Quantifizierung von Fischotterschäden durch Kameraturm

Zwei Fischotter stehen dicht beieinander auf einem Felsen im flachen Wasser, umgeben von Schnee und Eisstücken.Zoombild vorhanden

Foto: Hendrik Fuchs

Bayerns Fischotterpopulation erholt sich dank intensiver Bemühungen des Naturschutzes in den letzten 20 Jahren in Bayern zunehmend, und über die Hälfte der Fläche des Freistaats gilt inzwischen als vom Fischotter besiedelt. Das reiche und leicht zu erbeutende Fischangebot aus Bayerns Teichwirtschaften gilt zusammen mit dem Verbot der Nachstellung und der Verbesserung der Gewässerqualität als ein maßgeblicher Treiber in der Bestandserholung für den in seiner Ausbreitung nahrungslimitierten Fischotter. Doch sein Hunger verursacht entsprechend seines Populationswachstums teils existenzbedrohende Schäden in Bayerns Teichwirtschaften. Bayerns Fischotterschäden an Teichen werden durch Fischotterberater geschätzt. Eine exakte Schadensquantifizierung ist jedoch bisher nicht realistisch umsetzbar. Gängige Überwachungsmethoden mit Wildkameras erlauben weiterhin üblicherweise keine Schadensquantifizierung. Wir zeigen die Schadensquantifizierung und Prädatorenzuordnung durch einen Kameraturm.

Quantifizierung der Fraßschäden in der Teichwirtschaft

Die Aufnahme zeigt einen Kameraturm mit mehreren Überwachungskameras, die auf einem Metallkasten montiert sind. Im Hintergrund sind Solarpanels auf dem Boden liegend zu sehen, die zur Stromversorgung des Kameraturms dienen. Der Turm steht am Rande eines Weihers in ländlicher Gegend.Zoombild vorhanden

Kameraturm,
Foto: Alexandra Haydn

Der Fischotter verursacht in Bayerns Teichwirtschaft seit Jahren zunehmende und teilweise existenzbedrohende Schäden. Diese Schäden werden durch Fischotterberater individuell geschätzt und entsprechend des Fischottermanagementplans durch Ausgleichszahlungen des Freistaats kompensiert. An der Praxis der Schadensschätzung und der ermittelten Schäden wird jedoch teilweise Kritik geäußert. Allerdings ist eine lückenlose Überwachung aller Teiche mit Schadereignissen, mit Quantifizierung von Fischfraßereignissen und Zuordnung zu einzelnen Prädatoren in der Praxis schwer umsetzbar. Zur Überwachung von Fischottern in der Teichwirtschaft werden bislang vor allem Wildkameras eingesetzt. Diese eignen sich besonders zur Beobachtung einzelner Bereiche wie Wechsel, Laufwege oder Fraßplätze. Für eine flächendeckende Überwachung ganzer, vor allem größerer Teiche sind sie jedoch nur eingeschränkt geeignet. Die große Anzahl erforderlicher Kameras, der hohe Wartungsaufwand durch regelmäßige Freischneide- und Räumungsarbeiten sowie der begrenzte Erfassungsbereich erschweren die Erkennung von Fischfraßereignissen, insbesondere im Wasser.

Ein Kameraturm zur flächendeckenden Teichüberwachung

Fischotter im Uferbereich zwischen zwei Teichen.Zoombild vorhanden

Kameraaufnahme Fischotter,
Foto: LfL

Wir haben daher einen Kameraturm als Alternative zu herkömmlichen Wildkameras für die kontinuierliche Überwachung von Teichanlagen getestet. Dabei wurden Überwachungskameras mit zeitlich synchronisierter thermaler und optischer Bildaufnahme in zirka drei Metern Höhe installiert und so ausgerichtet, dass der gesamte zu überwachende Bereich inklusive Teichfläche erfasst wurde. Die Aufnahmen wurden ereignisbasiert gesichert: für das thermale Beobachtungsfeld mittels Erkennung von Wärmesignaturen und temperaturbezogenen Bewegungen, und für das optische Beobachtungsfeld nach Auslösen von Bewegungssensoren. Für optische Aufnahmen bei Nacht wurde das Beobachtungsfeld durch für Mensch und Tier unsichtbares Infrarotlicht mit einer Wellenlänge von 980 Nanometer in einem Bereich von circa 50-60 Metern ausgeleuchtet.

Die Vorteile dieses Aufbaus beinhalten:

  • großflächige und kontinuierliche Überwachung der Teichanlage mit wenigen Kameras,
  • geringer Wartungsaufwand und reduzierte anthropogene Störungen,
  • hohe Detektionsrate von Fischfraßereignissen sowie eindeutige Zordnung der Prädatoren,
  • vereinfachte Auswertung durch zeitliche Synchronisation thermaler und optischer Aufnahmen; Grundlage für eine (teil-)automatisierte Vorsortierung und damit routinemäßige Anwendung.

Voraussetzungen für den Einsatz in der Teichwirtschaft:

  • ausreichender Platz für den Kameraturm bei uneingeschränkter Bewirtschaftung der Anlage,
  • freie Sicht ohne dichte Vegetation,
  • dokumentierte Fischotterpräsenz,
  • idealerweise eine (teil-)automatisierte Vorsortierung der Aufnahmen mittels KI-gestützter Analyseverfahren.

Fazit

Die Quantifizierung von Fischotterschäden ist eine wichtige Grundlage für die objektive Bewertung der Auswirkungen des Fischotters auf die bayerische Teichwirtschaft und als Qualitätskontrolle für die Schätzung der Schäden durch die Fischotterberater. Herkömmliche Wildkameras stoßen bei flächendeckender Überwachung an technische und praktische Grenzen. Der getestete Kameraturm bietet einen vielversprechenden Ansatz für die effiziente Erfassung von Fischfraßereignissen und deren Zuordnung zu den jeweiligen Prädatoren. Ein flächendeckender Einsatz ist aber weder organisatorisch noch finanziell umsetzbar.