Qualitätsvorernteschätzung für Speisezwiebeln 2022

Zwiebeln

gelbe Zwiebeln

Zusammenfassung

Im Jahr 2022 ist in Bayern mit einem vermarktungsfähigen Zwiebelertrag von 538 dt/ha zu rechnen. Die Anbaufläche ist mit 2800 ha leicht rückläufig. Die Gesamtmängel liegen bei 10,2 %, die vorwiegend durch Schosser, Erdbesatz und Nacktschaligkeit verursacht werden. Gegenüber dem Vorjahr sind weniger (0,6%) der Zwiebel durch Fäulnis betroffen. Mit einem von Anteil 55 % in den Größenkalibern 50-70 mm ist auch heuer der größte vermarktungsfähige Anteil in diesem Segment zu finden, jedoch ist der Anteil der kleinen Zwiebel deutlich höher als in den Vorjahren. Die Ernte kann insgesamt als kleinfallend bezeichnet werden. Die lange Trockenheit und starke Hitze führten insgesamt zu einer geringeren Ernte als im Vorjahr.

Ziel

In Bayern wurden im Jahr 2022 Speisezwiebeln auf rund 2800 ha angebaut. In Gemüsebauregionen und in spezialisierten Betrieben ist die Zwiebelerzeugung ein wesentlicher Faktor in der betrieblichen Wertschöpfung. Das Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte führt in Zusammenarbeit mit dem Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern e.V. (LKP) und den Erzeugerringen jährlich eine Vorernteschätzung durch, damit gewinnen die Erzeuger frühzeitig einen Überblick über die zu erwartende Zwiebelmenge und Qualität. Zeitnah zur Ernte stellt sie ein Instrument für Erzeuger, Vermarkter und Verarbeiter dar, um relevante Informationen für die Planung der Vermarktung und der Preisfindung zu erhalten.
Hinweis: Die Erträge der Vorernteschätzung liegen meist 20 % über der tatsächlichen Erntemenge, da ertragsmindernde Faktoren, wie z.B. Feldränder oder Vorgewende nicht berücksichtigt werden. Zudem trocknen Zwiebeln nach der Ernte nochmals stark aus. Dieser Gewichtsverlust ist in den hier vorliegenden Analysen wegen zu großer Unsicherheiten nicht berücksichtigt.

Datenerhebung

In den Landkreisen mit der größten Zwiebelanbaufläche in Bayern, Deggendorf, Dingolfing-Landau, Regensburg und Straubing-Bogen, wurden auf insgesamt 27 Flächen Proben gezogen. Sie bilden die Grundlage der Datenerhebung für die Vorernteschätzung 2022. Es wurden Daten zur angebauten Sorte, dem Frischertrag sowie der Größensortierung erfasst. Zudem wurden weitere Standortparameter wie die Bodenart und die Nährstoffversorgung erhoben Zur Feststellung der Qualität erfolgte eine Bonitur der vorhandenen Mängel. Aus den gewonnenen Daten konnte der vermarktbare Ertrag berechnet werden.
Die Hochrechnung der verfügbaren Mengen basiert auf dem berechneten Marktertrag je ha und der bayerischen Zwiebelanbaufläche im Jahr 2022 (InVeKoS-Daten).

Ergebnisse

Einen Gesamtüberblick über die Ergebnisse der Vorernteschätzung 2022 gibt Tabelle 1.
Tabelle 1: Überblick über Ertrag und Größensortierung
20212022Ø 2018 - 2022
Rohertrag frischdt/ha733599583
Mängel%19,810,210,4
Marktfähige Ware frischdt/ha582538511
Größensortierung
< 40 mm%2,84,42,8
40 - 50 mm%14,016,911,8
50 - 60 mm%30,429,927,8
60 - 70 mm%33,024,933,5
> 70 mm%19,713,622,0

Qualitätsschätzung

Abbildung 1: Übersicht über die QualitätsmängelZoombild vorhanden

Abbildung 1

Die Qualität der Zwiebeln ist das entscheidende Kriterium für die Vermarktung. Zwiebeln mit äußeren oder inneren Mängeln können nicht oder nur schwer vermarktet werden. Insgesamt wiesen bei der Bonitur durchschnittlich 10,2 % vom Rohertrag der frischen Zwiebeln Mängel auf, die vorwiegend durch Schosser, Erdbesatz und Nacktschaligkeit verursacht werden. Gegenüber dem Vorjahr sind weniger (0,6%) der Zwiebel durch Fäulnis betroffen, was aber in der Lagerung zunehmend Probleme verursachen kann (Abbildung 1).

