Entwicklung in Bayern von 2005 bis 2025
Strukturwandel in der Landwirtschaft

Landschaft mit Wiesen, Wäldern und einzelnen Häusern

Foto: Robert Pehlke

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft schreitet – gemessen an der Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe – weiter fort.

Die Analyse der beiden sozio-ökonomischen Betriebstypen "Haupterwerbs- und Nebenerwerbsbetrieb" zeigt jedoch, dass die Dynamik des Strukturwandels je nach Entwicklung des sozio-ökonomischen Betriebstyps differenziert werden muss.

Die Ergebnisse in Kürze

  • Der Strukturwandel verlief nicht bei allen sozio-ökonomischen Betriebstypen gleich. Langjährige Nebenerwerbsbetriebe wurden eher verkleinert und mit weniger Tierhaltung geführt, um die Aufgaben arbeitswirtschaftlich bewältigen zu können.
  • Bei Haupterwerbsbetrieben spielt der Produktionsfaktor "Boden" zur Erwirtschaftung eines ausreichenden Einkommens eine große Rolle, so dass die Betriebe auch weiterhin wachsen.
  • Nebenerwerbsbetriebe haben eine höhere Aufgaberate als Haupterwerbsbetriebe. Da jedoch zugleich Nebenerwerbsbetriebe aus dem Haupterwerb nachgeliefert werden, wird die höhere Aufgaberate wieder kompensiert.

Rund 26 % weniger Betriebe als vor 20 Jahren

Wurden 2005 noch etwa 132.750 Mehrfachanträge von bayerischen landwirtschaftlichen Betrieben (im Folgenden bezeichnet als Betriebe) in Bayern gestellt, waren es 2025 nur noch ca. 97.940, also etwa 26 Prozent Betriebe weniger. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) nahm in diesem Zeitraum von etwa 3.251.370 ha um ca. 4,4 Prozent auf etwa 3.108.935 ha ab. Als Konsequenz steht den einzelnen Betrieben mehr Fläche zur Bewirtschaftung zur Verfügung. Sie vergrößerten sich im Durchschnitt um mehr als 7,25 ha auf 31,7 ha LF im Betrachtungszeitraum (Tabelle 1).
Im Folgenden soll anhand der beiden Jahre 2005 und 2025 die Entwicklung in Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben differenzierter betrachtet werden.
Im Mehrfachantrag wird ein Betrieb dann als Haupterwerbsbetrieb betrachtet, wenn mindestens 0,75 Arbeitskräfte im Betrieb beschäftigt sind und mindestens 50 % des Gesamteinkommens aus dem Betrieb erwirtschaftet werden oder wenn mindestens 1,5 Arbeitskräfte im Betrieb beschäftigt sind. Die Einstufung des Betriebes erfolgt als Selbsteinschätzung des Betriebsleiters.
Tabelle 1 zeigt die Anzahl und die Flächen der Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe in Bayern 2005 und 2025. Während die Anzahl der Haupterwerbsbetriebe um mehr als ein Drittel gesunken ist, ging die Anzahl der Nebenerwerbsbetriebe nur um 20 Prozent zurück.
Tabelle 1: Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe in Bayern 2005 und 2025
20052025Veränderung in Prozent
Betriebe insgesamt
Anzahl der Betriebe132 75697 939- 26,2 %
Landwirtschaftlich genutzte Fläche3 251 367 ha LF3 108 935 ha LF- 4,4 %
Ø Betriebsgröße24,5 ha LF/Betrieb31,7 ha LF/Betrieb+ 29,4 %
Ø Viehdichte1,00 GVE/ha LF0,78 GVE/ha LF- 22,0 %
davon Haupterwerbsbetriebe
Anzahl der Betriebe54 84135 680- 34,9 %
Landwirtschaftlich genutzte Fläche2 365 279 ha LF2 225 461 ha LF- 5,9 %
Ø Betriebsgröße 43,1 ha LF/Betrieb62,4 ha LF/Betrieb+ 44,8 %
Ø Viehdichte1,09 GVE/ha LF0,92 GVE/ha LF- 15,6 %
davon Nebenerwerbsbetriebe
Anzahl der Betriebe77 91562 259- 20,1 %
Landwirtschaftlich genutzte Fläche 886 088 ha LF883 474 ha LF- 0,3 %
Ø Betriebsgröße 11,4 ha LF/Betrieb14,2 ha LF/Betrieb+ 24,6 %
Ø Viehdichte0,75 GVE/ha LF0,42 GVE/ha LF- 44,0 %
Datengrundlage: StMELF 2005 und 2025; eigene Berechnungen
Da sowohl bei den Haupt- als auch Nebenerwerbsbetrieben die LF weniger stark zurückging als die Anzahl der Betriebe, nahmen die durchschnittlichen Betriebsgrößen zu.

Rund 21 % der Haupterwerbsbetriebe wechselten in den Nebenerwerb

Grafik zu Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe 2005 und 2025Zoombild vorhanden

Abb. 1: Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe 2005 und 2025

Betrachtet man nun die Haupt- (HEB) und Nebenerwerbsbetriebe (NEB) unter dem Aspekt, ob sie den sozio-ökonomischen Betriebstyp beibehalten haben oder nicht, erhält man ein differenzierteres Ergebnis.
Der überwiegende Teil der Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe von 2005 behalten auch 2025 Ihren sozio-ökonomischen Betriebstyp bei, wie aus Abbildung 1 ersichtlich ist.
Etwa 11.500 Betriebe, die 2005 im Haupterwerb bewirtschaftet wurden, wurden 2025 im Nebenerwerb weitergeführt, während nur 3.170 Betriebe vom Nebenerwerb in den Haupterwerb überführt wurden.

