Auswertung der Buchführungsergebnisse 2019/2020
Die Liquiditätslage der bayerischen Haupterwerbsbetriebe

Foto Euro-Münzen und -scheine

Die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit ist eine grundlegende Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Das Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur an der LfL untersucht dazu jährlich die Liquiditätslage der bayerischen Haupterwerbsbetriebe.

Die überwiegende Mehrheit der bayerischen Haupterwerbsbetriebe konnte in den vergangenen drei Wirtschaftsjahren durchwegs akzeptable Gewinne erwirtschaften. In etwa einem Sechstel der untersuchten Betriebe war die finanzielle Situation stark angespannt.

Diese Auswertung basiert auf den Buchführungsdaten von insgesamt 3.551 Test- und Auflagenbetrieben, für die jeweils Jahresabschlüsse aus den Wirtschaftsjahren 2017/2018, 2018/2019 und 2019/2020 vorlagen. Die genaue Beschreibung der Datenauswertung kann dem "Detaillierten Bericht zur diesjährigen Auswertung der Liquiditätslage" am Schluss des Beitrags entnommen werden.

Höherer Anteil an Betrieben mit leicht gefährdetem Liquiditätsstatus

Tortendiagramm: Anteil der Betriebe an den LiquiditätsstufenZoombild vorhanden

Abbildung 1: Proz. Anteile an den Liquiditätsstufen

Das Ergebnis aus der Verteilung der gleitenden Dreijahresdurchschnitte für den Zeitraum 2017/2018 bis 2019/2020 auf die vier Liquiditätsstufen zeigt Abbildung 1. Der Anteil der Betriebe in der Liquiditätsstufe 1 (keine Gefährdung) ging mit 21 Prozent um 3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr zurück. Rund 37 Prozent der Betriebe waren der Liquiditätsstufe 2 (geringe Gefährdung) zuzuordnen. Ihr Anteil nahm um vier Prozentpunkte zu. Auf die Gruppe mit mittlerer Gefährdung (Liquiditätsstufe 3) entfielen 26 Prozent der untersuchten Betriebe. Hier ging der Anteil um zwei Prozentpunkte zurück. In Liquiditätsstufe 4 (hohe Gefährdung) hat sich der relative Anteil der Betriebe mit 16 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreswert nur wenig verändert.

Nicht oder leicht gefährdete Betriebe: Solide Gewinne und hohe Einlagen aus nicht landwirtschaftlichen Einkünften

In den nicht gefährdeten Betrieben mit Liquiditätsstufe 1 lagen die Einlagen im dreijährigen Mittel durchschnittlich um 11.557 Euro über dem Mittelwert aller Betriebe. Die Einlagen aus dem Privatvermögen übertrafen im dreijährigen Mittel die Entnahmen zur Bildung von Privatvermögen um 16.675 Euro. Die jährlichen Einlagen aus außerlandwirtschaftlichen Erwerbseinkünften betrugen durchschnittlich 11.363 Euro und lagen damit um 2.530 Euro über dem Mittelwert aller ausgewerteten Betriebe.

Die ordentliche Eigenkapitalbildung belief sich im Durchschnitt aller untersuchten Betriebe auf 6.592 Euro. Allerdings zeigt der Gruppenvergleich, dass im dreijährigen Mittel nur Betriebe der Liquiditätsstufen 1 und 2 einen positiven Wert aufwiesen. Auf dieser Grundlage ist für inhabergeführte Familienunternehmen, der üblichen Betriebsform in Bayern, für die ersten beiden Stufen eine stabile Weiterentwicklung zu erwarten. Die ordentliche Eigenkapitalbildung wurde in der Betriebsgruppe mit Liquiditätsstufe 1 neben den hohen Einlagen vor allem auch durch das deutlich höhere ordentliche Ergebnis geprägt. Es betrug im dreijährigen Mittel 81.839 Euro je Unternehmen. In Betrieben mit geringer Gefährdung (Liquiditätsstufe 2) lag das ordentliche Ergebnis auf einem durchschnittlichen Niveau von 58.507 Euro und trug auch hier entscheidend zur guten Liquiditätslage bei.
In beiden Gruppen war der Einsatz von Fremdkapital deutlich unter dem Mittelwert aller Betriebe. Auch der durchschnittliche Kapitaldienst fiel im Vergleich zum Gesamtgruppenwert niedriger aus.
Die Betriebe in den Gruppen mit Liquiditätsstufen 1 und 2 waren hauptsächlich auf Milchviehhaltung spezialisiert. Bei guten bzw. mittleren Standortqualitäten erzielten sie bei den wichtigen Feldkulturen Weizen, Zuckerrüben und Raps weitgehend durchschnittliche Erträge. Die Leistungen in der Tierproduktion waren überdurchschnittlich.

