Bayerische Buchführungsstatistik
Buchführungsergebnisse 2023/2024 landwirtschaftlicher Haupterwerbsbetriebe in Bayern: nach Allzeithoch folgt Normalisierung

Landwirt hält Papier mit Grafiken und Berichten in der Hand

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Die Agrarbörsen und mit ihnen auch die Unternehmensergebnisse landwirtschaftlicher Betriebe durchlebten im Wirtschaftsjahr 2022/2023 aufgrund des Ukraine-Kriegs eine Ausnahmesituation. Im nunmehr abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2023/2024 normalisierten sich die Verhältnisse jedoch wieder etwas. Der Gewinn bayerischer Haupterwerbsbetriebe ging gegenüber dem Vorjahreszeitraum um etwa 20 Prozent zurück und lag bei durchschnittlich 80.264 Euro.

Da sich die betrieblichen Aufwendungen etwa auf dem Niveau des Wirtschaftsjahres 2022/2023 bewegten, waren die Gewinneinbußen maßgeblich auf den Rückgang der betrieblichen Erträge als Folge von rückläufigen Produktpreisen zurückzuführen. Eine differenzierte Betrachtung zeigt jedoch, dass sich diese allgemeine und durchschnittliche Entwicklung nicht in allen Betriebsformen widerspiegelt.

Getreidebaubetriebe schwächer, Hackfruchtbaubetriebe stabil

Der Gewinn der ausgewerteten Ackerbaubetriebe sank im Abrechnungszeitraum 2023/2024 nur leicht und bewegte sich mit 62.405 Euro je Betrieb auf dem Durchschnittsniveau der zurückliegenden fünf Jahre. Dabei ist zwischen Getreidebau- und Hackfruchtbetrieben zu differenzieren. Auf der Erlösseite lagen die Getreide- und Rapspreise (netto) im Wirtschaftsjahr 2023/2024 nach einer durchschnittlichen Ernte 2023 mit 21,20 €/dt bzw. 45,50 €/dt deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Positiver stellte sich die Situation bei den Hackfrüchten dar: die Zuckerrüben - wie auch die Kartoffelpreise (netto) zeigten sich erfreulich und stabil (Zuckerrüben: 7,20 €/dt; Kartoffeln: 16,10 €/dt). Die Kostenseite beruhigte sich teilweise wieder: beispielsweise sank der Aufwand für Düngemittel um fast 40 Prozent.

Gewinnanstieg bei den Obstbaubetrieben

Eine erfreuliche Entwicklung konnten die Dauerkulturbetriebe verzeichnen: der Gewinn stieg um über 20 Prozent auf 56.064 Euro je Unternehmen. Somit wiesen diese Betriebe nach dem Einbruch im letzten Wirtschaftsjahr wieder einen vergleichbaren Gewinn aus wie im Wirtschaftsjahr 2021/22. Jedoch muss das Ergebnis auch in dieser Betriebsform differenziert betrachtet werden: Während einerseits die Weinbaubetriebe deutliche Preiseinbußen hinzunehmen hatten, konnten die Obstbaubetriebe im Vergleich zum Vorjahr aufgrund einer geringeren Ernte ein Preisplus verbuchen und somit zu dem Gewinnanstieg bei dieser Betriebsgruppe beitragen.

Deutlicher Gewinnrückgang bei den Futterbaubetrieben

In den Futterbaubetrieben verschlechterte sich das Wirtschaftsergebnis im Vergleich zum Vorjahr im Mittel um etwa 34 Prozent. Damit ist in dieser Gruppe gegenüber dem sehr guten vorangegangenen Wirtschaftsjahr ein spürbarer Gewinnrückgang festzustellen, wobei dieser vor allem auf den erheblichen Preisrückgang bei der Milch zurückzuführen war. Lag dieser im Wirtschaftsjahr 22/23 noch bei durchschnittlich 56,80 ct netto/kg, konnten im darauffolgenden Betrachtungszeitraum (WJ 23/24) im Mittel nur noch 49,50 ct netto/kg erzielt werden. Trotz der Einbußen in dieser Betriebsform ist hervorzuheben, dass mit 76.293 Euro je Unternehmen ein Gewinn erwirtschaftet wurde, welcher sich immer noch deutlich über dem 5-Jahresmittel bewegt.

