Baukostenauswertung 2013/14 bis 2024/25
Weiterhin gebremste Baukostensteigerung bei Milchviehställen

Neu gebauter Milchvieh-Laufstall

Hochgerechnet auf den Preisstand 2025 kostete der Kuhplatz 17.500 Euro (brutto). Für einen zusätzlichen Jungviehplatz wurden 5.100 Euro investiert.

Die Immobilienpreise in Deutschland stiegen seit Jahren, Baustoff- und Fachkräftemangel sowie Energiekostensteigerungen trieben die Baukosten immer weiter in die Höhe. Dieser Trend wurde in den beiden letzten Auswertungsjahren deutlich gebremst. Trotzdem müssen Bauwillige mit spitzem Bleistift rechnen und die Machbarkeit von allen Seiten überprüfen. Wie teuer oder günstig in Bayern im Rahmen der einzelbetrieblichen Investitionsförderung (EIF) gebaut wurde, zeigt die jährlich aktualisierte Auswertung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit der der BBA-Baubetreuung und BBV-LandSiedlung.

Die Ergebnisse in Kürze

  • In der LfL-Baukostenauswertung für bayerische Milchviehställe sind nunmehr 1.533 neu gebaute Kuhställe in der Auswertung.
  • Es handelt sich um Bruttopreise für Stall und Technik ohne Gülle- und Futterlager.
  • Die Baukosten wurden über den Baukostenindex auf den Preisstand 2025 gehoben. Seit 2021 sind die Baukosten um 35 % gestiegen, allein im Jahr 2022 betrug die Kostensteigerung 17,2 %, 2023 waren es 8,4 % und für 2025 sind 3,4 % angesetzt.
  • Im Mittel wurden in Neubauten ohne Gülle- und Futterlager 19.200 Euro/Kuhplatz (brutto) investiert, reine Milchviehställe kosteten 17.500 Euro und Ställe mit einem Jungviehplatz pro Kuhplatz kamen auf 22.600 Euro je Kuhplatz.
  • Die Kostenunterschiede zwischen Projekten mit gleicher Stallgröße sind enorm – beispielsweise bei 70 Kuhplätzen von 11.000 bis 25.000 Euro je neu gebauten Kuhplatz - und deren Ursachen vielschichtig. Ställe mit automatischen Melksystemen (AMS) sind in der 12-jährigen Auswertung ca. 500 bis 1.000 Euro teurer als vergleichbare Ställe mit konventionellen Melkständen.
  • Als Basis für eine tiergerechte, arbeitswirtschaftlich optimierte, aber auch kostengünstige und damit konkurrenzfähige Milchproduktion ist eine betriebsindividuelle Planung mit ausreichend zeitlichem Vorlauf sehr wichtig. Trotz einer seit drei Jahren verbesserten Gesamtwirtschaftlichkeit in der Milchproduktion werden diejenigen Betriebe die besten Voraussetzungen, für die von der Politik immer wieder geforderte Planungssicherheit haben, die sich mit den Entwicklungen in der Milchwirtschaft auseinandersetzten und bauliche Anforderungen wie Außenklimareize durch Offenfront, Auslauf und wo standortbedingt möglich auch die Weidegangoption berücksichtigen.

Bedeutung der Baukosten

Ob es im neuen Stall rund läuft, hängt in erster Linie von der durchdachten Planung, der professionellen Durchführung und der optimierten Betriebsführung ab. Die Kuhstallplanung erfolgt im Spannungsfeld zwischen Tierhaltungs- und arbeitswirtschaftlicher Optimierung einerseits und der notwendigen Kostenbegrenzung mit Blick auf die unternehmerische Gewinnerzielungsabsicht sowie der Finanzierbarkeit bzw. Tragfähigkeit des Kapitaldienstes auf der anderen Seite.

