Praxisinformationen
Jahresbericht über Leistungsprüfungen und Zuchtwertschätzung beim Schwein

Eine Person inmitten einer Ferkelgruppe

In den Prüfstationen für Schweine in Grub und Schwarzenau werden unter standardisierten Bedingungen Erzeugungs- und Qualitätsmerkmale von Nachkommen aus der Herdbuchzucht und der künstlichen Besamung ermittelt, die im Rahmen der Zuchtwertschätzung die Grundlage für die spätere Selektionsentscheidung bilden.

In Bayern wird die Ermittlung der Erzeugungs- und Qualitätsmerkmale an den Stationen Grub und Schwarzenau durchgeführt. Im vergangenen Jahr wurden 6.066 Tiere geprüft, bei welchen neben den klassischen Prüfmerkmalen auch das Safthaltevermögen im Kotelett, der Intramuskuläre Fettgehalt, der Ebergeruch und Hilfsschleimbeutel an den Extremitäten routinemäßig erfasst werden. Projekte zur Haltung nicht kupierter Tiere sind zudem ein wichtiger Teil der Arbeit der Prüfstationen. Mit einem Anteil von etwa 58 Prozent dominiert dabei weiterhin die Herdbuch-Prüfung.
Zusätzlich zur klassischen Stationsprüfung wird das Datenpotential in Praxisbetrieben mit bayerischen Hybridsauen konsequent weiter erschlossen.

Auf Basis dieses europaweit einzigartigen Datenpools in den organisierten Ferkelerzeugerbetrieben ist es so gelungen, den Zuchtfortschritt in der Aufzuchtleistung bei den Mutterrassen, bei der Vitalität der Ferkel und der Homogenität des Wurfes deutlich zu steigern. Beides, die hervorragende Merkmalserhebung in den Prüfstationen und die konsequente Nutzung von Felddaten, sind in Verbindung mit der genomischen Zuchtwertschätzung die Garanten für die hervorragende züchterische Entwicklung der in Bayern gezüchteten Rassen Piétrain, Duroc, Deutsche Landrasse und Deutsches Edelschwein.

Leistungsprüfungen und Zuchtwertschätzung beim Schwein in Bayern: Jahresbericht (LfL-Information)

Der vorliegende Bericht enthält neben den Stationsergebnissen noch Zusatzauswertungen, vor allem hinsichtlich der Fleischbeschaffenheit, die Ergebnisse der Feldprüfungen sowie die aktuellen genetischen Trends anhand der Entwicklung der Zuchtwerte der letzten 12 Jahre. Zudem gibt er einen Überblick über aktuelle Forschungsaktivitäten im Bereich der Schweinezucht.