Ertrag

Abbildung 2: Rohertrag (frisch) und erwarteter Marktertrag im JahresvergleichZoombild vorhanden

Abbildung 2

Als mittlerer Rohertrag über alle gezogenen Proben wurden 599 dt/ha ermittelt. Der durchschnittliche vermarktungsfähige Ertrag von 538 dt/ha ergibt sich durch den Abzug der Gesamtmängel (Abbildung 2). Dieser ist im Erntejahr niedriger als im Vorjahr.

Größensortierung

Abbildung 3: Anteil der Größenkaliber am GesamtertragZoombild vorhanden

Abbildung 3

Neben der Qualität stellt die Größensortierung einen entscheidenden Faktor für die Vermarktung von Speisezwiebeln dar (vgl. Abbildung 3).
Bei der Vorernteschätzung 2022 entfallen rd. 55% der Zwiebeln auf die vom Lebensmitteleinzelhandel bevorzugten Kaliber von 50-70 mm. Der Summenanteil der beiden Kaliber ist im Vergleich zu den Vorernteschätzungen der letzten 5 Jahre um 6% geringer. Dagegen sind die Prozentanteile bei den kleineren Kaliber 40-50 mm deutlich größer und in der Fraktion > 70 mm deutlich kleiner als im Vorjahr und im Durchschnitt der letzten 5 Jahre.

Zwiebelanbau in Bayern im Erntejahr

Gegenüber dem letzten Jahr ist die Anbaufläche in Bayern um rd. 6 % gesunken, lag aber mit ca. 2.800 ha über der durchschnittlichen Anbaufläche der letzten fünf Jahre. Hauptanbaugebiete für Zwiebeln sind die niederbayerischen Ackerstandorte. Im nördlichen Oberbayern (DAH, FFB) und Mittelfranken (N, FU) befinden sich weitere kleinere Anbauverdichtungen.

Abschätzung der verfügbaren Menge

Abbildung 4: Hochrechnung des erwarteten Ertrags nach GrößenkaliberZoombild vorhanden

Abbildung 4

Ausgehend von der Anbaufläche in Bayern und der ermittelten vermarktbaren Frischware ergibt sich eine zu erwartende Erntemenge von 151.853 t. Bei einer um rd. 6 % kleineren Anbaufläche bedeutet dies eine um rd. 26 % geringere Gesamterntemenge gegenüber dem Vorjahr (Abbildung 4).
Insgesamt haben die lang andauernde Trockenheit und hohen Temperaturen dazu geführt, dass die Erntemenge von kleinfallenden Zwiebeln geprägt ist. Selbst Bewässerungsmaßnahmen konnten den Wassermangel nicht kompensieren. Einbußen in der Qualität und damit einhergehende Verluste können durch optimale Lagerbedingung minimiert werden. Natürliche Verdunstung und Austrocknung im Lager stellen einen weiteren schwer kalkulierbaren Faktor in der Ertragsschätzung dar. Heuer beeinträchtigen vor allem Schosser die Qualität der Zwiebeln, für die Lagerung ist besonders der Fäulnisanteil zu beobachten
Die Qualitätsvorernteschätzung wird im Rahmen der "Produktions- und Qualitätsoffensive" von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und dem Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern e.V. (LKP) durchgeführt. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten finanziert.

Dr. Maria Linderer
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte (IEM)

Menzinger Str. 54
80638 München
Tel.: 08161/8640-1318
Fax: 08161/8640-1332
E-Mail: maria.linderer@lfl.bayern.de