Auswertung der Buchführungsergebnisse 2018/2019
Die Liquiditätslage landwirtschaftlicher Betriebe in Bayern

Die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit ist eine grundlegende Voraussetzung für eine wirtschaftlich erfolgreiche Betriebsführung. Die vergangenen drei Wirtschaftsjahre brachten für die meisten Haupterwerbsbetriebe akzeptable Gewinne. Dadurch hat sich auch ihre Liquiditätslage verbessert; dennoch blieb in etwa einem Sechstel der untersuchten Betriebe die finanzielle Situation stark angespannt. Nachfolgend werden die aktuellen Ergebnisse aus einer langjährigen Untersuchung am Institut für Betriebswirtschaft und Agrarstruktur zur Liquiditätslage der Haupterwerbsbetriebe erläutert.

Diese Auswertung basiert auf den Buchführungsdaten der Test- und Auflagenbetriebe, für die jeweils Jahresabschlüsse aus den Wirtschaftsjahren 2016/2017, 2017/2018 und 2018/2019 vorlagen. Es konnten die Buchführungsabschlüsse aus 3 673 Betrieben zu Dreijahresdurchschnittswerten verrechnet werden. Die Betriebe wurden in vier Gruppen mit unterschiedlichem Liquiditätsstatus unterteilt. Die Daten aus den Buchführungsabschlüssen wurden zu betriebswirtschaftlichen Kennwerten verrechnet und zu Gruppenmittelwerten zusammengefasst.

Höherer Anteil der Betriebe mit mittlerer Gefährdung, der Anteil der Betriebe mit hoher Gefährdung ging zurück

Höherer Anteil der Betriebe mit mittlerer Gefährdung, der Anteil der Betriebe mit hoher Gefährdung ging in der aktuellen Auswertung zurück.Zoombild vorhanden

Abbildung 1: Entwicklung der Liquiditätslage in bayerischen Haupterwerbsbetrieben

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der relativen Verteilung der Betriebe auf vier Gruppen mit unterschiedlichem Liquiditätsstatus. Der Anteil der Betriebe in der Liquiditätsstufe 1 (keine Gefährdung) blieb mit 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Knapp ein Drittel der Betriebe war der Liquiditätsstufe 2 (geringe Gefährdung) zuzuordnen. Ihr Anteil nahm um drei Prozentpunkte ab. Auf die Gruppe mit mittlerer Gefährdung (Liquiditätsstufe 3) entfielen 28 Prozent der untersuchten Betriebe. Hier nahm der Anteil um sieben Prozentpunkte zu. In Liquiditätsstufe 4 (hohe Gefährdung) ging der relative Anteil der Betriebe um vier Prozentpunkte auf 15 Prozent zurück. Diese Veränderungen gegenüber der vorjährigen Analyse können im Wesentlichen auf die durchwegs zufriedenstellenden Wirtschaftsergebnisse der Haupterwerbsbetriebe in den drei letzten Wirtschaftsjahren zurückgeführt werden.

Gute Wirtschaftsergebnisse und hohe Einlagen aus nicht landwirtschaftlichen Einkünften verbessern die Liquidität

Die ordentliche Eigenkapitalbildung lag im Durchschnitt aller untersuchten Betriebe bei 9 872 Euro. Der Gruppenvergleich zeigt, dass im dreijährigen Mittel nur die Betriebe der Liquiditätsstufen 1 und 2 mit 43 973 bzw. 14 768 Euro eine positive Eigenkapitalbildung aufwiesen. Auf dieser Grundlage ist für inhabergeführte Familienbetriebe aus den ersten beiden Stufen eine stabile Weiterentwicklung zu erwarten. Die ordentliche Eigenkapitalbildung wurde in der Betriebsgruppe mit Liquiditätsstufe 1 neben den hohen Einlagen vor allem auch durch das deutlich höhere ordentliche Ergebnis geprägt. Es lag im dreijährigen Mittel bei 83 478 Euro. In Betrieben mit geringer Gefährdung (Liquiditätsstufe 2) betrug das ordentliche Ergebnis 57 966 Euro und war auch in dieser Gruppe für die gute Liquiditätslage bestimmend.

