Qualitätsvorernteschätzung für Speisezwiebeln 2020

Zwiebeln

gelbe Zwiebeln

Zusammenfassung

Im Jahr 2020 ist in Bayern mit einem durchschnittlichen vermarktungsfähigen Zwiebelertrag von 511 dt/ha zu rechnen. Die Anbaufläche ist leicht angestiegen auf mittlerweile ca. 2.700 ha. Die Mängel sind mit einem Anteil von durchschnittlich 6,8 % relativ gering und weisen auf eine insgesamt gute Qualität hin. Beschädigungen und Fäulnis treten in einzelnen Regionen vermehrt auf. Die Größenverteilung tendiert zu einem hohen Anteil an Zwiebeln des Kalibers >70 mm. Nach einer guten Erntemenge im Vorjahr ist in 2020 mit niedrigeren Erträgen pro Hektar und somit unterdurchschnittlichen Zwiebelernte zu rechnen.

Ziel
In Bayern wurden im Jahr 2020 Speisezwiebeln auf rund 2.700 ha angebaut. In Gemüsebauregionen und in spezialisierten Betrieben ist die Zwiebelerzeugung ein wesentlicher Faktor in der betrieblichen Wertschöpfung. Das Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte führt in Zusammenarbeit mit dem Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern e.V. (LKP) und den Erzeugerringen jährlich eine Vorernteschätzung durch, damit gewinnen die Erzeuger frühzeitig einen Überblick über die zu erwartende Zwiebelmenge und Qualität. Zeitnah zur Ernte stellt sie ein Instrument für Erzeuger, Vermarkter und Verarbeiter dar, um relevante Informationen für die Planung der Vermarktung und der Preisfindung zu erhalten.
Hinweis: Die Erträge der Vorernteschätzung liegen meist 20 % über der tatsächlichen Erntemenge, da ertragsmindernde Faktoren, wie z.B. Feldränder oder Vorgewende nicht berücksichtigt werden. Zudem trocknen Zwiebeln nach der Ernte nochmals stark aus. Dieser Gewichtsverlust ist in den hier vorliegenden Analysen wegen zu großer Unsicherheiten nicht berücksichtigt.
Datenerhebung
In den Landkreisen mit der größten Zwiebelanbaufläche in Bayern, Deggendorf, Dingolfing-Landau, Regensburg und Straubing-Bogen, wurden auf insgesamt 20 Flächen Proben gezogen. Sie bilden die Grundlage der Datenerhebung für die Vorernteschätzung 2020. Es wurden Daten zur angebauten Sorte, dem Frischertrag sowie der Größensortierung erfasst. Zudem wurden weitere Standortparameter wie die Bodenart und die Nährstoffversorgung erhoben Zur Feststellung der Qualität erfolgte eine Bonitur der vorhandenen Mängel. Aus den gewonnenen Daten konnte der vermarktbare Ertrag berechnet werden.
Die Hochrechnung der verfügbaren Mengen basiert auf dem berechneten Marktertrag je ha und der bayerischen Zwiebelanbaufläche im Jahr 2020 (InVeKoS-Daten).
Ergebnisse
Einen Gesamtüberblick über die Ergebnisse der Vorernteschätzung 2020 gibt Tabelle 1.
Tabelle 1
  20202019Ø 2010 - 2020
Rohertrag frischdt/ha565579607
Mängel%6,87,67,9
Marktfähige Ware frischdt/ha511530546
     
Größensortierung    
< 40 mm%3,31,62,1
40 - 50 mm%7,09,09,1
50 - 60 mm%16,131,127,2
60 - 70 mm%34,542,333,9
> 70 mm%39,116,023,3
Abbildung 1:Übersicht über die QualitätsmängelZoombild vorhanden