Angenommen, der Kuhstall inklusive Nebenanlagen verursacht Baukosten in Höhe von 20.000 Euro je Kuhplatz und die jährlichen Kosten werden mit 8 % vom Neuwert kalkuliert, so entstehen 1.600 Euro Gebäudekosten je Kuhplatz bzw. 20 Cent je Kilogramm Milch bei 8.000 kg Milchleistung. Bei einem Umsatz von 60 ct/kg Milch (aus Milch, Tierverkauf und sonstigen Erlösen) würden ein Drittel vom Umsatz über die Gebäudekosten abgebunden werden, bei 80 ct/kg immer noch ¼.

Gelingt es, bei 25,5 Euro Lohnkosten/Stunde durch eine arbeitsoptimierte Anlagenplanung den Jahresarbeitsaufwand um rund 3,1 Stunden/Kuh zu reduzieren, sinken ebenfalls die Produktionskosten um 80 Euro oder 1 ct/kg Milch.

Insofern sind die Baukosten für den dauerhaften Erfolg der Investition zwar nicht das einzige Kriterium, aber doch ein sehr wichtiges.

1.708 Neu- und Umbauten seit 2013 in der Auswertung

1582 Stallbauprojekte, verteilt über Bayern, Zeitraum des Baus 07.2013 bis 06.2024Zoombild vorhanden

Abbildung 1: Neu- und umgebaute Kuhställe in Bayern 2013 bis 2024

Abbildung 1 gibt einen Überblick über die regionale Verteilung der Stallbauten und deren Größe bis 2024. Deutlich wird die Konzentration der Baumaßnahmen für Ställe bis 50 Kühe im Alpenvorraum und den Mittelgebirgslagen. Insgesamt wurden bisher 1.708 EIF-Projekte bzw. Stallbaumaßnahmen in die Auswertung aufgenommen.
1582 Stallbauprojekte, verteilt über Bayern, Zeitraum des Baus 07.2013 bis 06.2024Zoombild vorhanden

Abbildung 1: Neu- und umgebaute Kuhställe in Bayern 2013 bis 2024

Alle wurden nach dem Jahr 2010 bewilligt und bis Mitte 2025 fertiggestellt. Im 12. Auswertungsjahr 2024/25 kamen 126 Projekte dazu, wovon 96 Neu- und 30 Umbauten waren. Der Fokus der nachfolgenden Auswertung liegt auf den 1.533 Kuhstallneubauten, die teils mit Aussiedlungen verbunden waren. Im Mittel wurde beim Neu- und -umbau Platz für rund 77 Kühe geschaffen, was für viele eine deutliche Aufstockung bedeutete. In diesem Zeitraum dominiert der Schritt in die Größenklasse 50 - 100 Kühe (68 % der Projekte). Nur 15 % der Ställe bieten Platz für mehr als 100 Kühe.

53 % der Ställe mit automatischen Melksystemen

Aufgrund dieser Größenstruktur überrascht nicht, dass 53 % aller Ställe mit automatischen Melksystemen ausgestattet wurden. Die anderen Bauherren setzten noch auf klassische Melkstände, die meist in den Stall integriert wurden oder entschieden sich für das Melkkarussell (2 %).
Eher überraschend ist, dass fast 60 % der Ställe als reine Milchviehställe ohne Jungviehseite konzipiert wurden. Offensichtlich konnten noch entsprechend oft alte Gebäude – auch auf der alten Hofstelle – für die Jungviehaufzucht genutzt werden. Auch führt in wachsenden Betrieben nicht selten die knappe Fläche und die begrenzte Arbeitsmacht in Verbindung mit den hohen Personal- und Flächenkosten zur Reduktion auf das Kerngeschäft Milch – die Nachzucht wird ausgelagert oder zugekauft.

13.000 bis 27.000 Euro je Platz – die neue Spanne beim Stallbau?

