Soja-Sorten und Futterherstellung

Grüne Blätter der Sojabohnen auf dem Feld

Am 26. August trafen sich auf dem Betrieb Lehengold in Simbach bei Landau rund 35 Teilnehmer aus Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel, um beim LeguNet-Feldabend mehr über den Sojaanbau und die Verwendung als Futtermittel zu erfahren und zu diskutieren.

Betriebsspiegel Lehen Gold - 40 ha Ackerbau (Mineralboden/Lößlehm)

  • Fruchtfolge
    • Winterweizen, Winterdinkel, Winterraps, Winterhafer, Sommergerste, Erbsen, Körnermais, Sonnenblumen, Soja, Körnerhirse, (alle 2 – 3 Jahre Lein)
  • Tierhaltung
    • zwei Ställe mit 500 Legehennenplätzen, ca. 5000 gemästete Masthähnchen pro Jahr und 120 Mastgänse, Geflügel wird am Betrieb im eigenen Schlachthaus geschlachtet und am Bauernmarkt Deggendorf verkauft.
  • Ölpressen
    • für Raps-, Sonnenblumen-, Lein- und Sojaöl
  • Sojatoaster
    • 150 bis 200 Tonnen Sojabohnen/Jahr (im Lohn und Eigenbedarf), Sojakuchen und z.T. getoastete Sojavollfettbohnen
  • Futtermittelherstellung
    • Ernte aus Ackerbau wird im 25 kg Sack als Mischfutter (für Legehennen und Geflügel) an Landwirte und Privatpersonen verkauft

Soja-Sorten

Besuchergruppe auf dem Sortendemonstrationsfeld
Am 2. Mai säte der Betrieb Lehengold in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Regionalmanagement des LeguNet, verschiedene Sojasorten auf einer hofnahen Fläche aus. Die Sortendemonstration mit insgesamt neun verschiedenen Sorten machte deutlich, dass die Züchtung eine Vielzahl von neuen Sorten mit einem breiten Spektrum in der Abreife hervorgebracht hat. Das zeigt sich auch an den Landessortenversuchen (LSV) der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). 2012 waren im Sortiment acht bis zehn Sorten. 2022 waren es bereits weit über 30 Sorten, deren unterschiedliche Abreife sich über 3-4 Wochen hinziehen kann. Dies macht eine standortgerechte Sortenwahl möglich.
Die LfL veröffentlicht jedes Jahr Sortenempfehlungen für den ökologischen und konventionellen Landbau. Des Weiteren wurde während der Feldführung die Bedeutung der Saatgutqualität und die Wichtigkeit der Impfung thematisiert.

Soja-Toastung

Landwirt steht an einer Toastungsanlage
Vom Feld ging es weiter zur betriebseigenen Toastungsanlage. Diese besitzt die Familie Niedermüller seit 2017 und verarbeitet ca. 150 bis 200 Tonnen Sojabohnen im Jahr. "Im ersten Jahr haben unsere Legehennen den Sojakuchen gut angenommen, bei den Masthähnchen hatten wir allerdings geringere Zunahmen und Darmprobleme. Die Küken haben den Sojakuchen total verweigert, daher gingen wir auf Ursachensuche“, berichtete Andreas Niedermüller. „Eine Untersuchung der Trypsininhibitoraktivität (TIA) zeigte erhöhte Werte. Bei der Proteinverdauung hemmen Trypsininhibitoren das körpereigene Enzym Trypsin, das Proteine in Aminosäuren aufspaltet. Trypsininhibitoren sind die wichtigsten antrinutritiven Substanzen in Sojabohnen, die es bei der Aufbereitung zu beseitigen gilt. Um den TIA-Wert auf weniger als 4 mg/g Trockenmasse (TM) zu reduzieren, haben wir mit höheren Temperaturen getoastet.
Dadurch entstanden allerdings neue Probleme. Die erhöhte Temperatur beim Toasten führt zur Schädigung von Aminosäuren. "Die Legehennenleistung hat massiv abgenommen, die Masthähnchen haben das Futter plötzlich gefressen und hatten bessere Zunahmen“, so Landwirt Niedermüller. Die Küken haben den Sojakuchen nur mit zugekauftem Sojaextraktionsschrot angenommen, da Familie Niedermüller aber das Ziel einer 100%-igen betriebseigenen Fütterung haben wollte, forschten sie weiter und stießen auf eine Studie von STEINER und BELLOF (2009). Diese empfiehlt beim Toasten auf die Tierart bzw. Nutzungsrichtung zu achten. Daher wird inzwischen tierartspezifisch mit unterschiedlichen Temperaturen getoastet, um die angestrebten Ziele zu erreichen.

Effiziente Nutzung und Verarbeitung von Soja

Bedeutung des Trypsininhibitor-Werts (TIA) für die Tierfütterung

Bei der Toastung der Sojabohne findet ein Kompromiss zwischen zwei gegenläufigen Prozessen statt. Zu hohe Temperaturen führen zu einer schlechteren Eiweißverdaulichkeit durch die Denaturierung der Proteine. Zu niedrige Temperaturen führen zu einer schlechten Inaktivierung von antinutritiven Inhaltsstoffen (v. a. Trypsininhibitoren). Ein Wachstumsversuch der LfL aus dem Jahr 2015 bestätigt, dass in der Geflügelmast die TIA-Werte idealerweise unter 4 mg/g TM, vorzugsweise sogar unter 2 mg/g TM im verwendeten Sojaprodukt, gehalten werden sollten (KUENZ et al., 2022; THURNER et al, 2020; HOFFMANN et al., 2019O). Dies trägt dazu bei, optimale Leistungswerte zu erzielen und eine effiziente Futterverwertung sicherzustellen. Getestete Aufbereitungsanlagen liegen allerdings häufig über den Zielwert. Dabei ist die Wahl der Aufbereitungsmethode (thermisch, hydrothermisch, druckthermisch) für die Qualität der Sojafuttermittel irrelevant. Entscheidend ist die richtige Einstellung der Anlage. Teilweise müsste die Hitzebehandlung intensiver sein. Aufgrund des erheblichen Einflusses des TIA-Werts auf die tierische Leistung sind entsprechende TIA-Analysen im Futter empfehlenswert. Gleichzeitig muss Landwirten und Aufbereitern der Einfluss von TIA auf die tierische Leistung verdeutlicht werden.

Bedarfsgerechte Proteinversorung durch heimisches Soja

Dr. Elisabeth Beckmüller, vom Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft bezeichnete gleich zu Beginn ihres Vortrags Soja als den Goldstandard in der Fütterung von Geflügel und Schweinen. Gleichzeitig ändern sich für Tierhalter die Anforderungen an die Fütterung. Nachhaltigkeit rückt stärker in den Fokus. Um den CO2-Fußabdruck im Futter sowie die Importabhängigkeit zu reduzieren, ist der heimische Sojaanbau ein Mittel der Wahl, so die erfahrene Tierärztin. Beim Einsatz von heimischem Soja gilt (wie für alle Futtermittel): Regelmäßige Nährstoffanalysen sind notwendig, um das genaue Nährstoffangebot der eingesetzten Futtermittel zu kennen. So kann vermieden werden, dass zu viel Protein im Futtertrog landet. Eine bedarfsgerechte Proteinversorgung unterstützt die Tiergesundheit, entlastet den Stoffwechsel und trägt dazu bei Ammoniak-Emissionen zu reduzieren.