Das Prüfungsjahr 2020

Mit 6.066 eingestallten Tieren ist der Umfang der erhobenen Leistungsdaten, aber auch die Datenqualität im Vergleich mit anderen am Markt befindlichen Zuchtprogrammen einmalig. Mit knapp 58 Prozent Anteil an den Prüftieren dominiert die Herdbuch-Prüfung.
Gutes Niveau bei den Mast- und Schlachtleistungsergebnissen
Die Mast- und Schlachtleistungsergebnisse haben bei allen Prüfarten wie in den Vorjahren ein optimales Niveau erreicht. Im Prüfabschnitt wurden Tageszunahmen von 824 g bei der Rasse Piétrain, 1.016 g bei den Mutterrassen (Kastraten) und 902 g bei den weiblichen Endprodukten ermittelt. Der Magerfleischanteil (LPA-Formel) im Schlachtkörper lag mit 68,2 Prozent bei Piétrain und 63,5 Prozent bei den Endprodukten (weiblich) ebenso auf einem ausgesprochen guten Niveau.
Historisches Tief bei den Schweinepreisen
Das Jahr 2020 war für die Schweinhalter ein sehr turbulentes Jahr. Die zu Jahresbeginn historisch höchsten Schweinepreise entwickelten sich durch die Corona-Pandemie und den ASP-Ausbruch in Deutschland auf ein wiederum fast historisches Tief. Umfangreiche Änderungen in der Tierschutznutzierhaltungsverordnung werden in den nächsten Jahren größere Investitionen notwendig machen. Einige Betriebe werden diese Investitionen aus unterschiedlichen Gründen nicht durchführen, so dass ein weiterer Rückgang der Schweinehalter in Bayern zu erwarten ist.
Nichts desto trotz gibt es auch in Zukunft Chancen für die betriebliche Weiterentwicklung. Bayerische Ferkel sind begehrt und werden auch weiterhin begehrt bleiben, da Qualitätsprogramme wie „geprüfte Qualität Bayern“ die Regionalität im Fokus haben. Investitionen werden sich daher mittelfristig bezahlt machen und die Schweineerzeugung für viele Betriebe weiterhin ein wichtiges Standbein bleiben.
Prüfstationen Grub und Schwarzenau sind seit dem Jahr 2020 organisatorisch den Bayerischen Staatsgütern (BaySG) zugeordnet
Seit dem Jahr 2020 sind die Prüfstationen Grub und Schwarzenau organisatorisch den Bayerischen Staatsgütern (BaySG) zugeordnet. Die fachliche Betreuung erfolgt weiterhin durch das Institut für Tierzucht (ITZ) der LfL Bayern. Zur Sicherung einer eigenständigen bayerischen Zucht unter den modernsten Erfassungsmethoden und Haltungsbedingungen wurden umfangreiche Vorarbeiten für die Erstellung eines neuen Schlachthauses und einer neuen Prüfstation am Versuchs- und Bildungszentrum Schwarzenau getroffen. Der Baubeginn ist für das Jahr 2021 vorgesehen.
EGZH beschliesst neue Zuchtziele für Vater- und Mutterrassen
Im Jahr 2020 wurden von der Erzeugergemeinschaft für Zucht- und Hybridzuchtschweine in Bayern (EGZH) neue Zuchtziele für die Vater- und Mutterassen beschlossenen. Hier wird deutlich, wie umfangreich und vielseitig Schweinezuchtprogramme sind, um den Erwartungen der Landwirte und der Gesellschaft an die Schweineproduktion gerecht zu werden. Neben den klassischen Erzeugungsmerkmalen wie Zunahmen und Fleischanteil gewinnen vor allem Merkmale zur Verbesserung sogenannter sekundärer, also nicht unmittelbar geldwerter Eigenschaften, hierbei seit Jahren an Bedeutung. Dies wirkt sich auch auf die stationäre Leistungsprüfung aus. Die hierfür notwendigen Forschungsprojekte sind heute ein fester Bestandteil im Aufgabenbereich der Prüfstationen Grub und Schwarzenau.
Forschungsprojekte als fester Bestandteil im Aufgabenbereich der Prüfstationen Grub und Schwarzenau
So werden zur züchterischen Bearbeitung des Ebergeruches bereits seit 2015 routinemäßig nicht kastrierte männliche Tiere in die Prüfung einbezogen und die Leitmerkmale Androstenon und Skatol im Speck ermittelt. Aus den Zuchtwerten für beide Merkmale wird der Ebergeruchsindex errechnet, welcher bei den Mutterrassen veröffentlicht wird.
Die Bonitierung der Hilfsschleimbeutel, der sogenannten akzessorischen Bursen, am Schlachtkörper aller Prüftiere ist die Basis für die Berechnung des genetischen Einflusses auf dieses Merkmal. Inzwischen steht ein Relativzuchtwert für Hilfsschleimbeutel bei Mutterrassen zur Verfügung.
In einem Projekt in Zusammenarbeit mit der TU München sollen Hilfsmerkmale zur Erfassung des Alters bei Eintritt der Pubertät des männlichen Schweines gefunden werden, um in Zukunft die Mast von Ebern ohne den Nachteil der Fleisch-Geruchsproblematik zu ermöglichen.
Im vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten finanzierten Projekt „Validierung der genomisch-optimierten Zuchtwertschätzung beim Schwein (ValPigGS)“ werden 50 Piétrain-Eber intensiv nachkommengeprüft, um die genomisch-optimierte Zuchtwertschätzung zu validieren. Ziel ist es zu prüfen, wie gut die zum Zeitpunkt der Selektion geschätzten Zuchtwerte mit den wahren Zuchtwerten übereinstimmen.
Zur Einschätzung der bayerischen Genetik werden regelmäßig Vergleiche mit anderen Herkünften durchgeführt, in welchen auch mögliche Unterschiede bei der Haltung unkupierter Tiere eruiert werden.
Trotz dieser umfangreichen Forschungsarbeit bildet das Erzeugungs- und Qualitätsmonitoring an den Stationen Grub und Schwarzenau auch künftig das zentrale Rückgrat der bayerischen Zuchtprogramme.

