Wurf- beziehungsweise buchtenweises Aufstallen von Ferkeln – Auswirkungen auf Futteraufnahme, tägliche Zunahmen und Kratzspuren

Ferkelin 2  Buchten
Neben der Trennung von der Muttersau, der Änderung der Haltungsumgebung und der Umstellung der Fütterung kann das Mischen von Ferkeln aus unterschiedlichen Würfen beziehungsweise Abferkelbuchten während des Absetzens einen Stressfaktor darstellen. In einer Versuchsreihe wurde in Futterkamp der Einfluss des Mischens von Ferkeln aus verschiedenen Würfen bei nicht schwanzkupierten Ferkeln auf das Schwanzbeißverhalten geprüft. Die Häufigkeiten von Verletzungen und Schwanzverbiss folgten zwischen den Versuchsgruppen (wurfweise und gemischt) keinem klaren Trend. In einem Versuch sollte bei kupierten Ferkeln untersucht werden, wie sich ein wurf- beziehungsweise buchtenweises Absetzen gegenüber einer Aufstallung der Ferkel aus verschiedenen Würfen beziehungsweise Abferkelbuchten bei ansonsten gleicher Fütterung auf die Aufzuchtleistung und auf die Intensität von Verletzungen in der ersten Aufzuchtwoche auswirkt.

Versuchsdurchführung

Der Versuch wurde am Versuchs- und Bildungszentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau durchgeführt. Dabei wurden in die Hälfte der Ferkelaufzuchtbuchten pro Bucht nur Ferkel aus einer einzigen Abferkelbucht eingestallt (wurf- beziehungsweise buchtenweises Aufstallen). Die andere Hälfte der Abferkelbuchten wurde pro Bucht mit Tieren aus verschiedenen Abferkelbuchten bestückt (gemischte Buchten). Somit ergaben sich folgende Versuchsgruppen:
  • Gruppe „gemischt“: 8 Buchten mit Ferkeln aus verschiedenen Abferkelbuchten in jeder Bucht.
  • Gruppe „wurfweise“: 8 Buchten mit Ferkeln aus nur einer Abferkelbucht pro Bucht.
In beiden Gruppen wurde auf eine vergleichbare Anzahl von Tieren, eine vergleichbare mittlere Lebendmasse sowie auf ein gleiches Geschlechterverhältnis geachtet. Insgesamt wurden 194 Tiere aufgetallt. In der Gruppe „wurfweise“ die Streuungen der Ferkel in den Buchten größer sowie der Anteil leichter Ferkel (kleiner 7,5 Kilogramm) höher.
Der Versuch gliederte sich in zwei Fütterungsphasen von jeweils drei Wochen Dauer mit einem Ferkelaufzuchtfutter für jede Phase.
Die Ferkel wurden auf Kunststoffspalten ohne Einstreu gehalten. Fünf Tage nach Einstallung in das Ferkelaufzuchtabteil wurde eine Bonitierung der Ferkel auf Kratzspuren durchgeführt.

Ergebnisse

Aufzuchtleistungen

Die Aufzuchtleistungen sind in nachfolgender Tabelle zusammengefasst. Im Mittel der Aufzucht wurden in der Gruppe „gemischt“ mit 463 Gramm signifikant höhere Zunahmen erzielt als in der Gruppe „wurfweise“ mit 406 Gramm. Betrachtet man die einzelnen Aufzuchtphasen, so sind auch hier signifikante Unterschiede bei den täglichen Zunahmen festzustellen. In Phase 1 wurden rund 50 Gramm und in Phase 2 etwa 60 Gramm niedrigere tägliche Zunahmen bei wurfweisem Aufstallen erzielt.
  "gemischt""wurfweise"
Tägliche Zunahmen (g)Phase 1296243
Tägliche Zunahmen (g)Phase 2639577
Tägliche Zunahmen (g)gesamt463406
Futterverbrauch (g/Tag)Phase 1472395
Futterverbrauch (g/Tag)Phase 21118959
Futterverbrauch (g/Tag)gesamt787670
Futteraufwand (kg/kg)Phase 11,601,66
Futteraufwand (kg/kg)Phase 21,751,66
Futteraufwand (kg/kg)gesamt1,701,65
Die höheren Tageszunahmen in der Gruppe "gemischt" sind dabei einem signifikant höheren Futterverbrauch geschuldet. So wurden in der gesamten Aufzucht bei gemischter Aufstallung 787 Gramm und bei wurfweiser Aufstallung 670 Gramm Futter pro Tier und Tag verbraucht. Auch in den einzelnen Versuchsabschnitten lag der Futterverbrauch in der Gruppe "gemischt" signifikant höher.
Auf den Futteraufwand je Kilogramm Zuwachs zeigte die Art der Aufstallung keinen signifikanten Effekt. Im Mittel der Aufzucht lag dieser bei 1,65 Kilogramm in der Gruppe "gemischt" und bei 1,64 Kilogramm in der Gruppe "wurfweise"

Kratzspuren

Während bei der wurfweisen Aufstallung nahezu alle Tiere am Tag 5 nach der Umstallung keine nennenswerten beziehungsweise nur leichte Kratzspuren aufwiesen, hatten 27 Prozent der Ferkel, die aus unterschiedlichen Abferkelbuchten stammten, deutliche Kratzspuren. Knapp 14 Prozent wiesen tiefere Kratzer auf.

Zusammenfassung und Fazit

Die wurf- beziehungsweise buchtenweise Aufstallung von abgesetzten, schwanzkupierten Ferkeln führte in den ersten Tagen der Aufzucht zu weniger Kratzspuren am Körper. Gegenüber den Tieren der gemischten Gruppen verzehrten beziehungsweise verbrauchten die Ferkel bei wurfweiser Aufstallung signifikant weniger Futter. Dies führte zu deutlich geringeren Aufzuchtleistungen. Eine höhere Streuung der Lebendmasse der Ferkel pro Bucht und eine seit der Säugezeit bestehende Rangordnung könnten diesbezüglich diskutiert werden. Weiterer Forschungsbedarf ist deshalb notwendig. Die Herausnahme extrem leichter aber auch schwerer Tiere sowie die Aufstallung aus zwei Abferkelbuchten sind in weiteren Versuchen zu untersuchen.