Qualitätsvorernteschätzung für Speise- und Veredelungskartoffeln 2022

Kartoffelernte

Zusammenfassung

Die Ergebnisse der Qualitätsvorernteschätzung lassen je nach Region durchschnittliche bis sehr unterdurchschnittliche Ernteerträge bei Speise- und Qualitätskartoffeln erwarten. Die Ertragsmenge wird durch die langandauernde Trockenheit und die vielen Hitzetage deutlich geschmälert. Die Gesamtmängel in Höhe von 3,8 % sind erfreulich gering. Für die Ernte 2022 können ca. 0,9 Mio. t Speise- und Veredelungskartoffeln erwartet werden. Hinsichtlich der Größensortierung zeigen sich die größten Mengen im Bereich der kleineren Kaliber.

Ziel

Im Bundesvergleich ist Bayern die zweitgrößte Anbauregion für Kartoffel. In den bayerischen Hauptanbaugebieten spielt die Kartoffel eine große Rolle für die Wertschöpfung in der Landwirtschaft und das Bestehen der Betriebe. Gute Kenntnisse über die aktuelle Marktsituation sind die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermarktung der Kartoffeln. Wesentliche Einflussfaktoren auf den Kartoffelmarkt sind die verfügbaren Mengen (Anbaufläche, Ertrag) und die zu erwartende Qualität. Die Vorernteschätzung soll einen Teil dieser Informationen zeitnah zur Ernte bereitstellen und für Erzeuger, Vermarkter und Verarbeiter eine neutrale und unabhängige Hilfe bei der Preisfindung sein.

Datenerhebung

Die Qualitätsvorernteschätzung der LfL liefert erste Hinweise zu Qualität und Ertrag der Jahresernte. Diese wird seit 14 Jahren durchgeführt und hat sich mittlerweile zu einer gefragten Informationsquelle entwickelt. Die diesjährige Schätzung basiert auf der Beprobung von 69 Kartoffelschlägen, davon 46 mit Speisekartoffeln und 23 mit Veredelungskartoffeln aus 29 Landkreisen. Probenahme und Bonitur fanden im August 2022 durch Mitarbeiter des LKP und der Erzeugerringe statt. Die Kartoffelknollen jeder Probe wurden gewogen, auf eventuell vorhandene Mängel bonitiert und die Größensortierung nach Kalibern festgestellt. Qualitativ unzulängliche Knollen wurden in Gänze erfasst. Bei der Einordnung der Ergebnisse ist zu beachten, dass die Erträge der Vorernteschätzung meist 10 - 20 % über den amtlich ermittelten Erträgen liegen, da ertragsmindernde Faktoren wie Feldränder oder Vorgewende nicht berücksichtigt werden.

Kartoffelanbau in Bayern im Erntejahr 2022

Abbildung 1: Entwicklung der Kartoffelanbaufläche in Bayern seit 2017Zoombild vorhanden

Abbildung 1: Entwicklung der Kartoffelanbaufläche in Bayern seit 2017

Die Kartoffelanbaufläche Bayerns sank gegenüber dem Vorjahr um 4%. Laut InVeKoS-Daten wurden rund 39.980 ha Kartoffeln angebaut. Nach Abzug der Flächen für Stärke- und Pflanzkartoffeln sowie Kleinerzeugung stehen für die Nutzung als Speise- und Veredelungskartoffeln knapp 28.000 ha zur Verfügung (Abbildung 1).

Ergebnisse

Tabelle 1 zeigt einen Gesamtüberblick über die Ergebnisse der Vorernteschätzung 2022.
Tabelle 1: Gesamtüberblick über die Ergebnisse im Erntejahr 2022
ErnteerträgeEinheitAlle Proben
Verwertung
Speise
Verwertung
Veredelung
Anzahl Proben694623
Rohertragdt/ha349358330
Mängel%3,783,664,02
Marktfähige Waredt/ha336345318
Stärkegehalt
%15,2814,0417,77
Sortierung*
< 30 mm%4,944,765,30
30 – 40 mm%18,8419,5517,41
40 – 50 mm%35,3137,3731,19
50 – 60 mm%30,2829,0032,84
60 – 70 mm%8,888,0710,50
> 70 mm%1,751,262,73

