Pilzkrankheiten in Wintergerste – Monitoring
Aktuelle Hinweise vom 16.04.2026
Der April zeigt sich bislang eher von seiner wechselhaften Seite. Verbreitet leichter Regen, lokal auch kurze, kräftigere Schauer, dazu moderate Temperaturen, die zum Wochenende hin auch wieder Richtung 20 Grad-Marke und darüber ansteigen sollen. Nachtfröste, wie sie bayernweit noch bis Donnerstag nach Ostern auftraten, in Oberfranken und Teilen der Oberpfalz auch noch letzten Samstag, sind dagegen bis Ende nächster Woche nicht mehr zu erwarten. Insgesamt bleibt es damit vielerorts anhaltend trocken. So brachte der April, im Mittel der Wetterstationen des LfL-Messnetzes, bis Mitte dieser Woche erst knappe 11 mm Regen, wobei es in allen Regionen Bayerns einzelne Stationen gibt, wo es mit 15 mm oder geringfügig mehr auch etwas feuchter war. Die Kombination von Feuchte und Wärme wird in jedem Fall die bislang gebremste Entwicklung vieler dunkelgrüner Wintergetreidebestände nun spürbar in Gang bringen. Ob letzteres auch für die Krankheiten zutrifft, hängt neben den lokal sehr unterschiedlichen Regenmengen, unter anderem davon ab, ob überhaupt genügend Ausgangsbefall im Bestand vorkommt oder ob für Rost- und Mehltaupilze ausreichender Sporenzuflug stattfindet.
Gegenüber der Vorwoche haben sich die Wintergersten nur langsam weiterentwickelt. Einzelne Bestände standen am Montag noch am Schossbeginn (BBCH 30), die meisten standen im 1-Knotenstadium (BBCH 31), mit einem ersten Knoten, der mehr als einen Zentimeter vom Bestockungsknoten abgehoben ist, gut jeder zehnte Monitoringschlag hatten bereits das 2-Knotenstadium (BBCH 32) erreicht, dann wenn bereits der zweite Knoten um mehr als zwei Zentimeter vom Knoten darunter entfernt ist.
Die Befallsdaten belegen weiterhin meist sehr gesunde Bestände, mit nur wenigen Krankheitssymptomen, in der Regel noch weit entfernt von den Bekämpfungsschwellen. Ab BBCH 31 wird das später drittoberste, ertragsrelevante Blatt (F-2) geschoben. Nach Krankheiten werden die beiden Blattetagen darunter kontrolliert, F-3 und F-4, nach Zwergrost der gesamte Haupttrieb. Die Bekämpfungsschwellen sind erreicht, sobald jede fünfte Pflanze hier Befall mit Netzflecken aufweist, jede zweite mit Mehltau oder Rhynchosporium-Blattflecken, oder drei von zehn Haupttrieben ersten Zwergrost-Befall zeigen.
Auf lediglich zwei der 59 Schläge, in den Landkreisen Amberg-Sulzbach und Kitzingen, war die Schwelle für Netzflecken überschritten. Mit den Sorten Kiss und SY Baracooda standen jeweils nur mittel-resistente Sorten im Anbau. In einem Fall war, nach der Vorfrucht Wintergerste, zusätzlich das Risiko über die Fruchtfolgestellung erhöht. In einem weiteren Schlag, im Landkreis Haßberge, überschritt der Mehltau die Schwelle, hier bei der Sorte Avantasia.
Wie in vielen zurückliegenden Jahren sollte bei den Kontrollen auch heuer wieder genau hingesehen werden: Neben typischen Krankheitssymptomen lassen sich, bedingt durch die Nachtfröste in den letzten beiden Wochen, sowie die teils sehr großen Tag-/Nacht-Temperaturunterschiede, erneut unspezifische, rein abiotische Stressflecken auf den Blättern finden. Meist sind dies chlorotische Blattspitzen oder -flecken, denen jegliche pilzliche Struktur fehlt. Eine kleine Lupe kann hier für Sicherheit sorgen. Pilzbefall erkennt man an abwischbaren Pusteln (Mehltau, Rost), oder an typischen Verfärbungen, wie den relativ großen, wässrig graugrünen Flecken von Rhynchosporium, später mit dunklen Rändern oder für Netzflecken, an den kleinen, kräftig dunklen Infektionszentren, später teils auch streifigen Strukturen im Innern der Flecke und dem stets vorhandenen hellen, chlorotischen Hof drumherum. So lassen sich im Zweifelsfall unnötige Behandlungen vermeiden, denn gegen reine Stressflecken haben Fungizide keine Wirkung.
Lediglich in Ausnahmefällen, wo Befall über den Schwellen mit ausreichend Regen für Rhynchosporium oder mindestens drei Tagen mit Tageshöchsttemperaturen über 20°C für Netzflecken oder Zwergrost zusammentreffen, wird aktuell eine Behandlung in der Schossphase empfohlen. Dazu eignen sich, breit wirksam zum Beispiel (Aufwandmengen jeweils je ha) 0,8 l Input Classic (oder Cherokee Neo, Flexure, Hint), 0,8 l Input Triple, 1,5 l Delaro Forte, 0,6 l Verben, 1,25 l Xenial, ohne stärkeren Mehltau zum Beispiel auch 1,0 l Balaya, 0,5 kg Unix + 0,5 l Pecari 300 EC oder 150 bis 200 g Prothioconazol über eines der zahlreichen Prothioconazol-Solomittel, wie 0,6 bis 0,8 l Aurelia, Ecana, Tokyo oder Traciafin.
Ein pauschales Zumischen etwa von günstigen Prothioconazol-Solomittel zu einer Wachstumsreglermaßnahme, ohne Befall über den Schwellen, sollte unbedingt unterbleiben. Jedes Fungizid selektiert weniger anfällige Typen aus der Pilzpopulation und fördert so, ohne Not, den seit Jahren stattfindenden schleichenden Wirkungsverlust. Dies gilt insbesondere gegen den langjährig wichtigsten Schadpilz der Gerste, die späte Ramularia, die in der Regel ohne Symptome und ohne Schadwirkung bereits sehr früh in Gerstenbeständen vorkommt und sich etwa mit molekulargenetischen Methoden dort auch nachweisen lässt.
Für die überwiegende Zahl der Wintergersten, ohne Befall über einem Schwellenwert, besteht aktuell kein Handlungsbedarf. Hier kann getrost die weitere Entwicklung abgewartet werden.
Weitere Hinweise zu Strategien und Fungiziden finden Sie in den untenstehenden Informationen:
Prognose Wintergerstenkrankheiten (SIG)
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