Projekte im Rahmen der Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung

Ermittlung der Ebergeruchssubstanzen Androstenon und Skatol

Seit dem Jahr 2015 werden für die züchterische Bearbeitung des Ebergeruchs auch männliche, nicht kastrierte Tiere der Prüfart 4 (Mutterrassen) der Prüfung unterzogen und auf den Gehalt der Ebergeruchssubstanzen Androstenon, Skatol und Indol im Nackenfett untersucht.
Für die Rasse Piétrain besteht schon seit dem Jahr 2013 eine genomische Zuchtwertschätzung gegen Ebergeruch, welche im Rahmen des Projekts „Geruchsoptimierung durch genomische Selektion (GOGS)“ entwickelt wurde. Um die Reduzierung des Ebergeruchs züchterisch weiter zu entwickeln, werden seit Januar 2016 auch die Piétrain-Besamungseber (Prüfart 2) zu 50 Prozent mit Eberferkeln geprüft. Von etwa 100 Piétrain-Besamungsebern werden jährlich je 6 Nachkommen auf Androstenon und Skatol im Nackenspeck beim TGD Bayern untersucht. Die Auswahl dieser PI-Eber erfolgt auf Basis des genomisch optimierten Zuchtwertes.
1.769 Eber wurden demzufolge bisher bei den Mutterrassen und 2.449 Eber bei den Vaterrassen dieser Ebergeruchsprüfung unterzogen. Tabelle 1 zeigt, dass die Endprodukte-Eber (Prüfart 2) mit im Mittel 442 ng/ g Fett deutlich geringere Androstenongehalte aufweisen als die Eber der Mutterrassen (Prüfart 4; 806 ng/ g Fett). Dies verdeutlicht, dass nicht nur der Endstufeneber, sondern auch die Mutterrassen züchterisch bearbeitet werden müssen. Mit Erblichkeiten für Androstenon von 0,5 bis 0,6 und Skatol von etwa 0,4 sind hier gute Voraussetzungen gegeben. Die Ebergeruchsanalytik wird finanziert durch die Bayern-Genetik GmbH, dem Besamungsverein Neustadt an der Aisch e.V. und die EGZH Bayern w.V..
Der Ebergeruchsindex, der sich aus den Zuchtwerten für Androstenon und Skatol zusammensetzt, dient bei Piétrain als Kriterium für die Vergabe des EGZH Labels „Piétralon“. Seit dem Jahr 2018 wird der Ebergeruchsindex für Mutterrassen als inoffizieller Zuchtwert publiziert. Da zur Berechnung des Ebergeruchsindex der Zucht-wert für Indol nicht berücksichtigt wird, wurde die Ermittlung des Indolgehaltes im Jahr 2020 eingestellt.
Tabelle 1: Gehalte (geometrisches Mittel) an Ebergeruchssubstanzen im Nackenfett bei den Ebern der Prüfarten 2 und 4
MerkmalØ bei der Prüfart 2
(Pi x Mutterrassen)
Ø bei der Prüfart 4
(Mutterrassen-Kreuzungen)
Anzahl Tiere24491769
Androstenon
(ng/ g Fett)
442806
Skatol
(ng/ g Fett)
81117

