Futteranalysen verstehen

Grassilage und Zettel mit Analysenergebnis in Hand

Genau zu wissen, was im hofeigenen Futter steckt, ist für eine sinnvolle Rationsberechnung unverzichtbar und rechnet sich schnell.

Warum soll ich meine Grassilagen untersuchen lassen? Diese Frage stellt sich oft auf Betrieben. Doch eigentlich ist das ganz einfach zu beantworten. Eine Grassilage kann zwar am Anschnitt hinsichtlich des Geruchs, der Farbe und des Gefüges beurteilt werden, doch was in ihr drinsteckt, sieht man nicht. Nur wenn die tatsächlichen Inhaltsstoffe der einzelnen Rationskomponenten bekannt sind, kann die Ration mit der notwendigen Sicherheit gestaltet werden, um eine konstante Futteraufnahme und stabile Tiergesundheit zu erreichen. Durch gezielte Anpassungen der Kraftfuttermengen und -art können Futterkosten eingespart und Schwankungen in der Milchleistung vorgebeugt werden.

Teil 1: Erweiterte Weender Analyse

Tabellenwerte sind nur Mittelwerte

Die für die Rationsberechnung zur Verfügung stehenden Tabellenwerte für Grassilagen (Tab. 1: rechte Spalte) werden meist aus langjährigen Mittelwerten abgeleitet und bleiben daher über Jahre hinweg gleich. Sie spiegeln somit weder regionale noch witterungsbedingte Schwankungen einzelner Jahre wider. Am Beispiel der diesjährigen Grassilagen vom 1.Schnitt wird das besonders deutlich. Betrachtet man die im LKV-Futterlabor Bayern bis jetzt untersuchten Grassilagen vom 1. Schnitt so zeigt sich, dass viele Betriebe rund um Muttertag mähten. Danach ließ das Wetter einen Schnitt oft erst Ende Mai zu. Bildet man aus diesen Extremen einen bayerischen Mittelwert (Tab. 1: Spalte „Ø 2021“), so ist dieser für den einzelnen Betrieb mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit falsch. Die Eingrenzung auf das obere bzw. untere Viertel nach Energie macht zwar Tendenzen sichtbar, muss aber nicht für den einzelnen Betrieb zu-treffend sein. Wenn ein Betrieb z.B. das frühere Erntefenster nutzte und daher für sich die Werte des oberen Viertels nach Energie (Tab. 1: Spalte „Ø oberes Viertel nach NEL 2021“) annimmt, so muss das nicht der Realität in seinem Silo entsprechen. Zu sehen ist das an der großen Spannweite des Parameters Energie im oberen Viertel, diese liegt zwischen 6,6 und 7,3 MJ NEL / kg TM.
Tab. 1: Auswertung Futterwerte Grassilage 1. Schnitt 2021; Mittelwert und oberes Viertel nach Energie (Proben LKV-Futterlabor Bayern, Angaben je kg Trockenmasse)
Rohnährstoffe unterteilt nach MJ NEL/kg TM Ø 2021Ø oberes Viertel nach NEL 2021Gruber Tabelle1)
Erntedatum 17.05.202109.05.2021
Anzahl Proben 398100
Trockenmasseg371415350
Rohascheg9698108
Rohproteing147169165
ADFom2)g277235281
Zuckerg10114915
NELMJ6,16,76,0
ME WiederkäuerMJ10,211,010,1
1)Tabellenwert Grassilage 1. Schnitt Rispenspreizen
2) Acid Detergent Fibre – aschefreier Rückstand nach Behandlung mit sauren Lösungsmitteln