Gutes Jahr für Schweine- und Geflügelbetriebe

In der Veredlung hingegen zeigten sich im Wirtschaftsjahr 2023/2024 durchweg positive Marktbedingungen. Der starke Strukturwandel, eine reduzierte Belegung der Stallplätze und der damit verbundene Angebotsrückgang führten bei Ferkeln und Mastschweinen zu deutlichen Preisanstiegen. Mit dem daraus resultierenden Betriebsergebnis von 123.711 Euro ist das für die Schweine- wie auch Geflügelbetriebe sehr zufriedenstellend. Der Gewinn stieg im Vergleich zum vorangegangenen Betrachtungszeitraum um 13 Prozent an, nachdem sich die beiden Wirtschaftsjahre 2020/2021 und 2021/2022 noch als wirtschaftlich katastrophal präsentierten.

Steigende Rentabilität bei den Verbundbetrieben

Gewinnentwicklung im Durchschnitt der bayerischen Haupterwerbsbetriebe

Abbildung 1: Gewinnentwicklung bayerischer Haupterwerbsbetriebe nach ausgewählten Betriebsformen

In der Gruppe der Verbundbetriebe befinden sich landwirtschaftliche Unternehmen, die sowohl Ackerbau als auch Tierhaltung betreiben. Das dritte Jahr in Folge konnte diese Betriebsform ihre Rentabilität steigern und erreichte einen Gewinn von 67.042 Euro.

Betriebe des ökologischen Landbaus

Gewinnentwicklung im Durchschnitt des ökologischen Landbaus nach Klassen der LF

Abb. 2: Gewinnentwicklung Betriebe des ökologischen Landbaus nach Klassen der LF

Unter den Haupterwerbsbetrieben konnten auch Betriebe des ökologischen Landbaus nach Klassen der landwirtschaftlich genutzten Fläche ausgewertet werden. Sie bewirtschafteten durchschnittlich 58 Hektar. Die Einbußen bei den Erträgen aus tierischer Erzeugung fielen in den Bio-Betrieben deutlich geringer aus als im konventionellen Bereich. Die Erträge aus pflanzlicher Erzeugung sind auf Grund einer stabilen Entwicklung der Getreide- und Rapspreise sogar angestiegen. Auf der Aufwandseite wirkten sich vor allem höhere Aufwendungen für Personal, Saat- und Pflanzgut sowie Viehzukäufe negativ auf den Unternehmensgewinn aus. Im Durchschnitt der ausgewerteten Bio-Betriebe hat sich dieser im Wirtschaftsjahr 2023/24 um 1.083 Euro auf 73.573 Euro verringert.

Das laufende Wirtschaftsjahr 2024/2025

Das laufende Wirtschaftsjahr 2024/2025 ist im pflanzlichen Bereich von erheblich niedrigeren Ernten bei Getreide, Raps und Obst einerseits und von Mehrerträgen bei Kartoffeln, Zuckerrüben sowie Futter- und Energiepflanzen andererseits geprägt. Die von den Landwirten erzielten Preise aber stehen mit Ausnahme der Märkte für Raps, Obst und Gemüse in allen pflanzlichen Erzeugungsbereichen mehr oder minder stark unter Druck. Hier ist mit mäßig bis starken Rückgängen der Erzeugerpreise zu rechnen. Das gilt auch für Mastschweine und Ferkel. Bei Milch und Rindern zeichnet sich dagegen preisbedingt eine positive Ertragsentwicklung ab. Die Auswirkungen der Blauzungenkrankheit bewirken allerdings in vielen Milchviehbetrieben einen zum Teil deutlichen Rückgang der Milcherzeugung.
Bei den Betriebsmitteln wird ein weiterer, wenn auch deutlich abgeflachter Rückgang der Einkaufspreise für Futter- und Düngemittel erwartet. Alle anderen Aufwandspositionen dürften auf Grund deutlicher Verteuerungen von Betriebsmitteln und Dienstleistungen weiter ansteigen. Vorbehaltlich möglicher krisenbedingter Marktverwerfungen müssen Ackerbau- und Veredlungsbetriebe im laufenden Wirtschaftsjahr 2024/2025 unter dem Strich wohl mit einem deutlichen Rückgang ihrer Unternehmensergebnisse rechnen. Dagegen dürfen Milch- und Rindermastbetriebe auf eine wirtschaftliche Verbesserung ihrer Ergebnisse hoffen.