Praxisinformationen
Zuchtbericht Schwein 2020

Person mit Gerät bei Messung Fleischstück

Schwerpunkte der züchterischen Arbeit

Die aktuellen Viehzählungsergebnisse vom November 2020 weisen für Bayern eine leichte Reduzierung der Anzahl Mastschweine um 0,7 Prozent auf 1.452.000 Tiere auf, wobei die infolge der Coronakrise überschweren Mastschweine (> 110 kg) um 21 Prozent anstiegen. Eine deutliche Verringerung der Zuchtsauen um 6,6 Prozent auf 195.600 Tiere zeigte sich im Vergleich zum November 2019. Ursächlich für diese negative Entwicklung im Zuchtsauenbereich war trotz hoher Ferkelpreise in der ersten Jahreshälfte 2020 die Unsicherheit in vielen Bereichen der Schweinehaltung, wodurch zum Jahreswechsel die Sauenhaltung oftmals eingestellt wurde. Dies zeigt sich auch an dem Rückgang der Schweinehalter in Bayern um 2,2 Prozent auf 4.400 Betriebe, was insbesondere durch den Rückgang bei den Ferkelerzeugern auf 1.800 Betriebe begründet ist.

Im Bewusstsein dieser Entwicklung wurden im Jahr 2020 wichtige Aufgaben zur Stärkung der bayerischen Schweinzucht angegangen. Hierzu zählen besonders die Umsetzung der für die im Jahr 2020 neu ausgerichteten Zuchtziele der Vater- und Mutterrassen.
Die züchterische Behandlung des Ebergeruchs, die Verringerung des Auftretens von Bursen und Anomalien oder die Zucht auf geringere Ferkelverluste bei homogenen Würfen sind Beispiele für neue Schwerpunkte der bayerischen Zucht. Neben der Erhaltung der ökomischen Wettbewerbsfähigkeit sind Fleischqualität, Gesundheitsmerkmale und Tierwohlaspekte wichtige Bausteine in den bayerischen Zuchtprogrammen. So ist sowohl bei den Mutter- als auch Vaterrassen die Resistenzzucht gegenüber den E. Coli F18- und F4-Bakterien im Fokus der Zuchtarbeit.
Vaterrassenmodell zur Förderung der bayerischen Piétrainzucht weiterentwickelt
Auch wurde von der Erzeugergemeinschaft und Züchtervereinigung für Zucht- und Hybridzuchtschweine in Bayern w.V. (EGZH) das sogenannte Vaterrassenmodell zur Förderung der bayerischen Piétrainzucht weiterentwickelt. So wurden im Rahmen des Vaterrassen-Models im Jahr 2020 etwa 1.000 Sauen und 2.500 Eber genotypisiert. Zudem werden für das bayerische Zuchtprogramm besonders interessante Anpaarungen gefördert.
Die Umsetzung der Genomischen Selektion bei der Remontierung der Sauenbestände der Landrasse wurde in der Mutterrassenzucht fortgesetzt
In der Mutterrassenzucht wurde die Umsetzung der Genomischen Selektion bei der Remontierung der Sauenbestände der Landrasse fortgesetzt. Dies mündet in der Ausweisung des Qualitätslabels „Optima“ zur Kennzeichnung von Jungsauen, die auf dieser Basis selektiert wurden. Die verwendete Kalibrierungsstichprobe von über 10.000 sicher geprüften Tieren stellt dabei die aktuell umfangreichste der deutschen Herdbuchbestände dar.
Aufgrund der starken Verbreitung der bayerischen Landrassegenetik in Bayern wurde ein von der EU gefördertes Innovationsprojekt zur Nutzung der Typisierung auch bei Eigenremontierern von der EGZH als „BayernGO“ initiiert.
Bayern-Tour 2020 "Schweinetreff für Profis" fand pandemiebedingt als Online-Veranstaltung statt
Die in den Vorjahren stark frequentierte Bayern-Tour „Schweinetreff für Profis“ musste pandemiebedingt ausfallen und wurde zu Beginn des Jahres 2021 als Online-Version nachgeholt. Dabei wurden die wesentlichen Inhalte von der Besamungsstation Bayern-Genetik, der EGZH Bayern und dem Institut für Tierzucht vorgestellt. Ziel ist die Veranstaltung mit großem Erfolg, Ende 2021 in Präsenzform fortzusetzen.