Einfluss auf Fütterung und Geldbeutel

Um die Ration sachgerecht zu gestalten ist zunächst die Kenntnis der Trockenmassegehalte unverzichtbar. Unterschiede in der Trockenmasse (42 % real statt 35% Tabellenwert) und Qualität haben großen Auswirkungen auf die Rationsberechnung. Werden in einer Milchkuhration mit 20 kg Frischmasse Grassilage des 1. Schnitts die Werte aus der Gruber Tabelle angenommen, so sind zusätzlich gut 1,7 kg Gerste und 0,2 kg Rapsextraktionsschrot pro Kuh und Tag erforderlich, um auf den Rohprotein- und Energiegehalt von 20 kg Frischmasse Grassilage des oberen Viertels 2021 zu kommen. Bei Kosten von 20 €/dt Gerste und 40 €/dt Rapsextraktionsschrot sind das 42,6 Cent pro Kuh und Tag. Das entspricht bei 60 Kühen gut 25 Euro pro Tag. Kostet eine Futteruntersuchung inklusive Mineralstoffe 50 Euro netto, so sind die Untersuchungskosten bereits nach zwei Tagen eingespart. Auch wenn der eigene Befund schlechter ausfällt als der Tabellenwert lohnt sich die Untersuchung, denn eine frühzeitige passende Rationsergänzung verhindert einen Milchleistungsabfall, der nur schwer wieder auszugleichen ist. Bei vorausschauender Futterplanung und entsprechender Probenahme liegt das Untersuchungsergebnis bereits vor dem Öffnen des Silos vor, wodurch von Anfang an eine passende Ration gefüttert werden kann. Gleichzeitig kann durch eine optimierte und nährstoffangepasste Fütterung, vor allem bei guten Grassilagen, der Zukauf an Nährstoffen mit dem Futter zum Teil erheblich gesenkt werden, was sich positiv auf die Stoffstrombilanz auswirkt.

Untersuchungsmöglichkeiten

Abpacken von Gras aus Mischprobe in Plastiktüte
Um ein aussagekräftiges Ergebnis bei der Grassilageuntersuchung zu erhalten, ist die repräsentative Probenahme am Silo die Grundlage. Im Futtermittellabor können Grassilagen auf verschiedene Parameter untersucht werden. Basis für die Futterbewertung und die Rationsberechnung sind die Rohnährstoffe und die daraus abgeleiteten Werte wie NEL, nXP etc. Die Bestimmung kann dabei mit verschiedenen Untersuchungsmöglichkeiten erfolgen. Die gängigste Schnellanalysemethode zur Analyse der Rohnährstoffe ist die Nahinfrarotspektroskopie (NIRS). Die Bestimmung der Mineralstoffe, der gebildeten Gärsäuren, des pH-Werts und des Ammoniaks in der Silage erfolgt jeweils mit unterschiedlichen Untersuchungsmethoden in getrennten Arbeitsschritten.

Tipps zur Probennahme

  • Probenahme vorausschauend planen, denn die Silage muss durchsiliert sein (mindestens 6 Wochen geschlossen), sollte aber vor dem Öffnen beprobt werden, um von Anfang an eine passende Ration füttern zu können.
  • Bei Sandwichsilage, sofern eine getrennte Entnahme zu Fütterung möglich wäre: verschiedene Futter getrennt beproben und getrennt in das Labor schicken
    • die Analyse wird genauer
    • anhand Ergebnis entscheiden, welches Futter für welche Tiergruppe besser geeignet ist
  • alle Futterschichten eines Futtermittels mehrfach beproben
    • an verschiedenen Stellen des Anschnitts oder
    • per Bohrstock an repräsentativer/n Stelle(n)
  • Bei Probenahme am Anschnitt:
    • Vom Anschnitt so viel entfernen, bis die Original-Trockenmasse des Silos zum Vorschein kommt, um Einfluss von Regenwasser, Sonne und zeitlichen Abstand zur letzten Futterentnahme so ge-ring wie möglich zu halten
  • Bei Probenahme mit Bohrstock:
    • ggf. Entnahmestelle mit Getreideschrot oder Viehsalz füllen
    • Entnahmestelle gut verkleben
  • Was wurde beprobt? Genaue Angaben für das Labor
    • Wiesengras ≠ Grassilage ≠ Kleegrassilage
    • Eine Klee(Luzerne-)grassilage liegt nur dann vor, wenn mindestens 50 % Klee (Luzerne) enthal-ten sind
    • Welche(r) Schnitt(e)? Bemerkungsfelder nutzen
    • Sind andere Futtermittel enthalten z.B. Luzerne, Biertreber, Viehsalz, …?

Was bedeuten die einzelnen Parameter?