Untersuchungen zum Auftreten von Hilfsschleimbeuteln

Seit April 2015 wurden an den Schlachthöfen der beiden bayerischen Leistungsprüfungsanstalten Grub und Schwarzenau knapp 38.000 Prüftiere auf das Vorhandensein von Hilfsschleimbeuteln überprüft (Stand Feb. 2021). Nach dem Entbluten stuften die Techniker der Schlachthöfe jedes Bein auf einer Skala von 0 bis 3 ein. Dabei bedeutet 0= kein Befund, 1= geringgradig ausgeprägter Hilfsschleimbeutel, 2= mittelgradig ausgeprägter Hilfsschleimbeutel und 3= stark ausgeprägter, entzündeter Hilfsschleimbeutel mit eröffneter Haut. Liegen an einer Gliedmaße mehrere Befunde vor, so wird nur der schwerste Befund für die Analysen verwendet.
Um den Einfluss verschiedener Faktoren auf das Auftreten von Hilfsschleimbeuteln zu untersuchen, werden die vier Einzelergebnisse je Tier (Vorder- und Hintergliedmaßen sowie links und rechts) zu einem Wert zusammengefasst. Die Summe der Schweregrade eines Tieres geteilt durch vier ergibt das Merkmal „Befundmittel“, welches den mittleren Schweregrad über alle Gliedmaßen eines Tieres beschreibt.
Deutliche Rasseunterschiede bei untersuchten Tieren mit Hilfsschleimbeutel
Gut 81 Prozent der untersuchten Tiere weisen Hilfsschleimbeutel auf. Dabei gibt es deutliche Rasseunterschiede (siehe Tabelle 2). Während Tiere der Deutschen Landrasse nur zu etwa 68 Prozent betroffen sind, weisen rd. 90 Prozent der reinrassigen Piétraintiere Bursen auf. Über die Hälfte aller Befunde entfallen auf eine geringgradige Ausprägung der Bursen (Grad 1), 0,4 Prozent der Befunde sind schwerwiegend (Grad 3).
Tabelle 2: Prävalenz und Befundmittel nach Rasse
RasseAnzahlBursagrad in %
0
Bursagrad in %
1
Bursagrad in %
2
Bursagrad in %
3
Prävalenz (Grad 1-3)
in %
Befundmittel
DE65116,362,221,20,383,70,55
DL679032,152,914,80,267,90,39
PI203710,260,528,40,989,80,63
DLxDE359521,658,119,80,478,40,49
DExDL891919,056,424,30,481,00,53
PIxDL865214,058,926,80,486,00,58
PI x (DE x DL)634414,856,228,40,785,20,59
Gesamt3761919,156,923,60,480,90,53
Die Hintergliedmaßen sind dabei im Vergleich zu den Vordergliedmaßen deutlich stärker betroffen. Zudem sind die Befunde der Hintergliedmaßen häufig auch schwerwiegender als die der Vordergliedmaßen.
Getrennte Varianzkomponenten- und Zuchtwertschätzung für Nachkommen von Piétrainebern und Tiere der Mutterrassen
Eine Zuchtwertschätzung erfolgt getrennt für Nachkommen von Piétrainebern und Tiere der Mutterrassen, wobei für erstere ein Vatermodell und für letztere ein Tiermodell verwendet wird. Für das Merkmal Befundmittel wurden Erblichkeiten von 0,26 bei Piétrain und 0,33 bei den Mutterrassen geschätzt.
Ausfälle auf Grund von Hilfsschleimbeuteln wurden an den LPAs nicht verzeichnet. Die Korrelationen mit den konventionellen Leistungsmerkmalen sind als gering einzustufen. Die züchterische Ausrichtung ist daher vermutlich nicht verantwortlich für die hohen Prävalenzen.