Ermittlung der Ebergeruchssubstanzen Androstenon und Skatol

Seit dem Jahr 2015 werden für die züchterische Bearbeitung des Ebergeruchs auch männliche, nicht kastrierte Tiere der Prüfart 4 (Mutterrassen) der Prüfung unterzogen und auf den Gehalt der Ebergeruchssubstanzen Androstenon, Skatol und Indol im Nackenfett untersucht. Für die Rasse Piétrain besteht schon seit dem Jahr 2013 eine genomische Zuchtwertschätzung gegen Ebergeruch, welche im Rahmen des Projekts "Geruchsoptimierung durch genomische Selektion (GOGS)" entwickelt wurde. Um die Reduzierung des Ebergeruchs züchterisch weiter zu entwickeln, werden seit Januar 2016 auch die Piétrain-Besamungseber (Prüfart 2) zu 50 Prozent mit Eberferkeln geprüft. Von etwa 100 Piétrain-Besamungsebern werden jährlich je 6 Nachkommen auf Androstenon und Skatol im Nackenspeck beim TGD Bayern untersucht. Die Auswahl dieser PI-Eber erfolgt auf Basis des genomisch optimierten Zuchtwertes.
1.769 Eber wurden demzufolge bisher bei den Mutterrassen und 2.449 Eber bei den Vaterrassen dieser Ebergeruchsprüfung unterzogen. Tabelle 1 zeigt, dass die Endprodukte-Eber (Prüfart 2) mit im Mittel 442 ng/ g Fett deutlich geringere Androstenongehalte aufweisen als die Eber der Mutterrassen (Prüfart 4; 806 ng/ g Fett). Dies verdeutlicht, dass nicht nur der Endstufeneber, sondern auch die Mutterrassen züchterisch bearbeitet werden müssen. Mit Erblichkeiten für Androstenon von 0,5 bis 0,6 und Skatol von etwa 0,4 sind hier gute Voraussetzungen gegeben. Die Ebergeruchsanalytik wird finanziert durch die Bayern-Genetik GmbH, dem Besamungsverein Neustadt an der Aisch e.V. und die EGZH Bayern w.V..
Mittlere Zuchtwerte der bayerischen Besamungseber in den Stationen Neustadt/ Aisch und Bayern-Genetik GmbH
StationAnzahlGZWTZUFVWSKLRMFLFLANBAFLIMF
Neustadt193133280,050,221,690,770,78-0,02
Bayern Genetik155132300,04-0,062,130,700,580,01
Der Ebergeruchsindex, der sich aus den Zuchtwerten für Androstenon und Skatol zusammensetzt, dient bei Piétrain als Kriterium für die Vergabe des EGZH Labels „Piétralon“. Seit dem Jahr 2018 wird der Ebergeruchsindex für Mutterrassen als inoffizieller Zuchtwert publiziert. Da zur Berechnung des Ebergeruchsindex der Zuchtwert für Indol nicht berücksichtigt wird, wurde die Ermittlung des Indolgehaltes im Jahr 2020 eingestellt.
Gehalte (geometrisches Mittel) an Ebergeruchssubstanzen im Nackenfett bei den Ebern der Prüfarten 2 und 4
MerkmalØ bei der Prüfart 2 (Pi x Mutterrassen)Ø bei der Prüfart 4 (Mutterrassen-Kreuzungen)
Anzahl Tiere (n)2.4491.769
Androstenon
(ng/ g Fett)
442806
Skatol
(ng/ g Fett)
81117