Trockenmasse (TM)
Die in der Silage bestimmte Trockenmasse zeigt, ob der erreichte Wert im gewünschten Bereich von 300-400 g/kg liegt oder davon deutlich abweicht. Außerdem ist die korrekte Einschätzung für die Rationsgestaltung unverzichtbar. Entscheidend für die Aussagekraft dieses Parameters ist die richtige Probenahme, die die verschiedenen Feuchtegehalte im Silo widerspiegeln muss und nicht nur einen trockenen oder nässeren Teil. Bei der Beispielsilage in Tabelle 2 liegt der TM-Gehalt mit 398 g/kg TM im höheren Bereich. Gerade bei trockeneren Silagen sollte der ebenfalls analysierte Zuckergehalt mitbetrachtet werden, da die Kombination trockene Silage (erleichterter Sauerstoffeintritt) mit hohen Restzuckermengen (Nahrung für Hefen) Nacherwärmungsprobleme am Anschnitt fördern kann.
Rohasche (XA)
Die in der Silage enthaltene Rohasche setzt sich aus Mineralstoffverbindungen und Verschmutzung zusammen. Gehalte die über dem Orientierungswert von 90 g/kg TM liegen, deuten auf einen höhe-ren Schmutzanteil in der Silage hin. In Tabelle 1 und 2 ist zu erkennen, dass gerade in diesem Jahr durch die feuchteren Bodenverhältnisse die Rohaschegehalte in den 1.Schnitten vielfach deutlich erhöht sind. Das größte Problem bei der Verschmutzung ist, dass dadurch das Risiko steigt bodenbürtige Clostridien mit ins Futter zu bringen. Clostridien können im Silierprozess unerwünschte Buttersäure („muffiger Geruch“) bilden und das wertvolle im Siliergut enthaltene Eiweiß abbauen.
Rohprotein (XP)
Grassilagen liefern wesentliche Mengen an Eiweiß. Je mehr Rohprotein über die Grobfutterkomponenten in die Ration kommt, umso weniger muss über Eiweißkraftfuttermittel ergänzt werden. Der Rohproteingehalt in der Silage wird durch mehrere Faktoren beeinflusst wie Gras- und Leguminosenanteil, Düngung, Witterung und Schnittzeitpunkt. Mit zunehmendem Alterungsprozess der Gräser sinkt der Rohproteingehalt in der Pflanze ab. Der Gehalt sollte in Grassilagen vom 1. Schnitt bei über 160 g/kg TM liegen. Nur wenn der tatsächliche Rohproteingehalt der Silage bekannt ist, kann auch z.B. durch Anpassung der Kraftfuttermenge und -art darauf reagiert werden. Bei der Analyse der Beispielsilage ergab sich ein sehr hoher Rohproteingehalt von 182 g/kg TM, wodurch Eiweißkraftfuttermittel in der Ration eingespart werden können.
nXP und RNB
Die Kuh hat keinen Bedarf an Rohprotein. Maßgebend sind das nutzbare Rohprotein (nXP) am Darm zur Bildung von Milcheiweiß und die N-Verfügbarkeit im Vormagen zur Bildung von Mikrobenprotein. Die Parameter nutzbares Rohprotein (nXP) und ruminale Stickstoffbilanz (RNB) sind berechnete Werte. Da die Menge an gebildeten Mikrobenprotein von Energie und Rohprotein abhängig ist, berechnet sich das nXP aus Energie, Rohprotein und dem im Pansen nicht abgebauten Protein (UDP). Für UDP wurden futtermittelspezifische feste Werte festgelegt.
Die ruminale Stickstoffbilanz (RNB) spiegelt die Stickstoffversorgung der Pansenmikroben wider und berechnet sich aus dem Verhältnis des Stickstoffs (N), der im Rohprotein und im nutzbaren Rohprotein (nXP) enthalten ist.
Zucker (XZ)
Der Gehalt an Zucker in einer Grassilage zeigt zunächst, ob dieser für die Silierung ausreichend zur Verfügung stand. Ist die Restzuckermenge hoch (> 60 g/kg TM), kann dies auf eine hohe Zuckerbildung durch starke Sonneneinstrahlung und gleichzeitig kühle Nächte zurückzuführen sein, wodurch weniger Zucker in Gerüstsubstanzen umgebaut wurde. Andererseits kann es aber auch ein Zeichen dafür sein, dass nur geringe Mengen an Zucker in Säuren umgebaut wurden. Vor allem in den Sommermonaten steigt bei derartigen Silagen die Gefahr der Nacherwärmung bei geöffnetem Zustand (siehe Beispielsilage: 143 g Zucker /kg TM). Daher sollte auf eine saubere Entnahme geachtet und ein Vorschub von mindestens zwei Metern pro Woche erreicht werden. Durch die Analyse des Zuckergehalts in der Silage kann bei der Rationszusammenstellung der Anteil an pansenabbaubaren Kohlenhydraten im Optimalbereich gehalten werden Dies verringert die Gefahr von Pansenazidosen.
Zusammensetzung der Struktur-KohlenhydrateZoombild vorhanden