In beiden Gruppen setzten die Betriebe deutlich weniger Fremdkapital ein als der Durchschnitt aller Betriebe. Auch der mittlere Kapitaldienst fiel in den Betriebsgruppen mit Liquiditätsstufe 1 und 2 sichtlich niedriger aus als im Durchschnitt aller untersuchten Betriebe. Die Betriebe in den Gruppen mit Liquiditätsstufe 1 und 2 waren hauptsächlich auf Milchviehhaltung spezialisiert. Trotz mittlerer Standortqualitäten erzielten sie bei den wichtigen Feldkulturen Weizen, Zuckerrüben und Raps gute Erträge. Die Leistungen in der Tierproduktion waren überdurchschnittlich.

Mehr Betriebe mit angespannter Liquiditätslage

In rund 28 Prozent der untersuchten Betriebe war die Liquiditätslage angespannt (Liquiditätsstufe 3). In dieser Gruppe befanden sich neben Betrieben mit Milchviehhaltung überdurchschnittlich viele schweinehaltende Unternehmen. Auch die Rindermast spielte hier eine bedeutende Rolle. Im Mittel bewirtschafteten diese Betriebe 70,8 Hektar auf durchwegs besseren Standorten.

Im dreijährigen Mittel erwirtschafteten die Betriebe mit Liquiditätsstufe 3 ein ordentliches Ergebnis von 42 024 Euro. Sie wichen damit um 11 762 Euro vom mittleren Wirtschaftsergebnis aller Betriebe nach unten ab. Die Eigenkapitalbildung lag im Mittel bei minus 5 434 Euro (dreijähriger Mittelwert).

In dieser Betriebsgruppe war der Einsatz von Fremdkapital mit durchschnittlich 246 689 Euro vergleichsweise hoch. Außerdem wurden deutlich mehr langfristige Darlehen als in den Betrieben der Stufen 1 und 2 eingesetzt. Dies weist darauf hin, dass viele Unternehmer in neuerer Zeit bedeutende betriebliche Investitionen realisiert haben. Der vergleichsweise hohe Einsatz kurzfristiger Darlehen (durchschnittlich 93 994 Euro) unterstreicht die stark angespannte finanzielle Lage der Betriebe mit Liquiditätsstufe 3. Außerdem erbrachten die in dieser Gruppe befindlichen Betriebe vergleichsweise hohe Kapitaldienste (im Mittel 37 980 Euro). Ihr jährlicher Zinsaufwand betrug durchschnittlich 5 506 Euro und lag um 1 684 Euro höher als im Mittel aller untersuchten Betriebe.

Größere Investitionen sind nicht möglich

Für die Unternehmen aus der Gruppe mit Liquiditätsstufe 3 ergibt sich die eigentliche Gefährdungslage zum einen aus ihrer jeweils aktuellen betrieblichen Faktorausstattung und zum anderen aus möglicherweise ungünstigen Preisentwicklungen bei ihren Haupterzeugnissen und den damit einhergehenden Umsatzrückgängen. Aufgrund der gegenwärtig stark angespannten finanziellen Lage können diese Betriebe zurzeit keine größeren Investitionen finanzieren. Müssen sie kurzfristig unvermeidliche Großreparaturen durchführen, so stellt deren Finanzierung die Betriebsleiter vor große Herausforderungen. Falls kostengünstige Anpassungsmöglichkeiten fehlen, kann es dazu kommen, dass die Weiterbewirtschaftung des Betriebes zur Disposition steht oder einzelne Betriebszweige aufgegeben werden müssen.
Bei dem anhaltend niedrigen Zinsniveau für Darlehen wird voraussichtlich die Mehrzahl der Betriebe aus dieser Gruppe in den kommenden Jahren ihre aktuell schwierige Liquiditätslage überwinden können. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Betriebsleiter die Möglichkeiten zur Kosteneinsparung konsequent nutzen und die produktions- und verfahrenstechnischen Abläufe verbessern. Außerdem sind Verbesserungen beim Wirtschaftsergebnis möglich, wenn die Betriebsleiter stärker auf kostengünstige Fremdkapitaleinsätze achten und beispielsweise teure, kurzfristige Kredite umfinanzieren. Aus vielfältigen betrieblichen Anpassungen können sich spürbare Umsatz- bzw. Gewinnsteigerungen ergeben. Letztere werden allerdings entscheidend von den Preisentwicklungen bei den jeweiligen Haupterzeugnissen mitbestimmt.

