Qualitätsvorernteschätzung für Speise- und Veredelungskartoffeln 2020

Kartoffelernte

Zusammenfassung

Die Ergebnisse der Qualitätsvorernteschätzung lassen einen überdurchschnittlichen Ernteertrag bei Speise- und Qualitätskartoffeln erwarten. Die Qualität wird durch Gesamtmängel in Höhe von 4,4 % beeinträchtigt. Für die Ernte 2020 können etwas über 1,5 Mio. t Speise- und Veredelungskartoffeln erwartet werden. Hinsichtlich der Größensortierung ist mit mehr Menge im Bereich mittlerer Kaliber zu rechnen, große Kaliber stehen in überdurchschnittlicher Menge zur Verfügung. Bisher ist insgesamt von einer guten Lagerfähigkeit der Knollen auszugehen.

Ziel

Im Bundesvergleich ist Bayern die zweitgrößte Anbauregion für Kartoffel. In den bayerischen Hauptanbaugebieten spielt die Kartoffel eine große Rolle für die Wertschöpfung in der Landwirtschaft und das Bestehen der Betriebe. Gute Kenntnisse über die aktuelle Marktsituation sind die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermarktung der Kartoffeln. Wesentliche Einflussfaktoren auf den Kartoffelmarkt sind die verfügbaren Mengen (Anbaufläche, Ertrag) und die zu erwartende Qualität. Die Vorernteschätzung soll einen Teil dieser Informationen zeitnah zur Ernte bereitstellen und für Erzeuger, Vermarkter und Verarbeiter eine neutrale und unabhängige Hilfe bei der Preisfindung sein.

Datenerhebung

Im August 2020 zogen Mitarbeiter des Landeskuratoriums für pflanzliche Erzeugung in Bayern (LKP) e.V. und der Erzeugerringe 71 Proben (45 Speise-, 26 Veredelungskartoffeln) in 33 Landkreisen mit dem größten Kartoffelanbau. Die Kartoffelknollen von 2 x 4 m² je Probe wurden gewogen und gegebenenfalls vorhandene Mängel von Experten beurteilt. Zudem wurden die Größenkaliber der Knollen ermittelt. Neben der Ertrags- und Qualitätsbonitur wurden auch weitere Daten zur Düngung, Bodenart und Bewässerung erhoben.
Wichtiger Hinweis: Die Erträge der Vorernteschätzung liegen meist 10 bis 20 % über der tatsächlichen Erntemenge, da ertragsmindernde Faktoren wie z.B. Feldränder oder Vorgewende nicht berücksichtigt werden.

Kartoffelanbau in Bayern im Erntejahr 2020

Abbildung 1: Entwicklung der Kartoffelanbaufläche in Bayern seit 2010Zoombild vorhanden

Abbildung 1: Entwicklung der Kartoffelanbaufläche in Bayern seit 2010

Im Jahr 2020 werden in Bayern ca. 42.800 ha Kartoffeln angebaut, dies entspricht einem Anstieg von 4 % gegenüber dem Vorjahr (Quelle: InVeKoS; Abbildung 1). Nach Abzug der Flächen für Stärke- und Pflanzkartoffeln stehen für die Nutzung als Speise- und Veredelungskartoffel rund 27.000 ha zur Verfügung.

Ergebnisse

Einen Gesamtüberblick über die Ergebnisse der Vorernteschätzung 2020 gibt Tabelle 1.
Tabelle 1: Gesamtüberblick über die Ergebnisse im Erntejahr 2020
 EinheitAlle Proben
Verwertung
Speise
Verwertung
Veredelung
ohne Bewässerungmit Bewässerung
Anzahl Proben 7145266110
Rohertragdt/ha547553538541582
Mängel%4,44,05,24,04,0
Marktfähige Waredt/ha524532510518557
Stärkegehalt
%13,813,414,71413
Sortierung*      
< 30 mm%1,591,431,681,601,53
30 – 40 mm%9,308,689,499,1510,27
40 – 50 mm%25,9528,0221,7025,0631,40
50 – 60 mm%33,6734,4833,9134,1330,85
60 – 70 mm%23,1421,7026,3423,3122,13
> 70 mm%6,355,687,896,763,8

Qualitätsschätzung

Abbildung 2: Übersicht über die QualitätsmängelZoombild vorhanden

Abbildung 2: Übersicht über die Qualitätsmängel

Die Verwertbarkeit der Kartoffeln hängt wesentlich von der Qualität der Ernteerträge ab. Entscheidenden Einfluss auf die Menge der marktfähigen Ware, die Preisbildung und letztlich die Erlöse haben die auftretenden Mängel. Bezogen auf die Masse wurden Gesamtmängel von 4,4 % über alle Proben (Speisekartoffeln: 4,0 %; Veredelungskartoffeln: 5,2 %) bonitiert, womit diese unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre liegen. Die bedeutendsten Mängel waren Fehlbildungen (1,21%), Ergrünung (1,04%), Oberflächenschorf (0,85%,) mechanische Beschädigungen und Frassschäden (0,32%), sowie Rhizoctonia-Befall (0,3%) und Drahtwurm (0,2 %). Diese Mängel wurden am häufigsten festgestellt, Fäulnis und Hohlherzigkeit haben bislang kaum eine Rolle gespielt.