Daher wurde auf der Basis der LPA-Daten für die Mutterrassen eine Zuchtwertschätzung für Hilfsschleimbeutel entwickelt. Der Bursenindex wurde auch in das neue Zuchtziel 2020 für die Mutterrassen aufgenommen.
Aus züchterischer Sicht ist dieses Merkmal jedoch interessant, weil es einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Hilfsschleimbeuteln bei Prüftieren und dem Auftreten von Auftreibungen beim Jungsauenselektionstest gibt.
Daher wurde auf der Basis der LPA-Daten für die Mutterrassen eine Zuchtwertschätzung für Hilfsschleimbeutel entwickelt. Der Bursenindex wurde auch in das neue Zuchtziel 2020 für die Mutterrassen aufgenommen.

Evaluierung von Hilfsmerkmalen zur Erfassung des Alters bei Eintritt der Pubertät des männlichen Schweines

In der Schweineproduktion wird die Durchführung der Ferkelkastration durch eine Änderung des Tierschutzgesetzes strenger reguliert. Die Kastration bei Ferkeln wird wegen der Masteignung und der Geruchsproblematik durchgeführt. Es gibt bereits alternative Ansätze zur betäubungslosen Kastration, jedoch erfordern diese weiterhin nicht-kurative Eingriffe beim Schwein oder bringen andere Nachteile mit sich.

Zu den alternativen Methoden zählen:

  • Ebermast
  • Immunokastration
  • Inhalationsnarkose mit Schmerzausschaltung
  • Injektionsnarkose und Lokalanästhesie durch den Tierarzt.
Das System der Ebermast hat den Nachteil der Fleisch-Geruchsproblematik, die aus der Anreicherung von Androstenon und Skatol im Fettgewebe geschlechtsreifer Tiere resultiert. Zusätzlich ergeben sich durch die Gruppenhaltung geschlechtsreifer Eber teilweise massive, tierschutzrelevante Verhaltensprobleme. Diese Probleme könnten durch die Mast spätreifer Tiere abgeschwächt oder eliminiert werden. Es stellte sich heraus, dass das Alter bei Eintritt der Pubertät variiert und bei einem Schlachtalter von 170 Tagen ein Teil der männlichen Tiere noch nicht geschlechtsreif sind. Züchterische Maßnahmen setzen voraus, dass das Alter beim Eintreten der Pubertät zuverlässig festgestellt werden kann.

Die Erfassung der Pubertät des Schweines erweist sich als schwierig. Der Zeitpunkt der Geschlechtsreife beim männlichen Schwein kann durch folgende Methoden bestimmt werden.

Methoden:

  • Verhaltensbeobachtung
  • Überprüfung des Vorhandenseins von Spermien im Ejakulat, in Spülproben des Präputiums oder in den Hoden bzw. Nebenhoden
  • Bestimmung der Größe bzw. des Gewichtes von Geschlechtsorganen
  • und Analyse von Hormonspiegeln.
Zur möglichst exakten Bestimmung des Alters bei Eintritt in die Pubertät am lebenden Tier sind wiederholte Messungen des Testosterongehaltes notwendig. Für eine Erfassung des Phänotyps innerhalb einer Populationsstichprobe müssen Hilfsmerkmale verwendet werden, da wiederholte Testosteronmessungen aufwändig sind. Dafür bieten sich z.B. die Größe bzw. das Gewicht der Hoden und der Bulbourethraldrüse an. Diese Daten können während der Schlachtung von Masterbern erhoben werden.
Das Ziel des Projekts ist es, geeignete Hilfsmerkmale für das Zielmerkmal Alter bei Eintritt in die Pubertät beim männlichen Schwein zu evaluieren. Mit diesen Hilfsmerkmalen soll das Stadium der Geschlechtsreife von Masterbern großflächig zu bestimmen sein. Dadurch könnte es möglich sein die genetische Grundlage des Alters bei Eintritt der Geschlechtsreife beim männlichen Schwein zu untersuchen und eine Zucht auf spätreife Masteber durchzuführen, um nicht-kurative Eingriffe beim Ferkel zu vermeiden und die Zukunftsfähigkeit und den Tierschutz in der Schweineproduktion in Deutschland zu stärken.
Für das Vorhaben wurden männliche unkastrierte Mastschweine (Pi x (DE x DL)) untersucht. Die Tiere stammten vom Versuchs- und Bildungszentrum für Schweinehaltung Schwarzenau. Die Blutproben zur Ermittlung des Testosterongehaltes und die Spülproben des Präputiums zur Feststellung von Spermien wurden im wöchentlichen Abstand zwischen einem Lebendgewicht von 75 kg bis 85 kg bis zum Schlachtalter entnommen. Dadurch war es möglich den Verlauf des Hormons Testosteron während der Geschlechtsreife abzubilden und den Zeitpunkt des Vorhandenseins von Spermien zu bestimmen. Als mögliche Hilfsmerkmale zur Feststellung der Geschlechtsreife wurden bei allen nicht kastrierten männlichen Tieren der Prüfart 1 (Endprodukte) die Hoden vermessen und gewogen und das Gewicht der Bulbourethraldrüse ermittelt.
Die Datenerhebung zu diesem Projekt ist abgeschlossen. Von 2.961 Endprodukten wurden Messungen an den Geschlechtsorganen durchgeführt. Darüber hinaus wurden 47 männliche Tiere während der Mast und nach Schlachtung zu den unterschiedlichen Parametern (Blut- und Spülproben), welche mit dem Eintritt der Geschlechtsreife in Beziehung stehen, untersucht.

