Tierwohl
Mutterkuhhaltung Staatsgut Pfrentschweiher

Mutterkuh mit Kälber auf der Weide grasend

Historische Entwicklung

Am Haupt- und Landgestüt Schwaiganger wurde 1974 im Rahmen eines staatlichen Zuchtversuches damit begonnen, die genetische Hornlosigkeit beim Fleckvieh in der Mutterkuhhaltung zu bearbeiten. Die Besonderheit dieser Züchtung besteht darin, dass der Ursprung der Hornlosigkeit auf den Ankauf von reinrassigen Kühen und Bullen der Rasse Fleckvieh zurückgeht, welche infolge Mutation entweder natürlich hornlos oder Wackelhornträger waren. Somit wurde die Hornlosigkeit nicht durch Einkreuzung einer bereits hornlosen Rasse herbeigeführt.
Eine exakte und kontinuierliche Datenerhebung des Hornstatus-Phänotyps von allen Rindern auf den Nebenbetrieben in Schwaiganger von Geburt bis zum Abgang war die Voraussetzung für viele Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet der Vererbung der genetischen Hornlosigkeit. Mit Zunahme des Datenmaterials konnten die vorhandenen Vererbungshypothesen verfeinert und modifiziert werden. Mehrere Dissertationen und eine Vielzahl von Veröffentlichungen belegen die Entwicklung bis zum heutigen Stand des Wissens.
Im Zuge einer Neustrukturierung der Versuchseinrichtungen wurde die über die Jahrzehnte vollständig hornlos gezüchtete Mutterkuhherde in Schwaiganger im Jahr 2003 aufgelöst. Ein Teil der Herde fand am Standort Pfrentschweiher, einem Nebenbetrieb des Lehr-, Versuchs- und Fachzentrums (LVFZ) Almesbach, eine neue Heimat. Einige herausragende Kühe wurden in die bestehende Zuchtherde der Versuchsstation (VS) Neuhof in Kaisheim eingegliedert. Auf diese Weise konnte die wertvolle Hornlos-Genetik von Schwaiganger im Wesentlichen erhalten werden.
In Neuhof erfolgte seit 1992 die Züchtung eines umgänglichen, fleischbetonten, natürlich hornlosen Fleckviehs für die Mutterkuhhaltung. Mit Hilfe der Künstlichen Besamung wurden geeignete geprüfte Fleckvieh-Besamungsbullen aus der Doppelnutzung neben den hornlosen Deckbullen des Betriebes eingesetzt. Die Reinzuchtherde umfasste knapp 50 Kühe mit anteiliger Nachzucht.
Gezüchtete Besamungsbullen: Exodus PP, Steinadler PP, Excalibur Pp, Steinmarder PP (Bayern-Genetik), Stahlguss PP (Station Greifenberg), Saenko PP*, Zempin PP* (Station Neustadt/A.).
Auf der Grundlage einer exakten kontinuierlichen Hornstatuserhebung über alle Jahre eignete sich die Versuchsherde von Neuhof sehr gut für die Erforschung und Erprobung von Gentests für Hornlosigkeit. Aufgrund einer Umstrukturierung des Betriebes musste die Fleischrinderherde im Jahr 2012 vollständig abgebaut werden. Jedoch konnte eine Reihe der züchterisch wertvollen Tiere nach Pfrentschweiher (Oberpfalz, Nähe Waidhaus) verlagert und damit die Genetik weitgehend erhalten werden.
Besamungsbulle von der Seite

Steinadler PP, Foto: Bayern-Genetik

Besamungsbulle von der Seite

Excalibur Pp, Foto: Bayern-Genetik

Besamungsbulle von der Seite

Zempin PP* zur Körung, Foto: ITZ Grub

Staatsgut Pfrentschweiher

Stallgebäude
Seit jeher diente das Staatsgut Pfrentschweiher, das etwas außerhalb des Ortes Pfrentsch unmittelbar an der Pfreimd gelegen ist, der Aufzucht des betriebseigenen Jungviehs des Lehr-, Versuchs- und Fachzentrums für Milchviehhaltung Almesbach. Durch die Nutzung eines zweckmäßig eingerichteten Altstalles (siehe Foto) ist ein Teil der Mutterkuhherde über die Stallhalteperiode praktikabel und funktional passend untergebracht. Im Jahr 2014 wurde für die zweite Teilherde parallel zur Längsseite des bestehenden alten Jungviehstalls eine Liegehalle mit Abkalbeabteile gebaut und mit dem Altstall verbunden, so dass nach Abschluss der Baumaßnahmen insgesamt 35 Mutterkühe mit weiblicher Nachzucht in den beiden Ställen sehr tiergerecht gehalten werden können.
Das Deckbullenhandling konnte bereits davor durch die zweckmäßige Errichtung von drei Bullenbuchten mit überdachtem Auslauf entscheidend optimiert werden.
Die seit 2012 verfolgte Umgestaltung der Herde zu einer natürlich hornlosen FV-Fleisch Zuchtherde in Reinzucht ist erfolgreich abgeschlossen. Besonderes Augenmerk wird neben der Fleischleistung auf Umgänglichkeit, funktionale Euter und stabile Fundamente gelegt. Die FV-Herde wird im Herdbuch des Fleischrinderverbandes Bayern e.V. geführt und vom Institut für Tierzucht züchterisch betreut. In 2016 ging der in Pfrentschweiher gezüchtete Jungbulle Hennessy PP* in den Besamungseinsatz.
Herde von Mutterkühe stehend auf einer grünen Wiese

Mutterkuhteilherde in Pfrentschweiher

Tiere werden am Hofstall gewogen

Herdenwiegung am Hofstall

Besamungsbulle stehend nach links gedreht

Besamungsbulle Hennessy PP*, Foto: Bayern Genetik

Mutterkuh mit saugendem Kalb stehend auf der Weide

Mutterkuh mit saugendem Kalb

Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchviehhaltung Almesbach

Almesbach 1
92637 Weiden in der Oberpfalz
Tel.: 0961 39020-24
Fax: 0961 39020-20
E-Mail: LVFZ-Almesbach@lfl.bayern.de

Standort der Herde: Staatsgut Pfrentschweiher

Pfrentschweiher 1
92693 Eslarn