Ertrag und Stärkegehalt

Abbildung 3: Rohertrag, Marktertrag und Stärkegehalt im JahresvergleichZoombild vorhanden

Abbildung 3: Rohertrag, Marktertrag und Stärkegehalt im Jahresvergleich

Der ermittelte Rohertrag über alle Proben liegt bei 547 dt/ha. Speisekartoffeln erreichen durchschnittlich 553 dt/ha, Veredelungskartoffeln 538 dt/ha. Für Speisekartoffeln wurde ein durchschnittlicher Stärkegehalt von 13,4 % festgestellt, bei den Veredelungskartoffeln 14,7 %; über alle Proben liegt der Stärkegehalt mit 13,8 % leicht über dem Durchschnitt der letzten Jahre. Aus dem Rohertrag und den Mängeln kann der vermarktungsfähige Ertrag geschätzt werden. Dieser liegt im Durchschnitt aller Proben bei 524 dt/ha, für Speisekartoffeln bei 532 dt/ha und Veredelungskartoffeln bei 510 dt/ha. Insgesamt liegen die Erträge der Vorernteschätzung damit rund 23 % über dem Vorjahr und auch über dem Durchschnitt der Vorjahre. Bei der Betrachtung der regionalen Ergebnisse zeigt sich wieder ein deutliches Süd-Nord-Gefälle. In Nordbayern wurden rund 40% geringere Markterträge als in Südbayern geschätzt.

Größensortierung

Abbildung 4: Marktfähige Ware nach Kaliber im JahresvergleichZoombild vorhanden

Abbildung 4: Marktfähige Ware nach Kaliber im Jahresvergleich

Die Größensortierung hat entscheidenden Einfluss auf die Vermarktung von Kartoffeln. Bei Speisekartoffeln finden im Lebensmitteleinzelhandel zu große und zu kleine Kaliber nur schwer Käufer, so dass sie der Handel nicht oder nur unter Preisabschlägen abnimmt. Bei Veredelungskartoffeln erschweren zu kleine Kaliber die Verarbeitung. Insgesamt lassen sich also zu kleine und zu große Kaliber nur schwer vermarkten.
Nach den Ergebnissen der Vorernteschätzung 2020 liegt der größte Massenanteil in den mittleren Größen (Abb.4). Allerdings fällt der Anteil der großen Kaliber (> 60 mm) deutlich größer aus, als in den Vorjahren. Während der Anteil der kleinen Knollen (< 40 mm) auf Vorjahresniveau liegt.
Über alle Proben hinweg betrachtet fallen rund 83 % der Kartoffeln in den Größenbereich 40-70 mm. Die Untergrößen (< 30 mm) und Übergrößen (> 70 mm) haben einen relativ geringen Anteil von 8 %. Insgesamt wurden etwas weniger kleine und deutlich mehr größere Knollen als im Vorjahr bonitiert.

Abschätzung der verfügbaren Menge

Ausgehend von der Anbaufläche in Bayern und der ermittelten vermarktbaren Ware ergibt sich eine zu erwartende Erntemenge von etwa 1,5 Mio. t. Damit liegt die Gesamtmenge deutlich über dem Niveau des Vorjahres.

Bewässerung

Abbildung 5: Einfluss der Bewässerung auf die GrößensortierungZoombild vorhanden

Abbildung 5: Einfluss der Bewässerung auf die Größensortierung

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass die Bewässerung zunehmend von Bedeutung für den Ertrag und Qualität von Kartoffeln wird. Daher wird seit 2015 im Rahmen der Vorernteschätzung auch die Bewässerung der Flächen erhoben.
Rund 14 % der beprobten Flächen wurden bewässert. Die vorliegenden Untersuchungen zeigen für die Ernte 2020 einen um 7,5 % höheren Marktertrag der bewässerten Flächen. Über alle Flächen betrachtet führt die Bewässerung zu einer Stabilisierung des Ertragsniveaus. Abbildung 5 verdeutlicht, dass im Erntejahr vor allem die 30-50 mm großen Knollen von der Bewässerung profitierten. Die Bewässerung wirkte sich nur geringfügig auf den Stärkegehalt aus.

Schlussfolgerungen

Insgesamt lässt die Vorernteschätzung eine überdurchschnittliche Ernte mit deutlich mehr großkalibriger Ware erwarten. Die vorgefundenen Mängel liegen unter dem 10-Jahresdurchschnitt. Insgesamt zeigt sich die Ware der Beprobung in guter Qualität. Die tatsächliche Erntemenge und Qualität hängen stark von der weiteren Witterung und den Rodebedingungen ab, ebenso wie die Lagerfähigkeit. Auch weiterer Schädlingsbefall (z.B. Drahtwurm) oder Auftreten weiterer Mängel (z.B. Fäulnis, Hohlherzigkeit) kann je nach Witterung noch an Bedeutung gewinnen.
Die Qualitätsvorernteschätzung wird im Rahmen des Teilprojekts 9.1 der „Produktions- und Qualitätsoffensive“ von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und dem Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung in Bayern e.V. (LKP) durchgeführt. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten finanziert.

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
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