Aktuell werden die erfassten Daten ausgewertet.

Zucht auf E. Coli Resistenzen im Blickfeld

E. Coli F18-Bakterien sind der Auslöser der Ödemkrankheit. Tiere, die am FUT1-Locus den Genotyp A/A aufweisen, sind jedoch gegenüber der Ödemkrankheit resistent. Diese Tiere bilden keine Rezeptoren für die F18-Fimbrien auf der Darmschleimhaut aus, so dass die Enterotoxinabgabe über den Darm durch E. Coli F18-Bakterien nicht möglich ist.
In gleicher Weise ist die Resistenz gegenüber dem Bakterium E. Coli F4 zu sehen. E. Coli F4 ist ein Auslöser für Saugferkeldurchfall.
Wichtig ist, dass sowohl bei E. Coli F18 als auch F4 nur homozygote Tiere resistent sind. Daher ist es erforderlich, dass beide Elternteile der Mastendprodukte zumindest das Resistenzallel beinhalten. Damit alle Nachkommen resistent sind, müssen beide Eltern in diesen Merkmalen reinerbig sein.
Deutsches Edelschwein (DE) hat mit einer Frequenz des positiven A-Alleles von 0,65 für Coli F 18 den weitaus besten Wert
Die Rasse Deutsches Edelschwein (DE) hat mit einer Frequenz des positiven A-Allels von 0,65 für Coli F 18 den weitaus besten Wert der durch die EGZH betreuten Rassen. Dies ist sicherlich durch die enge Zusammenarbeit mit dem Schweizer Unternehmen SUISAG zu erklären, welches schon seit längerer Zeit auf Coli F18-Resistenz züchtet. Um den Resistenzanteil in der bayerischen DE-Population weiter zu erhöhen, wurde die DE-Basisherde der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf zu 100 Prozent auf Coli F18-Resistenz umgestellt.
Bei der Deutschen Landrasse beträgt die Frequenz der erwünschten Variante A nur 18 Prozent. Dennoch sind auch bei dieser Rasse Bemühungen um eine Erhöhung erforderlich, wenn man resistente Mastschweine mit der Kreuzungssau erzeugen will. So beträgt die Genfrequenz des erwünschten Allels 0,67 beim Geburtsjahrgang 2020 der Besamungseber. Unter anderem wurde auch ein Projekt am LVFZ Kringell eingeleitet, da aufgrund der Vorgaben in ökologischen Haltungsbedingungen resistente Tiere Vorteile bieten. Im Bestand des LVFZ Kringell wird wie auch in allen anderen Zuchtbetrieben weiter versucht, die Resistenz bei der Rasse DL anzureichern. Da aber in Bayern nun seit Ende 2019 reinerbig für das Coli F 18 Allel resistente Landrasseeber mit überdurchschnittlichen Gesamtzuchtwerten zur Verfügung stehen, schreitet die Sanierung nun deutlich stärker voran.