Untersuchungen zum Auftreten von Hilfsschleimbeuteln

Seit April 2015 wurden an den Schlachthöfen der beiden bayerischen Leistungsprüfungsanstalten Grub und Schwarzenau knapp 38.000 Prüftiere auf das Vorhandensein von Hilfsschleimbeuteln überprüft (Stand Feb. 2021). Nach dem Entbluten stuften die Techniker der Schlachthöfe jedes Bein auf einer Skala von 0 bis 3 ein. Dabei bedeutet 0= kein Befund, 1= geringgradig ausgeprägter Hilfsschleimbeutel, 2= mittelgradig ausgeprägter Hilfsschleimbeutel und 3= stark ausgeprägter, entzündeter Hilfsschleimbeutel mit eröffneter Haut. Liegen an einer Gliedmaße mehrere Befunde vor, so wird nur der schwerste Befund für die Analysen verwendet.
Um den Einfluss verschiedener Faktoren auf das Auftreten von Hilfsschleimbeuteln zu untersuchen, werden die vier Einzelergebnisse je Tier (Vorder- und Hintergliedmaßen sowie links und rechts) zu einem Wert zusammengefasst. Die Summe der Schweregrade eines Tieres geteilt durch vier ergibt das Merkmal „Befundmittel“, welches den mittleren Schweregrad über alle Gliedmaßen eines Tieres beschreibt.
Gut 81 Prozent der untersuchten Tiere weisen Hilfsschleimbeutel auf. Dabei gibt es deutliche Rasseunterschiede. Während Tiere der Deutschen Landrasse nur zu etwa 68 Prozent betroffen sind, weisen rd. 90 Prozent der reinrassigen Piétraintiere Bursen auf. Über die Hälfte aller Befunde entfallen auf eine geringgradige Ausprägung der Bursen (Grad 1), 0,4 Prozent der Befunde sind schwerwiegend (Grad 3).
Prävalenz und Befundmittel nach Rasse
RasseAnzahlBursengrad in %Bursengrad in %Bursengrad in %Bursengrad in %Prävalenz (Grad 1-3) in %Befundmittel
0123
DE65116,362,221,20,383,70,55
DL679032,152,914,80,267,90,39
PI203710,260,528,40,989,80,63
DL x DE359521,658,119,80,478,40,49
DE x DL891919,056,424,30,481,00,53
PI x DL865214,058,926,80,486,00,58
PI x (DE x DL)634414,856,228,40,785,20,59
Gesamt3761919,156,923,60,480,90,53