Abb.: Zusammensetzung der Struktur-Kohlenhydrate

ADFom und aNDFom statt Rohfaser
Zur Beurteilung der Struktur (Zellwandbestandteile) wurde früher die Rohfaser herangezogen. Da diese jedoch nur Teile von Hemicellulosen, Cellulose und Lignin enthält (siehe Abbildung), werden heute zur Beurteilung von Grobfuttermitteln wie Silagen die genaueren Laborfraktionen ADFom bzw. NDFom betrachtet.
Die Abkürzung ADFom (Acid Detergent Fibre organic matter) bedeutet aschefreier Rückstand nach Behandlung mit sauren Lösungsmitteln und enthält die schwerverdauliche Cellulose und das unverdauliche Lignin vollständig. Der ADFom-Gehalt zeigt zunächst, ob der Schnittzeitpunkt bei der Silagegewinnung richtig gewählt wurde. Bei Grassilagen des 1. Schnitts sollte dieser unter 260 g/kg TM liegen. Höhere Gehalte deuten auf eine fortgeschrittene Alterung der Gräser hin, was den Energiegehalt der Silage senkt. In der Beispielsilage liegt der Gehalt bei 257 g/kg TM und damit im gewünschten Bereich. Dies spricht für die Wahl des richtigen Schnittzeitpunktes.
Die Abkürzung aNDFom (amylase Neutral Detergent Fibre organic matter) bedeutet aschefreier Rückstand nach Behandlung mit neutralen Lösungsmitteln und Amylase. Sie enthält - wie die ADFom - die schwerverdauliche Cellulose und das unverdauliche Lignin sowie zusätzlich die Fraktion der Hemicellulosen vollständig. Die Hemicellulosen sind leichter verdaulich aber ebenfalls Bestandteile der Zellwand und daher für die Beurteilung der Strukturwirksamkeit einer Futterration bedeutsam, da sie zusammen mit der Cellulose und dem Lignin Bestandteile der Schwimmschicht im Pansen sind. Der Strukturgehalt einer Wiederkäuer-Ration wird daher anhand des aNDFom-Gehaltes beurteilt.
ModHFT Inkubator

Hohenheimer Futterwerttest

Gasbildung (GB)
Die Gasbildung (GB) ist ein Indikator für die Verdaulichkeit der Grassilage und wird mit Hilfe von Pansensaft im Hohenheimer Futterwerttest (HFT) ermittelt. Je höher der Wert ist, umso verdaulicher ist die Grassilage. Einen Einfluss auf die Gasbildung und somit die Verdaulichkeit haben der Gehalt und die Zusammensetzung der ADFom (Gehalt an unverdaulichem Lignin) und an Zucker. An der Beispielsilage zeigt sich: Hohe Zuckergehalte wirken sich positiv auf die Gasbildung aus. Höhere ADFom-Gehalte senken die Verdaulichkeit, was sich ebenfalls in der Gasbildung widerspiegelt.
Energiegehalt
Der bei der Analyse aufgezeigte Energiegehalt wird nicht analytisch bestimmt, sondern durch die Verrechnung verschiedener Parameter geschätzt. Die verwendeten Gleichungen basieren auf Untersuchungen am Tier und sind wissenschaftlich abgeleitet. In die Energieschätzgleichung für Grassilagen fließen die Parameter Rohasche, Rohprotein, Rohfett, Gasbildung und ADFom ein. Die Gehalte an ADFom und Rohasche wirken sich negativ auf den Energiegehalt aus, d.h. je höher der ADFom- und Rohasche-Gehalt ist desto niedriger ist der Energiegehalt. Ziel sollte in Grassilagen vom 1. Schnitt ein Wert von mehr als 6,4 MJ NEL bzw. 10,6 MJ ME/ kg TM sein. In guten Rationsberechnungsprogrammen erfolgt die Berechnung der Energie aus den oben genannten Parametern automatisch. Daher ist es in der Rationsberechnung nicht sinnvoll, den Energiegehalt eines Futtermittels einzutippen, da sonst die beteiligten Parameter unkorrigiert bleiben und in sich nicht schlüssig sind.
Tabelle 2: Grassilagebefund vom 1.Schnitt 2021 untersucht auf den Gehalt an Rohnährstoffen, Gärparametern und Ammoniak-Stickstoff (Angaben pro kg TM)
 EinheitGrassilage 1.Schnitt 2021Orientierungswerte Grassilage 1.Schnitt
Rohnährstoffe
Trockenmasse g/kg FM398300-400
Rohasche (XA)g93< 90
Rohprotein (XP)g182> 160
Zucker (XZ)g14330-60
ADFomg257< 260
Gasbildung (GB)ml51,4≥ 49
Energiewerte
Umsb. Energie Wiederk. (ME)MJ10,9≥10,6
Netto-En. Lakt. (NEL)MJ6,6≥6,4
Proteinwerte
Nutzbares Protein (nXP)g147
Ruminale N-Bilanz (RNB)g6
Gärparameter
Milchsäureg16> 50
Essigsäureg120-30
Buttersäureg3<3
pH-Wert54,0-4,8
Weitere Parameter
Ammoniak-N an Gesamt-N%9<8