Betriebe mit aktuell angespannter Liquiditätslage

In rund einem Viertel (26 Prozent) der untersuchten Betriebe war die Liquiditätslage angespannt (Liquiditätsstufe 3). In dieser Gruppe befanden sich neben Betrieben mit Milchviehhaltung überdurchschnittlich viele Rindermastbetriebe. Auch die Schweinemast spielte in dieser Gruppe eine bedeutende Rolle.

Das ordentliche Ergebnis dieser Betriebe lag um 12.361 Euro unterhalb des Durchschnitts aller Betriebe. Die Eigenkapitalbildung war negativ, der Einsatz von Fremdkapital vergleichsweise hoch. Das und der Einsatz von deutlich mehr langfristigen Darlehen als in den Stufen 1 und 2 weist darauf hin, dass viele Unternehmer in neuerer Zeit bedeutend investiert haben. Der hohe Einsatz kurzfristiger Darlehen und die hohen Kapitaldienste unterstreichen die angespannte finanzielle Lage der Betriebe in Stufe 3.

Die Landwirte aus dieser Betriebsgruppe müssen aufkommende Zahlungsmittelengpässe frühzeitig erkennen und durch geeignete Maßnahmen einer drohenden Zahlungsunfähigkeit entgegenwirken. Aufgrund ihrer gegenwärtig stark angespannten finanziellen Lage können diese Betriebe keine größeren Investitionen finanzieren.
Bei dem anhaltend niedrigen Zinsniveau für Darlehen wird jedoch voraussichtlich die Mehrzahl der Betriebe aus dieser Gruppe in den kommenden Jahren ihre aktuell schwierige Liquiditätslage überwinden können.

Rund einem Sechstel der Betriebe stark gefährdet

In 16 Prozent der untersuchten Betriebe lag eine sehr hohe Gefährdung (Liquiditätsstufe 4) vor. Diese Betriebe bewirtschafteten auf überwiegend guten Standorten eine landwirtschaftliche Nutzfläche von durchschnittlich 55 Hektar. Tendenziell waren die Tierbestände in dieser Gruppe eher kleiner und der Anteil der Betriebe mit Schweinehaltung war gering.

Die ordentliche Eigenkapitalbildung dieser Betriebe lag weit im negativen Bereich. Der Einsatz von Fremdkapital war hoch und bestand zu einem hohen Anteil aus kurzfristigen Verbindlichkeiten. Den geleisteten Kapitaldienst konnten sie aus der laufenden Bewirtschaftung allein nicht aufbringen. Es ist davon auszugehen, dass ein Teil der notwendigen Finanzmittel aus Umfinanzierungen, Anlagenverkäufen bzw. den Einlagen aus dem Privatvermögen und anderweitigen Einkünften stammten.
Die Auswertung zeigt, dass die außerlandwirtschaftlichen Erwerbseinkünfte in dieser Betriebsgruppe niedriger waren als im Gesamtdurchschnitt.
Eine Reihe von Landwirten aus dieser Gruppe wird den eigenen Betrieb noch für eine befristete Zeit weiterführen und die Bewirtschaftung anschließend entweder stark vereinfachen oder aufgeben.
Detaillierter Bericht zur diesjährigen Auswertung der Liquiditätslage der bayerischen Haupterwerbsbetriebe

Ansprechpartnerin
Dr. Eva-Maria Schmidtlein
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur
Menzinger Straße 54, 80638 München
Tel.: 08161 8640-1159
E-Mail: Agraroekonomie@LfL.bayern.de

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