Bei der Coli F 4 Resistenz ist beim Edelschwein mit einer Frequenz von aktuell 0,73 eine weitere Steigerung erkennbar. Bei der Landrasse hingegen ist ein Absinken der Frequenz von 0,80 auf 0,63 für die Geburtsjahrgänge 2019 auf 2020 festzustellen. Dies liegt wohl an negativen Korrelationen zu Merkmalen des Gesamtzuchtwertes der Landrasse. Dem wird mit einer gezielten Eberauswahl und der stärkeren Verbreitung des F4-Genstatus in den Arbeitslisten der Züchter begegnet.
Die Rasse Piétrain ist mit einer Frequenz des F4-Resistenzalleels von knapp 80 Prozent bereits auf einem sehr hohen Niveau. Einigermaßen positiv ist mit 28 Prozent auch die Häufigkeit des F18-Resistenzallees zu bewerten. Die bayerische Piétrainzucht ist dadurch in der Lage, ihren Kunden resistente Eber anbieten zu können. In den bayerischen Besamungsstationen Bayern-Genetik und Neustadt-Aisch stehen aktuell über 200 F4- und 30 F18-resistente Eber zur Verfügung.
Die Zucht auf Coli-Resistenzen wird in allen Zuchtprogrammen weiter forciert
Die Zucht auf Coli-Resistenzen wird in allen Zuchtprogrammen weiter forciert. Dies ist insbesondere auf Grund der konsequenten Genotypisierung der bayerischen Populationen (etwa 8.000 Tiere pro Jahr) möglich. Bei jeder Genotyisierung wird automatisch der Coli F4- und F18-Status bestimmt. Die Züchter berücksichtigen bei den Anpaarungen den Resistenzstatus der Elterntiere. Jungeber und Jungsauen können schon bei der Selektion auch auf die Coli-Resistenzen beurteilt werden.

Verbesserung der Datengrundlage bei den Mutterrassen durch Integration von Ferkelerzeugerdaten

Durch die Erfassung der aus der Herdbuchzucht auch in die Ferkelerzeugerstufe ausgelieferten Jungsauen mittels ihrer Abstammungsnummern konnte bisher die Datengrundlage für die Zuchtwertschätzung der Mutterrassen in Bayern deutlich erweitert werden (siehe Abbildung). Diese bildet die wesentliche Datengrundlage für die züchterische Bearbeitung der Robustheitsmerkmale Verbleiberate, Anzahl von der Sau abgesetzter, totgeborener und zu leicht geborener Ferkel sowie der Anomalien.
LiniendiagrammZoombild vorhanden

Abbildung: Anzahl der aus EGZH-Betrieben stammenden Sauen mit Fruchtbarkeitsleistungen in Ferkelerzeugerbetrieben

In der Spitze konnten über diesen Erfassungsweg jährlich über 9.000 Sauen zusätzlich zum Herdbuch für die Zuchtwertschätzung auf Fruchtbarkeit mit erfasst und ausgewertet werden. Der Rückgang seit dem Geburtsjahrgang 2013 ergibt sich aufgrund des starken Strukturwandels in der Bayerischen Ferkelerzeugung.
Durch das Projekt „BayernGO“ werden seit 2020 die Leistungen von Bestandssauen und deren Nachkommen in eigenremontierenden Ferkelerzeugerbetrieben des LKV Bayern erfasst und in der Zuchtwertschätzung berücksichtigt.
Mit BayernGO können Eigenremontierer ihre Sauenherde genotypisieren lassen und erhalten Informationen über den züchterischen Wert ihrer Sauen. Der Nutzen für die Züchtervereinigung besteht darin, dass durch die zu erwartende größere Datenbasis aus Herdbuch- und Eigenremontierungsbetrieben sich neben den bisherigen auch weitere, wenig erbliche Merkmale (z.B. Verhalten, Anomalien) für die züchterische Bearbeitung erschließen lassen.

