Qualitätsvorernteschätzung für Speise- und Veredelungskartoffeln 2021

Kartoffelernte

Zusammenfassung

Die Ergebnisse der Qualitätsvorernteschätzung lassen je nach Region einen guten bis durchschnittlichen Ernteertrag bei Speise- und Qualitätskartoffeln erwarten. Die Qualität und Ertragsmenge wird durch Gesamtmängel in Höhe von 12,1 % und schlechte Rodebedingungen beeinträchtigt. Für die Ernte 2021 können etwas über 1,3 Mio. t Speise- und Veredelungskartoffeln erwartet werden. Hinsichtlich der Größensortierung zeigen sich die größten Mengen im Bereich der größeren Kaliber. Aufgrund der festgestellten Mängel ist ein sorgfältiges Sortieren und ein gutes Lagermanagement erforderlich, um eine gute Lagerfähigkeit der Knollen sicher zu stellen.

Ziel

Im Bundesvergleich ist Bayern die zweitgrößte Anbauregion für Kartoffel. In den bayerischen Hauptanbaugebieten spielt die Kartoffel eine große Rolle für die Wertschöpfung in der Landwirtschaft und das Bestehen der Betriebe. Gute Kenntnisse über die aktuelle Marktsituation sind die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermarktung der Kartoffeln. Wesentliche Einflussfaktoren auf den Kartoffelmarkt sind die verfügbaren Mengen (Anbaufläche, Ertrag) und die zu erwartende Qualität. Die Vorernteschätzung soll einen Teil dieser Informationen zeitnah zur Ernte bereitstellen und für Erzeuger, Vermarkter und Verarbeiter eine neutrale und unabhängige Hilfe bei der Preisfindung sein.

Datenerhebung

Die Schätzung basiert auf der Beprobung von 70 Kartoffelschlägen, davon 45 mit Speisekartoffeln und 25 mit Veredelungskartoffeln, aus 31 Landkreisen. Probenahme und Bonitur fanden im August 2021 durch Mitarbeiter des LKP und der Erzeugerringe statt. Die Kartoffelknollen jeder Probe wurden gewogen, auf eventuell vorhandene Mängel bonitiert und die Größensortierung nach Kalibern festgestellt. Bei der Einordnung der Ergebnisse ist zu beachten, dass die Erträge der Vorernteschätzung meist 10 - 20°% über den amtlich ermittelten Erträgen liegen, da ertragsmindernde Faktoren wie Feldränder oder Vorgewende sowie maschinelle Schäden nicht zum Tragen kommen.

Kartoffelanbau in Bayern im Erntejahr 2021

Abbildung 1: Entwicklung der Kartoffelanbaufläche in Bayern seit 2016Zoombild vorhanden

Abbildung 1: Entwicklung der Kartoffelanbaufläche in Bayern seit 2016

Die Kartoffelanbaufläche Bayerns sank gegenüber dem Vorjahr. Laut InVeKoS-Daten wurden rund 41.500 ha Kartoffeln angebaut. Nach Abzug der Flächen für Stärke- und Pflanzkartoffeln sowie Kleinerzeugung stehen für die Nutzung als Speise- und Veredelungskartoffel knapp 25.800 ha zur Verfügung.

Ergebnisse

Tabelle 1 zeigt einen Gesamtüberblick über die Ergebnisse der Vorernteschätzung 2021.
Tabelle 1: Gesamtüberblick über die Ergebnisse im Erntejahr 2021
EinheitAlle Proben
Verwertung
Speise
Verwertung
Veredelung
Anzahl Proben704525
Rohertragdt/ha496529435
Mängel%12,18,917,9
Marktfähige Waredt/ha442487361
Stärkegehalt
%12,611,814,0
Sortierung*
< 30 mm%1,261,171,43
30 – 40 mm%8,728,808,58
40 – 50 mm%26,4727,3224,94
50 – 60 mm%38,8637,9740,47
60 – 70 mm%18,5018,8117,94
> 70 mm%6,185,936,65

Qualitätsschätzung

Abbildung 2: Übersicht über die QualitätsmängelZoombild vorhanden

Abbildung 2: Übersicht über die Qualitätsmängel

Im Gegensatz zu den Vorjahren waren das Frühjahr sowie der Sommer heuer von reichlich Niederschlägen und deutlich geringeren Temperaturen geprägt. Während man sich in den fränkischen Regionen über ausreichend Niederschläge freute, verzeichnete Südbayern deutlich kalte und zu nasse Vegetationsbedingungen. Entsprechend war das Legen der Pflanzkartoffeln bereits durch feuchte und kalte Witterungsverhältnisse erschwert und führte im Vergleich zu den Vorjahren zu einem langsameren und ungleichmäßigeren Auflauf der Bestände. Die in der Regel verschlechterten Wachstumsbedingungen machten die Bestände anfälliger gegen Krankheiten, insbesondere gegen Krautfäule. Hier konnten aus Witterungsgründen die notwendigen Bekämpfungsmaßnahmen oftmals weder im konventionellen noch im ökologischen Landbau termingerecht gesetzt werden. Insbesondere auf schwereren, kalten und Moos- Böden ergaben sich Ertrags- und Qualitätsprobleme. Vor allem Nassfäule ist ein Problem, das die Kartoffelwirtschaft noch beschäftigen dürfte, ebenfalls häufig waren Wachstumsrisse, hauptsächlich auf etwas leichteren Standorten. Diese Faktoren sind folglich auch bei den Erträgen und vornehmlich den Qualitäten zu beobachten.
Die Qualitätsvorernteschätzung der LfL liefert erste Hinweise zu Ertrag und Qualität der Kartoffelernte. Sie wird seit 13 Jahren durchgeführt und hat sich mittlerweile zu einer gefragten Informationsquelle entwickelt.
Die Verwertbarkeit der Kartoffeln hängt wesentlich von der Qualität der Ernteerträge ab. Die vorhandenen Mängel haben entscheidenden Einfluss auf die Menge der marktfähigen Ware, die Preisbildung und letztlich die Erlöse. Bezogen auf die Masse wurden Gesamtmängel von 12,1 % über alle Proben (Speisekartoffeln: 8,9 %; Veredelungskartoffeln: 17,9 %) bonitiert, womit diese deutlich über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre liegen. Die am häufigsten bonitierten Mängel waren Hohlherzigkeit (3,68%), Missgestaltung (3,57%), Ergrünung (1,95%), Fäulnis (0,89%), Drahtwurm (0,59 %), Oberflächenschorf (0,54%), Rhizoctonia-Befall (0,50%) sowie Frassschäden (0,32%). Wesentlich verursacht wurden die festgestellten Mängel durch die nasse Witterung. Für die Lagerfähigkeit der Kartoffel sind diese Mängel besonders nachteilig und können bei der Lagerung erhebliche Probleme bereiten.

