Pilzkrankheiten in Winterweizen – Monitoring

Aktuelle Hinweise vom 07.06.2023:

Erste Schauer und Gewitter brachten am Montag, vor allem im Süden und Osten Bayerns, lokal bis zu 20 mm Niederschlag und beendeten dort die teils mehr als drei Wochen anhaltende Trockenphase. Weitere Regenschauer sind bis zum kommenden Wochenende bayernweit vorhergesagt. Allerdings bleibt bei den sehr kleinräumigen Schauern zu befürchten, dass viele Regionen auch weiterhin kaum oder gar keinen Regen erhalten werden. Dort wird sich, je nach Bodengüte, der Trockenstress in den Kulturen entsprechend verstärken. Wo allerdings nennenswerter Regen fiel, kann dagegen mit den anhaltend sommerlichen Temperaturen das späte Infektionsrisiko durch Schadpilze im Getreide nochmals deutlich ansteigen. Dies gilt es bei den letzten Maßnahmen zu beachten.
Winterweizen hatten zu Beginn der Woche die Ähren meist vollständig geschoben, erste Bestände standen am Blühbeginn (BBCH 61), frühe Lagen oder Sorten bereits in der Vollblüte (BBCH 65). Bis zum Ende der Blüte (BBCH 69), dem spätestmöglichen Einsatzzeitpunkt der Mehrzahl der Weizenfungizide, ist auch letztmals über eine mögliche Behandlung zu entscheiden. Neben der Sortenresistenz, den bisherigen Fungizidmaßnahmen und sichtbarem Befall, ist dabei vor allem die Regenmenge zu berücksichtigen. So sind für Neuinfektion durch die heuer dominierende Septoria-Blattdürre, die auf vielen unbehandelten Monitoringflächen mittlerweile deutlich auf F-1 zu finden ist, mindestens 5 bis 10 mm Regen und 36 Stunden Blattfeuchte nötig. Ein Regenschauer am Abend in Bestände, die durch Sonne und Wind am Folgetag schon wieder abtrocknen, reicht dazu nicht aus. Hinzukommt, dass Septoria-Infektionen nach der Blüte, wegen der relativ langsamen Entwicklung der Krankheit, kaum mehr eine Bedeutung auf die Erträge entfalten.
Anders dagegen bei den „schnellen“ Krankheiten: den Rosten, der DTR-Blattdürre und dem Mehltau. Diese können unter den aktuell vorherrschenden Bedingungen etwa alle sieben bis zwölf Tage eine neue Generation hervorbringen und so auch durch späten Befall Erträge in ungeschützten Beständen noch empfindlich mindern. Da alle Erreger zusätzlich mit wenig Wasser auskommen, Rosten sogar der Tau für neue Infektionen genügt, haben sie sich zuletzt auch ohne Regen, auf den unbehandelten Monitoringflächen weiter ausgebreitet. Gelbrost trat bislang in den Sorten Asory, Axioma, Campesino, Chevignon, Elixer, Foxx, KWS Emerick, KWS Keitum, KWS Imperium, Patras und RGT Reform auf, im Dinkel in den Sorten Badensonne und Hohenloher. Braunrost ist erst seit den deutlich wärmeren Temperaturen überhaupt zu finden, schwerpunktmäßig in Unterfranken, bislang in den Sorten Asory, Chevignon, Foxx, KWS Emerick, KWS Keitum, Patras und Spontan, sowie in der Dinkelsorte Badensonne. Die die Braunrostschwelle von 30 Prozent Befallshäufigkeit am Hauptrieb wurde jedoch bisher lediglich an zwei Standorten mit der Sorte Chevignon erreicht. Bei leichtem Regen oder Tau sind angesichts der anhaltend hohen Temperaturen die Bestände bis zum Ende der Blüte zu kontrollieren, auch für weitere anfälligere Sorten wie zum Beispiel KWS Donovan, LG Initial, Pep oder SU Mangold. Mehltau oder DTR-Blattdürre sind dagegen im Monitoring weiter kaum von Bedeutung. Bis auf den Gelbrost, der bei größeren Spritzabständen auch auf behandelten Flächen vereinzelt durchbricht, sollten diese Blattkrankheiten auf Praxisflächen, wo heuer eine oder zwei Maßnahmen gegen Septoria nötig waren, kaum zu finden sein.
Zur gezielten Fusarium-Bekämpfung eignen sich, bei Carboxamidmitteln in der Vorbehandlung, leistungsfähige Fusarium-Azolpräparate, wie 1,0 l Prosaro, 1,25 l Input Classic oder 1,0 l Caramba + 0,5 l Curbatur (Osiris MP), bei moderatem Fusariumrisiko auch 1,2 l Soleil, 1,0 l Magnello oder Regelaufwandmengen von Prothioconazol-Solomitteln, wie Abran, Aurelia, Tokyo oder Traciafin, sowie von Tebuconazol-Solomitteln, wie Fezan, Folicur, Orius oder Tebucur 250 EW. Wurde noch kein Carboxamid eingesetzt, können breitwirksam gegen Fusarium auch 1,0 l Elatus Era (+ 0,33 l Sympara), 1,0 l Siltra Xpro oder 1,25 l Skyway Xpro eingesetzt werden, sowie unabhängig von Carboxamiden in der Vorbehandlung, auch 2,0 l Univoq. Zu alleinigen Rostabsicherung lassen sich die Aufwandmengen leistungsfähiger Präparate und Mischungen um 20 bis 30 Prozent reduzieren oder kostengünstige Tebuconazol-Mittel oder Azol-Strobilurin-Kombinationen nutzen.
In Spritzfolgen sollten aus Gründen der Resistenzvermeidung Strobilurin-, Carboxamid und Picolinamid-Präparate jeweils nur einmal eingesetzt werden, sowie möglichst auf einen Wirkstoffwechsel innerhalb der Azole geachtet werden.
Ohne frischen Gelbrost, ohne Fusariumrisiko, für braunrostgesunde Sorten und dort, wo es bis zum Ende der Blüte trocken bleibt, kann eine abschließende Maßnahme auch ganz unterbleiben. Weitere Hinweise dazu finden Sie in den Fungizidstrategien, unten auf dieser Seite.
Mit dem Beginn der Blüte endet auch das Monitoring in Winterweizen.

Prognose Halmbruchkrankheit (SIMCERC)

Prognose Winterweizenkrankheit (SIG)