Abbildung 1

Qualitätsschätzung
Die Qualität der Zwiebeln ist das entscheidende Kriterium für die Vermarktung. Zwiebeln mit äußeren oder inneren Mängeln können nicht oder nur schwer vermarktet werden. Insgesamt wiesen bei der Bonitur durchschnittlich 6,8 % vom Rohertrag der frischen Zwiebeln Mängel auf. Beschädigungen (2,8 %) und Fäulnis (2,2 %) stellten die häufigsten Mängel dar (Abbildung 1). In einzelnen Proben war der Beschädigungsgrad besonders hoch.
Abbildung 2: Rohertrag (frisch) und erwarteter Marktertrag im JahresvergleichZoombild vorhanden

Abbildung 2

Ertrag
Als mittlerer Rohertrag über alle gezogenen Proben wurden 565 dt/ha ermittelt. Der durchschnittliche vermarktungsfähige Ertrag von 511 dt/ha ergibt sich durch den Abzug der Gesamtmängel, sowie der nur schwer vermarktbaren kleinkalibrigen Zwiebeln (<40mm) (Abbildung 2). Dieser ist im Erntejahr doppelt so hoch als im Vorjahr.
Abbildung 3:Anteil der Größenkaliber am GesamtertragZoombild vorhanden

Abbildung 3

Größensortierung
Neben der Qualität stellt die Größensortierung einen entscheidenden Faktor für die Vermarktung von Zwiebeln dar. Kleine Kaliber finden meist nur schwer Abnehmer, zudem müssen häufig Abschläge im Preis hingenommen werden. Bei der Vorernteschätzung 2020 entfallen rund 50 % der Zwiebeln auf das vom Lebensmitteleinzelhandel bevorzugte Kaliber von 50-70 mm (Abbildung 3). Dies ist im Vergleich zu bisherigen Vorernteschätzungen ein niedriger Anteil. Dagegen ist der Anteil der Kaliber >70 mm überdurchschnittlich groß.
Zwiebelanbau in Bayern im Erntejahr
Gegenüber den letzten drei Jahren ist die Anbaufläche in Bayern geringfügig angestiegen, es werden ca. 2.700 ha Zwiebeln angebaut. Hauptanbaugebiete für Zwiebeln sind die niederbayerischen Ackerstandorte. Im nördlichen Oberbayern (DAH, FFB) und Mittelfranken (N, FU) befinden sich weitere kleinere Anbauverdichtungen.
Abbildung 4: Hochrechnung des erwarteten Ertrags nach GrößenkaliberZoombild vorhanden

Abbildung 4

Abschätzung der verfügbaren Menge
Ausgehend von der Anbaufläche in Bayern und der ermittelten vermarktbaren Frischware ergibt sich eine zu erwartende Erntemenge von etwa 145.000 t. Bei einer um 2,6 % größeren Anbaufläche bedeutet dies einen Minderertrag von ca. 2 % an der Gesamterntemenge (Abbildung 4).
Die Erntebedingungen beeinflussen die tatsächliche Erntemenge und Qualität wesentlich. Die Witterung spielt dabei eine maßgebliche Rolle. Langanhaltendes warmes Wetter mit Trockenheit, oder lange Regenperioden vor und bei der Ernte wirken sich auf Rodebedingungen und die Lagerfähigkeit aus. Einbußen in der Qualität und damit einhergehende Verluste können durch optimale Lagerbedingung minimiert werden. Natürliche Verdunstung und Austrocknung im Lager stellen einen weiteren schwer kalkulierbaren Faktor in der Ertragsschätzung dar.
Die Qualitätsvorernteschätzung wird im Rahmen der „Produktions- und Qualitätsoffensive“ von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und dem Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern e.V. (LKP) durchgeführt. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten finanziert.

Dr. Maria Linderer
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte (IEM)

Menzinger Str. 54
80638 München
Tel.: 08161/8640-1318
Fax: 08161/8640-1332
E-Mail: maria.linderer@lfl.bayern.de
Internet: Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte Externer Link