Teil 2: Gerechnet und auch wirklich gerne gefressen?

Bis jetzt wurden in der Beispielsilage nur die Rohnährstoffe betrachtet. Dabei kann abgeleitet werden, dass der Schnittzeitpunkt richtig gewählt wurde, hohe Rohprotein- und Energiegehalte vorliegen und in der Ration entsprechend Kraftfuttermengen ergänzt und somit Geld eingespart und Schwankungen in der Milchleistung verhindert werden können. Soweit so gut.
Allerdings geben die Inhaltsstoffe bis jetzt keinerlei Informationen darüber, ob die Silage und die daraus gemischte Ration gerne gefressen wird. Über die Schmackhaftigkeit geben erst die in der Silage gebildeten Gärsäuren Auskunft und können Ursachen aufzeigen, warum Silagen bzw. Rationen schlecht gefressen werden. Die Bestimmung der gebildeten Gärsäuren, der Mineralstoffe, des pH-Werts und des Ammoniaks in der Silage erfolgt jeweils mit unterschiedlichen Untersuchungsmethoden in getrennten Arbeitsschritten. Ist eine Untersuchung der Gärsäuren gewünscht, muss diese daher zusätzlich bei der Untersuchung der Silage beauftragt werden.

Gärsäuren und Ammoniak-Stickstoff

Milchsäure
Die Milchsäure ist die gewünschte Säure, die in der Silage enthalten sein soll, da sie das Futter schmackhaft macht und durch die schnelle und tiefe pH-Wert Absenkung Fehlgärungen durch Clostridien unterdrücken kann. Bei der sensorischen Beurteilung ist es nur schwer möglich den Gehalt an gebildeter Milchsäure zu riechen, da diese überwiegend geruchsneutral ist und daher nur analytisch genau bestimmt werden kann.
In der Beispielsilage wurden 16 g/kg TM gebildet, der Gehalt liegt damit deutlich unter dem angestrebten Bereich von über 50 g/kg TM. In Betracht der hohen Restzuckermengen wäre eigentlich für die Milchsäurebakterien ausreichend Zucker zur Milchsäurebildung vorhanden gewesen, der jedoch nicht umgesetzt wurde. Ursache hierfür kann sein, dass auf dem Siliergut zu wenig Milchsäurebakterien vorhanden waren. Umweltfaktoren wie Trockenheit, Starkregen oder Nachtfröste, welche die letzten Jahre besonders im Frühjahr vorlagen, können das Wachstum der Bakterien auf dem Gras stark hemmen. Dadurch können zum Schnittzeitpunkt zu wenig Milchsäurebakterien vorhanden sein. Infolge werden nur geringe Mengen an Milchsäure in der Silage gebildet, die nicht ausreichen, um Clostridien und deren Fehlgärungen zu unterdrücken. Durch den gezielten Einsatz von biologischen Siliermitteln, die Milchsäurebakterien beinhalten, kann dieses Risiko im Vorhinein minimiert werden. Denn das beste Siliergut kann nur eine gute schmackhafte Silage werden, wenn die Silierung richtig läuft.
Buttersäure
Ob eine Fehlgärung vorhanden ist, zeigt sich am Gehalt der Buttersäure, die von Clostridien aus dem enthaltenen Zucker gebildet wird. Problematisch ist, dass bereits nur geringe Mengen an gebildeter Buttersäure ausreichen, um die Schmackhaftigkeit und die Futteraufnahme deutlich zu senken. Verantwortlich hierfür sind der starke Energieverlust bei der Buttersäurebildung und der Proteinabbau. Sensorisch ist Buttersäure zwar wahrnehmbar („muffig, modriger Geruch“). Bei geringen Gehalten und kalter Umgebung ist dies jedoch schwer. Eine gut vergorene Silage sollte frei von Buttersäure sein, ab 3 g/kg TM enthaltener Buttersäure, gilt der Gehalt als deutlich erhöht. Die Bildung von Buttersäure kann nur durch eine ausreichende Milchsäurebildung verhindert werden. Wie in der Beispielsilage zu sehen ist, reichten die geringen gebildeten Mengen an Milchsäure nicht aus, um eine Fehlgärung zu unterdrücken.