Zucht auf E. Coli Resistenzen im Blickfeld

E. Coli F18-Bakterien sind der Auslöser der Ödemkrankheit. Tiere, die am FUT1-Locus den Genotyp A/A aufweisen, sind jedoch gegenüber der Ödemkrankheit resistent. Diese Tiere bilden keine Rezeptoren für die F18-Fimbrien auf der Darmschleimhaut aus, so dass die Enterotoxinabgabe über den Darm durch E. Coli F18-Bakterien nicht möglich ist.
In gleicher Weise ist die Resistenz gegenüber dem Bakterium E. Coli F4 zu sehen. E. Coli F4 ist ein Auslöser für Saugferkeldurchfall.
Wichtig ist, dass sowohl bei E. Coli F18 als auch F4 nur homozygote Tiere resistent sind. Daher ist es erforderlich, dass beide Elternteile der Mastendprodukte zumindest das Resistenzallel beinhalten. Damit alle Nachkommen resistent sind, müssen beide Eltern in diesen Merkmalen reinerbig sein.
Frequenzen des positiven A-Allels beim Deutschen Edelschwein weitaus bester Wert
Die Rasse Deutsches Edelschwein (DE) hat mit einer Frequenz des positiven A-Allels von 0,65 für Coli F 18 den weitaus besten Wert der durch die EGZH betreuten Rassen. Dies ist sicherlich durch die enge Zusammenarbeit mit dem Schweizer Unternehmen SUISAG zu erklären, welches schon seit längerer Zeit auf Coli F18-Resistenz züchtet. Um den Resistenzanteil in der bayerischen DE-Population weiter zu erhöhen, wurde die DE-Basisherde der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf zu 100 Prozent auf Coli F18-Resistenz umgestellt.
Frequenzen der züchterisch erwünschten Variante A bei der Deutschen Landrasse
Bei der Deutschen Landrasse beträgt die Frequenz der erwünschten Variante A nur 18 Prozent. Dennoch sind auch bei dieser Rasse Bemühungen um eine Erhöhung erforderlich, wenn man resistente Mastschweine mit der Kreuzungssau erzeugen will. So beträgt die Genfrequenz des erwünschten Allels 0,67 beim Geburtsjahrgang 2020 der Besamungseber. Unter anderem wurde auch ein Projekt am LVFZ Kringell eingeleitet, da aufgrund der Vorgaben in ökologischen Haltungsbedingungen resistente Tiere Vorteile bieten. Im Bestand des LVFZ Kringell wird wie auch in allen anderen Zuchtbetrieben weiter versucht, die Resistenz bei der Rasse DL anzureichern. Da aber in Bayern nun seit Ende 2019 reinerbig für das Coli F 18 Allel resistente Landrasseeber mit überdurchschnittlichen Gesamtzuchtwerten zur Verfügung stehen, schreitet die Sanierung nun deutlich stärker voran.
Bei der Coli F 4 Resistenz ist beim Edelschwein mit einer Frequenz von aktuell 0,73 eine weitere Steigerung erkennbar. Bei der Landrasse hingegen ist ein Absinken der Frequenz von 0,80 auf 0,63 für die Geburtsjahrgänge 2019 auf 2020 festzustellen. Dies liegt wohl an negativen Korrelationen zu Merkmalen des Gesamtzuchtwertes der Landrasse. Dem wird mit einer gezielten Eberauswahl und der stärkeren Verbreitung des F4-Genstatus in den Arbeitslisten der Züchter begegnet.
Die Rasse Piétrain ist mit einer Frequenz des F4-Resistenzalleels von knapp 80 Prozent bereits auf einem sehr hohen Niveau. Einigermaßen positiv ist mit 28 Prozent auch die Häufigkeit des F18-Resistenzallees zu bewerten. Die bayerische Piétrainzucht ist dadurch in der Lage, ihren Kunden resistente Eber anbieten zu können. In den bayerischen Besamungsstationen Bayern-Genetik und Neustadt-Aisch stehen aktuell über 200 F4- und 30 F18-resistente Eber zur Verfügung
Zucht auf Coli-Resistenzen in allen Zuchtprogrammen wird weiter forciert
Die Zucht auf Coli-Resistenzen wird in allen Zuchtprogrammen weiter forciert. Dies ist insbesondere auf Grund der konsequenten Genotypisierung der bayerischen Populationen (etwa 8.000 Tiere pro Jahr) möglich. Bei jeder Genotyisierung wird automatisch der Coli F4- und F18-Status bestimmt. Die Züchter berücksichtigen bei den Anpaarungen den Resistenzstatus der Elterntiere. Jungeber und Jungsauen können schon bei der Selektion auch auf die Coli-Resistenzen beurteilt werden.

Verbesserung der Datengrundlage bei den Mutterrassen durch Integration von Ferkelerzeugerdaten

LiniendiagrammZoombild vorhanden

Anzahl der aus EGZH-Betrieben zugekauften Sauen mit Fruchtbarkeitsleistungen in Ferkelerzeugerbetrieben

Durch das Projekt „BayernGO“ werden seit 2020 die Leistungen von Bestandssauen und deren Nachkommen in eigenremontierenden Ferkelerzeugerbetrieben des LKV Bayern erfasst und in der Zuchtwertschätzung berücksichtigt.
Mit BayernGO können Eigenremontierer ihre Sauenherde genotypisieren lassen und erhalten Informationen über den züchterischen Wert ihrer Sauen. Der Nutzen für die Züchtervereinigung besteht darin, dass durch die zu erwartende größere Datenbasis aus Herdbuch- und Eigenremontierungsbetrieben sich neben den bisherigen auch weitere, wenig erbliche Merkmale (z.B. Verhalten, Anomalien) für die züchterische Bearbeitung erschließen lassen.