Ein Viertel der Nebenerwerbsbetriebe haben aufgegeben

Etwa 25 Prozent der Nebenerwerbsbetriebe und weniger als 10 % der Haupterwerbsbetriebe aus dem Jahr 2005 waren 2025 nicht mehr vorhanden. Ein geringer Teil dieser Betriebe dürfte aus technischen Gründen die Betriebsnummer geändert haben, der größte Teil dieser Betriebe wurde aufgegeben.
Im Jahr 2025 gab es "neue" Betriebe, deren Betriebsnummer 2005 noch nicht vorhanden war. Diese Gruppe setzt sich aus Betriebsneugründungen und Betrieben, die aus technischen Gründen eine neue Betriebsnummer erhalten haben, zusammen.

Änderung der durchschnittlichen Betriebsgröße

Die Analyse der Betriebsgröße für Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe nach den oben genannten Gruppen wird in Tabelle 2 dargestellt.
Tabelle 2: Durchschnittliche Betriebsgröße nach sozio-ökonomischen Betriebstypen 2005 und 2025
Betriebstyp 2005Betriebstyp 2025Ø Betriebsgröße 2005
ha LF/Betrieb
Ø Betriebsgröße 2025
ha LF/Betrieb
HaupterwerbHaupterwerb52,964,9
Nebenerwerb32,724,6
Betriebsaufgabe29,1-
NebenerwerbHaupterwerb30,845,7
Nebenerwerb12,912,6
Betriebsaufgabe7,8-
Betriebsnr. 2005 nicht vorhandenHaupterwerb-50,0
Nebenerwerb-9,0
Datengrundlage: StMELF 2005 und 2025; eigene Berechnungen
Nicht bei allen Betriebstypen ist ein Wachstum der Betriebsgröße zu verzeichnen. Betriebe, die im Analysezeitraum Haupterwerbsbetriebe geblieben sind, haben sich im Durchschnitt um 12 ha LF bzw. 22,7 Prozent vergrößert. Die wenigen Betriebe, die vom Neben- in den Haupterwerb überführt wurden, sind am stärksten gewachsen mit knappen 15 ha LF.

Die eher flächenärmeren Betriebe geben auf

Nebenerwerbsbetriebe, die 2005 und 2025 ihren sozio-ökonomischen Betriebstyp beibehalten haben, sind unverändert geblieben, während Betriebe, die vom Haupt- in den Nebenerwerb gegangen sind, zwar nahezu doppelt so groß wie langjährige Nebenerwerbsbetriebe sind, aber dennoch Fläche abgegeben haben. Aufgebende Betriebe waren in der Regel flächenärmer als der Durchschnitt ihres Betriebstyps.
Das statistische Wachstum der Nebenerwerbsbetriebe aus Tabelle 1 beruht auf Zuwanderung von Betrieben, die aus dem Haupterwerb kommen und deutlich größer als langjährig bestehende Nebenerwerbsbetriebe sind.

Änderung des durchschnittlichen Viehbesatzes

Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe unterscheiden sich auch in der Entwicklung der Dichte ihrer Tierhaltung, wie in Tabelle 3 zu erkennen ist.
Tabelle 3: Viehdichte nach sozio-ökonomischen Betriebstypen 2005 und 2025
Betriebstyp 2015Betriebstyp 2025Ø Viehdichte 2005
GVE/ha LF
Ø Viehdichte 2005
GVE/ha LF
HaupterwerbHaupterwerb1,100,95
Nebenerwerb1,120,43
Betriebsaufgabe1,03-
NebenerwerbHaupterwerb0,910,81
Nebenerwerb0,760,41
Betriebsaufgabe0,67-
Betriebsnr. 2005 nicht vorhandenHaupterwerb-0,60
Nebenerwerb-0,41
Datengrundlage: StMELF 2005 und 2025; eigene Berechnungen
Sowohl in Haupterwerbs- als auch in Nebenerwerbsbetrieben wurde im Analysezeitraum Viehhaltung abgestockt. Aus meist arbeitswirtschaftlichen Gründen ist die Viehdichte in Nebenerwerbsbetrieben jedoch mit 0,43 GVE/ha LF bzw.0,41 GVE/ha LF deutlich geringer ist als in Haupterwerbsbetrieben.
Haupterwerbsbetriebe, die 2025 als Nebenerwerbsbetriebe weitergeführt werden, verringerten ihre Viehdichte um beinahe 63 Prozent von 1,12 GVE/ha LF auf 0,43 GVE/ha LF, während Betriebe, die im gesamten Zeitraum im Haupterwerb geführt wurden, ihre Viehdichte nur von 1,10 GVE/ha LF auf 0,95 GVE/ha LF senkten.
Bei Betrieben, die vom Nebenerwerb in den Haupterwerb gingen, wurde die Viehdichte mit etwa 11 % am wenigsten reduziert.

Ansprechpartnerin:
Martina Halama
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Agrarökonomie (IBA)
Menzinger Str. 54, 80638 München
Tel.: 08161 8640-1111
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de

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