Ammoniak-Stickstoff
Neben der Buttersäurebildung bauen Clostridien das im Siliergut enthaltene Protein teils bis zum Ammoniak ab. Dadurch verschlechtert sich die Proteinqualität, da Ammoniak nur in begrenzten Mengen für die Kuh im Pansen verwertbar ist und der Anteil an unabgebautem Rohprotein (UDP) sinkt. Zusätzlich entstehen in diesem Abbauprozess weitere Stoffe, wie z.B. biogene Amine, die in Verdacht stehen die Futteraufnahme negativ zu beeinflussen. Das gebildete Ammoniak kann in der Silage untersucht werden und wird als Prozentanteil am Gesamtstickstoff angegeben. Werte ab 8% deuten auf einen erhöhten Eiweißabbau und Clostridienaktivität hin.
Essigsäure macht stabil
Die dritte relevante Säure ist die Essigsäure, die der Silage den säuerlichen Geruch verleiht. Diese Säure ist für die Stabilität der Silage wichtig, da die Essigsäure das Wachstum von Hefen und Schimmelpilzen in der Silage im geöffneten Zustand unterdrücken kann. Gewünscht ist dabei ein Gehalt von 20 - 30 g/kg TM, da bei diesen Mengen die Futteraufnahme nicht beeinflusst wird und der Stabilitätsschutz gegeben ist. In erster Linie wird die Essigsäure von heterofermentativen Milchsäurebakterien gebildet, allerdings frühestens vier Wochen nach Beginn der Silierung – auch deswegen Silos mindestens 6 Wochen zulassen! Extrem hohe Essigsäuregehalte (>30 g/kg TM) können bei sehr nassen oder spät abgedeckten Silagen durch Essigsäurebakterien gebildet werden, dadurch wird die Silage sehr stichig und ungern gefressen.

Stabilität im Auge behalten

Grassilagen mit hohen Restzuckermengen und geringen Milch- und Essigsäuregehalten (siehe Beispielsilage) können im geöffneten Zustand gerade in den warmen Sommermonaten und bei warm feuchter Witterung zur Nacherwärmung neigen. Um dieses Risiko zu minimieren, sollte auf eine saubere wenig auflockernde Entnahme am kompletten Anschnitt geachtet werden. Auch loses Material sollte nach der Entnahme nicht am Boden liegen gelassen werden, da sich gerade dieses Material sehr schnell erwärmen kann. Neben der Entnahme muss auf einen ausreichenden Vorschub pro Woche geachtet werden. In den Sommermonaten sollte dieser mindestens 2 Meter pro Woche betragen. Als zusätzlichen Schutz vor Erwärmung der gemischten Ration am Futtertisch können beim Mischen in den Futtermischwagen TMR-Stabilisatoren zu gegeben werden. Diese können das Wachstum von Hefen und Schimmelpilzen unterdrücken und verhindern dadurch eine Erwärmung des Futters.

pH-Wert als Säureindikator

Neben den einzelnen gebildeten Gärsäuren kann der pH-Wert der Silage bestimmt werden. Bei Grassilagen liegt der gewünschte pH-Bereich zwischen 4,8 und 4,0. Je nässer eine Grassilage ist, umso niedriger sollte der pH-Wert sein, damit die Aktivität der Clostridien ruhiggestellt wird. Bei trockeneren Silagen liegt der pH-Wert höher aufgrund des im Siliergut fehlenden verfügbaren Wassers und der dadurch geringeren Säurebildung. PH-Werte, die außerhalb des genannten Bereichs liegen, deuten auf eine mangelhafte Milchsäurebildung bzw. Fehlgärung hin. Milchsäure ist die einzige Säure die den pH-Wert in der Silage schnell und ausreichend tief senken kann. Wird in der Silierung unerwünschte Buttersäure und Ammoniak gebildet, heben diese den pH-Wert wieder nach oben. Die Beispielsilage weist einen pH-Wert von 5 auf und liegt damit außerhalb des gewünschten pH-Bereichs. Ursache hierfür ist zum einen die geringe Menge an gebildeter Milchsäure, die enthaltene Buttersäure und das gebildete Ammoniak.