Erfassung von Verhaltensmerkmalen über den LKV-Sauenplaner

Die im Rahmen eines Projektes im ökologischen Landbau (ÖkoSauMüt) durchgeführte Erfassung verschiedener Verhaltensausformungen wurden in den 2021 einzuführenden neuen Sauenplaner des LKV Bayern integriert. Aufgrund der Erfahrungen in dem Projekt erhofft man sich, eine grundlegende Datenbasis zum Verhalten von Sauen insbesondere im Hinblick auf Erdrückungsverluste und mögliche Aggressionen gegenüber dem Betreuungspersonal zu erhalten. Die notwendige Datenerhebung ist auch für konventionell wirtschaftende Betriebe interessant, da aufgrund staatlicher Vorgaben langfristig vermehrt nur noch Sauen in Bewegungs-buchten abferkeln werden. Auf eine elektronische Datenerfassung musste wegen der o.g. Verschiebung der Sauenplanereinführung noch verzichtet werden. Damit sind wichtige Erkenntnisse aus dem Projekt in den neuen Sauenplaner des LKV eingeflossen.

Daten der Fleischerzeugerringe als Basis für Untersuchungen zu den paternalen Effekten auf Fruchtbarkeitsmerkmale

Vorerhebungen in den bayerischen Fleischerzeugerringen zur Wurfhomogenität beim Absetzen der Ferkel zeigten die Problematik einer subjektiven Beschreibung zu diesem Zeitpunkt auf. Seit 2016 wird daher die Wurfhomogenität zum Geburtszeitpunkt erhoben. Hierbei wird der Anteil der Ferkel unter 1 kg Geburtsgewicht erfasst. Dies soll insbesondere auch als Merkmal für „paternale Wurfhomogenität“ der Rasse Piétrain dienen. Zudem wird die Anzahl der tot geborenen Ferkel erfasst.
Die Erfassung der tot geborenen Ferkel ist insgesamt als gut zu bezeichnen. In allen Fleischerzeugerringen wird, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bei einem hohen Anteil der Würfe die Erfassung durchgeführt. Sowohl der Anteil der Würfe mit tot geborenen Ferkeln als auch der Anteil der totgeborenen Ferkel liegen über die Ringe in einem (fast) vergleichbaren Bereich.
Leider stellt sich die Situation bei der Erfassung der untergewichtigen Ferkel wesentlich schlechter dar: in allen Kriterien (Anteil der Würfe mit Erfassung, Anteil der Würfe mit untergewichtigen Ferkeln, Anteil untergewichtiger Ferkel) gibt es große Unterschiede zwischen den Fleischerzeugerringen. Hier ist eine deutliche Verbesserung anzustreben, um auch in diesem Merkmal Zuchtarbeit leisten zu können.
Das Institut für Tierzucht führt derzeit Untersuchungen zur Bedeutung der paternalen Effekte der Eber auf Fruchtbarkeitsmerkmale (insbesondere lebend geborene Ferkel, tot geborene Ferkel) durch.

Ansprechpartner
Dr. Rudolf Eisenreich
Institut für Tierzucht
Prof.-Dürrwaechter-Platz 1
85586 Poing-Grub
Tel.: 08161 8640-7180
Fax: 08161 8640-7199
E-Mail: Tierzucht@lfl.bayern.de

Porträtbild

Dr. Rudolf Eisenreich

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Praxisinformationen
Über 200.000 Schweine an der Leistungsprüfungsanstalt in Grub geprüft

Im Jahr 1956 ging die damalige Mastprüfanstalt für Schweine in Grub in Betrieb. An über 200.000 Prüftieren wurden seitdem Merkmale zur Mast- und Schlachtleistung und insbesondere zur Fleischqualität ermittelt. Die stationäre Leistungsprüfung stellt somit eine der wichtigsten Säulen zur Verbesserung dieser Merkmale und somit zur Stärkung der bayerischen Schweineproduktion dar. Mehr