Joghurttränke - ein verträgliches und einfaches Tränkeverfahren für Kälber

fertig angesetzter Joghurtstamm
Um abgestimmte Empfehlungen für einzelne Themen der Rinderfütterung zu geben, wurden gemeinsame Merkblätter der Fachzentren Rinderhaltung der ÄELF, das LKV Bayern und das Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft erarbeitet. In diesem werden die Grundsätze des Tränkeverfahrens Joghurttränke erläutert.

Prinzip

Person rührt Joghurt in großem EimerZoombild vorhanden

eingedickter Joghurtstamm

Vollmilch wird durch Zusatz von Joghurtkultur (Naturjoghurt) angesäuert. Dabei wird Milchzucker durch Milchsäurekulturen zu Milchsäure fermentiert. Durch dieses Prinzip entsteht eine sehr gute Verträglichkeit und es ist kein Anwärmen der Milch erforderlich (Kalttränke). Eine lange Haltbarkeit für Vorratshaltung entsteht durch die allmählich selbsttätige Absenkung des pH-Wertes auf 4,0 (zum Tränken diese aber mit Frischmilch verdünnen).

Durchführung

Ansetzen eines Joghurtstamms für die ständige Vermehrung:

  1. Auf 10 l kuhwarme Vollmilch werden 500 g Naturjoghurt (mind. 3,5 % Fett) eingerührt – ausreichend für 50 l fertige Tränke (50 l Tränke + 10 l zur weiteren Überimpfung).
  2. Abgedeckt bei 20 bis 25 °C für 15 – 24 Stunden stehen lassen.

Vorbereitung der ersten Tränke

  1. Stammjoghurt in vorbereiteten Behälter ("Joghurtfass") geben.
  2. Mit kuhwarmer (30 – 35°C) Milch auffüllen, je 10 l Stammjoghurt etwa 50 l Vollmilch. Gut durchrühren (Kochlöffel, Schneebesen, sauberer Mörtelrührer mit Akkuschrauber, etc.).
  3. Lagerung bei Raumtemperatur bis zur nächsten Tränke.
  4. Bei extremer Kälte 2 – 3 Stunden vor der Tränke Milchwärmer auf 30°C einstellen.

Durchführung der Joghurttränke

  1. Vor der Tränke den Joghurt gut durchrühren.
  2. Entnahme der benötigten Tränkemenge aus Joghurtfass.
  3. Kein Anwärmen nötig (mind. etwa 10 °C).
  4. 5 – 15 % Restjoghurt verbleibt zur Überimpfung im Fass (abhängig von Temperatur; im Winter mehr, im Sommer weniger).
  5. Kuhwarme Milch für die nächste Mahlzeit aufschütten und gut durchrühren, bei Raumtemperatur stehen lassen.
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Wichtig
Auf joghurttypischen Geruch achten. Bei Abweichung neuen Stamm ansetzen.
Hygienisch arbeiten beim Ansetzen, bei der Vermehrung und bei der Milchgewinnung (Kannenkühe). Verunreinigte Milch kann zur Bildung von Hefen oder alkoholischer Gärung führen.
Kein Einsatz von hemmstoffhaltiger Milch: Verbot und Behinderung der Bakterienkultur.

Beachte

Wenn die Tränke verweigert wird:

  • Kalb auf Grippe, Durchfall usw. kontrollieren.
  • Tränke zu sauer: Lagertemperatur zu warm; Lagerort ändern. Oder Restmenge in Behälter verringern (5 – 10% Rest). Oder vorgekühlte Milch verwenden (Sommer).
  • Kurzfristige Abhilfe: Tränke mit Frischmilch verdünnen.

Fermentierung unzureichend:

  • Mehr Joghurtrest im Behälter zur Vermehrung belassen. Oder wärmer lagern. Oder wärmere Milch aufschütten. Oder Milchwärmer/Milchtaxi einige Std. vor Tränke auf ca. 30 °C einschalten (mittels Zeitschaltuhr).

Wann ist ein neuer Joghurtstamm anzusetzen?

  • Grundsätzlich alle 3 – 4 Wochen
  • Bei Geruchs- oder Geschmacksveränderung
  • Schimmelbildung am Behälterrand (Hygiene)
  • Fauliger Geruch (Hefen)
  • Bei alkoholischer Gärung (Schmutz)
  • Bei Verweigerung der Tränke
  • Verdauungsstörungen

Gewöhnung

  • Am ersten Tag reines Kolostrum verfüttern
  • Umstellung von Biestmilch auf Joghurt ab 3./4. Tag mit zunehmenden Joghurtanteil
  • 3 Tage Kolostrum der Mutterkuh ist Minimum – wenn hemmstofffrei, diese evtl. extra in Kübel als Joghurt ansetzen. Optimal 7 Tage Kolostrum der Mutterkuh
  • Innerhalb von 2 – 3 Tagen volle Umstellung
Je älter das Kalb bei der Umstellung, desto schwieriger die Akzeptanz.

Fazit

  • Arbeitszeiteinsparung bei geringem Kostenaufwand.
  • Keimhemmende Wirkung, Probleme durch Hygienemängel unter Umständen reduziert.
  • Bessere Verträglichkeit; hohe Tränkemengen besser realisierbar.
  • Säuerung natürlich, ungefährlich, fördert die Verträglichkeit.
  • Weniger Arbeit, kein Anwärmen.
  • Tränken durch jedes Betriebsmitglied durchführbar.
  • Kälbertränken unabhängig von der Melkzeit.
  • Vorratshaltung von Biestmilch, Zellenmilch möglich.
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