Daten der Fleischerzeugerringe als Basis für Untersuchungen zu den paternalen Effekten auf Fruchtbarkeitsmerkmale

Vorerhebungen in den bayerischen Fleischerzeugerringen zur Wurfhomogenität beim Absetzen der Ferkel zeigten die Problematik einer subjektiven Beschreibung zu diesem Zeitpunkt auf. Seit 2016 wird daher die Wurfhomogenität zum Geburtszeitpunkt erhoben. Hierbei wird der Anteil der Ferkel unter 1 kg Geburtsgewicht erfasst. Dies soll insbesondere auch als Merkmal für „paternale Wurfhomogenität“ der Rasse Piétrain dienen. Zudem wird die Anzahl der tot geborenen Ferkel erfasst.
Die Erfassung der tot geborenen Ferkel ist insgesamt als zufriedenstellend zu bezeichnen. In allen Fleischerzeugerringen wird, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bei einem hohen Anteil der Würfe die Erfassung durchgeführt. Sowohl der Anteil der Würfe mit tot geborenen Ferkeln als auch der Anteil der totgeborenen Ferkel liegen über die Ringe in einem (fast) vergleichbaren Bereich.
Leider stellt sich die Situation bei der Erfassung der untergewichtigen Ferkel wesentlich schlechter dar: in allen Kriterien (Anteil der Würfe mit Erfassung, Anteil der Würfe mit untergewichtigen Ferkeln, Anteil untergewichtiger Ferkel) gibt es große Unterschiede zwischen den Fleischerzeugerringen. Hier ist eine deutliche Verbesserung anzustreben, um auch in diesem Merkmal Zuchtarbeit leisten zu können.
Das Institut für Tierzucht führt derzeit Untersuchungen zur Bedeutung der paternalen Effekte der Eber auf Fruchtbarkeitsmerkmale (insbesondere lebend geborene Ferkel, tot geborene Ferkel) durch.

Genetische Trends für die Piétrain-Eber

LiniendiagrammZoombild vorhanden

Genetischer Trend Gesamtzuchtwert – Piétrain-Eber

Sowohl die Merkmale der Mastleistung (TZ, FVW) als auch der Schlachtleistung (FLAN, BAFL) entwickeln sich sehr positiv. Die Schlachtkörperlänge (SKL) weist einen leicht negativen genetischen Trend auf. Hier ist es das Ziel, das derzeitige Niveau zu halten bzw. nicht länger zu werden. Die Rückenmuskelfläche entwickelte sich mit einem genetischen Trend von + 0,96 cm2 hervorragend. Die Fleischbeschaffenheitsmerkmale Tropfsaftverlust (TSV) und Intramuskulärer Fettgehalt (IMF) zeigen leicht negative Trends. Der Gesamtzuchtwert (GZW), welcher das bayerische Zuchtziel darstellt, steigt um sehr gute 11 Punkte.
Dieser positive genetische Trend ist sicherlich auch durch die Einführung der genomischen Zuchtwertschätzung begründet. Die zusätzliche Information des Genotyps ermöglicht nicht nur eine genauere Selektion der Jungeber, sondern vermindert auch den Anteil von Fehleinkäufen, welche ihre genetische Voreinschätzung nicht in der Stationsprüfung bestätigen können.
Derzeit werden über 14.000 genotypisierte Pi-Eber und -Sauen in der Zuchtwertschätzung berücksichtigt (Stand Juni 2021). Dies verdeutlicht die hervorragende Umsetzung der genomischen Selektion im Vaterrassenbereich. Jeder KB-Eber aus bayerischer Zucht und jede EGZH-Herdbuchsau sind inzwischen genotypisiert. Auch die Pi-Züchter verwenden bei der Selektion der eigenen Nachzucht konsequent die Informationen des Genoms.