Stark angespannte Liquiditätslage in rund einem Sechstel der untersuchten Betriebe

Die diesjährige Auswertung ergab, dass in 15 Prozent der untersuchten Betriebe eine sehr hohe Gefährdung (Liquiditätsstufe 4) vorlag. Diese Betriebe bewirtschafteten auf überwiegend guten Standorten eine landwirtschaftliche Nutzfläche von durchschnittlich 56,3 Hektar. Tendenziell waren die Tierbestände in dieser Gruppe eher klein. Der Anteil der Betriebe mit Rindermast war vergleichsweise hoch. Der Besatz an familieneigenen Arbeitskräften war leicht unter dem Durchschnitt aller Betriebe. Die Erträge bei Weizen, Zuckerrüben und Raps, wie auch die Leistungen in der tierischen Erzeugung lagen im Vergleich zu allen Betrieben unter dem Durchschnitt.

Die Unternehmen aus der Gruppe mit Liquiditätsstufe 4 erwirtschafteten im dreijährigen Mittel ein ordentliches Ergebnis von 20 744 Euro. Ihre Eigenkapitalbildung lag mit einem Durchschnittswert von minus 24 892 Euro weit im negativen Bereich. Die Betriebsleiter setzten durchschnittlich 242 048 Euro Fremdkapital ein. Dieses bestand zu relativ hohen Anteilen aus kurzfristigen Verbindlichkeiten (im Mittel 94 039 Euro). Die Fremdkapitaldeckung betrug im Durchschnitt 91 Prozent.

Laufende Bewirtschaftung reicht nicht für den Kapitaldienst aus

Trotz ihres unterdurchschnittlichen Betriebsergebnisses und ihrer finanziell stark angespannten Lage erbrachten die Landwirtsfamilien aus dieser Betriebsgruppe vergleichsweise hohe Kapitaldienste (durchschnittlich 35 645 Euro, davon 5 574 Euro Zinsen). Den geleisteten Kapitaldienst konnten sie jedoch nicht allein aus der laufenden Bewirtschaftung aufbringen. Es ist davon auszugehen, dass die notwendigen Finanzmittel unter anderem aus Umfinanzierungen, Anlagenverkäufen bzw. den Einlagen aus dem Privatvermögen und anderweitigen Einkünften stammten. Ein Zeichen für die hohe Gefährdung dieser Betriebe waren die Kapitaldienstreserven mit Beträgen im sichtlich negativen Bereich.
Ein beträchtlicher Teil der Landwirte aus dieser Gruppe setzt bereits auf Erwerbsalternativen, die nicht in der landwirtschaftlichen Buchführung erfasst werden. Belege dafür sind der niedrigere Bestand an betrieblichen Arbeitskräften und vergleichsweise hohe Entnahmen für außerlandwirtschaftliche Einkünfte.
Eine Reihe von Landwirten aus dieser Gruppe wird den eigenen landwirtschaftlichen Betrieb noch eine befristete Zeit weiterführen und danach die Bewirtschaftung entweder stark vereinfachen oder aufgeben. In der Mehrzahl der Betriebe aus dieser Gruppe wird dann jedoch der Erlös aus dem Verkauf des Besatzvermögens für die Schuldentilgung allein nicht ausreichen. Die Rückführung des Kapitaldienstes auf ein tragbares Maß wird meist zu spürbaren Vermögenseinbußen der Landwirtsfamilien führen.
Die ausführliche Fassung des Beitrages wurde im Magazin „Schule und Beratung“ (SuB), der offiziellen Informationsschrift des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, veröffentlicht.

Liquiditätslage der bayerischen Haupterwerbsbetriebe (SuB Ausgabe 9-10/2020, Seiten 17-21, externe PDF-Datei) Externer Link

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