeimigkeit
  • Reduzierter Stärkegehalt
Fadenkeimigkeit der KartoffelZoombild vorhanden

links Fadenkeimige Kartoffelknolle, befallen mit Arsenophonus
(Foto: Nechwatal)

Ziel
Derzeit sind viele Aspekte des Infektionsgeschehens sowie passende Pflanzenschutzstrategien noch unklar. Deshalb beschäftigt sich das neue Forschungsprojekt "BayKaStol" mit der Untersuchung des Einflusses der beiden Schaderreger Stolbur und Arsenophonus sowie des Vektors, der Schilf-Glasflügelzikade. Ziel des Projekts ist es, den Einfluss der "Bakteriellen Kartoffelknollenwelke" auf das Keim- und Wachstumsverhalten der Kartoffelpflanze besser zu verstehen. Dadurch sollen auch die Auswirkungen auf den Ertrag und die Qualität der Kartoffeln genauer untersucht werden. Auf dieser Grundlage können dann Lösungsansätze und Strategien entwickelt werden, um den Bayerischen Kartoffelanbau zu unterstützen

Methode

  • Feldversuche:
    • Keim- und Auflaufverhalten: An zwei Standorten in Gebieten mit niedrigem Befall werden fünf Speisesorten an zwei verschiedenen Legeterminen in einer zweifaktoriellen Spaltanlage untersucht. Ziel ist es, den Einfluss der Infektion auf das Wachstum und die Ertragsbildung zu ermitteln, indem infizierte und befallsfreie Kartoffelknollen im Wuchsverhalten verglichen werden.
    • Stärkekartoffelsorten: An drei Standorten in Bayern werden neun Stärkekartoffelsorten ebenfalls in einer zweifaktoriellen Spaltanlage angebaut. Die Hälfte der Pflanzen wird unter Netz gesetzt, um Sortenunterschiede in Bezug auf das Infektionsgeschehen und die Auswirkungen auf Qualität und Ertrag zu untersuchen.
  • Gewächshausversuche:
    • Um den Einfluss einer Infektion der Mutterknollen auf die Tochterknollen besser zu verstehen, werden einzelne Knollen auf die beiden Erreger Stolbur und Arsenophonus untersucht. Diese Knollen werden unter kontrollierten Bedingungen über den gesamten Entwicklungszeitraum hinweg in ihrem Wuchsverhalten analysiert.
  • Monitoring:
    • Ein bayernweites Monitoring der Schilf-Glasflügelzikade findet in den Kartoffelanbaugebieten statt. Die Verbreitung der Zikade wird durch spezielle Klebetafeln erfasst, die wöchentlich in den Kartoffelbeständen ausgetauscht werden. Am Institut für Pflanzenschutz wird stichprobenartig untersucht, ob und mit welchem der beiden Erreger die Zikaden befallen sind.
Ergebnisse
Die Veröffentlichung erster Zwischenergebnisse ist an dieser Stelle zum Projektende geplant.
Projektverantwortung: Dr. Luitpold Scheid, IPS 3c; Dr. Jan Nechwatal, IPS 2b
Projektpartner: Dr. Stefan Dick, Südstärke GmbH
Projektbearbeitung: Judith Harreiter, IPS 3c; Leonhard Moosheimer, IPS 3c
Laufzeit: 01.01.2025-31.12.2027
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF)
Förderkennzeichen: A/24/09