Mineralstoffe untersuchen lassen

Auch die Mineralstoffgehalte der bayerischen untersuchten Grassilagen werden regelmäßig ausgewertet und im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt sowie auf der LfL-Homepage veröffentlicht. Die Mittelwerte der einzelnen Mengen- und Spurenelemente schwanken über alle Proben von Jahr zu Jahr mal mehr mal weniger. Jedoch ist die Spannbreite zwischen den einzelnen Proben enorm hoch, da Einflussfaktoren wie Pflanzenbestandszusammensetzung, Düngung und Witterung auf jedem Betrieb anders zusammenspielen. Aus der Mineralstoffanalyse können daher auch wichtige Rückschlüsse auf den Ernährungszustand der Pflanze gezogen werden.

Futtermittel Rind

Kationen-Anionen-Bilanz (DCAB) bei Trockenstehern und Laktierenden
In die Berechnung der DCAB gehen Natrium und Kalium mit positivem Vorzeichen, Chlor und Schwefel mit negativem Vorzeichen ein. Sofern diese Mineralstoffe untersucht wurden, sollte somit auch die DCAB auf dem Befund ausgewiesen werden. In Trockensteherrationen kann anhand der DCAB das Milchfieber-Gefährdungspotential beurteilt, bei Bedarf der Blut-pH-Wert innerhalb der physiologischen Grenzen gezielt abgesenkt und dadurch die Freisetzung von Kalzium aus dem Ske-lett angeregt werden. Eine DCAB-Berechnung ohne vorhergehende Untersuchung der hofeigenen Futtermittel hat jedoch keine Aussagekraft, da die Natrium-, Kalium-, Clor- und Schwefel-Gehalte in Grobfuttermitteln wie Grassilage stark schwanken können. Für die Milchfieberprophylaxe ist drei Wochen vor der Kalbung eine möglichst niedrige DCAB von maximal 100 bis 200 meq/kg anzustreben. Grassilagen von intensiv gedüngten Flächen haben häufig eine hohe DCAB, gleichzeitig enthalten Trockensteherrationen häufig hohe Grassilageanteile. Beides erhöht das Risiko für Milchfieber. Bei Bedarf kann die DCAB solcher Rationen z.B. mit Hilfe von Mais, Stroh, Rapsextraktionsschrot oder sauren (anionischen) Salzen gesenkt werden.
Aber auch bei den Laktierenden ist die DCAB der Futterration wichtig. Hier sollte sie jedoch mindestens 150 meq/kg betragen, denn zu niedrige Gehalte wirken azidotisch (säuernd) und können Futteraufnahme und Milchleistung senken. Probleme können also bei den Laktierenden bei zu niedriger DCAB auftreten, bei Trockenstehern dagegen bei zu hoher DCAB.
2 Jungrinder auf Weide beim Belecken eines Minerallecksteins
Welches Mineralfutter?
Hauptziel der Mineralstoffuntersuchung sollte es sein, das für den eigenen Betrieb passende Mineral-futter auswählen zu können. Dafür werden die Mineralstoffgehalte der Haupt-Rationskomponenten und eine Rationsberechnung mit diesen Werten benötigt. Ein optimal zusammengesetztes Mineral-futter vermeidet sowohl Unter- als auch Überversorgung und kann in beiden Fällen Kosten einsparen. Zudem wirkt sich ein Mineralfutter, das eine Überversorgung an Phosphor vermeidet, positiv auf die Stoffstrombilanz aus. Bei den Vitaminen empfiehlt sich dagegen eine Standardergänzung über das Mineralfutter, da der Gehalt in Silagen nicht vorausgeschätzt werden kann. Ursachen hierfür sind z.B. unterschiedliche Gehalte im Ausgangsmaterial und ein unterschiedlich starker Abbau je nach Silierverlauf. Hinzu kommt, dass der Vitamingehalt mit zunehmender Lagerdauer abnimmt.