Über alle 12 Auswertungsjahre und über alle 1.533 neu gebauten Ställe wurden brutto 19.200 Euro und netto rund 16.100 Euro in den Kuhplatz investiert – im Mittel inklusive 0,3 neu gebauten Jungviehplätzen (ohne Kälber) je Kuhplatz.
Die ausgewiesenen Brutto-Kosten beziehen sich auf den bezugsfertigen Stall mit installierter Technik für Melken, Füttern bei automatischen Fütterungssystemen (4 % der Fälle), Entmisten (Schieber) bei planbefestigtem Boden (39 %), Einstreuen sowie den Kälberbereich.
Wie nicht anders zu erwarten, bestätigt auch diese Baukostenauswertung die stallplatzbezogene Kostendegression bei zunehmender Stallgröße (Tabelle 1).
Tabelle 1: Stallbaukosten und Jungviehanteil mit zunehmender Stallgröße
Neue Kuhplätze nach GruppenAnzahl ProjekteØ Stallgröße KuhplätzeØ Jungvieh-Anteil Plätze/KuhØ Baukosten in EuroBaukosten minimum in EuroBaukosten maximum in Euro
< 4056340,4824.50014.20036.200
40–59325500,3620.0008.30035.700
60–79612700,3218.2009.80031.000
80–99292860,2916.9008.90029.800
100–119891080,1915.7006.70027.500
120–139771280,1115.1009.80024.800
140–160391490,0914.7009.80021.400
> 160432240,0013.0005.60019.700
Datengrundlage für Tabelle 1: 1.533 abgeschlossene Kuhstallneubau-Projekte von BBA und BBV-LS mit Baufertigstellung 01.07.2013 bis 30.06.2025, Baukosten brutto, aktuelle Preise 2025 über Baukostenindex.
In der Tabelle 1 sind die 1.437 Kuhstallneubauten gruppiert nach der Kuhstallgröße. Die Gruppe unter 40 Kuhplätzen hat im Mittel 34 Kuhplätze und 0,51 Jungviehplätze neu gebaut – mit (auf 2024 aktualisierten) Baukosten von 25.400 Euro (mit voller Jungviehseite 28.000 Euro). Ein Stall mit knapp 230 Kuhplätzen lässt Baukosten in Höhe von 13.400 Euro erwarten. Diese Kostendegression geben auch die Trendlinien in der Abbildung 2 wieder – für den Neubau mit vollem und ohne Jungvieh.

Extreme Kostenunterschiede zwischen den Betrieben

Punktewolke: Zusammenhang Baukosten und Stallgröße: je größer, desto günstiger je Platz.Zoombild vorhanden

Abbildung 2: Einzelbetriebliche Baukosten und Stallgröße

Welche Baukosten sind für die geplante Stallgröße realistisch, was ist machbar? Hier gibt die Abbildung 2 mit den Kuhstallneukosten nach Herdengröße als Punktewolke eine Orientierung (ohne, reduzierte und volle Jungviehseite). Ein Beispiel: Bei 70 Kühen schneidet die grüne Trendlinie (Neubau ohne Jungvieh) bei knapp 18.000 Euro pro Kuhplatz, auf deren Vertikallinie sind auch Projekte mit 11.000 Euro und 25.000 Euro Baukosten je Kuhplatz zu finden – ein Unterschied von 14.000 Euro pro Kuhplatz.
Im Extremvergleich führen 14.000 Euro geringere Baukosten zu einem jährlichen Kostenvorteil von rund 1.120 Euro - jährlich und für jeden Kuhplatz!
Über die Ursachen geben die vorliegenden Zahlen keinen Aufschluss. Das häufig vorgebrachte Argument hoher Eigenleistungen kann dabei auch nach Auskunft der Betreuungsgesellschaften nur einen kleinen Teil der Kostendifferenz erklären. Offensichtlich liegen große Unterschiede im Verhandlungsgeschick, bei der Bauorganisation und der termingerechten Abstimmung der Arbeiten und beteiligten Firmen zwischen den Gewerken.

Es gibt auch Gründe, die im Einzelfall höhere Baukosten rechtfertigen:

  • Eine bessere Bauausführung erhöht die Nutzungsdauer
  • die teurere Bauweise spart Arbeitszeit ein
  • Mehr Tierwohl senkt die Verluste, steigert die Milchleistung und ermöglicht einen höheren Milchpreis
Die Praxis zeigt aber, dass teurer nicht immer besser heißt.

Ansprechpartner
Guido Hofmann
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 08161 8640-1461
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de

Porträtfoto Guido Hofmann

Guido Hofmann

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