Einsatzumfang von Glyphosat

Die Entwicklung des Einsatzes von Glyphosat ist einzigartig und mit keinem anderen Herbizid oder Pflanzenschutzmittel vergleichbar. Seit dem Einführungsjahr 1974 hat sich die weltweite jährliche Einsatzmenge etwa um den Faktor 265 erhöht. Bei einem jährlichen Absatz von ca. 770 Tausend Tonnen im Bereich der Landwirtschaft kann rechnerisch jeder zehnte Hektar Ackerland mit einer durchschnittlichen Glyphosataufwandmenge behandelt werden.

International

Liniendiagramm

Entwicklung des weltweiten Verbrauchs von Glyphosat, Quelle: C.M. Benbrook, 2016

Bergdiagramm

Entwicklung des weltweiten Verbrauchs von Glyphosat in herbizidresistenten Kulturen, Quelle: C.M. Benbrook, 2016

Weltweit liegt die Einsatzquote von Glyphosat in der Landwirtschaft bei etwa 90 % der gesamten Verbrauchsmenge. In der Landwirtschaft wird etwa 50 - 60 % der Glyphosatmenge in Glyphosat-resistenten Kulturen verwendet. Die ausschlaggebenden Faktoren für den weiterhin zunehmenden Einsatz von Glyphosat sind der zunehmende Anbau von Roundup-Ready®-Kulturen und Anbauverfahren mit stark reduzierter Bodenbearbeitung bis hin zu reinen Direktsaatanbau. Häufig handelt es sich auch um eine Kombination beider Faktoren, wie etwa im Ackerbau von Nord-, Südamerika und Australien. Die Gründe für den zunehmenden Einsatz sind sowohl ökonomischer als auch ökologischer Natur (z.B. Bodenschutz, Wasserverbrauch).

Europa

Der Anteil am weltweiten Verbrauch beträgt für Europa nur 4 % bzw. rund 35 Tausend Tonnen pro Jahr. Da der Anteil der weltweit landwirtschaftlich genutzten Fläche in Europa ca. 3,7 % beträgt, liegt der Glyphosat-Verbrauch in Europa auf dem Niveau des weltweiten Durchschnittsverbrauchs, obwohl in Europa Glyphosat-resistente Kulturen keine Rolle spielen. Der Hauptkonsum findet in Ländern Südeuropas im Obst- und Gemüsebau statt. Die Länder Spanien, Italien und Frankreich haben im Vergleich zu Deutschland oder Großbritannien einen doppelt bis fünffach höheren Verbrauch an Glyphosat. Die Anwendung erfolgt in Europa zum Großteil im Obst-, Gemüse- und Weinbau (ca. 40 %), gefolgt von Getreidebau (ca. 20 %). Weitere Ackerbaukulturen wie Raps, Sonnenblumen und Sojabohnen haben einen gleichwertigen Einsatzanteil von rund 5 %. Die Anwendung von Glyphosat in Maisanbau ist in Europa trotz des beträchtlichen Anbauumfangs mit ca. 2,5 % vergleichsweise gering.

Deutschland

Entwicklung des Glyphosat-Absatzes in Deutschland

Entwicklung des Glyphosat-Absatzes in Deutschland, Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, 2020

Säulendiagramm

Glyphosat-Anwendungsumfang in wichtigen Ackerbaukulturen in Deutschland, Quelle: A. Wiese, et al., 2016

2008 wurde ein Spitzenabsatz von jährlich 7.600 t Wirkstoff erreicht. Seither ist eine Trendwende erkennbar. Die Absatzmenge von 3.447 t/J. in 2018 liegt auf dem Niveau von 2001. In Deutschland dominiert im Gegensatz zu dem durchschnittlichen europäischen Verhältnis der Einsatz im Ackerbau (ca. 70 %) im Vergleich zum Obst-, Gemüse- und Weinbau (ca. 20 %). Nach einer umfangreichen Betriebserhebung aus 2014/15 im deutschen Ackerbau erfolgt der Einsatz von Glyphosat vorwiegend als Stoppelanwendung nach der Ernte (ca. 60 % Anteil der Anwendungen) gegenüber dem Einsatz zur Saat der Folgekultur (ca. 35 %). Die Vorerntebehandlung, primär im Getreidebau, ist dagegen absolut nachrangig (ca. 6 %). In der Summe lag die Einsatzintensität im Durchschnitt bei 37 % der Ackerfläche in Deutschland. Im Verhältnis der Ackerkulturen dominiert bei der Stoppelbehandlung der Einsatz nach Winterraps, bei der Vorsaatbehandlung die Anwendung zu Zuckerrüben und Mais und bei der Vorerntebehandlung der Einsatz in Wintergerste. Eine Analyse auf Betriebsebene zeigt, dass der Glyphosateinsatz von Verfahren der konservierenden Bodenbearbeitung bestimmt wird. Neben den Boden- und Erosionsschutz sind ein Herbizidresistenzmanagement und eine möglichst effiziente Betriebsorganisation (AK/ha) Faktoren für den Glyphosateinsatz in größeren Betrieben.

Bayern

SäulendiagrammZoombild vorhanden

Glyphosat-Anwendungsgebiete und -Anwendungsumfang in der bayerischen Landwirtschaft

Für den Glyphosat-Einsatz in Bayern gibt es keine offizielle Statistik. Die Anwendung kann allerdings aus Erfahrungen der Beratungspraxis weitgehend sicher abgeleitet werde. Hiernach liegt der Anwendungsschwerpunkt bei der Stoppel-/Nacherntebehandlung mit ca. 140.000 ha nach Getreide und Raps, sowie der Vorsaat-/Vorauflaufanwendung mit ca. 80.000 ha zu Getreide und Mais. Die Anwendungen im Nachernte-/Vorsaatverfahren im Feldgemüseanbau, die Einzelpflanzenbehandlung und die Narbenabtötung zur umbruchlosen Grünlanderneuerung, die Sikkation, der Einsatz zum Acker-Fuchsschwanz Resistenzmanagement sowie zur Rekultivierung sind mit jeweils ca. 2 – 6 Tausend Hektar relativ unbedeutend. Spezielle Anwendungen wie die Sikkation und die Narbenabtötung zur Grünlanderneuerung gehen aufgrund der aktuellen öffentlichen Diskussion und den Regelungen auf Handelsebene massiv zurück.
Mit einem Einsatzumfang von ca. 240 Tausend Hektar und einem Verbrauch von 350 Tonnen/Jahr liegt die Anwendungsquote in Bayern bei etwa 11 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche (Bundesdurchschnitt: 38 % LF). Bei einen Anteil von 6 % an der deutschen Glyphosat-Verbrauchsmenge auf anteilig 20 % der LF liegt in Bayern die Einsatzintensität bei etwa 30 % im Vergleich zum durchschnittlichen Einsatz von Glyphosat in Deutschland.