Ertrag und Stärkegehalt

Abbildung 3: Rohertrag, Marktertrag und Stärkegehalt im JahresvergleichZoombild vorhanden

Abbildung 3: Rohertrag, Marktertrag und Stärkegehalt im Jahresvergleich

Der ermittelte Rohertrag über alle Proben liegt bei 496 dt/ha. Speisekartoffeln erreichen durchschnittlich 529 dt/ha, Veredelungskartoffeln 435 dt/ha. Für Speisekartoffeln wurde ein durchschnittlicher Stärkegehalt von 11,8 % festgestellt, für Veredelungskartoffeln 14,0 %; über alle Proben liegt der Stärkegehalt mit 12,6 % unter dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre.
Aus dem Rohertrag und den Mängeln kann der vermarktungsfähige Ertrag geschätzt werden. Dieser liegt im Durchschnitt aller Proben bei 442 dt/ha, für Speisekartoffeln bei 487 dt/ha und Veredelungskartoffeln bei 361 dt/ha. Insgesamt liegen die Erträge der Vorernteschätzung damit deutlich unter dem Vorjahr aber im Durchschnitt der Vorjahre. Bei der Betrachtung der regionalen Ergebnisse zeigen sich wieder Unterschiede. Die besten Ergebnisse werden in Niederbayern erzielt. Im Gegensatz zu den Vorjahren ist kein deutliches Süd-Nord-Gefälle fest zu stellen.

Größensortierung

Neben den vorhandenen Mängeln ist die Größensortierung für die Vermarktung entscheidend. Zu große und zu kleine Kaliber führen häufig zu Preisabschlägen. Die Ergebnisse über alle Proben der Vorernteschätzung 2021 zeigen eine insgesamt ausgewogene Größensortierung, die in einigen Kalibern aber von den Ergebnissen der letzten 3 Jahren abweicht (Abbildung 4). Die Mengen der kleineren Kaliber < 30 mm (1,4 %), 30-40 mm (8,58 %) und 40-50 mm (24,94 %) liegen unter dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre, die Mengen der größeren Kaliber 50-60 mm (40,47 %), 60-70 mm (17,94 %) und > 70 mm (6,65 %) liegen über dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Somit gibt sich insgesamt eine Größensortierung mit 83 % des Ertrags im Bereich 40-70 mm, während die Untergrößen (< 30 mm) und kleinen Größen (30-40 mm) sowie die Übergrößen (> 70 mm) einen Anteil von 17 % erreichen.

Abschätzung der verfügbaren Menge

Abbildung 4: Marktfähige Ware nach Kaliber im JahresvergleichZoombild vorhanden

Abbildung 4: Marktfähige Ware nach Kaliber im Jahresvergleich

Ausgehend von der Anbaufläche in Bayern und der ermittelten vermarktbaren Ware ergibt sich eine zu erwartende Erntemenge von etwa 1,3 Mio. t. Damit liegt die Gesamtmenge über dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre.

Schlussfolgerungen

Ausgehend vom Marktertrag und der Anbaufläche steht nach derzeitigen Schätzungen eine im Vergleich zum Mehrjahresschnitt gut durchschnittliche Erntemenge an Speise- und Veredelungskartoffeln von rund 1,3 Mio t zur Verfügung. Es gibt auch heuer wieder regionale Unterschiede, die besten Ernteergebnisse werden in Niederbayern erzielt. Die Größensortierung der Knollen entspricht der langjährigen Verteilung, jedoch ist im Bereich der großen Kaliber mit deutlich mehr Ware als im mehrjährigen Durchschnitt zu rechnen. Die vorgefundenen Mängel werden eine insgesamt schwierige Situation bei der Lagerung nach sich ziehen. Unbedingt zu beachten ist ein sehr sorgfältiges Sortieren vor der Einlagerung und ein aufmerksames Lagermanagement, nur so können größere Verluste vermieden werden. Bodenabhängig zeigen sich teilweise erhebliche Ernteprobleme durch Bodenbrocken und enorm feuchte Rodebedingungen mit entsprechend bindigen Erdanhaftungen mit der Folge eines vermehrten Arbeitsaufwandes bei der Ernte und zusätzlicher Beschädigungen. Schlechte Rodebedingungen können die Erntemenge noch erheblich reduzieren.
Die Qualitätsvorernteschätzung wird im Rahmen des Teilprojekts 9.1 der „Produktions- und Qualitätsoffensive“ von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und dem Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern e.V. (LKP) durchgeführt. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten finanziert.

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte

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