Aufwuchsverlauf von Grünlandbeständen in Bayern 2021

Grashäcksler und Traktor mit Anhänger bei der Ernte

Bayernweite Aufwuchsuntersuchungen zum 1. Schnitt im Grünland

Die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe und der Mengenertrag der Futterpflanzen ändert sich während des Wachstums. Diese Veränderungen bestimmen den Futterwert, der je nach Zeitpunkt des Schnittes erheblichen Schwankungen unterliegt. Eine gute Kenntnis über den Verlauf des Gehaltes an wertbestimmenden Inhaltsstoffen ist für die Gewinnung von hochwertigem Grobfutter deshalb sehr wichtig. Hier soll die Aufwuchsuntersuchung von Grünlandbeständen der LfL auch in diesem Jahr wieder Hilfestellung leisten.

KarteZoombild vorhanden

Karte der Agrargebiete Bayern

Dabei werden wöchentlich Proben von bayernweit verteilten Standorten gewonnen und am LfL-Labor in Grub auf den Gehalt an Rohnährstoffen untersucht. Aus der Entwicklung der Grünlandaufwüchse werden jährlich Empfehlungen zum Schnittzeitpunkt abgeleitet. Dafür werden die Regionen Bayerns nach klimatischen und geografischen Gegebenheiten in sechs Agrargebiete zusammengefasst (siehe Karte). In den entsprechenden Ergebnisdiagrammen werden die Gehalte an Rohprotein (XP), Säure-Detergentien-Faser (ADFom) sowie die Energiekonzentration (MJ NEL) und der Ertrag in dt TM/ha über die Kalenderwochen 16 bis 20 hinweg dargestellt.

Grünlandmonitorings zum 1. Schnitt – das Wetter macht es spannend

Beim Blick in den Kalender wird der eine oder andere Landwirt langsam, aber sicher etwas nervös, denn es ist Mitte Mai und der 1. Schnitt ist in den allermeisten Regionen Bayerns nicht im Silo. Definitiv eine andere Situation als man es von den letzten Jahren gewohnt war. Aus Sicht der Entwicklung der Wiesengrasbestände besteht aber noch kein Grund zur Panik.

Wachstumsschub

Durch die Niederschläge und kurzeitig warmen, fast schon „sommerlichen“ Temperaturen des letzten Wochenendes konnten die Wiesenbestände jetzt deutlich an Masse zuzulegen. Besonders in den Regionen, wo es bis letzte Woche immer noch Nächte mit Minusgraden gab. Das zeigen auch die Zunahmen der hochgerechneten Trockenmasseerträge in den einzelnen Agrargebieten. Im Mittel sind diese um 7 dt TM/ha seit der letzten Probenahme angestiegen. Dies sind 100 kg TM je ha und Tag.

Besonderheit „Ostbayerisches Mittelgebirge Nord“

Vor allem im nördlichen Teil des Agrargebietes „Ostbayerisches Mittelgebirge Nord“ zeigen sich immer noch die Auswirkungen der langanhaltenden kühlen Witterung. Durch das jetzt einsetzende Graswachstum können erst seit dieser Woche an allen Standorten Probeschnitte abgemäht werden. Dass die Bestände dort erst jetzt zu wachsen beginnen, zeigen die noch hohen Eiweißgehalte (200 g/kg TM) von den bis jetzt beprobten Standorten.

Verholzung steigt zügig an

Durch das Wachstum sind die ADFom-Gehalte und damit die Fasergehalte in allen sechs Agrargebieten trotz kühler und feuchter Witterung deutlich angestiegen. Mit Ausnahme des Agrargebiets „Ostbayerische Mittelgebirge Nord“ liegen die ADFom-Gehalte jetzt im Mittel bei 241 g/kg TM. Dadurch sind die Gehalte an Energie im Aufwuchs auf durchschnittlich 6,6 MJ NEL/kg TM abgesunken. Somit ist die Silierreife in diesen Gebieten erreicht und die nächste Schönwetterperiode sollte zum Mähen genutzt werden. Jedoch ist in diesem Jahr zu beachten, dass besonders im Agrargebiet Alpenvorland starke regionale Schwankungen in der Bestandsentwicklung vorherrschen. Besonders die Grasbestände in den höheren Lagen sind noch nicht in der Entwicklung so weit vorangeschritten wie im „restlichen“ Gebiet. Daher ist es besonders wichtig auch seine eigenen Bestände zu kontrollieren.

Gute Qualität ins Silo bringen

Neben dem optimalen Schnittzeitpunkt ist auch der Weg von der Wiese ins Silo sehr entscheidend für die Silagequalität. Beim Mähen sollte unbedingt auf eine ausreichende Schnitthöhe von mindestens 7 cm geachtet werden, besonders wenn durch die Niederschläge die Böden noch feucht sind. Bei zu geringer Schnitthöhe steigt die Gefahr mehr Verschmutzung in das Futter zu bringen und das Futter trocknet langsamer ab. Mit dem Schmutz eingebrachte Clostridien können in der Silage Fehlgärungen, wie Buttersäurebildung, verursachen und wertvolles im Siliergut enthaltenes Eiweiß abbauen.

Fütterung frühzeitig planen

Traktor mit 2 Mährwerken beim Mähen einer WieseZoombild vorhanden

Bild: S. Rauch

Die erste kurze Schönwetterperiode nutzten bereits einige Landwirte, vor allem in den Gunstlagen der Agrargebiete Alpenvorland, Voralpines Hügelland und Tertiärhügelland, um den ersten Schnitt zu silieren. Wie an den Inhaltsstoffen zu erkennen ist, sind die frühen ersten Schnitte dieses Jahr richtige „Powersilagen“. Anhand der Eiweißgehalte (166 g/kg TM) und den noch verhältnismäßig geringen Fasergehalten (im Schnitt 241 g ADFomom/kg TM) liegt die Energie im Frischgras mit im Schnitt 6,6 MJ NEL/kg TM auf einem hohen Niveau. Bei guter Silierung sind dann 6,4 MJ NEL/kg TM in der Silage zu erwarten. Dies muss bei der Rationsplanung entsprechend frühzeitig berücksichtigt werden, um eine ausgewogene bedarfsgerechte Fütterung sicherzustellen. Zum einen bietet es sich an, solche energie- und proteinreichen Silagen mit einem strukturreicheren Schnitt zu mischen, nach dem Prinzip „was der eine zu wenig hat, hat der andere zu viel“. Zum anderen könnte man dies bereits im Silo mit einem „Sandwich“-System angelegen: Auf den energie- und proteinreichen 1. Schnitt wird zum Beispiel ein strukturreicher 3. Schnitt oben drauf siliert. Der Vorteil bei Sandwichsilagen ist zudem, dass nur ein Silo offen ist und dadurch der Vorschub am Silo erhöht werden kann und eine gleichbleibende Fütterung mit konstanten Rationskomponenten lange möglich ist.