Genetisches Niveau der Piétrain-Besamungseber

Sowohl der Besamungsverein Neustadt als auch die Bayern-Genetik GmbH setzen auf wuchsbetonte Eber mit einer guten Futterverwertung und Fleischfülle. Die Selektionskriterien sind im Gegensatz zu früheren Jahren bei den Stationen weitestgehend identisch, das genetische Niveau ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen.
Mittlere Zuchtwerte der bayerischen Besamungseber in den Stationen Neustadt/ Aisch und Bayern-Genetik GmbH
StationAnzahlGZWTZUFVWSKLRMFLFLANBAFLIMF
Neustadt193133280,050,221,690,770,78-0,02
Bayern Genetik155132300,04-0,062,130,700,580,01

Genetische Trends für die Deutsche Landrasse

LiniendiagrammZoombild vorhanden

Genetischer Trend Gesamtzuchtwert – Eber der Deutschen Landrasse

Die Gesamtschau zeigt, dass die Einkaufspolitik der Besamungsstationen bei den Landrasseebern auf die Zuchtzielfestlegung mit dem Gesamtzuchtwert ausgerichtet ist. Deutlich zeigt sich, dass seit 2016 eine einheitliche stark auf den Gesamtzuchtwert ausgerichtete Einkaufspolitik verfolgt wird. Diese wird wesentlich durch die mögliche verschärfte Vorselektion mittels der Genomik seit 2016 erreicht. Die Besamungsstationen und die Züchter setzten das stärker auf die Aufzuchtleistung ausgerichtete Zuchtziel um, was auch ein Maß für die Geschlossenheit der bayerischen Herdbuchzucht darstellt.

Aktueller Stand Anomalienprüfung

BalkendiagrammZoombild vorhanden

Verteilung der Anomalien bei den betroffenen Ferkeln von PI-Ebern in FE-Betrieben (01.10.2019 bis 30.11.2020)

Insgesamt sind nur 1,5 Prozent der geborenen Ferkel von Anomalien betroffen. Am häufigsten sind Hodenbrüche; diese treten bei 36 Prozent der von Anomalien betroffenen Ferkel auf. Dann folgen Binneneber (35 Prozent) und Grätscher (19 Prozent). Einige der Anomalien sind auch tierwohlrelevant, da sie mit Schmerzen für das Tier verbunden sind. Den Ferkelerzeugern entstehen zugleich durch Missbildungen wirtschaftliche Schäden, denn diese können die Vermarktungsmöglichkeiten für Ferkel einschränken oder sogar Totalverluste verursachen. Im Jahr 2013 entwickelte die LfL eine Zuchtwertschätzung zur Bekämpfung von Anomalien. Der daraus errechnete Anomalienwert eines Ebers entspricht dem zusätzlichen Gewinn pro Wurf, der bei Verwendung dieses Ebers gegenüber einem durchschnittlichen Eber erzielt wird. In diesem neuen System der Anomalienprüfung wird bei Würfen von jungen Besamungsebern im LKV-Sauenplaner der Betriebe vermerkt, ob und, falls ja, welche Anomalien beobachtet wurden. Hierbei unterstützen das LKV Bayern und die Ringberater der Fleischerzeugerringe enorm. Derzeit werden in Bayern knapp 9.000 Prüfeberwürfe pro Jahr anomaliengeprüft. Ein PI-Eber weist somit im Mittel etwa 45 bis 50 anomaliengeprüfte Würfe auf. Mutterrasseneber haben im Mittel sogar noch mehr Würfe mit einer Anomalienprüfung.

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