Qualitätsschätzung

Abbildung 2: Übersicht über die QualitätsmängelZoombild vorhanden

Abbildung 2: Übersicht über die Qualitätsmängel

Bereits ab April war das Jahr geprägt von wenig Niederschlägen. Hinzu kamen deutlich mehr Hitzetage als in den Vorjahren, die dazu führten, dass die Kartoffelpflanzen das Wachstum einstellten und nur eine Notversorgung aufrecht hielten. Besonders stark beeinträchtigt waren die fränkischen Regierungsbezirke sowie die Oberpfalz. Südbayern konnte im Verhältnis zu Nordbayern deutlich mehr Niederschläge verzeichnen. Im Vergleich zu den Vorjahren waren auch hier die Niederschläge wesentlich geringer. Im Erntejahr verzeichnen Kartoffelbestände, die früh gelegt wurden deutlich bessere Erträge als spät gelegte Bestände, da sie noch von der anfänglichen Bodenfeuchtigkeit profitieren konnten. Insgesamt sind in der diesjährigen Ernte weniger Qualitätsmängel als im Vorjahr zu verzeichnen. Durch die starke Trockenheit kam es häufiger zum Aufreißen der Dämme, was im Verhältnis zu vermehrtem Ergrünen der Kartoffeln führte. Auch missgestaltete Kartoffeln sind aufgrund des Wassermangels öfter anzutreffen. Bewässerungsmaßnahmen erhöhten in der Regel den Ertrag, sind aber mit hohem Energiekostenaufwand verbunden und konnten mit zunehmenden Hitzetagen den Feuchtigkeitsmangel nicht mehr kompensieren.
Die vorhandenen Mängel wirken sich entscheidend auf die Menge der marktfähigen Ware, die Preisbildung und letztlich die Erlöse aus. Bezogen auf die Masse wurden Gesamtmängel (Abb.2) in Höhe von 3,8% über alle Proben (Speisekartoffeln: 3,7 %; Veredelungskartoffeln: 4,0 %) bonitiert. Damit verzeichnen die Ernteerträge die geringsten Mängel seit 10 Jahren. Die am häufigsten bonitierten Mängel waren Drahtwurm (1,02 %), Oberflächenschorf (0,86%), Rhizoctonia-Befall (0,62%), Missgestaltung (0,55%) und Ergrünung (0,47%). Wesentlich beeinflusst wurden die festgestellten Mängel durch die trockenen Bodenverhältnisse. Zum Zeitpunkt der Ermittlung war der Anteil der Fäulnis mit 0,05% sehr gering, allerdings kann durch die Hitze und nachfolgende Feuchtigkeit dieser Anteil (trockenfaule Knolle) noch steigen.

Ertrag und Stärkegehalt

Abbildung 3: Rohertrag, Marktertrag und Stärkegehalt im JahresvergleichZoombild vorhanden

Abbildung 3: Rohertrag, Marktertrag und Stärkegehalt im Jahresvergleich

Der ermittelte Rohertrag (Abbildung 3) über alle Proben liegt bei 349 dt/ha. Speisekartoffeln erreichen im Mittel 358 dt/ha, Veredelungskartoffeln 330 dt/ha. Für Speisekartoffeln wurde ein durchschnittlicher Stärkegehalt von 14 % festgestellt und für Veredelungskartoffeln 18 %; über alle Proben liegt der Stärkegehalt mit 15 % über dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre.
Aus dem Rohertrag und den Mängeln kann der vermarktungsfähige Ertrag geschätzt werden. Dieser liegt im Durchschnitt aller Proben bei 336 dt/ha, für Speisekartoffeln bei 345 dt/ha und für Veredelungskartoffeln bei 318 dt/ha. Insgesamt ist eine unterdurchschnittliche Ernte zu erwarten. Die Erträge der Vorernteschätzung verzeichnen den geringsten Wert in den letzten 10 Jahren. Bei der Betrachtung der regionalen Ergebnisse zeigen sich erhebliche Unterschiede. Die besten Ergebnisse werden in Niederbayern und Oberbayern erzielt und es kann ein deutliches niederschlagsbedingtes Süd-Nord-Gefälle festgestellt werden.

Größensortierung

Neben den vorhandenen Mängeln ist die Größensortierung für die Vermarktung entscheidend. Zu große und zu kleine Kaliber führen häufig zu Preisabschlägen. Die Ergebnisse über alle Proben der Vorernteschätzung 2022 weisen eine deutliche Verschiebung in der Größensortierung aus, die vor allem in den größeren Kalibern von den Ergebnissen der letzten 10 Jahre abweicht (Abbildung 4). Die Mengen der kleineren Kaliber < 30 mm (4,94 %), 30-40 mm (18,84 %) und 40-50 mm (35,31 %) liegen über dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre, die Mengen der größeren Kaliber 50-60 mm (30,28 %), 60-70 mm (8,88 %) und > 70 mm (1,75 %) liegen unter dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Somit gibt sich insgesamt eine Größensortierung mit 75 % des Ertrags im Bereich 40-70 mm. Bemerkenswert ist, dass die Untergrößen (< 30 mm) und kleinen Größen (30-40mm) einen Anteil von knapp 25 % ausmachen.

Abschätzung der verfügbaren Menge

Abbildung 4: Marktfähige Ware nach Kaliber im JahresvergleichZoombild vorhanden

Abbildung 4: Marktfähige Ware nach Kaliber im Jahresvergleich

Ausgehend von der Anbaufläche in Bayern und der ermittelten vermarktbaren Ware ergibt sich eine zu erwartende Erntemenge von etwa 0,9 Mio. t. Damit liegt die Gesamtmenge unter dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre.

Schlussfolgerungen

Ausgehend vom Marktertrag und der Anbaufläche steht nach derzeitigen Schätzungen eine im Vergleich zum Mehrjahresschnitt unterdurchschnittliche Erntemenge an Speise- und Veredelungskartoffeln von rund 0,9 Mio t zur Verfügung. Die Ertragsmenge ist von großen regionalen Unterschieden geprägt, die besten Ernteergebnisse werden in Niederbayern erzielt. Die Größensortierung der Knollen kehrt die langjährige Verteilung um. Im Erntejahr sind knapp 60 % der Kartoffel den kleineren Kalibern zuzuordnen und gut 40 % den größeren Kalibern. Die vorgefundenen Mängel sind erfreulich gering. Die Ernte wird durch die vorherrschende Trockenheit weiter beeinträchtigt. Schwierige Rodebedingungen können die Erntemenge noch reduzieren. Sowohl der niedrige Kartoffelpreise als auch die hohen Erzeugungskosten in den Bereichen Energie, Düngung und Bewässerung gefährden langfristig den Kartoffelanbau in Bayern.
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Die Qualitätsvorernteschätzung wird im Rahmen des Teilprojekts 9.1 der „Produktions- und Qualitätsoffensive“ von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und dem Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern e.V. (LKP) durchgeführt. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten finanziert

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte

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Fax: 08161 8640-1332
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